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Obliquus (Kasus)
Erhalten blieb nur die Obliquus-Form mur. Auf dieser Form beruht die neufranzösische Form (le) mur, verwendet für den Subjekts- und Objektsfall. Einige Sprachen …
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Bedeutung und Verwendung des Obliquus
Obliquus (lateinisch casus obliquus, „schiefer Kasus“ oder „schiefer Fall“; Plural casūs obliquī) bezeichnet in der griechischen Grammatiktradition der Stoa jeden Kasus, der üblicherweise nicht in der Subjektposition eines Satzes vorkommt. Das Gegenstück heißt Rektus oder casus rectus.
Nach dieser Auffassung sind im Deutschen Genitiv, Dativ und Akkusativ oblique Kasus. Der Nominativ gilt dagegen als Rektus, weil er normalerweise das Subjekt kennzeichnet.
Manche Sprachen haben nur die beiden Fallformen Rektus und Obliquus; dies heißt Zweikasusflexion. Dazu zählen Kurdisch, Paschto, Hindi und die meisten niederdeutschen Dialekte. Im Hindi werden aus dem Obliquus mit Postpositionen weitere Fälle gebildet. Auch im Akkadischen, Cebuano und Romani wurde oder wird einer von mehreren Fällen als Obliquus bezeichnet.
Beispiel aus dem Französischen
Die heutigen romanischen Substantivformen haben keine Kasus mehr und setzen Formen fort, die auf den lateinischen Akkusativ, also eine Obliquus-Form, zurückgehen. Im Altfranzösischen gab es noch eine Zweikasusflexion:
- lateinisch mūrus, Nominativ Einzahl „Mauer“ → altfranzösisch murs, Rektus Einzahl
- lateinisch mūrum, Akkusativ Einzahl → altfranzösisch mur, Obliquus Einzahl
Diese Zweikasusflexion, die nur im Altfranzösischen und Altokzitanischen erhalten war, brach später zusammen. Übrig blieb mur. Daraus entstand die neufranzösische Form (le) mur, die sowohl für den Subjekts- als auch für den Objektsfall verwendet wird.
Oblique Kasus in der generativen Grammatik
In der Kasustheorie der generativen Grammatik wird anders unterschieden: Strukturelle Kasus werden aufgrund der grammatischen Funktion zugewiesen. Im Deutschen erhält das Subjekt den Nominativ, das direkte Objekt eines transitiven Verbs den Akkusativ.
Oblique oder inhärente Kasus werden dagegen nicht durch die grammatische Funktion bestimmt. Sie beruhen entweder auf lexikalischen Eigenheiten eines Wortes: Folgen verlangt immer den Dativ, verfolgen immer den Akkusativ. Oder sie richten sich nach einer semantischen Rolle, also der Bedeutung eines Satzteils. In Sprachen mit einem Instrumental-Fall kann dieser beispielsweise alle Satzteile markieren, die die Rolle „Instrument“ haben.