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Kubanischer Hip-Hop
Hip-Hop Musik erreichte Kuba durch Radio- und TV-Ausstrahlungen aus Miami. Während der 1980er drehte sich die kubanische Hip-Hop Kultur hauptsächlich um den …
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Entstehung und Bedeutung
Kubanischer Hip-Hop entstand durch Radio- und Fernsehsendungen aus Miami. In den 1980er Jahren bestand die kubanische Hip-Hop-Kultur vor allem aus Breakdance. In den 1990er Jahren veränderte sie sich: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und mit dem Beginn der kubanischen Sonderperiode nutzten junge Rapper die Musik zunehmend, um Enttäuschung und gesellschaftliche Erfahrungen auszudrücken.
Damit entwickelte sich Hip-Hop zu einer Kunstform, die den kubanischen Alltag aus persönlicher Sicht beschreibt und gesellschaftliche Mängel kritisiert. Seine Bedeutung liegt besonders in dieser sozialen und politischen Ausdrucksfunktion.
Vom US-Import zur kubanischen Ausdrucksform
Anfangs betrachteten sowohl die Regierung als auch Teile der Gesellschaft Hip-Hop mit Skepsis. Weil kubanische Rapper zunächst die aggressive Haltung und die Inhalte von US-Rappern übernahmen, galt die Musik als kultureller Eingriff der USA, der Gewalt und die Probleme amerikanischer Ghettos nach Kuba bringe.
Die Wahrnehmung änderte sich allmählich, als Rapper ihre eigene Lebenswirklichkeit behandelten und Elemente der traditionellen kubanischen Kultur verwendeten. Die im kubanischen Exil lebende US-Aktivistin Nehanda Abiodun unterstützte diese Entwicklung. Sie kritisierte die Nachahmung kommerzieller amerikanischer Rapmusik mit Darstellungen von Gangsterleben, Gewalt und Frauenfeindlichkeit. Gemeinsam mit dem Malcom X Grassroots Movement brachte sie alternative Hip-Hop-Künstler nach Kuba. Daraus gingen Black-August-Benefizkonzerte in New York und Havanna hervor.
Auch der Rockpromoter Rodolfo Renzoli und das aus einem Kulturzentrum in Osthavanna hervorgegangene Kollektiv Grupo Uno trugen dazu bei, Hip-Hop als eigenständigen Teil der kubanischen Kultur anzuerkennen. Mit Unterstützung der Asociación Hermanos Saíz (AHS), einer staatlichen Organisation für Nachwuchskünstler, gründeten sie 1995 im Havanna-Distrikt Alamar ein jährliches Hip-Hop-Festival. Alamar wird deshalb von vielen als Geburtsort des kubanischen Hip-Hop betrachtet.
Kritik zwischen Anerkennung und Kontrolle
Ariel Fernández von der AHS verglich kubanischen Hip-Hop mit der Nueva Trova der 1960er Jahre und bezeichnete ihn als eine „Revolution während der Revolution“. Nach seiner Darstellung kritisiert kubanischer Rap gesellschaftliche Mängel konstruktiv, bildet Jugendliche und schafft Freiräume für den Aufbau einer besseren Gesellschaft.
Diese Kritik bewegt sich im Rahmen von Fidel Castros Maxime „innerhalb der Revolution alles“: Kritische Debatten sind erlaubt, solange sie nicht als konterrevolutionär gelten. Weil Hip-Hop individuelle Alltagserfahrungen ausdrückt, liegt er häufig an der Grenze zwischen zulässiger Kritik und vermeintlicher Gegenrevolution. Rapper wurden deshalb wiederholt von der Polizei belästigt. Wie umstritten diese Einordnung war, zeigt ein Konzert, das die Polizei wegen angeblich subversiver Inhalte beenden wollte. Der Kulturminister griff ein und erklärte die Veranstaltung für wichtig für die Revolution.
Harry Belafonte soll Fidel Castro bei einem Essen die Hip-Hop-Kultur erklärt haben. Castro bezeichnete Hip-Hop daraufhin als „die Avantgarde der Revolution“ und wurde bei der Eröffnung eines Baseballspiels rappend neben der Gruppe Doble Filo gesehen. Ab 2000 veröffentlichten auch die offiziellen kubanischen Labels BIS und EGREM Hip-Hop, zunächst von Obsesión, Triangulo Oscuro und Sin Palabras. Weitere genannte Künstler sind La Fres-k, Telmary Díaz, Hoyo Colorao und das Reggaeton-Trio Bases Llenas.
Staatliche Förderung und Festivals
2002 gründete die kubanische Regierung die Agencia Cubana de Rap. Sie verfügte über ein eigenes Plattenlabel und ein Hip-Hop-Magazin und sollte die Kunstform auf der Insel unterstützen. Zusätzlich entstanden wöchentliche Radio- und Fernsehsendungen.
Mit offizieller Genehmigung und staatlichen Hilfsmitteln wurde das Rapfestival in Alamar zu einem jährlich im August stattfindenden Internationalen Hip-Hop Festival ausgebaut. Es zog internationale Künstler an, darunter Mos Def, Talib Kweli, The Roots, Common und Dead Prez aus den USA. Zum Programm gehörten neben Konzerten auch Workshops, Filmvorführungen und Gespräche, die mit Debatten über Kultur und Liedtexte verbunden waren.
Verbreitung und internationale Erfolge
Die Zahl der kubanischen Hip-Hop-Gruppen wurde auf knapp 500 geschätzt. Obwohl Hochschulen und Medien großes Interesse zeigten, wurden nur wenige Gruppen außerhalb Kubas bekannt.
Als erste international erfolgreiche Gruppe gelten die später in Frankreich ansässigen Orishas. 2002 erschien in den USA das von Pablo Herrera produzierte Album „Cuban Hip Hop Allstars“, das einige der damals besten kubanischen Gruppen versammelte. Clan 537 wurde über eine Veröffentlichung in Italien international bekannt und erlangte mit „Quien Tiro La Tiza“ Ruhm. Viele weitere Gruppen wichen auf das freie Internet aus, um ihre Musik als MP3 einem größeren Publikum zugänglich zu machen.