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Fidel Castro
Mit der Stationierung sowjetischer Kernwaffen auf Kuba im Jahr 1962 und der damit folgenden Kubakrise geriet Castro in den Fokus der Blockkonfrontation des …
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Bedeutung und politische Rolle
Fidel Alejandro Castro Ruz (* 13. August 1926 oder 1927 in Birán; † 25. November 2016 in Havanna) war ein kubanischer Revolutionär, kommunistischer Politiker und marxistischer Theoretiker. Als führende Kraft der Bewegung des 26. Juli trug er entscheidend zum Sturz des Diktators Fulgencio Batista Ende 1958 bei. Anschließend prägte er Kuba 49 Jahre lang als Regierungschef, Staatspräsident und Erster Sekretär der Kommunistischen Partei.
Seine Herrschaft wird sehr unterschiedlich bewertet. Anhänger verehrten ihn als Revolutionär, Befreier und Vertreter einer antiimperialistischen Politik. Als soziale Leistungen gelten besonders die Bekämpfung von Armut und Analphabetismus sowie der Aufbau einer unentgeltlichen schulischen Bildung und medizinischen Grundversorgung für die gesamte Bevölkerung. Kritiker sehen in ihm einen diktatorischen Herrscher, der ein Einparteiensystem errichtete, politische Gegner verfolgen ließ und für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich war.
Außenpolitisch verband Castro Kuba mit der Sowjetunion, unterstützte aber zugleich die Bewegung der Blockfreien Staaten, deren Vorsitzender er von 1979 bis 1983 und von 2006 bis 2008 war. Durch die Stationierung sowjetischer Kernwaffen auf Kuba und die Kubakrise von 1962 wurde er zu einer zentralen Figur des Kalten Krieges.
Vom Studenten zum Revolutionsführer
Castro stammte aus einer wohlhabenden Familie und studierte ab 1945 Jura an der Universität von Havanna. Dort engagierte er sich politisch, gründete einen Studentenausschuss gegen Rassendiskriminierung und trat 1947 der Orthodoxen Partei von Eduardo Chibás bei. 1950 erwarb er einen Doktorgrad in Zivilrecht und ein Lizenziat in Diplomatenrecht. Nachdem General Fulgencio Batista am 10. März 1952 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war und Wahlen absagen ließ, scheiterte Castros Klage wegen Verfassungsbruchs vor dem Obersten Gerichtshof.
Daraufhin bereitete Castro einen bewaffneten Aufstand vor. Am 26. Juli 1953 griffen seine Anhänger die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba und die Kaserne Carlos Manuel de Céspedes in Bayamo an. Von rund 160 Mitstreitern waren zunächst 120 für Moncada vorgesehen; nach dem Rückzug von fünf Studenten bestand Castros Gruppe noch aus 115 Personen. Der schlecht vorbereitete Angriff scheiterte. Acht Angreifer und 13 Soldaten starben, anschließend verübten Militär und Geheimpolizei blutige Racheaktionen.
Castro wurde festgenommen und am 16. Oktober 1953 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Verteidigungsrede endete mit dem später berühmten Satz: „Die Geschichte wird mich freisprechen!“ Nach einer Generalamnestie kam er am 15. Mai 1955 frei und gründete am 12. Juni die Bewegung des 26. Juli, die mit geheimen Zellen den bewaffneten Kampf organisierte.
Im mexikanischen Exil bereitete er gemeinsam mit Mitstreitern wie seinem Bruder Raúl Castro, Ernesto „Che“ Guevara und Camilo Cienfuegos den Guerillakrieg vor. Am 25. November 1956 brachen 82 Revolutionäre mit der Yacht Granma nach Kuba auf und landeten dort am 2. Dezember. Castro führte die Rebellenarmee in der Sierra Maestra. Nach mehr als zwei Jahren Guerillakrieg floh Batista am 1. Januar 1959. Am 16. Februar 1959 wurde Castro Ministerpräsident und damit auch formal Regierungschef.
Umbau Kubas und Kalter Krieg
Nach dem Revolutionssieg entfernte Castro schrittweise bürgerlich-liberale Vertreter aus wichtigen Ämtern und ersetzte sie durch prokommunistische Gefolgsleute. Raúl Castro und Che Guevara bauten gleichzeitig Beziehungen zu sozialistischen Staaten aus. Am 1. Mai 1960 erklärte Castro entgegen früheren Versprechen, keine freien Wahlen abhalten zu wollen. Kuba entwickelte sich zu einem marxistisch-leninistischen Einparteienstaat. Die in den 1970er Jahren geschaffenen Institutionen, darunter Parteitag, Verfassung und Nationalversammlung, orientierten sich am sowjetischen Modell.
Die Annäherung an die Sowjetunion verschärfte den Konflikt mit den Vereinigten Staaten, die ab 1960 ein Embargo gegen Kuba verhängten. Während der Kubakrise im Oktober 1962 forderte Castro Nikita Chruschtschow für den Fall einer US-Invasion vergeblich zu einem atomaren Erstschlag gegen die USA auf. Er war bereit, dabei auch die Zerstörung Kubas in Kauf zu nehmen. Dass Chruschtschow den Abzug der sowjetischen Raketen ohne seine Beteiligung vereinbarte, führte vorübergehend zu starken Spannungen. Später näherte Castro Kuba erneut eng an die UdSSR an und unterstützte 1968 die Niederschlagung des Prager Frühlings.
Seit Castros Amtsantritt gab es zahlreiche Anschlags- und Sturzpläne. Der frühere kubanische Geheimdienstchef Fabian Escalante nannte 638 geplante Attentate, während die CIA acht eigene Mordversuche zugab; tatsächlich gab es laut Artikel wahrscheinlich etwa 30 Versuche. Eingesetzt oder erwogen wurden unter anderem Gift, Schusswaffen und Bomben. Auch die US-Wirtschaftssanktionen sollten ausdrücklich einen politischen Umsturz fördern.
Internationalismus und Wirtschaftskrise
Unter Castro betrieb Kuba Internationalismus, also die politische, militärische und zivile Unterstützung anderer Staaten und revolutionärer Bewegungen. Kuba unterstützte unter anderem die Sandinisten in Nicaragua und entsandte Truppen nach Zentralafrika. In Angola halfen kubanische Soldaten ab 1975 der marxistisch-leninistischen MPLA unter Agostinho Neto gegen FNLA und UNITA. Auch in Äthiopien engagierte sich Kuba militärisch.
Ein weiterer Bestandteil war die Entsendung von Ärzten, Lehrern, Technikern und Konstrukteuren, vor allem in Länder der sogenannten Dritten Welt. Mehr als 50.000 kubanische Ärzte wurden in über 60 Länder geschickt. Diese Einsätze leisteten humanitäre Hilfe und brachten Kuba nach einer Schätzung des Sozialwissenschaftlers Omar Everleny Pérez Villanueva jährlich etwa sechs Milliarden US-Dollar ein. In Venezuela arbeiteten kubanische Ärzte beispielsweise im Projekt „Barrio Adentro“ in armen Stadtvierteln; als Gegenleistung lieferte Venezuela Öl deutlich unter dem Weltmarktpreis.
Castro lehnte die Reformpolitik Michail Gorbatschows, Glasnost und Perestroika, ab. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ab 1989 verlor Kuba wichtige Handelspartner des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe und geriet in eine schwere Krise. Diese „Sonderperiode in Friedenszeiten“ zwang Castro zu begrenzten Wirtschaftsreformen: Der Besitz von US-Dollar, selbständige Tätigkeiten und freie Bauernmärkte wurden erlaubt, außerdem öffnete sich das Land stärker für Tourismus und ausländische Investitionen. Die Versorgung verbesserte sich später etwas, doch das politische System blieb im Wesentlichen unverändert.
Herrschaft, Menschenrechte und Rückzug
Castro vereinigte lange mehrere Spitzenämter: Er war Staatspräsident, Vorsitzender des Staats- und des Ministerrats, Oberkommandierender der Streitkräfte sowie bis 2011 Erster Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas.
Seine Regierung ging hart gegen Gegner vor. In den ersten Jahren wurden zahlreiche politische Gegner inhaftiert und hingerichtet; US-amerikanische Studien sprechen von einigen Tausend. Gefangene wurden teilweise ohne Gerichtsverfahren unter äußerst schlechten Bedingungen festgehalten. 1965 entstanden Arbeitslager für Menschen, denen Verstöße gegen die „revolutionäre Moral“ vorgeworfen wurden. Später wurden dort auch Homosexuelle, HIV-Infizierte und andere als „soziale Abweichler“ bezeichnete Personen eingesperrt. Amnesty International führte 2006 insgesamt 71 gewaltlose politische Gefangene und 30 zum Tode Verurteilte auf, wobei seit 2003 keine Hinrichtung mehr vollstreckt worden war. Castro rechtfertigte die Inhaftierungen als Reaktion auf „konterrevolutionäre Verbrechen“. Unterstützer betrachteten die Maßnahmen als Schutz gegen reale Umsturzversuche; Gegner sahen darin eine Rechtfertigung politischer Unterdrückung.
Um Castro bestand eine starke öffentliche Verehrung. Er war in den Medien ständig präsent, Schüler lernten seine Thesen und Bezeichnungen wie „Máximo Líder“ oder „Comandante en Jefe“ waren verbreitet. Gleichzeitig lehnte er nach offizieller Darstellung Statuen sowie nach ihm benannte Straßen und Plätze ab. Auch sein Lebensstil war umstritten: Das Magazin Forbes schätzte das Vermögen seiner Familie 2006 auf rund 900 Millionen Dollar, räumte aber ein, dabei auch Staatsunternehmen berücksichtigt zu haben. Die kubanische Regierung bestritt die Angaben. Ehemalige Mitarbeiter und Familienangehörige berichteten später von einem vergleichsweise luxuriösen Leben.
Nach einer schweren Darmblutung und einer Operation übergab Castro am 1. August 2006 seine Funktionen vorläufig an Raúl Castro. Am 19. Februar 2008 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur als Staatspräsident und Oberkommandierender; das Parlament bestimmte Raúl am 24. Februar zum Nachfolger. Am 19. April 2011 übergab Fidel auch offiziell die Führung der Kommunistischen Partei. Wie groß sein Einfluss danach blieb, ist umstritten. Er schrieb weiterhin politische Kolumnen, empfing ausländische Gäste und trat zeitweise öffentlich auf. Die seit Ende 2014 beginnende Annäherung zwischen Kuba und den USA betrachtete er kritisch.
Tod und historisches Vermächtnis
Fidel Castro starb nach offiziellen Angaben am Abend des 25. November 2016 im Alter von 90 Jahren in Havanna. Auf seinen Wunsch wurde der Leichnam am folgenden Tag eingeäschert. Die Asche wurde in einer mehrtägigen Reise nach Santiago de Cuba gebracht; die Strecke verlief in umgekehrter Richtung zur „Karawane der Freiheit“, mit der die Revolutionäre 1959 nach Havanna gezogen waren. Nach neuntägiger Staatstrauer wurde die Urne am 4. Dezember auf dem Cementerio Santa Ifigenia in Santiago de Cuba beigesetzt.
Die Reaktionen spiegelten die gegensätzliche Bewertung seiner Herrschaft wider. Der künftige US-Präsident Donald Trump bezeichnete ihn als brutalen Diktator und verwies auf Unterdrückung, Armut und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte. Politiker wie der indische Premierminister Narendra Modi, Boliviens Präsident Evo Morales und Südafrikas Präsident Jacob Zuma würdigten ihn dagegen als Freund, Gegner des Imperialismus und Unterstützer des Kampfes gegen die Apartheid.
Castros Vermächtnis bleibt daher widersprüchlich: Er führte eine erfolgreiche Revolution an, verbesserte Bildung und medizinische Grundversorgung und machte Kuba zu einem international einflussreichen sozialistischen Staat. Zugleich beseitigte seine Regierung den politischen Wettbewerb, verfolgte Gegner und verletzte grundlegende Menschenrechte. Diese Verbindung aus sozialen Leistungen, außenpolitischem Einfluss und autoritärer Herrschaft bestimmt bis heute die historische Beurteilung seiner Person.