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1980er
Die 1980er-Jahre umfassen die Jahre von 1980 bis 1989. Sie waren geprägt von neoliberalen Reformen (Reaganomics, Thatcherismus) im Westen, dem Höhepunkt der …
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Überblick
Die 1980er-Jahre umfassen 1980 bis 1989. Sie waren im Westen von neoliberalen Reformen wie Reaganomics und Thatcherismus geprägt. Zugleich erreichten Umweltbewegungen ihren Höhepunkt; in Europa entstanden grüne Parteien, darunter ab 1980 Die Grünen in Deutschland sowie vergleichbare Parteien 1982 in der Schweiz und 1983 in Österreich.
Für den Ostblock war die schrittweise politische Öffnung ab 1985 wichtig. Michail Gorbatschow wurde am 11. März 1985 Generalsekretär der KPdSU und leitete Wandlungsprozesse ein, die als Glasnost (1986) und Perestroika (1987) bekannt wurden. 1989 öffnete Ungarn den Eisernen Vorhang; am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.
Das Jahrzehnt brachte außerdem die Compact Disc, erschwinglichere Heimcomputer und damit wichtige Grundlagen der späteren Digitalisierung. Subkulturen wie Punk, neue Musikrichtungen und elektronische Musik wurden populär. Fernsehen und Kino produzierten zunehmend actionlastige Unterhaltung.
Politische und gesellschaftliche Ereignisse
In Europa wurde 1980 in Danzig die unabhängige polnische Gewerkschaft Solidarność gegründet. Helmut Kohl wurde am 1. Oktober 1982 deutscher Bundeskanzler und blieb dies bis nach der Bundestagswahl 1998. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl am 6. März 1983 zogen Die Grünen mit 5,6 Prozent der Stimmen und 27 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl begann am 26. April 1986. Radioaktivität kontaminierte Gebiete in der Ukraine, Belarus und Russland; radioaktiver Fallout verbreitete sich über weite Teile Europas. Weitere prägende Ereignisse waren die Waldheim-Affäre in Österreich, die Geiselnahme von Gladbeck, das Flugtagunglück von Ramstein und der Lockerbie-Anschlag 1988.
Weltweit standen Konflikte und Krisen im Mittelpunkt: Der Erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak begann 1980 und dauerte bis 1988; 1982 fand der Falklandkrieg statt. AIDS wurde 1981 als eigenständige Krankheit erkannt. Die Hungerkatastrophe in Äthiopien löste 1984 internationale Hilfsbereitschaft aus. Am 3./4. Juni 1989 ließ die Führung der VR China unter Deng Xiaoping Studentenproteste in Peking blutig beenden.
Die Raumfahrt war von Fortschritt und Rückschlag geprägt: Mit STS-1 begann am 12. April 1981 das Shuttle-Programm der NASA. STS-51-L endete 1986 nach 73 Sekunden in der Challenger-Katastrophe.
Technik und Medienwandel
Der Übergang vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter wird häufig auf das Ende der 1970er oder die frühen 1980er datiert. 1981 wurde der IBM Personal Computer vorgestellt. Heimcomputer machten Informationstechnologie bekannter: 1982 erschien der Commodore 64 (C64), 1984 der Apple Macintosh. Computerspiele und Spielkonsolen verbreiteten sich; der Atari 2600 war seit 1980 in Europa erhältlich. Gegen Ende des Jahrzehnts kamen Handheld-Konsolen wie der Game Boy auf den Markt, verbreiteten sich aber erst in den 1990ern.
1980 wurde der Compact-Disc-Standard festgelegt, 1982 ging der erste CD-Spieler in Serie. Bis Ende der Dekade setzte sich die CD durch und verdrängte die Schallplatte zunehmend, aber nicht vollständig. VHS-Videorekorder wurden durch sinkende Preise breiteren Schichten zugänglich; Laserdisc und Bildplatte konnten die Videokassette nicht verdrängen. Zum Alltag gehörten zunehmend Anrufbeantworter, Mikrowellenherde, Autotelefone, Telefax und Kopierer. Videotex war als Minitel in Frankreich verbreitet, BTX blieb im deutschsprachigen Raum eine Nische.
Auch Autos veränderten sich durch computerberechnete Karosserien für bessere Aerodynamik und geringeren Kraftstoffverbrauch. ABS, ein Bremssystem gegen das Blockieren der Räder, und Airbags wurden erstmals in großen Stückzahlen eingebaut; Katalysatoren wurden wegen Umweltverschmutzung und saurem Regen obligatorisch. Walkman und Radiorekorder gehörten zur Jugendkultur.
Fernsehen, Film und Literatur
In Deutschland begann das Privatfernsehen: Am 1. Januar 1984 startete PKS, aus der ein Jahr später Sat.1 hervorging. RTL Television sendete ab 2. Januar 1984 als RTL plus, Tele 5 ab 11. Januar 1988 und ProSieben ab 1. Januar 1989. In der Schweiz begann Lokalfernsehen mit TELE Wil. Teletext beziehungsweise Videotext wurde eingeführt. Daily Gameshows wie Ruck Zuck, Das Glücksrad und Der Preis ist heiß wurden ein neues Format. MTV, seit 1981 in den USA auf Sendung, war ab 1987 in Europa zu sehen. Die Lindenstraße lief ab dem 8. Dezember 1985 im Ersten.
Im Film gehörten Reihen und Mehrteiler wie Rambo, Indiana Jones, Zurück in die Zukunft, Star Wars Episode V und VI sowie Karate Kid zum Angebot; genannt werden außerdem unter anderem E.T. – Der Außerirdische, Blade Runner, Akira, Dirty Dancing und Stirb langsam. Der Holocaust-Dokumentationsfilm Shoah zeigte die Geschehnisse besonders eindringlich, polarisierte aber vor allem in Polen. Als Oscar-Gewinner für den besten Film werden für 1980 bis 1989 unter anderem Kramer gegen Kramer, Gandhi, Amadeus, Platoon und Rain Man genannt.
In der Literatur erschien 1985 Patrick Süskinds Das Parfum; es wurde über 20 Millionen Mal verkauft und in 48 Sprachen übersetzt. Science-Fiction und Fantasy erlebten einen Boom, Cyberpunk entstand als Teil der Science-Fiction. Salman Rushdie veröffentlichte 1988 Die satanischen Verse, worauf Demonstrationen und ein Mordaufruf in Form einer Fatwa Chomeinis folgten. Sozialkritische Jugendliteratur war in Deutschland erfolgreich, etwa Gudrun Pausewangs Die letzten Kinder von Schewenborn (1983) und Die Wolke (1987) sowie Morton Rhues Die Welle (1981).
Musik, Jugendkultur und Mode
Wichtige Musikrichtungen waren New Wave, Neue Deutsche Welle, Heavy Metal, Hip-Hop, House und Sophisti-Pop. Elektronische Popmusik prägte das Jahrzehnt stark. Synthiepop entstand seit 1978 und überschnitt sich teilweise mit New Wave; Depeche Mode, Eurythmics und später Pet Shop Boys werden als Beispiele genannt. Die Neue Deutsche Welle wurde Anfang der 1980er von der Musikindustrie aufgegriffen; Nena und Trio wurden auch international bekannt. Parallel erlebte Austropop einen Boom.
Hip-Hop verbreitete sich in den USA; Falco machte mit Der Kommissar 1981/1982 Hip-Hop-Elemente in der europäischen Popkultur bekannt. Breakdance bezeichnete im Mediengebrauch akrobatisch geprägte Tanzstile der Hip-Hop-Kultur. House-Musik und später Acid House wurden populär; der Smiley wurde zum Symbol dieser Bewegung. Heavy Metal teilte sich in zahlreiche Stilrichtungen wie Thrash Metal, Speed Metal, Death Metal, Black Metal und Grindcore. Hardcore Punk verbreitete sich, während sich im Post-Punk- und Dark-Wave-Umfeld Gothic Rock und Gothic-Kultur entwickelten.
Michael Jacksons Alben Thriller (1982, bisher meistverkauftes Album, Stand 2010) und Bad (1987) steigerten seine Bekanntheit. Als Reaktion auf die Hungersnot in Äthiopien entstanden 1985 die Benefizprojekte Band Aid, USA for Africa und Live Aid. Aerobic, bei dem Gymnastik mit Tanzelementen zu Popmusik verbunden wird, war um 1982 weltweit populär.
Mode und Erscheinungsbild waren unter anderem von Neonfarben, Schulterpolstern, Leggings, Stulpen, Ballon- und Karottenhosen, Sweatshirts, Sneakern, auffälligem Modeschmuck sowie Dauerwelle und Vokuhila geprägt. Im Design ersetzten oft matte Braun- oder Schwarztöne Silber und Chromzierrat; an Autos wurden mattschwarze, teils aus Kunststoff bestehende Elemente verwendet.
Sport und Alltagskultur
Die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau wurden wegen des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan von den USA, 64 weiteren Staaten und auch der Bundesrepublik Deutschland boykottiert. Die Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles boykottierten alle Ostblockstaaten außer Rumänien. Weitere große Ereignisse waren die Fußball-Weltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko sowie die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul.
Ben Johnson lief 1988 in Seoul die 100 Meter als erster in unter 9,8 Sekunden; sein Weltrekord wurde später wegen Dopings aberkannt. Nur zwei der acht Finalisten wurden nicht positiv getestet. Florence Griffith-Joyner stellte im selben Jahr Weltrekorde über 100 und 200 Meter auf, die laut Artikel bis heute unübertroffen sind. Katharina Witt gewann zweimal die Olympischen Spiele und wurde vierfache Weltmeisterin. Mike Tyson wurde mit 20,5 Jahren jüngster Schwergewichtschampion der Geschichte.
Im Alltag verbreiteten sich Pen-&-Paper-Rollenspiele: Dungeons & Dragons erschien 1983 auf Deutsch, Midgard war 1981 entstanden und Das Schwarze Auge kam 1984 auf den Markt. BMX-Fahrräder lösten bei Jugendlichen das Bonanzarad ab. Beliebt waren außerdem Rollschuhe, der Zauberwürfel, LCD-Spiele und zeitweise ein Hula-Hoop-Revival. Fast-Food-Restaurants wie McDonald’s und Burger King nahmen in Westdeutschland stark zu.