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Hip-Hop

Hip-Hop ist eine Musikrichtung mit den Wurzeln in der afroamerikanischen Funk- und Soul-Musik, die aus den Ghettos der USA stammt.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Elemente
  2. 2. Die Entstehung in der Bronx
  3. 3. Kommerzialisierung und neue Stilrichtungen
  4. 4. East Coast, West Coast und der Aufstieg des Marktes
  5. 5. Entwicklungen seit 2000
  6. 6. Gegenwart, internationale Verbreitung und Filme

Grundlagen und Elemente

Hip-Hop ist eine Musikrichtung mit Wurzeln in der afroamerikanischen Funk- und Soul-Musik. Sie entstand in den Ghettos der USA. Typische musikalische Merkmale sind Rap, also Sprechgesang, das Samplen und das Scratchen. Beim Sampling werden vorhandene Klänge oder Musikabschnitte verwendet; Scratchen bezeichnet das rhythmische Hin- und Herbewegen einer Schallplatte, um charakteristische Geräusche und Effekte zu erzeugen.

Hip-Hop bezeichnet außerdem eine Subkultur. Zu ihren fünf zentralen Elementen gehören Rap, genauer MCing, DJing, Breakdance, Graffiti-Writing und Beatboxing. MCs („Masters of Ceremony“) übernehmen den Sprechgesang, während DJs Musik auswählen, mischen und mit speziellen Techniken verändern. Breakdance ist der akrobatische Tanz der Kultur, Graffiti-Writing die Gestaltung von Schriftzügen und Bildern im öffentlichen Raum. Beatboxing erzeugt Rhythmen und Geräusche mit dem Mund.

Der Begriff „Hip-Hop“ wird je nach Quelle Lovebug Starski oder DJ Hollywood zugeschrieben. Beide gelten als Pioniere dieser Form.

Die Entstehung in der Bronx

Als Geburtsstunde des Hip-Hop gilt der 11. August 1973. An diesem Tag veranstaltete Kool DJ Herc im Freizeitraum eines Sozialbaus an der Sedgwick Avenue in der Bronx, New York, eine Block Party. Er war der erste DJ, der nur den Beat eines Funk-, Soul- oder Discostücks wiederholte, anstatt das ganze Stück abzuspielen. Außerdem montierte er zwei verschiedene Beats; diese Technik wird Beatjuggling genannt. Auf seinen Partys traten die ersten B-Boys auf, die den neuen Breakdance ausprobierten.

Afrika Bambaataa wurde von Kool DJ Herc inspiriert und veranstaltete 1976 seine erste Party. Seine Begleit-Crew aus Breakern nannte er Zulu-Kings und Zulu-Queens; daraus entstand später die Zulu Nation. Ab 1976 entwickelte Grandmaster Flash weitere DJ-Techniken: Cutting ist das zum Beat parallele Einspielen von Liedern, Backspinning das schnelle Rückwärtsdrehen einer Platte zur Wiederholung eines bestimmten Abschnitts und Phasing das Erzeugen eines Phaseneffekts durch die geringfügige Verringerung der Geschwindigkeit eines von zwei Plattentellern. Grand Wizard Theodore, den Grandmaster Flash entdeckte, erfand kurz darauf das Scratching.

Die Entstehung des Rappens lässt sich weniger genau datieren. Die Last Poets veröffentlichten 1970 ihr erstes Album und gelten vielerorts wegen ihres politischen Sprechgesangs als Väter des Rap. Das eigentliche Rappen entwickelten jedoch auch die MCs, die Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre die DJs begleiteten. Sie stellten den DJ und sich selbst vor („shouting out“), forderten das Publikum zum Tanzen auf, machten Witze, grüßten Besucher und feuerten die Menge an. Ihr Vorbild waren die Deejays jamaikanischer Sound Systems.

Die frühe Hip-Hop-Zeit ist kaum durch Tondokumente überliefert, weil zunächst die DJs und ihre Plattensammlungen im Mittelpunkt standen. Erst später entstanden Mixtapes. Die erste Hip-Hop-Schallplatte erschien 1979: die Single King Tim III (Personality Jock) der Discoband Fatback Band. Eine Woche später veröffentlichte die Sugarhill Gang Rapper’s Delight. Von diesem Stück wurden weltweit über 8 Millionen Exemplare verkauft. Kurtis Blow wurde mit Christmas Rappin‘ und seinen folgenden Alben bis zur Mitte der 1980er Jahre zum ersten großen Rapstar.

Kommerzialisierung und neue Stilrichtungen

Nach Rapper’s Delight erkannte die Musikindustrie, dass sich mit Hip-Hop Geld verdienen ließ. Damals war allerdings noch überwiegend die Bezeichnung „Rap“ gebräuchlich. Blondies Rapture wurde in den Vereinigten Staaten ein Nr.-1-Hit und gilt als einer der ersten Rap-Songs eines weißen Künstlers oder einer weißen Künstlerin. Im Herbst 1981 veröffentlichte der Österreicher Falco Der Kommissar. Das Lied erreichte in fast ganz Europa Platz 1; eine englischsprachige Coverversion von After the Fire kam 1983 in den US-Charts auf Platz 4. Falco wird wegen seiner Kunstsprache und seines Sprechgesangs gelegentlich als „der erste weiße Rapper“ bezeichnet.

Das Label Sugarhill nahm Grandmaster Flash unter Vertrag. Sein Album The Adventures Of The Wheels Of Steel erschien 1980 und gilt als erstes Hip-Hop-Album überhaupt. Es stellte vor allem den DJ und seine Techniken in den Mittelpunkt und machte diese erstmals außerhalb der New Yorker Blockpartys hörbar.

Mit The Message und White Lines (Don't Do It), die 1982 und 1983 erschienen, erweiterte Grandmaster Flash and the Furious Five die thematischen Möglichkeiten des Hip-Hop. Neben Party- und Nonsens-Texten traten sozialkritische Inhalte und eine Darstellung des Lebens im Ghetto. Die Gruppe zerstritt sich danach; ihre Nachfolgeprojekte blieben unbedeutend.

Afrika Bambaataas Planet Rock erschien ebenfalls 1982. Der internationale Hit paraphrasierte Kraftwerks Trans Europa Express und war das erste mit Synthesizern produzierte Hip-Hop-Stück. Looking For The Perfect Beat führte technisch weiter und brachte das Sampling ein. Bambaataas Drumcomputer-Beats und maschinelle Synthesizer-Riffs prägten den Electro Funk, der sich allmählich vom Hip-Hop abspaltete.

1986 erzielten die Beastie Boys mit Fight For Your Right (To Party) und Run-D.M.C. gemeinsam mit Aerosmith mit Walk This Way Top-Ten-Erfolge. Erstmals wurden deutliche Rockeinflüsse integriert. 1988 begründete Public Enemys Album It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back mit seinen hochpolitischen Texten und der harten Produktion das Subgenre Conscious Rap. Die frühere Old School wurde von der New School abgelöst. Ebenfalls 1988 prägten N.W.A mit Straight Outta Compton den Gangsta-Rap. Ihre Texte schilderten Kriminalität und Gewalt ohne erkennbare moralische Positionierung. Kritiker warfen ihnen Gewaltverherrlichung vor; die Gruppe erklärte, sie bilde die Zustände in den Ghettos ab.

East Coast, West Coast und der Aufstieg des Marktes

Zu Beginn der 1990er Jahre setzte sich die Bezeichnung Hip-Hop zunehmend gegenüber Rap durch. Mit N.W.A und Public Enemy begann das Zeitalter des Gangsta-Rap. Künstler der West Coast wie Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg und 2Pac traten hervor; New York, die East Coast, war erstmals nicht mehr das Zentrum des Hip-Hop.

An der East Coast standen sich unterschiedliche Richtungen gegenüber. Die Native Tongues Posse mit Gruppen wie De La Soul und A Tribe Called Quest vertrat eine intellektuelle, teilweise experimentelle Musik. Politische Acts wie Public Enemy und KRS-One setzten andere Schwerpunkte. Alben wie Nas’ Illmatic, Mobb Deeps The Infamous und Enter the Wu-Tang (36 Chambers) des Wu-Tang Clan prägten den East-Coast-Sound.

Der Gangsta-Rap der West Coast übernahm zunächst die Führung. Die 1990er Jahre waren von einer Fehde zwischen East Coast und West Coast geprägt, wobei die Zuordnung nicht immer streng geografisch war. Mitte des Jahrzehnts konzentrierte sich die Auseinandersetzung auf 2Pac und The Notorious B.I.G. 2Pac wurde im September 1996 erschossen, The Notorious B.I.G. ein halbes Jahr später. Danach brach der Konflikt zusammen; Rapper beider Küsten erklärten ihn bei einem gemeinsamen Treffen für beendet. 2Pac veröffentlichte 1996 noch die Doppel-CD All Eyez on Me mit der erfolgreichen Single California Love (RMX).

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurden die Beats komplexer. Einflüsse kamen unter anderem aus Reggae und Dancehall, dem Oldschool-Hip-Hop und dem Electro Funk der 1980er Jahre. Hip-Hop verband sich zunehmend mit Soul und R&B; um 2000 beeinflusste diese Ästhetik auch die normale Popmusik. Beispiele sind Wyclef Jeans The Carnival (1997) und Lauryn Hills The Miseducation of Lauryn Hill (1998).

Entwicklungen seit 2000

Nach dem Konflikt zwischen den Küsten zeigte der Plattenmarkt, dass sich weder der politische Conscious Rap noch die intellektuelle Schule der Native Tongues Posse durchgesetzt hatte. Zunächst dominierten Gangsta-Rapper der West Coast, ihre Nachfolger und ihre musikalischen Zöglinge. Seit der Jahrtausendwende ging diese Dominanz jedoch stark zurück; East Coast und Down South gewannen an Bedeutung.

Eine wichtige regionale Szene entstand in Detroit. Ihr bekanntester Vertreter Eminem förderte über seinen Erfolg die Karrieren von D12, G-Unit, Obie Trice, Stat Quo und 50 Cent. Eminem selbst wurde von Dr. Dre entdeckt, der mit Aftermath Records auch eine Filiale in New York betrieb.

2003 erreichten The Black Eyed Peas mit Where Is the Love? in zahlreichen Ländern Platz 1. Das sozial- und gesellschaftskritische Lied verband Rap und Pop sowie Elemente von R&B und Soul. Ab 2005, als Eminem eine kreative Pause einlegte, verlor die Detroiter Szene rasch an Dominanz. Crossover-Musiker wie Kanye West und Gnarls Barkley erzielten große Erfolge. Im Herbst 2007 setzte sich Wests Album Graduation im Verkaufswettlauf gegen 50 Cents Curtis durch. Damit zeigte sich, dass innovative Rapmusik kommerziell ebenso erfolgreich sein konnte wie Gangsta-Rap. Diese Entwicklung wurde später durch die Chart-Erfolge von K’naan, Kid Cudi, Drake und Nicki Minaj bestätigt.

Gegenwart, internationale Verbreitung und Filme

In den 2010er Jahren gewann die West Coast wieder an Popularität. Kid Ink, Tyga und Kendrick Lamar erreichten weltweiten Erfolg. Snoop Dogg rückte mit Sweat erneut ins öffentliche Interesse; das Stück enthielt auch Grundzüge der Electro-House-Musik. Ein ähnliches Muster zeigten später unter anderem Open Wide von Calvin Harris und Big Sean, Delirious von Steve Aoki und Kid Ink sowie Get Up von den Bingo Players und Far East Movement.

Rapper wie Flo Rida und Pitbull etablierten den Stil zu Beginn des Jahrzehnts fest im Airplay und erreichten mit kommerziell ausgerichteten Alben die Top 10 zahlreicher Länder. Mitte des Jahrzehnts nahm der Einfluss lateinamerikanischer Musik zu. Weibliche Rapper galten immer weniger als außergewöhnlich; Nicki Minaj, Elliphant und Iggy Azalea wurden feste Bestandteile der Szene. Am 11. August 2017 veröffentlichte Google Inc. zum 44. Geburtstag der Hip-Hop-Musik ein Graffiti-Doodle. Das Datum bezog sich auf die erste Hip-Hop-Party vom 11. August 1973 in New York City.

Seit Anfang der 1990er Jahre verbreitete sich Hip-Hop international. In Europa entstanden bereits in den 1980er Jahren besonders in den Banlieues von Paris und Marseille eigene Szenen. Anfang und Mitte der 1990er Jahre wurden dort vor allem MC Solaar und IAM international bekannt. Neben deutschem, polnischem, belgischem, arabischem und russischem Hip-Hop entwickelten sich eigene Unterstile wie der britische Britcore und der brasilianische, von Bass Music beeinflusste Rio Funk. Auch in Afrika entstand eine vielfältige Szene, die amerikanische Vorbilder aufnahm und eigenständige Formen hervorbrachte. Insgesamt blieben Interpreten aus den USA tonangebend.

Filme und Serien dokumentierten die Entstehung und Entwicklung der Kultur oder stellten einzelne Szenen und Künstler dar. Wild Style! (USA 1982) gilt als erster, semidokumentarischer Hip-Hop-Film; Style Wars (1983) ist ein Dokumentarfilm über die Anfänge der Hip-Hop-Kultur, Beat Street (1984) ein weiteres bedeutendes Dokument der Frühzeit. Spätere Beispiele sind 8 Mile (USA 2002), Tupac: Resurrection (2003), Notorious B.I.G. (2009), All Eyez on Me (2017) und die dokumentarische Serie Hip-Hop Evolution (2016). Aus dem deutschsprachigen Raum nennt der Artikel unter anderem Status Yo! (Deutschland/Schweiz 2004), Zeiten ändern dich und Blutzbrüdaz; Rheingold basiert auf dem autobiografischen Roman Alles oder Nix von Xatar.

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