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Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg

Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg war der Umbau der Volkswirtschaften zu einer Zentralverwaltungswirtschaft durch totale Mobilisierung ökonomischer …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Strategien und Produktionsregime
  3. 3. Rüstungsproduktion im Vergleich
  4. 4. Länder im Krieg
  5. 5. Rohstoffe, Nahrung und Arbeit
  6. 6. Besatzung, Finanzierung und Folgen

Kern und Bedeutung

Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg bedeutete den Umbau von Volkswirtschaften zu einer Zentralverwaltungswirtschaft: Der Staat griff direkt in Produktion, Rohstoffverteilung, Arbeitseinsatz, Preise und Löhne ein, um Armee und Bevölkerung zu versorgen und die Kriegsziele „um jeden Preis“ zu erreichen. Marktmechanismen wurden dabei weitgehend zurückgedrängt.

Die Kriegswirtschaft beeinflusste den Kriegsverlauf entscheidend. Anfangs waren Militärtaktik und schnelle Operationen wichtig, ab 1942 wurde aber die quantitative Überlegenheit der alliierten Produktion zum zentralen Faktor. Die Achsenmächte Deutschland und Japan setzten zunächst auf Blitzkrieg und Breitenrüstung: vorhandene Industrieanlagen sollten viele unterschiedliche moderne Waffen herstellen. Die Alliierten und die Sowjetunion setzten stärker auf Tiefenrüstung: hochstandardisierte Massenproduktion weniger Waffentypen mit großer Stückzahl. Erst nach dem Scheitern der Blitzkriegstrategie stellten Deutschland und Japan ab etwa 1942 stärker auf Tiefenrüstung um.

1944 umfasste die Kriegsgüterproduktion in den USA 40 % des Bruttonationaleinkommens, in Großbritannien und Japan 50 % und im Deutschen Reich etwas über 50 %. Zugleich versuchten Kriegsparteien, Gegner von Rohstoffen und Lebensmitteln abzuschneiden. Rohstoffersatz spielte besonders im Deutschen Reich eine große Rolle, etwa synthetisches Benzin und synthetischer Kautschuk.

Strategien und Produktionsregime

Die Achsenmächte wollten wirtschaftliche Großräume schaffen, die möglichst autark funktionieren sollten. Deutschland strebte eine von ihm beherrschte Großraumwirtschaft an, in der industrialisierte Nachbargebiete wie Frankreich, Belgien und Böhmen das industrielle Zentrum bilden und periphere Länder Rohstoffe und Lebensmittel liefern sollten. Dazu kamen rassistische Lebensraumpläne in Polen und Teilen der Sowjetunion, die wegen Gewalt, Zerstörung und Ausbeutung wirtschaftlich wenig Nutzen brachten. Japan plante mit dem „Koprosperitätsraum“ eine von Japan dominierte Wirtschaftszone: Korea sollte Reis liefern, die Mandschurei Eisen, Kohle und Lebensmittel, Niederländisch-Indien Öl und Bauxit, Malaysia Zinn und Kautschuk.

Die Alliierten fürchteten zunächst Inflation, soziale Unruhen und eine neue Weltwirtschaftskrise. Die Sowjetunion hatte aber seit 1928 mit Fünfjahresplänen eine starke Industrialisierung und Waffenproduktion aufgebaut. Stalin verstand den Krieg als „Kampf der Maschinen“. Großbritannien und die USA gingen nach Kriegsbeginn ebenfalls zur Massenproduktion über.

In der Theorie unterscheidet der Artikel absolutes und relatives Kriegspotential. Das absolute Potential wird mit x = p + r + s + e − f beschrieben: p ist das Nettonationaleinkommen in Friedenszeiten, r verfügbare Reserven, s mögliche Ersparnisse durch geringeren Kapitalersatz, e externe Ressourcen und f Effizienzverluste durch Verwaltung. Das relative Potential lautet W = x − c − i − d: c ist privater Konsum, der nicht gekürzt werden soll, i nicht gekürzte Investitionen in die Zivilindustrie und d bewusst hingenommene Ineffizienzen zur Schonung des politischen und sozialen Systems.

Für Zentralverwaltungswirtschaft brauchten die Staaten genaue Planung. Rohstoffe, Arbeitskräfte und Maschinen mussten passend verteilt werden, sonst entstanden Flaschenhälse. In den USA übernahm 1942 das War Production Board die Zuteilung knapper Ressourcen. In Großbritannien entstand 1942 das Ministry of Production. Im Deutschen Reich wurden Kompetenzen zunächst zwischen Vierjahresplanbehörde, Reichswirtschaftsministerium, Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt und Reichsministerium für Bewaffnung und Munition zersplittert; erst mit Albert Speer und dem Führerbefehl Rüstung vom 31. März 1942 wurde stärker zentralisiert. In Japan verhinderten Zaibatsu, Militärteile und wechselnde Zuständigkeiten eine konsequente zentrale Steuerung.

Rüstungsproduktion im Vergleich

Der Zweite Weltkrieg hatte zwei wirtschaftliche Phasen: von 1939 bis Ende 1942 dominierten die Achsenmächte militärisch, von Ende 1942 bis 1945 setzten sich die Alliierten durch. Dieser Wendepunkt fiel mit der Produktionsschlacht zusammen. Albert Speer schrieb später: „Letzten Endes werden moderne Kriege durch die größere technische Kapazität entschieden, und die lag nicht bei uns.“

Vor Kriegsbeginn war Deutschland stark aufgerüstet: Die Rüstungsausgaben von 1935 bis 1938 betrugen 15,9 Mrd. Dollar, in der Sowjetunion 12,5 Mrd., in Japan 5,5 Mrd., in Großbritannien 4,8 Mrd., in den USA 4,3 Mrd., in Italien 3,8 Mrd. und in Frankreich 3,7 Mrd. Trotzdem war die Wirtschaftskraft der Alliierten größer. 1938 war ihr kombiniertes Bruttonationaleinkommen 2,38-mal so groß wie das der Achsenmächte. 1944 war das Bruttosozialprodukt der Alliierten gut dreimal so groß.

Die Alliierten produzierten insgesamt zweieinhalbmal so viele Gewehre, dreimal so viele Maschinengewehre und Kampfflugzeuge und fünfmal so viele Panzer und Mörser wie die Achsenmächte. Die gesamte Waffenproduktion betrug bei den Alliierten unter anderem 22,701 Mio. Gewehre, 184,2 Tsd. Panzer und Selbstfahrlafetten sowie 299,5 Tsd. Kampfflugzeuge. Die Achsenmächte kamen auf 8,460 Mio. Gewehre, 39,6 Tsd. Panzer und Selbstfahrlafetten sowie 114,6 Tsd. Kampfflugzeuge.

Ein wichtiger technischer Faktor waren Werkzeugmaschinen. Die USA hatten schon vor dem Krieg einen hohen Anteil spezialisierter Werkzeugmaschinen und steigerten ihre Produktion stark. Der Index der Werkzeugmaschinenproduktion stieg in den USA von 100 im Jahr 1939 auf 662,2 im Jahr 1942, im Deutschen Reich nur von 100 auf 125,7. Die Arbeitsproduktivität pro Arbeiter war in den USA doppelt so hoch wie im Deutschen Reich und fünfmal so hoch wie in Japan.

Länder im Krieg

Im Deutschen Reich verhinderten Blitzkriegdenken, Kompetenzstreit und Hitlers Sorge um die Stimmung der Bevölkerung lange eine konsequente Tiefenrüstung. Der Krieg begann trotz Vorräten für nur etwa sechs Monate und trotz bekannter Rohstoffrisiken. Nach der Niederlage vor Moskau wurde Albert Speer Minister für Bewaffnung und Munition. Von Februar bis Juli 1942 stieg die Kriegsgüterproduktion um 50 %, von Oktober 1942 bis Mai 1943 um weitere 50 % und von Dezember 1943 bis Juli 1944 um weitere 45 % auf den Höchststand. Das sogenannte „Rüstungswunder“ beruhte vor allem auf Rationalisierung, Festpreisverträgen, Vereinfachung von Waffen, besserer Planung und Investitionen der Vorjahre. Die Produktion einer Junkers Ju 88 sank von 100.000 Arbeitsstunden im Oktober 1939 auf 15.000 im August 1941 und 7.000 im September 1943.

Die Sowjetunion hatte trotz kleinerer Industrie als Deutschland eine besonders radikale Kriegswirtschaft. Sie beschränkte sich auf wenige einfache Waffentypen mit geringen Änderungen und großer Serienfertigung. Nach dem deutschen Angriff wurden Fabriken westlich von Moskau demontiert und in der Uralregion, Westsibirien und der Wolgaregion wieder aufgebaut; etwa 10 Millionen Menschen waren an der Evakuierung beteiligt. Obwohl besetzte Gebiete 63 % der Kohleproduktion, 58 % der Stahlproduktion und 60 % der Aluminiumproduktion umfassten, übertraf die Sowjetunion ab 1943 die deutsche Wirtschaftsleistung. Die Rüstungsproduktion stieg von 1940 bis 1944 auf 251 %, während Landwirtschaft und Konsumgüter stark einbrachen.

Japan steigerte vor allem die Flugzeugproduktion, erreichte aber selbst auf dem Höhepunkt nur etwa ein Drittel der US-Produktion. Der Anteil der Rüstungsproduktion am Bruttonationaleinkommen stieg von 17 % 1940 auf mehr als 30 % 1942 und auf 50 % 1944. Begrenzend wirkten Maschinenmangel, Rohstoffknappheit und Transportprobleme. Italien hatte keine angemessene Vorbereitung auf einen längeren Krieg. China war wegen seines Entwicklungsrückstands stark auf ausländische Militärhilfe angewiesen.

Großbritannien setzte früh fast alle Ressourcen für die Kriegsproduktion ein, begrenzte die Armee auf 2 Millionen Mann und ordnete Arbeit, Preise, Investitionen, Nahrungsmittel und Produktion staatlicher Aufsicht unter. Die USA wurden zur zentralen „Fabrik“ der Alliierten. 1939 machte Rüstungsproduktion dort 2 % der Gesamtproduktion aus, 1941 10 % und 1943 40 %. 1944 entfielen auf die USA 40 % der weltweiten Rüstungsgüterproduktion. Das Leih- und Pachtgesetz von Februar 1941 ermöglichte Lieferungen an Großbritannien, die Sowjetunion und China; das Gesamtvolumen von 1941 bis 1945 betrug 32,515 Mrd. Dollar.

Rohstoffe, Nahrung und Arbeit

Rohstoffe und Nahrungsmittel waren zentrale Engpässe. Deutschland erreichte trotz Autarkiepolitik keine Selbstversorgung. Die Eisenerzförderung wurde versechsfacht, doch die heimische Produktion deckte konstant nur 40 % des Eisenbedarfs. Synthetisches Benzin, synthetischer Kautschuk und Ammoniak wurden stark ausgebaut, blieben aber teuer oder unzureichend. Vor dem Angriff auf die Sowjetunion waren sowjetische Lieferungen für Deutschland wichtig: 1940 kamen 74 % der importierten Phosphate, 67 % des Asbests, 64 % des Chromeisens, 55 % des Mangans, 40 % des Nickels und 34 % des Rohöls aus der Sowjetunion.

Großbritannien musste 1939 etwa 50 % seiner Lebensmittel importieren. Der deutsche U-Boot-Krieg sollte diese Importe unterbrechen, wurde aber durch Geleitzüge abgewehrt. Ab Januar 1940 wurden unter anderem Süßigkeiten, Fleisch, Butter, Käse, Fette, Speck, Tee, Eier sowie Milchpulver und Eipulver rationiert. Die USA steigerten ihre Lebensmittelproduktion von 1940 bis 1944 um 16 % und lieferten im Rahmen von Lend-Lease und Food for Freedom große Mengen an Verbündete. Japan litt nach US-Embargos und später durch U-Boot-Krieg stark unter Rohstoff- und Treibstoffmangel; 88 % der japanischen Handelsschiffskapazitäten gingen im Krieg verloren.

Die Kriegswirtschaft führte überall zu Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel. Arbeitszeiten wurden verlängert, Arbeiter in kriegswichtige Betriebe gelenkt und der Arbeitsplatzwechsel oft eingeschränkt. In Großbritannien stieg die Beschäftigungsquote von Frauen von 27 % 1939 auf 37 % 1943, in der Sowjetunion von 38 % 1940 auf 53 % 1942, in den USA von 26 % 1939 auf 32 % 1944. Im Deutschen Reich stieg die Zahl der in der Industrie beschäftigten deutschen Frauen nur von 14,6 Millionen 1939 auf 14,9 Millionen 1944, weil NS-Ideologie und Sozialpolitik stärkere Frauenarbeit bremsten.

Im Deutschen Reich wurden bis 1944 7,5 Millionen ausländische Fremdarbeiter und Ostarbeiter eingesetzt, etwa 20 % der gesamten Arbeiterschaft. Viele waren Zwangsarbeiter. Besonders sowjetische Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge hatten extrem hohe Sterblichkeit und niedrige Produktivität; der Artikel nennt für beide Gruppen etwa 1000 ‰ pro Jahr. Auch in der Sowjetunion und in Japan gab es Zwangsarbeit.

Besatzung, Finanzierung und Folgen

Besetzte Gebiete wurden in die Kriegswirtschaft einbezogen. Deutschland plünderte zunächst Vorräte und Anlagen, versuchte ab 1942/1943 unter Speer aber stärker, besonders Frankreich und Belgien kontinuierlich produzieren zu lassen. Frankreich musste täglich 20 Mio. Reichsmark Besatzungskosten zahlen; der Wechselkurs von 20 Franc zu 1 Reichsmark überbewertete die Reichsmark um etwa 50 %. 1943 und 1944 wurden gut zwei Drittel aller französischen Zugbewegungen für deutsche Zwecke durchgeführt. Die besetzten westlichen Industrieländer waren für Deutschland deutlich nützlicher als die Ostgebiete, die durch Kämpfe, verbrannte Erde, zerstörte Anlagen und nationalsozialistische Gewaltpolitik weniger beitrugen.

Japan nutzte besetzte Gebiete vor allem für Rohstoffe. Aus Niederländisch-Indien kamen Erdöl und Bauxit, Korea wurde stärker industrialisiert und in die japanische Rüstungswirtschaft eingebunden. In Französisch-Indochina kam es 1945 zu einer schweren Hungersnot. Auch britische Kolonien wurden stärker für Rohstoffe, Devisen und lokale Produktion herangezogen; in Bengalen verhungerten 1,5 Millionen Menschen, weitere 1,5 Millionen starben unterernährt an Seuchen.

Finanziert wurde der Krieg durch Steuern, Schulden und Geldschöpfung. In den USA wurden insgesamt 45 % der Kriegsausgaben durch Steuern bezahlt, 55 % durch Schulden. In Großbritannien konnten Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und 3 % Zins platziert werden. Im Deutschen Reich trugen Steuern 48 % der Staatseinnahmen bei, Geldflüsse aus besetzten Gebieten 19,2 %. Der größte Teil lief über „Geräuschlose Kriegsfinanzierung“: Finanzinstitute mussten Kundengelder in Staatsanleihen anlegen. Die deutschen Staatsschulden stiegen von 37,4 Mrd. Reichsmark zu Kriegsbeginn auf 380 Mrd. Reichsmark zu Kriegsende.

Nach Kriegsende führte die kriegsbedingte Düngemittelknappheit zur weltweiten Hungersnot 1946/1947. Zugleich halfen Erfahrungen der Kriegswirtschaft und detaillierte Wirtschaftsstatistiken beim Wiederaufbau und bei der Schaffung des Bretton-Woods-Systems. Die USA wurden Supermacht, Großbritannien musste stärker Freihandel akzeptieren; 1947 entstand das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT). In Westeuropa trugen Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur, Währungsreform und Marshallplan zum Aufschwung bei. In den USA blieb eine Krise aus, weil sinkende Rüstungsausgaben durch Konsumnachfrage ausgeglichen wurden. Die Kriegsproduktion beschleunigte außerdem Maschinisierung, Ausbildung und Produktionseffizienz; Deutschland und Japan entwickelten später Stärken in flexibler Massenfertigung.

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