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Taktik (Militär)
Die Taktik ist unterhalb von Operationen und der Strategie ein Bestandteil der Kriegskunst. Die Taktik einer Teilstreitkraft fasst deren spezifische (taktische) …
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Grundbegriff und Einordnung
Taktik ist beim Militär die Theorie und Praxis der Führung und des Einsatzes militärischer Formationen der Ebene Gefechts-Verband und ihrer unterstellten Einheiten in Gefechten. Im Mittelpunkt steht das Zusammenwirken unterstellter und benachbarter Truppen sowie verschiedener Waffengattungen, Gattungen, Spezialtruppen und Dienste. Die Theorie der Taktik gehört zur Militärwissenschaft.
Taktik ist ein Bestandteil der Kriegskunst und steht unterhalb von Operationen und Strategie. Die Taktik einer Teilstreitkraft fasst die besonderen taktischen Einsatzmethoden ihrer Waffengattungen, Gattungen, Spezialtruppen und Dienste zusammen.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gilt die Operation als Zwischenebene zwischen Strategie und Taktik. Die operative Kunst umfasst die Vorbereitung, Führung und Durchführung von Operationen durch Teilstreitkräfte und Großverbände. Sie verwirklicht strategische Ziele und koordiniert taktische Gefechte im Interesse einer Operation. Die Strategie ist der Militärpolitik eines Staates oder einer Koalition direkt nachgeordnet und setzt politische Ziele in militärische Handlungen um.
Entwicklung und historische Einordnung
Die Taktik entstand in einem langen historischen Prozess beim Übergang von der Gentilordnung zur Klassengesellschaft. Ihre Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Herausbildung von Staaten und Militär, mit der Politik von Völkern, Staaten, Klassen, Nationen und Bündniskoalitionen sowie mit den von Streitkräften geführten Kriegen und dem militärtheoretischen Denken.
Aus zunächst einfachen, meist frontalen Zusammenstößen entwickelten sich immer kompliziertere Schlachtordnungen. Diese berücksichtigten zunehmend die Wirkung der Waffen sowie das Zusammenwirken verschiedener Kräfte und Mittel.
Der Begriff „Taktik“ tauchte in europäischen militärischen Schriften erstmals im 16. und 17. Jahrhundert auf. Zunächst bezeichnete er die Tätigkeit des Feldherrn und die Handlungen militärischer Formationen im Krieg. Vor dem 18. Jahrhundert wurde der Begriff zunächst nur im militärischen Bereich verwendet; später wurde er auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Bei Carl von Clausewitz umfasste die Kriegskunst im engeren Sinne Taktik und Strategie. Zur Taktik gehörten dabei vor allem die Vorbereitung und Durchführung des Gefechts, während die Strategie als bestimmender und richtungsweisender Teil des bewaffneten Kampfes galt.
Gefechte als Kern der Taktik
Das Gefecht ist das Grund- beziehungsweise Hauptelement jeder militärischen Taktik und zugleich ihr Untersuchungsgegenstand. Es bezeichnet nach Ziel, Ort und Zeit koordinierte Kampfhandlungen taktischer Formationen eines militärischen Verbands. Ziel ist es, gegnerische Kräfte und Mittel zu zerschlagen, außer Gefecht zu setzen oder zu vernichten sowie Räume oder Abschnitte von taktischer Bedeutung zu besetzen oder zu halten.
Zu den Gefechtsarten gehören das allgemeine Gefecht, das Luftgefecht, das Seegefecht und das gemeinsame Gefecht von Formationen mehrerer Teilstreitkräfte.
Das allgemeine Gefecht wird von taktischen Formationen der Landstreitkräfte geführt. Daran nehmen alle Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste des Heeres teil, meist im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften. Mögliche Gefechtsarten sind Verteidigung, Angriff, Verzögerung, Rückzug, Begegnungsgefecht, Verfolgung, Abwehr des Gegenangriffs, Einkreisung, Ausbruch und hinhaltender Kampf.
Kennzeichnend sind der allgemeine Truppencharakter mit dem gleichzeitigen Einsatz verschiedener Waffen und technischer Mittel, die Massierung des Feuers durch koordinierte Einwirkung verschiedener Bekämpfungsmittel, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit sowie das Manöver mit Kräften, Mitteln und Feuer. Der moderne Masseneinsatz von Bekämpfungsmitteln führt zu großen räumlichen Ausmaßen, einem dynamischen Gefechtsverlauf und einem hohen Bedarf an materiellen Gütern.
Aufgaben und Ausbildung
Die Theorie der Taktik untersucht Regeln, Zusammenhänge, Charakter und Inhalt des Gefechts. Daraus entwickelt sie Methoden und Formen für dessen Vorbereitung und Durchführung. Die praktische Taktik umfasst die Tätigkeit von Truppenführern, Kommandeuren, Stäben und Truppen.
Zu ihren Aufgaben gehören:
- die ständige Präzisierung der Lage;
- die Entschlussfassung und Erteilung von Aufträgen an Unterstellte;
- die Planung des Gefechts und Vorbereitung der Kräfte;
- die Durchführung der Gefechtshandlungen und Führung der Formationen;
- die Sicherstellung der Gefechtshandlungen.
Taktikausbildung ist ein Zweig der Gefechtsausbildung. Sie bereitet Kämpfer und taktische Einheiten auf das Gefecht sowie Truppenführer aller taktischen Führungsebenen auf die Führung im Gefecht vor. Sie bedeutet die koordinierte Anwendung militärischer Mittel zur Erreichung eines gegebenen oder gewollten Ziels unter Berücksichtigung der Lage, der verfügbaren Kräfte sowie räumlicher und zeitlicher Bedingungen. Vorgefertigte und eingeübte taktische Muster und Aufstellungen heißen Elementartaktik.
Auf Einheits- und Teileinheitsebene gehört dazu der Gefechtsdienst; auf der Führungsebene von Großverbänden ist die Operationsführung übergeordnet. Übungen der angewandten Taktik heißen im kleineren Maßstab Felddienstübungen oder taktische Übungen, im größeren Maßstab Truppenübungen oder Manöver.
Die Ausbildung von Truppenführern und Stäben umfasst das Studium der Taktiktheorie, ihre Anwendung unter konkreten Lagebedingungen, den Einsatz technischer Bekämpfungsmittel, die Taktik des Gegners, die taktischen Eigenschaften des Geländes sowie die Führung von Kräften unter beliebigen Lagebedingungen.
Abgrenzung von Taktik, Operation und Strategie
In einer verbreiteten Definition, etwa in der Bundeswehr, ist Taktik die Lehre von der Führung der Truppen auf Verbandsebene beim Zusammenwirken im Gefecht der verbundenen Waffen und Kräfte sowie die Anwendung dieser Lehre. Sie umfasst alle Führungsgrundgebiete und gilt auf allen Führungsebenen. Ziel der Gefechtsführung ist ein möglichst gutes Zusammenspiel der eigenen Kräfte im Verhältnis zu den gegnerischen Handlungen in Zeit, Raum und nach der Verfügbarkeit der Kräfte.
Operationen werden dagegen mit der Führung von Großverbänden verbunden. In modernen westlichen Armeen gilt die Brigade als kleinster militärischer Großverband, der selbstständig operative Aufgaben erfüllen kann. Als Beispiel für eine Formation auf operativer Ebene wird eine Heeresgruppe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg genannt.
Strategie ist der Oberbegriff für den zielgerichteten Einsatz von Gewalt oder Gewaltandrohung mit allen Mitteln, auch durch einen Staat oder eine Staatengemeinschaft. Sie umfasst außerdem Ressourcenplanung und politische Willensbildung. Taktische und operative Entscheidungen sind dem strategischen Ziel untergeordnet; einzelne verlorene Schlachten können aus strategischer Sicht unerheblich sein, wenn der Krieg gewonnen wird.
Vereinfacht lässt sich unterscheiden: Die Politik bestimmt, was erreicht werden soll; die Strategie legt fest, mit welchen Schritten dieses Ziel verfolgt wird; die Taktik setzt diese Schritte vor Ort praktisch um. Ein Rückzug kann daher strategische oder taktische Gründe haben. Strategisch kann er erfolgen, weil Kräfte an anderer Stelle dringender benötigt werden; taktisch, weil dort überlegene feindliche Kräfte angetroffen werden. Üblicherweise bestimmt die Politik das Ziel, die militärische Führung die Strategie und der Einheitenführer vor Ort die Taktik. Die Grenze zwischen Strategie und Taktik ist jedoch fließend, etwa bei der Entscheidung, welche und wie viele Verbände mit welchen Aufgaben beauftragt werden.
Unterhalb der Taktik führen Teileinheiten das Gefecht als von der übergeordneten Einheit koordinierten Feuerkampf. Für die Berechnung des Ausgangs eines Gefechts unter bestimmten Voraussetzungen entwickelte Frederick W. Lanchester das nach ihm benannte Gesetz von Lanchester.