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Heimatfront
Heimatfront bezeichnet die Einbeziehung der Zivilbevölkerung in Kriegshandlungen, auch wenn die eigentliche Front außerhalb der Lebensräume der Bevölkerung …
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Begriff und Bedeutung
Heimatfront bezeichnet die Einbeziehung der Zivilbevölkerung in Kriegshandlungen, obwohl die eigentliche Front außerhalb ihrer Lebensräume liegt. Zivilisten werden dabei nicht nur indirekt betroffen, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zum Krieg. Dazu gehören beispielsweise die Arbeit in der Rüstungsindustrie und der militärischen Logistik sowie kriegerische Handlungen hinter der Front, etwa Bombenangriffe.
Der Begriff ist eng mit dem Konzept des totalen Krieges verbunden. Damit ist hier eine Kriegsführung gemeint, die möglichst alle Lebensbereiche und die gesamte Gesellschaft für den Krieg mobilisiert. Die Heimatfront umfasst deshalb sowohl wirtschaftliche und organisatorische Leistungen als auch die unmittelbare Gefährdung der Zivilbevölkerung.
Entstehung und Verwendung vor 1914
Der Ausdruck „Heimatfront“ beziehungsweise englisch „home front“ entstand im Ersten Weltkrieg als politisches Schlagwort. Inzwischen wird er auch rückblickend auf Kriege vor 1914 angewandt, wenn die Zivilbevölkerung in vergleichbarer Weise beteiligt war.
Carola Kuhlmann deutet den Begriff außerdem als Versuch, Frauen ihre Rolle außerhalb der Kampfhandlungen nahezubringen und vom traditionellen Rollenverständnis abzulenken, nach dem eine militärische Karriere für Frauen nicht vorgesehen war. Alexander Seyferth zufolge konnte die Idee einer Heimatfront, auch wenn sie damals nicht so genannt wurde, „wichtige psychologische Bedürfnisse“ der Bevölkerung befriedigen und dadurch für den Krieg genutzt werden.
Frühe Beispiele ziviler Kriegsbeteiligung
Während der 25 Jahre dauernden Französischen Revolution und in den Napoleonischen Kriegen wurde die Bedeutung ziviler Produktion und von Unterstützungsdiensten besonders sichtbar. Großbritannien konnte die Koalitionen gegen Frankreich unterstützen und teilweise sogar bewaffnen. Obwohl Großbritannien eine deutlich kleinere Bevölkerung als Frankreich hatte, glichen sein globaler maritimer Handel und seine frühe Industrialisierung die zahlenmäßige Überlegenheit Frankreichs durch eine stärkere Wirtschaft teilweise aus.
Auch der Amerikanische Bürgerkrieg zeigt die Bedeutung der Heimatfront. Die höhere Produktivität der Industrie der Nordstaaten war ein wichtiger Faktor für deren Sieg, während die Generäle beider Seiten ungefähr über gleiche militärische Fähigkeiten verfügten. Die Historiker James M. McPherson und Stanley Engerman meinen, der Bürgerkrieg habe einige Merkmale eines totalen Krieges aufgewiesen; deshalb sei die Bezeichnung „Heimatfront“ für das zivile Engagement gerechtfertigt. Diese Einordnung ist jedoch umstritten, weil historische Quellen teilweise gegen eine totale Mobilisierung im Sinne der Heimatfront sprechen.
Die Heimatfront im Zweiten Weltkrieg
In Deutschland verbreitete sich der Begriff vor allem während des Zweiten Weltkriegs. Die deutsche Zivilbevölkerung war stark in militärische Produktion und Logistik einbezogen. Gleichzeitig wurde sie durch Luftangriffe in die Kampfhandlungen hineingezogen, lange bevor die eigentliche Front ihre Wohngebiete erreichte. Der Begriff wurde propagandistisch verwendet, um zu vermitteln, dass auch die Kooperation der Zivilisten für den Kriegserfolg entscheidend sei und ihre Anstrengungen militärische Bedeutung hätten.
Wegen seiner starken Verwendung in der NS-Propaganda wird „Heimatfront“ häufig fälschlich als genuin nationalsozialistischer Begriff angesehen und ist deshalb negativ belegt. Der Begriff selbst ist jedoch nicht ursprünglich nationalsozialistisch. Die Mobilisierung im Deutschen Reich sollte propagandistisch alle Lebensbereiche erfassen; Joseph Goebbels prägte dafür die Bezeichnung „totaler Krieg“. Die Einbeziehung von Frauen in die Rüstungsarbeit und ihre Mobilmachung stießen allerdings auf ideologische Vorbehalte.
Trotzdem war die Erwerbsquote der Frauen in Deutschland bereits 1939 höher als diejenige Großbritanniens bis zum Kriegsende. Nach einer Statistik des Reichsarbeitsministeriums vom Herbst 1943 waren in den USA 25,4 %, in Großbritannien 33,1 % und in Deutschland 34 % der Frauen in der Kriegswirtschaft beschäftigt. Adam Tooze zufolge dürfte diese Zahl den tatsächlichen Umfang der Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland unterschätzen. Während des Zweiten Weltkriegs lag die Frauenerwerbsquote in Deutschland höher als im Ersten Weltkrieg. 1939 war ein Drittel der verheirateten Frauen und über die Hälfte der Frauen zwischen 15 und 60 Jahren erwerbstätig.
Frauen stellten in Deutschland mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte, in Großbritannien dagegen nur ein Viertel. Dieser Unterschied hing teilweise mit der Wirtschaftsstruktur zusammen. Von den 14 Mio. weiblichen Erwerbstätigen in Deutschland arbeiteten nur 2,7 Mio. in der Industrie, während 6 Mio. in der Landwirtschaft tätig waren, besonders in süddeutschen Familienbetrieben. Dort fehlten zunehmend die Männer, weil sie zum Kriegsdienst eingezogen wurden. In Großbritannien arbeiteten hingegen nur 100.000 Frauen in der Landwirtschaft. In Berlin und Ostsachsen war 1939 mehr als die Hälfte der Frauen erwerbstätig; in Hamburg, Bremen und im Ruhrgebiet waren es 40 % der Frauen im erwerbsfähigen Alter.
Die Mobilisierung der Frauen, die Rekrutierung von „Fremdarbeitern“ und die Zwangsarbeit konnten die wirtschaftliche Unterlegenheit Deutschlands gegenüber seinen Kriegsgegnern dennoch nicht ausgleichen. Während des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion verlagerten sowjetische Soldaten und Zivilisten Fabriken aus den Frontgebieten. Teilweise wurden ganze Fabrikanlagen zerlegt und an anderen Orten wiederaufgebaut. Dadurch begann die Sowjetunion, mittelschwere T-34-Panzer und Il-2-Schlachtflugzeuge systematisch in großen Stückzahlen zu produzieren. Dafür wurde die Einheit von Front und Hinterland betont.
Das norwegische Gegenstück „Hjemmefront“ steht für den norwegischen Widerstand gegen die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Dieser Widerstand umfasste alle Lebensbereiche und ist daher durchweg positiv besetzt. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass der Abschnitt zum Zweiten Weltkrieg nicht ausreichend mit Einzelnachweisen belegt ist.