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KZ Auschwitz I (Stammlager)
Auschwitzprozesse des Volksgerichts Wien (1945–1955) Auschwitzprozesse (Der 1. Prozess 1963/1965 und 1965/1966. Nachfolgeprozesse in den 1970er-Jahren) Ein …
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Einordnung, Lage und Ausbau
Das Konzentrationslager Auschwitz I (Stammlager) war neben Auschwitz II–Birkenau und Auschwitz III–Monowitz ein Hauptteil des Lagerkomplexes Auschwitz. Es bestand von Mai 1940 bis Januar 1945 im damals von Deutschland annektierten südpolnischen Gebiet am Westrand der Stadt Oświęcim, die von den Deutschen Auschwitz genannt wurde. Auschwitz I wurde zunächst als Quarantäne- und Durchgangslager für verhaftete Polen geplant, entwickelte sich aber zu einem Konzentrations- und Arbeitslager. Auschwitz II–Birkenau wurde ab 1942 zum zentralen Ort der fabrikmäßigen Massentötungen mit Giftgas; Auschwitz III–Monowitz diente vor allem der Zwangsarbeit für Industrieanlagen.
Die Lage war für die SS wegen der Eisenbahnverbindungen nach Warschau, Breslau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Bratislava und Krakau günstig. Dadurch konnten Gefangenentransporte aus Polen, der Sowjetunion, Deutschland und anderen besetzten Gebieten durchgeführt werden. Außerdem lagen Sand- und Kiesgruben sowie Rohstoffvorkommen in der Nähe. Für die SS-Wirtschaft sollte eine 20 Quadratkilometer große Sicherheitszone geschaffen werden; die dort lebende polnische Bevölkerung wurde zwangsweise umgesiedelt.
Nach einer Weisung Heinrich Himmlers vom 1. Februar 1940 prüfte die SS die ehemalige polnische Artilleriekaserne als möglichen Lagerstandort. Am 27. April 1940 befahl Himmler die Errichtung eines Durchgangslagers, und Rudolf Höß wurde am 4. Mai als Kommandant bestätigt. Im Mai 1940 wurde Auschwitz I entgegen der ursprünglichen Planung als Konzentrations- und Arbeitslager eingerichtet. Für die ersten Bauarbeiten mussten 300 Juden aus Oświęcim und 39 polnische Häftlinge aus Dachau eingesetzt werden. Der erste Transport mit 30 deutschen Strafgefangenen traf am 20. Mai 1940 ein; am 14. Juni folgten 728 polnische politische Gefangene aus Tarnów.
Aus ehemaligen Kasernengebäuden entstanden zunächst 18 Backsteinblöcke, ein Krankenbau und ein Lagergefängnis. Wachtürme, Stacheldrahtanlagen, Verwaltungsgebäude, Unterkünfte für Wachmannschaften, die Dienstvilla von Höß und ein Krematorium kamen hinzu. Zwischen 1942 und 1944 wurde das Stammlager durch Verwaltungsgebäude, Lagerhallen, Werkstätten und 20 Häftlingsunterkünfte etwa vervierfacht. Außerhalb lagen auf einem ungefähr 40 Quadratkilometer großen Interessengebiet 39 Nebenlager und landwirtschaftliche Betriebe. Die SS vermietete Häftlinge außerdem an private Unternehmen. Das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS steuerte die Lager und die zugehörigen Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe ab dem 16. März 1942 zentral.
Häftlinge, Aufnahme und Lagerhierarchie
In der ersten Lagerphase waren vor allem nichtjüdische Polen inhaftiert: unter anderem Soldaten, die polnische Truppen in Frankreich erreichen wollten, sowie Intellektuelle und Oppositionelle, die während der sogenannten AB-Aktion verhaftet worden waren. Bis zum Herbst 1941 bildeten sie die größte Häftlingsgruppe. Ende Januar 1942 waren im Stammlager 12.754 Menschen inhaftiert, darunter 1.305 sowjetische Kriegsgefangene. Bis dahin waren insgesamt 36.285 Personen eingeliefert worden; 1.453 wurden in andere Lager überstellt, nur fünf konnten fliehen, und 22.320 Menschen waren bereits gestorben. 1944 wurde im Stammlager mit etwa 18.500 Häftlingen die höchste Belegungszahl festgestellt.
Am 26. März 1942 traf der erste Transport mit 999 weiblichen Gefangenen aus Ravensbrück ein, am 28. März ein weiterer mit 798 slowakischen Jüdinnen. Dies waren die ersten registrierten geschlossenen Transporte von Juden nach Auschwitz. Ende 1944 wurden 6.000 Frauen aus Auschwitz-Birkenau in Erweiterungsbauten des Stammlagers gebracht.
Bei der Aufnahme mussten die sogenannten Zugänge ihre persönlichen Gegenstände in Block 26, ab 1944 in einem neuen Gebäudekomplex, abgeben. Sie wurden geduscht, geschoren, fotografiert und registriert. Ab 1942 wurde die Häftlingsnummer meist auf den linken Unterarm tätowiert. Die Gefangenen erhielten Holzpantinen und gestreifte Kleidung. Winkel kennzeichneten die von der SS zugeschriebene Kategorie, etwa politischer oder jüdischer Schutzhäftling, Krimineller, Asozialer, Emigrant, „Zigeuner“, Zeuge Jehovas oder Homosexueller. Wegen Materialmangels wurde später auch umgearbeitete Zivilkleidung getragen.
Die SS übertrug bestimmte Kontroll- und Verwaltungsaufgaben an Funktionshäftlinge. Dazu gehörten Lager-, Block- und Stubenälteste, Kapos, Vorarbeiter und Häftlinge in der Schreibstube. Sie waren durch Armbinden erkennbar, erhielten Vorteile und hatten meist bessere Überlebenschancen, standen aber ständig unter dem Druck, ihr Amt zu verlieren. Bis zu 5 % der Häftlinge hatten solche Funktionen. Häufig wurden deutsche Kriminelle als Kapos eingesetzt; politische Funktionshäftlinge unterstützten teilweise andere Gefangene. Unter dem Kommandanten Arthur Liebehenschel wurden ab November 1943 viele Funktionen mit politischen Gefangenen besetzt, das Strafarrest- und das Spitzelwesen abgeschafft und die Haftbedingungen vorübergehend verbessert.
Tötung, Experimente und zentrale Tatorte
Die Sterblichkeit im Stammlager war infolge von Unterernährung, Krankheiten, schlechter Hygiene, Schwerstarbeit und Misshandlungen sehr hoch. Von Juli 1940 bis März 1941 starben dort mindestens 2.500 Häftlinge. Zwischen März 1941 und Januar 1942 kamen beim Ausbau des Stammlagers, beim Bau von Buna und bei der Errichtung Birkenaus rund 18.000 Häftlinge ums Leben. Für das Stammlager insgesamt werden 60.000 bis 70.000 Tote geschätzt. Zusätzlich wurden polnische Widerstandskämpfer, Geiseln und angebliche Saboteure durch ein Gestapo-Standgericht verhört, verurteilt und hingerichtet; diese Opfer wurden nicht als Häftlinge registriert.
Die SS erprobte verschiedene Formen der Tötung. Im November 1940 wurden 40 polnische politische Gefangene erschossen. Im Juli 1941 wurden mehrere hundert sowjetische Kriegsgefangene in einer Kiesgrube erschlagen. Ende Juli 1941 wurden etwa 570 Häftlinge im Rahmen der „Aktion 14f13“ in Pirna-Sonnenstein mit Kohlenstoffmonoxid vergast. Im August wurden tödliche Injektionen mit Evipan, Äther oder Phenol verglichen. Am 11. November 1941 erschoss man 151 Häftlinge am „Schussfang“ bei Block 11. Ab August beziehungsweise wahrscheinlich Anfang September 1941 wurden im Keller von Block 11 etwa 250 selektierte Kranke und 600 sowjetische Politkommissare und Offiziere mit Zyklon B vergast. Am 15. Februar 1942 wurden hunderte Juden aus Beuthen deportiert und sofort ermordet. Die Massentötung der Juden im Lagerkomplex begann vermutlich Ende März oder im Mai 1942 in Auschwitz II–Birkenau.
Block 11 war das Lagergefängnis. Dort gab es winzige, fensterlose Stehzellen. Zwischen Block 10 und 11 lag die „Schwarze Wand“, an der Häftlinge durch Genickschuss hingerichtet wurden. Der Häftlingskrankenbau umfasste mehrere Blöcke. Im Infektionsblock wurden ausgesonderte Kranke durch Phenol-Injektionen ins Herz getötet.
Ein ehemaliger Munitionsbunker wurde zum Krematorium mit der einzigen Gaskammer des Stammlagers umgebaut. Im Dezember 1941 wurden dort 900 sowjetische Kriegsgefangene mit Zyklon B getötet, im Februar 1942 außerdem 400 arbeitsunfähige jüdische Zwangsarbeiter. Die Gaskammer wurde nur bis Mai 1942 genutzt, das Krematorium bis Ende Juli 1943. Insgesamt wurden dort vermutlich bis zu 36.000 Tote eingeäschert. Nach 1945 wurden die Umbauten für die museale Darstellung teilweise rückgängig gemacht; die heute sichtbaren Einfüllstutzen für Zyklon B entstanden erst bei dieser Rekonstruktion.
In Block 10 führte Carl Clauberg ab April 1943 Experimente zur chemischen Massensterilisation von Frauen durch. Am 1. Oktober 1943 waren 394 Frauen für Versuchszwecke vermerkt. Von etwa 800 Frauen, die zwischen April 1943 und Juni 1944 in Block 10 gefangen waren, überlebten etwas mehr als 300. Horst Schumann erprobte Röntgensterilisation und sterilisierte ungefähr 200 jüdische Männer, die später kastriert wurden. Lagerarzt Eduard Wirths veranlasste pharmazeutische Versuche und Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterkrebs. Die Firma Bayer forderte 150 weibliche Häftlinge zu „170 RM je Stück“ an; später wurde mitgeteilt, alle Versuchspersonen seien gestorben. Josef Mengele arbeitete dagegen nicht im Stammlager, sondern im Zigeuner-Familienlager. Das Lagerbordell wurde 1943 im Block 24a eingerichtet und bestand bis kurz vor der Evakuierung.
Räumung und Befreiung
Zwischen dem 17. und 23. Januar 1945 ließ die SS ungefähr 60.000 Häftlinge aus den Auschwitz-Lagern evakuieren. Sie wurden teilweise in offenen Güterwaggons und über lange Strecken in Todesmärschen nach Westen gebracht. Wer nicht Schritt halten konnte, wurde erschossen. Wahrscheinlich überlebten 9.000 bis 15.000 Menschen diese Lagerauflösung nicht.
Etwa 7.500 kranke oder zu schwache Häftlinge blieben in den Haupt- und Nebenlagern zurück. In mehreren Außenlagern hatte die SS vorher ungefähr 300 entkräftete Gefangene erschossen. Manche Forscher gehen davon aus, dass auch für die Zurückgebliebenen eine Vernichtungsaktion geplant war, die durch das schnelle Vorrücken der Roten Armee verhindert wurde.
Auschwitz III–Monowitz wurde am Vormittag des 27. Januar 1945 befreit. Im Stammlager trafen sowjetische Einheiten gegen 15 Uhr ein und fanden rund 1.200 kranke Häftlinge vor; in Birkenau waren 5.800 Gefangene zurückgeblieben. Bei den Kämpfen mit den sich zurückziehenden Deutschen starben 232 sowjetische Soldaten. Trotz medizinischer Hilfe starben in den folgenden Tagen noch viele befreite Häftlinge.
SS-Verantwortung und rechtliche Aufarbeitung
Die Kommandanten des Stammlagers waren Rudolf Höß von April 1940 bis November 1943, Arthur Liebehenschel von November 1943 bis Mai 1944 und Richard Baer ab Mai 1944. Höß kehrte von Mai bis Juli 1944 als Standortältester und Koordinator der „Ungarn-Aktion“ nach Auschwitz zurück. Die politische Abteilung der SS, die Karteiführung und das Standesamt blieben im Stammlager konzentriert.
Nach dem Krieg gab es unter anderem die 13 Nürnberger Prozesse von November 1945 bis 1948, den Krakauer Auschwitzprozess gegen 40 frühere Wächter 1947, den Prozess gegen Rudolf Höß in Warschau vom 11. bis 29. März 1947 und sechs Frankfurter Auschwitzprozesse. Höß wurde zum Tod verurteilt und auf dem Gelände des ehemaligen Stammlagers durch den Strang hingerichtet. Der Krakauer Prozess endete überwiegend mit Todesurteilen. Außerdem gab es Auschwitzprozesse in Wien von 1945 bis 1955 und ein österreichisches Verfahren von 1972, in dem zwei ehemalige Bauleiter freigesprochen wurden.
2014 durchsuchten deutsche Landeskriminalämter die Wohnungen und Häuser von 30 ehemaligen SS-Angehörigen aus Auschwitz. Drei Personen wurden vorübergehend festgenommen; im August 2014 liefen nur noch gegen acht Personen ernsthafte Ermittlungen. Von etwa 6.500 SS-Angehörigen, die in Auschwitz arbeiteten, wurden in der Bundesrepublik nur 29 und in der DDR 20 verurteilt. 2015 wurde Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 2016, doch Gröning starb am 9. März 2018, bevor er die Strafe antreten musste.
Gedenkstätte und heutige Bedeutung
Teile des ehemaligen Lagers gehören seit 1947 zum Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim. Die Einrichtung ist Gedenkstätte, Begegnungsort, Auskunftsstelle, Archiv und Forschungsinstitut. Seit 1979 gehört der Lagerkomplex zum UNESCO-Welterbe; seit dem 27. Juni 2007 lautet die offizielle Bezeichnung „Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager“. Der Gedenkort wird jährlich von etwa 700.000 Menschen besucht.
Nach dem Krieg wurde vor allem das Kerngebiet des Stammlagers als Museum hergerichtet. Das frühere Aufnahmegebäude dient als Empfangszentrum, und das erste Krematorium wurde rekonstruiert. Dadurch ist nicht überall eindeutig sichtbar, dass der zentrale Ort des Völkermords drei Kilometer entfernt in Auschwitz-Birkenau lag. Die nach dem Krieg zeitweise verwendete Zahl von 4 Millionen Ermordeten war eine sowjetische Schätzung und wurde von Historikern als um ein Mehrfaches überhöht widerlegt.
Das Museum erinnert an die Massenmorde während der deutschen Besatzung und an verschiedene Opfergruppen. Das Stammlager besitzt für die polnische Erinnerung besondere Bedeutung, weil dort bereits in der frühen Lagerphase polnische Widerstandskämpfer und Geiseln erschossen wurden. In Ausstellungen werden außerdem die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung dargestellt. Das Internationale Auschwitzkomitee wurde 1952 von Überlebenden gegründet und fördert die Erinnerung an Deportationen und die Shoa. Der 27. Januar, der Tag der Befreiung von Auschwitz, ist seit 1996 in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.