Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Meer

Unter Meer (Niederdeutsch: „die“ See) versteht man die miteinander verbundenen Gewässer der Erde, welche die Kontinente umgeben, auch „die Ozeane“.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Definition und Einteilung
  3. 3. Bewegungen, Sichtweite und Salzgehalt
  4. 4. Meeresgrund und Formen
  5. 5. Nutzung durch den Menschen
  6. 6. Umwelt, Klimawandel und Gefahren

Grundbegriff und Bedeutung

Unter Meer versteht man die miteinander verbundenen Gewässer der Erde, welche die Kontinente umgeben; zusammen werden sie auch Ozeane oder, als ein einziges Gewässer betrachtet, Weltmeer genannt. Die Lebensräume im Meer heißen marine Ökosysteme.

Das Meer bedeckt rund 71 % der Erdoberfläche und enthält mit einem Volumen von 1,338 Mrd. km³ etwa 96,5 % des Weltwasservorkommens. Nur 3,5 % des gesamten Wasservorrates auf der Erde ist Süßwasser. Meerwasser ist wegen seines Salzgehalts von rund 3,5 % nicht direkt als Trink- oder Bewässerungswasser geeignet. Die Meeresflora produziert ungefähr 70 % des in der Erdatmosphäre vorhandenen Sauerstoffs.

31,7 % des Weltmeeres sind 4000–5000 m tief. Die tiefste bekannte Stelle liegt mit etwa 11.000 m Meerestiefe im Marianengraben, einer Tiefseerinne im Pazifik. Flache Meeresregionen liegen meist auf dem Schelf; ein Beispiel für ein Flachmeer ist der größte Teil der Nordsee. Wissenschaftlich erforscht werden die Meere in den Meereswissenschaften, zusammenfassend Meereskunde genannt.

Definition und Einteilung

Per Definition ist das Meer die zusammenhängende Wassermasse der Erde. Gewässer wie das Kaspische Meer und das Tote Meer sind vollständig von Land umschlossen und gelten daher nicht als Meere, sondern als Binnengewässer, auch wenn sie erdgeschichtlich einmal mit dem Meer verbunden waren. Auch Seen, die über Flüsse mit dem Meer verbunden sind, gehören nicht zum Meer.

Einzelne Meere werden meist den fünf Ozeanen zugeordnet. Man unterscheidet grob zwischen Randmeeren, die direkt in den Ozean übergehen, und Binnenmeeren, die von Landmassen umschlossen und nur über Meerengen mit den Ozeanen verbunden sind. Eine besondere Rolle haben Mittelmeere: Sie trennen wie Ozeane Kontinente voneinander, sind aber deutlich kleiner.

Ozeane werden ebenfalls Weltmeere genannt. Je nach Auffassung können auch einige Mittelmeere unter diesen Begriff fallen. Die Gesamtheit aller zusammenhängenden Meere wird als das Weltmeer bezeichnet.

Bewegungen, Sichtweite und Salzgehalt

Alle Meere unterliegen den Gezeitenkräften. Durch die Anziehung des Mondes entstehen Ebbe und Flut, zusammen auch Tide genannt. Der bei Niedrigwasser freiliegende Meeresboden heißt Watt. Der Tidenhub, also der Höhenunterschied zwischen Niedrigwasser und Hochwasser, ist regional sehr verschieden: Er kann bis zu 15 m betragen, liegt an der Nordseeküste bei etwa 2 m, in der westlichen Ostsee bei maximal 40 cm und ist in der östlichen Ostsee und im Mittelmeer kaum spürbar. Wichtig für die Höhe des Tidenhubs sind nicht nur die Größe eines Gewässers, sondern auch die Möglichkeiten des Wassers, zu- und abzufließen.

Auf dem Meer ist die Sichtweite wegen der Erdkrümmung begrenzt. Bei einer Augenhöhe von 2 m über dem Meeresspiegel liegt der geometrisch berechnete nautische Horizont rund 5 km entfernt. Durch terrestrische Refraktion, also Lichtbrechung in der Atmosphäre, vergrößert sich die Sichtweite im Mittel um ein Zehntel; der optische Horizont liegt dann ungefähr 5,5 km entfernt.

Meerwasser hat eine relativ einheitliche Salinität, also einen Salzgehalt, von durchschnittlich 3,5 %. Im Mittelmeer liegt sie bei 3,8 %. Erhöht ist die Salinität dort, wo viel Wasser verdunstet, der Wasseraustausch mit anderen Meeren gering ist und wenige Zuflüsse Süßwasser einbringen.

Meeresgrund und Formen

Vor der Erfindung des Echolots stellte man sich den Meeresboden weitgehend eben vor. Später erkannte man, dass er ähnlich stark reliefiert ist wie die Oberfläche der Kontinente. Die Böden der Ozeane gliedern sich grob in die randlich liegenden Schelfplattformen, also Flachmeere, und die eigentlichen Ozeanbecken der Tiefsee.

Die großen Ozeanbecken sind in einzelne Seebecken unterteilt. Diese werden durch untermeerische Schwellen getrennt, besonders durch Mittelozeanische Rücken. Die tiefsten Bereiche der Meere sind Tiefseerinnen. Wie an Land entsteht das großräumige Relief der Meeresböden durch Plattentektonik, etwa an Mittelozeanischen Rücken und Tiefseerinnen, und/oder durch starken Vulkanismus, etwa bei Tiefseebergen und ozeanischen Plateaus.

Untermeerische Erhebungen auf Schelfen und Felssockeln ozeanischer Inseln, die bis dicht unter die Meeresoberfläche reichen können, heißen Riffe. Auf den Schelfen lagern sich mächtige Schichten von Meeressedimenten ab. Sie entstehen durch Material, das durch Erosion vom Festland gelöst und von Flüssen ins Meer transportiert wird, sowie durch Beiträge meist mikroskopischer Meereslebewesen.

Nutzung durch den Menschen

Das Meer ist Wirtschafts- und Lebensraum. Es prägt Menschen, die auf dem Meer arbeiten, zum Beispiel Seeleute und Fischer, und auch Gesellschaften und Staaten, die stark auf Seehandel und Schifffahrt ausgerichtet sind, etwa Venedig oder Großbritannien. Diese Bedeutung reicht bis in Brauchtum, Religion, Kunst und Literatur hinein.

Meere sind seit jeher eine Nahrungsquelle. Viele Menschen leben seit Jahrtausenden an Küsten, und ganze Inselvölker leben vom Fischfang. Für internationalen Verkehr und Warenaustausch sind Meere weiterhin sehr wichtig. Die maritimen Branchen erreichen pro Jahr einen Weltmarktumsatz von 1.200 Milliarden Euro bei stark steigender Perspektive. Nach Gewicht werden 92 % aller Güter im Welthandel, jährlich 5,7 Milliarden Tonnen, über den Seeweg transportiert. Vor der Erfindung des Flugzeugs war der Schiffsweg die einzige Möglichkeit, von Europa nach Amerika oder Australien zu gelangen; viele Inseln und Inselgruppen waren ebenfalls nur über das Meer erreichbar.

In den letzten Jahrzehnten wurden Möglichkeiten entwickelt, elektrische Energie im Meer zu gewinnen. Dazu gehören Offshore-Windparks, Gezeitenkraftwerke, Meeresströmungskraftwerke, Meereswärmekraftwerke, Osmosekraftwerke an Flussmündungen und Wellenkraftwerke. Meerwasser kann außerdem als Wärmequelle für Wärmepumpen dienen. Die größte Wärmepumpenanlage, die Seewasser nutzt, befand sich mit Stand 2016 in Stockholm; sie versorgt ein Fernwärmenetz für 2,1 Mio. Menschen und hat eine Leistung von rund 420 MW.

Umwelt, Klimawandel und Gefahren

Durch die menschengemachte globale Erwärmung erwärmen sich auch die Meere. Dadurch verschieben sich unter anderem die Habitate, also Lebensräume, von Tier- und Pflanzenarten im Wasser. Ein höherer CO₂-Gehalt der Luft führt dazu, dass das Meer mehr CO₂ aufnimmt. Im Meerwasser bildet sich daraus Kohlensäure (H₂CO₃), was zur Versauerung der Meere beiträgt. Besonders betroffen sind Tiere, die Kalk zum Leben brauchen, zum Beispiel Tiere mit Kalkschalen oder Kalkskeletten wie Steinkorallen. Bei Korallen wird die Biomineralisation behindert; zusammen mit der Erwärmung führt dies zu mehr Korallenbleichen. Gegenläufig wirkt, dass Algenwachstum durch CO₂ gefördert wird und ein Teil des verstoffwechselten CO₂ durch Sedimentation am Ozeanboden lange dem Stoffkreislauf entzogen werden kann. Gleichzeitig nimmt wärmeres Wasser weniger CO₂ auf als kälteres Wasser.

Die Weltmeere leiden außerdem unter Überfischung, weil die Hochseefischerei nicht ausreichend durch Fangquoten begrenzt ist. Geisternetze, also verlorene oder entsorgte Fischernetze, treiben in den Ozeanen und bestehen vor allem aus Kunststoffen; ihre Zersetzung trägt zur Belastung der Meere mit Plastikmüll bei. Schiffsunglücke können der marinen Umwelt schwer schaden, besonders wenn Öle und Kraftstoffe das Gefieder von Seevögeln und die Kiemen von Fischen verkleben. Ein wissenschaftliches Review vom April 2020 kam zu dem Schluss, dass Meeresökosysteme bis 2050 wiederhergestellt werden können und das UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 14 erreichbar sei, wenn der Klimawandel ausreichend begrenzt werde.

Für Schifffahrt, Küstenstaaten und Menschen am Wasser birgt das Meer Gefahren. Untiefen, Riffe, Klippen und Sturmfluten können Schiffe bedrohen. Wattwanderer und Badende müssen Ebbe und Flut sowie starke Strömungen beachten. Küstenländer können von Sturmfluten und Springfluten betroffen sein. Seebeben und Meteoriteneinschläge können Tsunamis auslösen, also riesige Schwerewellen, die meist erst in Küstennähe als Veränderung der Kimmlinie auffallen und sich dort auftürmen.

Lernvideos zu Meer

Weiterlesen

Niederdeutsche Sprache Bei allen drei Geschlechtern kann das Adjektiv ohne Endung gebraucht werden (de lütt Mann, de lütt Fru, dat lütt Kind). Den Gebrauch mit Endungen kann man … Gewässer Im Trophiesystem der Ökologie werden vier Trophiestufen unterschieden: ... In: Lexikon der Biologie, Spektrum-Verlag; abgerufen am 9. November 2017 … Erde Die Erde ist der dichteste, fünftgrößte und der Sonne drittnächste Planet des Sonnensystems. Bisher konnte auf keinem anderen Planeten unseres Sonnensystems … Kontinent Heute sind in Geographie und Geologie jeweils unterschiedliche Einteilungen der Kontinente üblich. So wird insbesondere Europa historisch und kulturell bedingt … Ozean Aufteilung · Arktischer Ozean, Arktis · Atlantischer Ozean, nördlicher und südlicher Atlantik · Indischer Ozean · Pazifischer Ozean · Südlicher Ozean – Antarktischer … Wasser Wasser (lateinisch Aqua; altgriechisch hydor) ist die chemische Verbindung H 2O, bestehend aus den Elementen Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H). Ökosystem Ein Ökosystem besteht aus einer Lebensgemeinschaft von Organismen mehrerer Arten (Biozönose) und ihrer unbelebten Umwelt, die man als Habitat oder Biotop … Marianengraben Der Marianengraben, auch als Marianenrinne bezeichnet, ist eine Tiefseerinne (Tiefseegraben) im westlichen Pazifischen Ozean, in der mit einer Maximaltiefe … Pazifischer Ozean Die Pazifische Küste erstreckt sich, im Uhrzeigersinn, über Neuseeland, Australien, Ostasien und die Westküste von Nord- und Südamerika. Karte des Pazifischen … Nordsee Die Gezeiten werden durch die Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst, da die Nordsee selbst zu klein und zu flach ist, um eine nennenswerte Tide … Erdatmosphäre Was als Luft bezeichnet wird, besteht im Wesentlichen bei Außerachtlassen des wechselnden Wasserdampfgehalts (d. h. in Volumenprozent trockener … Sauerstoff Es ist ein farb- und geruchloses Gas, das in der Luft zu 20,942 % enthalten ist. Es ist an vielen Verbrennungs- und Korrosionsvorgängen beteiligt. Fast alle …