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Antarktika

Weitere Bezeichnungen sind Südkontinent und antarktischer Erdteil. Antarktika hat eine Fläche von etwa 14 Millionen Quadratkilometern und ist nahezu vollständig …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kontinent und Großräume
  2. 2. Eisschild, Wasser und Küsten
  3. 3. Geologie, Klima und Lebewelt
  4. 4. Entdeckung und Erforschung
  5. 5. Politischer Status, Menschen und Versorgung

Kontinent und Großräume

Antarktika ist der Südkontinent der Erde und umfasst den geographischen Südpol. Er liegt vollständig südlich von 60° südlicher Breite, ist vom Südlichen Ozean umgeben und hat etwa 14.000.000 km² Fläche. Fast der gesamte Kontinent liegt in hochpolarem Eiswüstenklima; nur kleine küstennahe Bereiche der Antarktischen Halbinsel und vorgelagerte Inseln gehören zum Tundrenklima.

Man unterscheidet West- und Ostantarktika, getrennt durch das Transantarktische Gebirge. Westantarktika ist stärker ozeanisch geprägt, zerklüftet und in Halbinseln gegliedert. Ostantarktika besteht überwiegend aus einem riesigen Eispanzer, hat ein kontinentaleres Klima und besonders tiefe Temperaturen; dort liegen Südpol und „Südpol der Unzugänglichkeit“. Der höchste Berg ist Mount Vinson in Westantarktika mit 4892 m. Mount Erebus auf Ross-Insel ist mit 3794 m der südlichste aktive Vulkan der Erde.

Zum Kontinent zählen Festland, vorgelagerte Inseln auf dem Kontinentalschelf und Schelfeistafeln. Die größte Insel ist Alexander-I.-Insel. Einige Inseln sind durch Schelfeis mit dem Festland verbunden; ihr Inselcharakter ist dann nur unter dem Eis sichtbar.

Eisschild, Wasser und Küsten

Der antarktische Eisschild ist die größte Eismasse der Erde. Er ist bis zu 4500 m dick und enthält rund 90 % des irdischen Eises sowie 70 % der weltweiten Süßwasser-Reserven. Nur etwa 280.000 km², also zwei bis drei Prozent der Fläche, sind eisfrei. Das Eis fließt ständig vom Inland zur Küste; Eisscheiden sind Linien, an denen sich die Fließrichtungen trennen. Bei vollständigem Abschmelzen würde der Meeresspiegel um etwa 61 m steigen; das durch die Eislast abgesenkte Land würde sich langfristig wieder heben.

Die Bilanz des Eisschilds änderte sich: Von 1992 bis 2001 nahm er im Mittel um 112 Milliarden Tonnen, von 2003 bis 2008 um 82 Milliarden Tonnen zu. Zwischen 2008 und 2015 verlor Antarktika dagegen etwa 183 Mrd. Tonnen Eis pro Jahr, mit steigender Tendenz. Besonders betroffen ist die Antarktische Halbinsel, unter anderem durch Verluste am Larsen-Schelfeis. Die Glaziologie erforscht Aufbau, Geschichte und Dynamik des Eises, besonders mithilfe von Eisbohrkernen.

Große Teile des Gesteinsuntergrunds liegen unter dem Meeresspiegel, sind aber von Eis überragt und werden deshalb zum Kontinent gerechnet. Der Bentley-Subglazialgraben in Westantarktika liegt 2496 m unter dem Meeresspiegel. Mehr als 150 subglaziale Seen wurden entdeckt. Der Wostoksee ist etwa 250 km lang, 50 km breit und bis 1200 m tief; er liegt 3700 bis 4100 m unter Eis. Sein Wasser bleibt bei durchschnittlich −3 °C flüssig, weil der Druck von etwa 30 bis 40 Megapascal den Schmelzpunkt senkt.

Oberflächenflüsse fehlen fast vollständig. Der Onyx River ist mit etwa 30 km der größte und fließt nur im späten Sommer. Eisströme sind besonders schnell fließende Gletscherbereiche; sie können bis zu 1000 m pro Jahr zurücklegen. Der Lambertgletscher ist mit etwa 400 km Länge und etwa 100 km Breite der längste und größte Gletscher der Erde. Schelfeis sind 100 bis 1000 m dicke, schwimmende Süßwassereisplatten; an ihrer Kante kalben Eisberge. Etwa 44 % der Küstenlinie bestehen aus Schelfeis. Packeis aus Salzwasser zählt dagegen nicht zum Kontinent.

Geologie, Klima und Lebewelt

Antarktika liegt auf der Antarktischen Platte. Ostantarktika besitzt mit bis zu drei Milliarden Jahre alten Gesteinen in Enderbyland die ältesten Gesteine des Kontinents und ist ein präkambrischer Kraton, also ein sehr alter, stabiler Kontinentkern. Westantarktika ist jünger und entstand teilweise durch die Anlagerung von Mikrokontinenten. Die Antarktische Halbinsel bildete sich vor 80 bis 60 Millionen Jahren als Faltenstrang der Anden.

Antarktika war früher Teil von Gondwana und später von Pangaea. In der frühen Kreide, vor 145 bis 100 Millionen Jahren, lebten dort unter anderem Cryolophosaurus und Leaellynasaura. Als sich die Drakestraße zwischen Antarktika und Südamerika an der Eozän-Oligozän-Grenze vertiefte, entstand der Antarktische Zirkumpolarstrom. Er isolierte den Kontinent von wärmeren Meeresströmungen und beschleunigte die Vereisung. Vor rund 34 Millionen Jahren begann das Känozoische Eiszeitalter. Im Pliozän erreichte der Eisschild seine heutige Ausdehnung von 14 Millionen km². Im letzten Glazial, vor 115.000 bis 11.700 Jahren, lag der Meeresspiegel etwa 135 m niedriger als heute. Eisbohrkerndaten reichen bis zu 900.000 Jahre zurück und umfassen mehr als acht Eiszeit-Zyklen.

Der Kontinent ist der kälteste der Erde: Die Jahresdurchschnittstemperatur im Inland beträgt −55 °C. Am Polarplateau liegen Temperaturen zwischen −40 und −68 °C; an der Küste reichen sie von etwa −18 °C im Juni bis zu einigen Grad über null im Januar. Die niedrigste in freier Natur in der Luft gemessene Temperatur betrug −89,2 °C an der Wostok-Station am 21. Juli 1983. Satellitendaten zeigten für den 10. August 2010 −93,2 °C auf dem Eis; dieser Wert ist technisch nachgewiesen, aber nicht meteorologisch akzeptiert, weil offizielle Messungen in zwei Metern Höhe erfolgen. Ursachen der Kälte sind geringe Sonneneinstrahlung, der Zirkumpolarstrom, die hohe Albedo von Schnee und Eis, trockene Luft, die große mittlere Höhe und eine nur 8 km dicke Troposphäre über den Polen.

Im Winter von etwa März bis September herrscht je nach Breitengrad Polarnacht oder nur kurze Tageshelligkeit; im Sommer von etwa September bis März gibt es Polartag. Niederschlag fällt meist als Schnee und beträgt im Inneren etwas über 40 l/m² jährlich: Nach dieser Definition ist Antarktika die größte Wüste der Erde. Katabatische Fallwinde wehen vom Polarplateau zur Küste; an der Dumont-d’Urville-Station wurden im Juli 1972 327 km/h (91 m/s) gemessen.

Das Inland wird vor allem von Mikroorganismen, Moosen, Flechten und wenigen wirbellosen Tieren besiedelt. Die einzigen einheimischen Blütenpflanzen sind Antarktische Schmiele (Deschampsia antarctica) und Antarktische Perlwurz (Colobanthus quitensis). Bekannt sind außerdem mehr als 200 Flechtenarten, mehr als 100 Arten von Moosen und Lebermoosen sowie etwa 30 Macrofungi. Typische Tiere sind fünf dort brütende Pinguinarten, darunter Kaiser- und Adeliepinguin, sowie Krabbenfresser, Weddellrobbe, Seeleopard und Rossrobbe. In eisfreien Inlandgebieten leben unter anderem Fadenwürmer, Milben, Bärtierchen und Springschwänze.

Entdeckung und Erforschung

Seit der Antike nahm man einen Südkontinent, Terra Australis, an. James Cook überquerte 1773 wahrscheinlich als erster Mensch den Südlichen Polarkreis, konnte Antarktika wegen Packeis aber nicht sehen. Für eine Anwesenheit von Menschen vor dem 19. Jahrhundert gibt es keine Belege. Die erste Sichtung ist nicht völlig eindeutig: Fabian von Bellingshausen, Edward Bransfield und Nathaniel Palmer sahen Antarktika innerhalb weniger Tage oder Wochen; Bellingshausen war wahrscheinlich am 16. Januar julianisch beziehungsweise 28. Januar 1820 gregorianisch der Erste. John Davis landete am 7. Februar 1821 als Erster.

Die Polerkundung erreichte 1911 ihren Höhepunkt: Roald Amundsen gelangte am 14. Dezember 1911 als erster Mensch zum Südpol. Robert Falcon Scott traf am 18. Januar 1912 ein und starb mit seinen Begleitern auf dem Rückweg. Ab 1928 verbesserte die Luftfahrt die Kartierung erheblich. Richard Evelyn Byrds Flugzeug Floyd Bennett erreichte am 29. November 1929 den Südpol; die Operation Highjump 1946/47 fertigte mehr als 70.000 Luftbildaufnahmen an. Während des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 wurden zahlreiche Expeditionen durchgeführt. Die erste Durchquerung Antarktikas endete am 2. März 1958. Reinhold Messner und Arved Fuchs durchquerten den Kontinent vom 13. November 1989 bis 12. Februar 1990 in 92 Tagen zu Fuß über den Südpol.

Politischer Status, Menschen und Versorgung

Antarktika ist kein Staat und hat keine Regierung. Sieben Staaten beanspruchen acht, teils überlappende Gebiete: Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neuseeland, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Marie-Byrd-Land wird von keinem Staat beansprucht. Der Antarktisvertrag trat 1961 in Kraft: Er klammert diese Ansprüche aus und sichert allen interessierten Staaten Zugang zu wissenschaftlichen Zwecken. Wirtschaftliche Aktivitäten sind außer Forschung und Tourismus verboten. Das Umweltschutzprotokoll von 1991 verbietet Prospektion, Erschließung und Gewinnung von Bodenschätzen; über dieses Bergbaumoratorium kann frühestens 2041 mit Dreiviertelmehrheit der Konsultativstaaten neu verhandelt werden.

Eine ständige Bevölkerung gibt es nicht. In mehr als 80 Forschungsstationen leben im Sommer etwa 4000 und im Winter etwa 1000 Menschen; zusätzlich leben etwa 1000 Menschen auf Schiffen. Die argentinische Esperanza-Station und das chilenische Villa Las Estrellas sind die einzigen offiziell zivilen Siedlungen. Emilio Palma wurde am 7. Januar 1978 in Esperanza als erstes Baby auf dem antarktischen Festland geboren.

Nach COMNAP gibt es innerhalb des 60. Breitengrades 82 Forschungsstationen, davon 37 ganzjährig und 36 nur im Sommer. Wichtige Stationen sind Palmer, McMurdo, Amundsen-Scott-Südpolstation und Neumayer-Station III. Definierte Zeitzonen existieren nicht; Stationen verwenden meist die Zeit ihres Heimatlands oder eines verbundenen Flughafens, untereinander UTC.

Menschen und Material werden überwiegend mit Flugzeugen und Helikoptern transportiert. 27 Stationen besitzen Flugstreifen und/oder Hubschrauberlandeplätze. Die 1500 km lange South Pole Traverse verbindet McMurdo und die Amundsen-Scott-Station. Antarktika besitzt die Top-Level-Domain .aq sowie die ISO-Codes AQ, ATA und 010. Bodenschatzfunde umfassen vor allem Kohle im Transantarktischen Gebirge und in den Prince Charles Mountains sowie Eisenerze in den Prince Charles Mountains; theoretisch erwartete Erdöl- und Erdgaslagerstätten wurden bisher nicht entdeckt.

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