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Konsumverweigerung
Die Konsumverweigerung reicht von der Sparsamkeit bis zur Askese und kann sich auf die gesamte Lebensführung erstrecken, aber auch auf bestimmte Güter ( …
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Begriff und Bedeutung
Konsumverweigerung oder Konsumverzicht bezeichnet ein Konsumverhalten, das darauf zielt, den Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen zu verringern. Der Gegensatz dazu ist Überkonsum. Die Formen reichen von Sparsamkeit bis zur Askese, also einem weitgehenden Verzicht auf materielle Bedürfnisse. Der Verzicht kann die gesamte Lebensführung betreffen oder sich auf einzelne Bereiche wie Nahrungsmittel, Kleidung oder Wohnkomfort beschränken. Er gilt als ein besonders wichtiges Element eines einfachen Lebens.
Konsumverweigerung kann außerdem eine Reaktion auf die Konsumgesellschaft und auf das Marketing von Unternehmen sein. Sie äußert sich dann als Widerstand von Verbraucherinnen und Verbrauchern gegen Konsum. Darüber hinaus kann sie als Ideologie, als Mittel des weltweiten zivilen Ungehorsams oder als langfristige Kampagne verstanden werden, die anhand ausgewählter Schwerpunkte den Ausstieg aus der Konsumgesellschaft verdeutlichen soll. In diesem Sinn wird sie als Gegenbewegung und Gegenkultur eingeordnet.
Gründe für den Verzicht
Für Konsumverweigerung werden unterschiedliche persönliche und gesellschaftliche Gründe genannt. Dazu gehören persönliche, soziale, religiöse, ethische, ökologische, organisatorische und volkswirtschaftliche Argumente.
Politisch oder gesellschaftskritisch begründeter Konsumverzicht richtet sich häufig gegen eine Gesellschaft, die stark auf Konsum ausgerichtet ist. Solche Gesellschaftsformen werden beispielsweise als Konsumgesellschaft, Überflussgesellschaft oder Wegwerfgesellschaft bezeichnet. Die Kritik kann sich auch gegen den Konsumkapitalismus richten und damit Teil von Kapitalismuskritik oder Antikapitalismus sein.
Formen und praktische Umsetzung
Eine wichtige Form ist der Konsumentenboykott. Dabei meiden Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt bestimmte Produkte, Produktgruppen, Hersteller oder Händler. Ein Konsumentenboykott ist genauer definiert als die kollektive, organisierte und geplante Weigerung, bestimmte Waren zu kaufen oder zu konsumieren. Durch legalen Protest kann öffentlich zu einem solchen Boykott aufgerufen werden.
Der Kauf neuer Güter lässt sich unter anderem durch Eigenarbeit und Wiederverwendung ersetzen. Genannt werden Do it yourself, Heimwerken und Reparaturhilfe. Weitere Möglichkeiten sind Freeganismus und Containern, bei denen noch verwendbare, weggeworfene Güter beziehungsweise Lebensmittel genutzt werden.
Historische Entwicklung der Konsumkritik
Bereits Karl Marx verband 1867 seine Kapitalismuskritik mit Konsumkritik. Im Kapitel „Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“ in „Das Kapital. Band I“ beschrieb er den „Warenfetischismus“.
Konsumverweigerung entwickelte sich als Gegenbewegung zum Konsumismus. Dieser hatte bereits vor 1899 im „demonstrativen Verbrauch“ einen Höhepunkt erreicht. Damit ist ein Verhalten gemeint, das weit über die Befriedigung von Primärbedürfnissen hinausgeht: Statussymbole werden vor allem gekauft, um das eigene Sozialprestige zu steigern.
Am 16. September 1931 berichtete Wilhelm Lautenbach auf einer Geheimkonferenz in Berlin, deutsche Unternehmen hätten ihren Ersatzbedarf beinahe vollständig gestoppt. Gemeint war eine in der Hyperinflation entstandene Investitionszurückhaltung, bei der sogar notwendige Ersatzinvestitionen ausblieben. Auch eine Deflationsspirale kann ein solcher Anlass sein.
In den 1960er Jahren entwickelte sich der Konsumismus in der westlichen Welt zur Konsumgesellschaft. Im August 1968 beschrieb die Hamburger AUSS eine Minderheit von „Drop-Outs“ unter Schülern, deren Protest sich teilweise in Konsumverweigerung zeigte. Die heute übliche politische Bedeutung des Begriffs entstand in der Postmoderne: Konsumverweigerung wurde neben dem Bremsen der Produktion, Happenings, sexuellen Befreiungsbewegungen sowie Fabrik- und Hausbesetzungen als Teil einer „Politik der Intensitäten“ verstanden.
Erich Fromm verband 1970 das für den Konsumismus typische, mengenmäßig steigende Konsumniveau mit zunehmender Passivität und Habgier. Sulak Sivaraksa bezeichnete den Konsumismus 1995 als eine Art Religion, die in Hass, Habgier und Verblendung wurzele; Kapitalismus und Konsumismus würden von diesen „drei Giften“ genährt.
Wirtschaftliche Ursachen und Folgen
Sowohl Inflation als auch Deflation können Konsumverweigerung auslösen. Bei Inflation steigt das Preisniveau. Bleibt das Arbeitseinkommen gleich, kann dies dazu führen, dass Menschen Geld nicht ausgeben, sondern sparen. Bei Deflation erwarten Konsumentinnen und Konsumenten künftig sinkende Preise und verschieben deshalb ihre Käufe.
Wenn breite Bevölkerungsschichten weniger konsumieren, sinkt die Güternachfrage. Damit Nichtkauf etwa die Produktion und den Vertrieb kurzlebiger Konsumgüter mit geplanter Obsoleszenz verhindert und langlebige, umweltfreundliche Produkte durchsetzt, müsste die Bewegung gegen den „Konsumterror“ Mehrheiten erreichen. Geplante Obsoleszenz bedeutet dabei, dass Produkte absichtlich nur für eine begrenzte Nutzungsdauer ausgelegt werden.
Die Zurückhaltung einzelner Menschen kann sich durch Herdenverhalten verbreiten, also dadurch, dass andere ihr Verhalten übernehmen. Bleibt das Güterangebot konstant, entsteht eine Nachfragelücke, die Preissenkungen auslösen kann. Nach demselben Prinzip könnte die Nachfrage in der Energieversorgung von fossiler auf erneuerbare Energie gelenkt werden. Allgemein können Verbraucher unerwünschte Substitutionsgüter, also austauschbare Alternativprodukte, durch bevorzugte ersetzen. Auch hier dienen Eigenarbeit, Reparaturen, Freeganismus und Containern als Alternativen zum Kauf neuer Waren.