Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Geschichte Englands

Die Geschichte Englands umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet England, des bevölkerungsreichsten Landesteils des Vereinigten Königreichs Großbritannien …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Von der Urgeschichte bis zur angelsächsischen Herrschaft
  2. 2. Wikinger, Reichseinigung und normannische Eroberung
  3. 3. Königtum, Parlament und Gesellschaft im Mittelalter
  4. 4. Krieg, Rosenkriege und Tudor-Reformation
  5. 5. Elisabeth I., Stuarts und Bürgerkrieg
  6. 6. Commonwealth, Revolution und Gründung Großbritanniens

Von der Urgeschichte bis zur angelsächsischen Herrschaft

Die Geschichte Englands umfasst die Entwicklung des heutigen englischen Gebiets von der Urgeschichte bis zur Vereinigung mit Schottland 1707. Die ältesten menschlichen Spuren sind etwa 850.000 bis eine Million Jahre alt. Während der Eiszeiten wurde das Gebiet mindestens neun Mal weitgehend oder vollständig entvölkert; durch den steigenden Meeresspiegel wurde Britannien ungefähr 7000 v. Chr. zur Insel. In der um 4000 v. Chr. beginnenden Jungsteinzeit verbreiteten sich Ackerbau und Viehzucht. Ob dies durch Einwanderung oder durch die Übernahme neuer Lebensweisen durch einheimische Jäger und Sammler geschah, ist umstritten. Ab etwa 3200 v. Chr. entstanden Megalithanlagen wie Stonehenge. Die Eisenzeit begann um 800 v. Chr.; aus ihr stammen zahlreiche Hügelforts.

Caesar landete 55 und 54 v. Chr. in Britannien, doch erst 43 n. Chr. eroberten die Römer unter Kaiser Claudius das Land und machten es zur Provinz Britannia. 61 führte Boudicca den bedeutendsten keltischen Aufstand an. Die Römer schufen Straßen, Städte und andere Infrastruktur; Romanisierung und Urbanisierung waren im Süden und Osten am stärksten. Der Hadrianswall schützte gegen Angriffe aus dem Norden. Ab dem 2. Jahrhundert machte die christliche Missionierung Fortschritte. 407/8 wurde der Großteil der römischen Truppen abgezogen, 409 erhob sich die Insel gegen die römische Regierung; kurz darauf endete die römische Präsenz.

In das Machtvakuum wanderten Angeln, Sachsen und Jüten ein. Bis zum Ende des 7. Jahrhunderts beherrschten die Angelsachsen den größten Teil der Insel; Wales, Teile des Westens und Nordens sowie Schottland blieben außerhalb ihrer Herrschaft. Es entstanden sieben bedeutende Kleinkönigreiche: Northumbria, Ostanglien, Mercien, Sussex, Wessex, Essex und Kent. Im 7. Jahrhundert dominierte Northumbria, im 8. Jahrhundert Mercien, danach Wessex. Die Gesellschaft war überwiegend ländlich und nach Familienverbänden, Gefolgschaften und Adelsherrschaften organisiert.

Die Christianisierung ging von zwei Richtungen aus: Seit 563 wirkte die iro-schottische Mission ausgehend vom Kloster Iona, seit der Landung des Augustinus 597 die römische Mission im Süden. Auf der Synode von Whitby setzte sich der römische Ritus durch. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts war England weitgehend christianisiert, obwohl heidnische Vorstellungen fortbestanden.

Wikinger, Reichseinigung und normannische Eroberung

Seit 789, besonders seit dem Überfall auf Lindisfarne 793, griffen dänische Wikinger England an. Aus Raubzügen entstanden dauerhafte Niederlassungen. 865 landete das Große Heer; 866 eroberte es York. Das dänisch beherrschte Gebiet im Osten wurde als Danelag bezeichnet.

Alfred der Große von Wessex organisierte Heer, Flotte, Burgen und die Verwaltung nach Grafschaften, den Shires, neu. Nach seinem Sieg bei Edington 878 ließ sich der dänische König Guthrum taufen. 886 gewann Alfred London und wurde zunehmend auch außerhalb Wessex als Herrscher anerkannt. Seine Nachfolger bauten die Reichseinheit und die Verwaltung durch königliche Sheriffs aus. Æthelstan eroberte Northumbria dauerhaft und nannte sich Rex totius Britanniae. Eine neue Angriffswelle ab etwa 980 führte zu hohen Tributen, dem Danegeld: Nach Maldon 991 zahlte Æthelred 10.000 Pfund beziehungsweise 3.732 kg Silber; 1012 waren es 22 Tonnen.

Knut der Große wurde 1016 König und regierte ab 1018 England und Dänemark in Personalunion sowie große Teile Norwegens und Südschwedens. Seine Herrschaft brachte Frieden, schaffte das Danegeld ab und verband Angelsachsen und ansässige Dänen in einem Nordseereich. Nach dem Zerfall dieses Reiches wurde 1042 Eduard der Bekenner König. Unter ihm wuchsen der normannische Einfluss und der Konflikt mit dem einheimischen Adel.

Nach Eduards Tod 1066 wurde Harold Godwinson König. Er besiegte Harald Hardråde am 25. September bei Stamford Bridge, unterlag aber Wilhelm von der Normandie am 14. Oktober in der Schlacht von Hastings. Wilhelm wurde am Weihnachtstag 1066 gekrönt. Die normannische Eroberung ersetzte den alten Adel durch eine kleine normannische Oberschicht und führte ein zentralisiertes Lehnssystem ein, in dem letztlich aller Grundbesitz vom König abhing. Das Domesday Book erfasste Bevölkerung, Land und Besitz zu Steuerzwecken. Anglonormannisch und Latein wurden Sprachen der Führungsschicht; im Recht entstanden Geschworenengerichte und eine deutlichere Trennung weltlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit.

Königtum, Parlament und Gesellschaft im Mittelalter

Heinrich I. baute mit Schatzamt, Verwaltungsgerichtshof und Reiserichtern die Zentralverwaltung aus. Nach seinem Tod führte der Thronstreit zwischen Stephan und Matilda zum Bürgerkrieg. 1154 begründete Heinrich II. aus dem Haus Plantagenet durch seine Herrschaft und die Ehe mit Eleonore von Aquitanien das Angevinische Reich. Er stärkte die königliche Rechtsprechung, begrenzte die Selbstjustiz des Adels und setzte Reiserichter und Geschworenengerichte ein. Sein Versuch, die kirchliche Gerichtsbarkeit einzuschränken, führte zum Konflikt mit Thomas Becket, der 1170 ermordet wurde. Ab 1169 begann die anglonormannische Expansion nach Irland.

Johann verlor große französische Besitzungen und musste 1215 die Magna Carta anerkennen. Nach seinem Widerruf begann der Erste Krieg der Barone; für Heinrich III. wurde die Magna Carta erneut bestätigt. Sie wurde damit eine Grundlage englischer Politik. Unter Heinrich III. verlangte der Adel 1258 und 1259 in den Provisions of Oxford und Westminster die Kontrolle der Regierung durch einen Ausschuss und regelmäßige Parlamente. Simon de Montfort berief 1265 auch Vertreter der Städte und des niederen Adels ein. Eduard I. arbeitete später mit Parlament und Magnaten an einer umfassenden Rechtsreform. Das Parlament gewann besonders durch sein Recht, neue Steuern zu bewilligen, dauerhaften Einfluss.

Eduard I. eroberte Wales 1277–1283 und unterwarf es englischer Verwaltung und englischem Recht. Der Versuch, Schottland zu beherrschen, scheiterte langfristig; 1314 errangen die Schotten bei Bannockburn einen entscheidenden Sieg. In Irland schrumpfte die tatsächliche englische Herrschaft bis zum Spätmittelalter weitgehend auf das Gebiet um Dublin.

Zwischen der Mitte des 10. und der Mitte des 14. Jahrhunderts verdreifachte sich die Bevölkerung vermutlich auf bis zu sechs Millionen. Dreifelderwirtschaft, Landgewinnung, Städte und Handel wuchsen; wichtigster Exportartikel war Wolle. London hatte im Hochmittelalter etwa 50.000 Einwohner. Die Pestwellen von 1348 und 1361/62 halbierten die Bevölkerung ungefähr. Der Arbeitskräftemangel erhöhte Löhne und stärkte viele Bauern; die Leibeigenschaft verschwand bis zum Ende des Mittelalters weitgehend. Oxford entstand kurz vor 1200, Cambridge ab 1209. Aus mittelenglischen Dialekten, besonders demjenigen Londons, entwickelte sich die moderne englische Sprache.

Krieg, Rosenkriege und Tudor-Reformation

Der Hundertjährige Krieg begann 1337, nachdem Philipp VI. die Gascogne eingezogen und Eduard III. Anspruch auf den französischen Thron erhoben hatte. Englische Siege bei Crécy 1346, Maupertuis 1356 und Azincourt 1415 brachten zeitweise große Gebietsgewinne. Nach dem Auftreten Jeanne d’Arcs und dem Ende des englisch-burgundischen Bündnisses gewann Frankreich jedoch die Oberhand. 1453 endete der Krieg; England behielt nur Calais. Die hohen Kriegskosten stärkten das Steuerbewilligungsrecht des Parlaments. 1399 setzte Heinrich IV. Richard II. ab; das Parlament bestätigte den Herrscherwechsel.

In den Rosenkriegen kämpften Lancaster und York um die Krone. Eduard IV. setzte sich 1461 durch, doch 1485 fiel Richard III. bei Bosworth Field gegen Heinrich Tudor. Heinrich VII. heiratete 1486 Elisabeth von York, verband beide Häuser und stabilisierte die Monarchie. Er ordnete die Finanzen und begrenzte die Macht großer Adelsfamilien.

Heinrich VIII. scheiterte mit dauerhaften Eroberungen in Frankreich. Weil seine Ehe mit Katharina von Aragón keinen männlichen Erben hervorbrachte und der Papst die Scheidung nicht bewilligte, brach er mit Rom. 1534 erklärte die Suprematsakte den König zum Oberhaupt der unabhängigen englischen Kirche: Dies war die Geburtsstunde der Anglikanischen Kirche. Bis 1540 wurden alle Klöster aufgelöst; ihr Land gelangte an Krone, Gentry und vermögende Bauern. Gegner wie Thomas More wurden hingerichtet. Die Pilgrimage of Grace von 1536 wurde nach vorgetäuschten Verhandlungen unterdrückt. Jane Seymour brachte 1537 den Thronfolger Eduard zur Welt. Zwischen 1534 und 1542 wurde Wales endgültig eingegliedert.

Unter Eduard VI. wurde die Kirche mit den Books of Common Prayer von 1549 und 1552 protestantisch. Maria I. stellte 1554 die Verbindung zu Rom wieder her und ließ knapp 300 Protestanten verbrennen; 1558 verlor England Calais. Ihre Rekatholisierung blieb wegen ihres Todes ohne Erben unvollendet.

Elisabeth I., Stuarts und Bürgerkrieg

Elisabeth I. bestieg 1558 den Thron. Sie stellte die königliche Hoheit über die Kirche wieder her; die 39 Articles von 1563, seit 1571 Gesetz, richteten die Anglikanische Kirche endgültig protestantisch aus. Gegen radikale Puritaner und Katholiken ging die Regierung hart vor. Maria Stuart, die katholische schottische Thronanwärterin, wurde 1587 hingerichtet.

Der Konflikt mit Spanien entstand aus Religionspolitik, englischer Freibeuterei und der Unterstützung der niederländischen Aufständischen. 1588 besiegte die technisch überlegene englische Flotte die Spanische Armada; Stürme vollendeten deren Vernichtung. Dies leitete Englands Aufstieg zur See- und Kolonialmacht ein. Francis Drake hatte 1577–1580 die Welt umsegelt. Der Krieg endete 1604. Wirtschaftlich prägten Bevölkerungswachstum, Inflation, Einhegungen, Textilproduktion und Londons Aufstieg das 16. Jahrhundert. London wuchs von ungefähr 60.000 Einwohnern um 1500 auf etwa 215.000 am Jahrhundertende. Literatur, Theater und Musik erlebten mit William Shakespeare und öffentlichen Bühnen wie dem Globe Theatre eine Blüte.

1603 vereinte Jakob I. die Kronen Englands und Schottlands in Personalunion, scheiterte aber mit einer politischen Vereinigung. Sein Gottesgnadentum geriet mit dem selbstbewussteren Parlament in Konflikt. Unter Karl I. verschärften sich Steuer-, Religions- und Verfassungsfragen. Die Petition of Right von 1628 stärkte das Parlament; danach regierte Karl elf Jahre ohne Parlament. Der Krieg gegen Schottland zwang ihn 1640 zur Einberufung des Long Parliament, das königliche Privilegien beseitigte und nicht mehr ohne eigene Zustimmung aufgelöst werden konnte.

1642 begann der Bürgerkrieg. Die parlamentarische New Model Army unter Oliver Cromwell besiegte Karl I. am 14. Juni 1645 bei Naseby. Nach weiteren Kämpfen übernahm die Armee 1648 die Macht; Karl wurde wegen Tyrannei angeklagt und am 30. Januar 1649 hingerichtet.

Commonwealth, Revolution und Gründung Großbritanniens

Das Commonwealth erklärte England zur Republik mit Parlament und Staatsrat. Cromwell unterwarf Irland bis 1650 in einem blutigen Feldzug und besiegte Karl II. sowie die Schotten bei Dunbar und Worcester. Die Navigationsakte von 1651 stärkte den englischen Seehandel und löste den Ersten Englisch-Niederländischen Seekrieg aus. 1653 löste Cromwell das Parlament auf und wurde Lordprotektor. Seine Verfassung sah ein Parlament mit Vertretern Englands, Irlands und Schottlands vor; religiöse Toleranz galt teilweise auch Katholiken und Juden. Nach Cromwells Tod 1658 scheiterte sein Sohn Richard. 1660 wurde Karl II. als König zurückgerufen.

Die restaurierte Monarchie stärkte zunächst Krone und Anglikanische Kirche. Pest 1665, der Große Brand von London 1666 und der erfolglose Krieg gegen die Niederlande 1665–1667 schwächten das Vertrauen. Im Streit über Katholizismus und Thronfolge entstanden Whigs und Tories. Jakob II. förderte Katholiken in öffentlichen Ämtern, erließ 1687 die Declaration of Indulgence und löste das protestierende Parlament auf. Nach der Geburt eines männlichen Thronfolgers 1688 luden englische Lords Wilhelm von Oranien zur Invasion ein. Jakob floh nach Frankreich.

In der Glorreichen Revolution legitimierte das Parlament Wilhelm und Maria II. nach ihrer Anerkennung der Bill of Rights. Die Staatssouveränität ging auf das Parlament über; Neuwahlen mussten spätestens alle drei Jahre stattfinden, Richter wurden weitgehend unabhängig und der königliche Absolutismus endete. Die Toleranz von 1689 galt protestantischen Dissenters, nicht aber Katholiken und Unitariern; 1695 fiel die Pressezensur.

Wirtschaftlich verlagerte sich der Schwerpunkt zum Überseehandel. London erreichte um 1650 rund 400.000 Einwohner. Kohlebergbau, Landwirtschaft, Schiffbau und Kolonialhandel wuchsen; der Dreieckshandel verband englische Fertigwaren, den Transport versklavter Menschen nach Amerika und koloniale Rohstoffe. 1694 entstand die Bank of England. Wissenschaft und Rationalität gewannen an Bedeutung; 1660 wurde die Royal Society gegründet.

Mit dem Act of Union von 1707 vereinigten sich England und Schottland zum Königreich Großbritannien. Anne wurde erste britische Königin; das englische Parlament ging im britischen Parlament auf und erhielt zusätzlich 45 schottische Abgeordnete im Unterhaus sowie 16 im Oberhaus. Binnenzölle entfielen, doch schottisches Recht, Bank of Scotland und Church of Scotland blieben eigenständig.

Lernvideos zu Geschichte Englands

Weiterlesen

England England · 1 Etymologie · 2 Geographie. 2.1 Klima; 2.2 Flora und Fauna · 3 Geschichte. 3.1 Vor der Römerzeit; 3.2 Römerzeit und Christianisierung · 4 Bevölkerung. Vereinigtes Königreich Das Vereinigte Königreich ist eine Union aus vier Landesteilen, die auf Englisch meist als countries (Länder) oder nations (Nationen) bezeichnet werden: England … Schottland Schottland besteht aus dem nördlichen Drittel der größten europäischen Insel Großbritannien sowie mehreren Inselgruppen und hat etwa 5,5 Millionen Einwohner. Königreich England Das Königreich England bestand vom Zusammenbruch der Heptarchie im Frühmittelalter bis zum Jahr 1707. Sein Nachfolger wurde das durch den formalen … Mittelsteinzeit Die Menschen mussten lernen, anstelle des verschwindenden Großwildes der Kältesteppen nun in den Wäldern Standwild zu jagen und die Fischerei zu verstärken. Jungsteinzeit Die Jungsteinzeit oder Neusteinzeit, fachsprachlich Neolithikum (aus altgriechisch νέος néos ‚neu, jung' und λίθος líthos ‚Stein'), ist eine Epoche der … Eisenzeit Die Eisenzeit ist eine nach dem verwendeten Material (Eisen) zur Herstellung schneidender Waffen und Gerätschaften benannte Periode der Ur- und … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Römische Provinz Die römischen Provinzen waren Verwaltungseinheiten des Römischen Reiches. Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.). Die Provinzen Mesopotamia und … Infrastruktur Als Infrastruktur (von lateinisch inf(e)ra ‚unterhalb' und lateinisch structura ‚Zusammenfügung') bezeichnet man alle Anlagen, Institutionen, Strukturen, … Mission (Christentum) Der Begriff Mission leitet sich von lateinisch missio (Sendung) ab und bezeichnet im Christentum die Verbreitung des Evangeliums. Völkerwanderung Die Völkerwanderungszeit fällt in die Spätantike und bildet für die Geschichte des nördlichen Mittelmeerraums sowie West- und Mitteleuropas ein Bindeglied …