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Konstitutionelle Revolution
Ziel der konstitutionellen Bewegung (persisch مشروطيت , DMG mašrūṭīyat) war es, die absolute Monarchie durch ein parlamentarisches Regierungssystem abzulösen …
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Kern der Revolution
Die Konstitutionelle Revolution in Iran war eine liberale Revolution von 1905 bis etwa 1911. Sie wurde vor allem von westlich orientierten Kaufleuten, Handwerkern, Aristokraten und einigen schiitischen Geistlichen getragen. Ihr Ziel war, die absolute Monarchie durch ein parlamentarisches Regierungssystem zu ersetzen und eine moderne Rechtsordnung einzuführen.
Die Bewegung erreichte, dass Mozaffar ad-Din Schah am 5. August 1906 Wahlen zu einem Parlament, dem Madschles, ankündigte. Dieses Parlament trat am 6. Oktober 1906 erstmals zusammen und verabschiedete eine Verfassung mit bürgerlichen Grundrechten. Damit wurde in Iran die konstitutionelle Monarchie eingeführt: Der Schah blieb Monarch, sollte aber an Verfassung, Parlament und Gesetze gebunden sein.
Die Revolution blieb umkämpft. Nach Mozaffar ad-Din Schahs Tod versuchten die Kadscharen, besonders Mohammed Ali Schah, Parlament und Verfassung gewaltsam zu beseitigen und zur absoluten Monarchie zurückzukehren. 1909 siegte die konstitutionelle Bewegung politisch, doch russische und später britische Besatzungen verhinderten lange den stabilen Aufbau eines parlamentarischen Systems.
Ursachen und Grundkonflikt
Eine Hauptursache lag in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik von Nāser ad-Din Schah. Sein Premierminister Amir Kabir hatte ab 1848 Reformen begonnen: Förderung von Industrie, Bergbau und Landwirtschaft, Aufbau der Hochschule Dar-ol Fonun, ein modernes Steuersystem, Abbau aristokratischer Privilegien, Landreform und Ende der Leibeigenschaft. Diese Reformen scheiterten am Widerstand des Herrscherhauses; Amir Kabir wurde im Auftrag des Schahs ermordet.
Danach vergab Nāser ad-Din Schah Konzessionen und Monopole an Ausländer. Die Tabakmonopolkonzession von 1891 an ein britisches Unternehmen führte zur Tabakbewegung, einem wichtigen Vorläufer der Revolution. Kaufleute, Tabakbauern und Geistliche widersetzten sich; eine Tabak-Fatwa untersagte zeitweise das Rauchen. Der Schah nahm die Konzession zurück, musste aber 500.000 britische Pfund Entschädigung zahlen, finanziert durch ein Darlehen zu 6 Prozent Zinsen. Weitere Darlehen und Konzessionen verstärkten die Abhängigkeit von Russland und Großbritannien.
Innerhalb der Revolution standen zwei Staatsideen gegeneinander. Die Maschrute-Bewegung wollte eine konstitutionelle Monarchie nach westlichem Vorbild mit Parlament und bürgerlichem Recht. Die Maschruʿe-Bewegung, geführt von Teilen der Geistlichkeit, wollte eine Ordnung nach islamischen Grundsätzen der Scharia. Der Kompromiss von 1907 schrieb den schiitischen Islam als offizielle Religion fest und verlangte ein Gremium von mindestens fünf Geistlichen, das Gesetzesvorlagen auf Übereinstimmung mit islamischem Recht prüfen sollte. Dadurch erhielt die Geistlichkeit ein verfassungsmäßiges Vetorecht.
Vom Protest zum Parlament
Der unmittelbare Auslöser waren wirtschaftliche Belastungen und staatliche Gewalt. Mozaffar ad-Din Schah nahm 1899 bei der russischen Staatsbank ein Darlehen über £ 2.400.000 zu 5 Prozent auf. Zur Rückzahlung wurden Zoll- und Steuereinnahmen genutzt; der belgische Zollminister Naus ließ Abgaben teils mit Gewalt eintreiben. Besonders Kaufleute im Teheraner Basar protestierten gegen hohe Zölle und willkürliche Strafen.
1905 begannen Streiks und Protestmärsche. Eine zentrale Rolle spielten die Geistlichen Sayyid Abdollah Behbehani, Sayyid Mohammad Tabatabai und Scheich Fazlollah Nuri. Nach der öffentlichen Auspeitschung eines Zuckerhändlers und seines Sohnes am 12. Dezember 1905 schlossen die Basare, und Demonstranten forderten ein „Haus der Gerechtigkeit“, also unabhängige Gerichte, außerdem die Entlassung des Gouverneurs von Teheran und des Zollministers Naus.
1906 wuchs die Bewegung stark. Nach Schüssen auf Demonstranten suchten Tausende im Gelände der britischen Botschaft Schutz. Dort wurden erstmals deutlich Forderungen nach Verfassung und bürgerlichen Freiheiten erhoben. Mozaffar ad-Din Schah gab nach: Am 9. September 1906 trat ein Wahlgesetz in Kraft, am 6. Oktober 1906 wurde das erste Parlament eröffnet. Am 30. Dezember 1906 unterzeichnete der Schah ein Grundgesetz mit 51 Artikeln.
Verfassungskampf und Diktatur
Nach dem Tod Mozaffar ad-Din Schahs am 7. Januar 1907 wurde Mohammed Ali Schah Herrscher. Er ignorierte zunächst das Parlament und wollte die Minister nur dem Schah verantwortlich machen. In Täbris und Teheran kam es daraufhin zu Protesten. Am 12. Februar 1907 erklärte der Schah schließlich schriftlich, Irans Regierung beruhe vollständig auf den Prinzipien der konstitutionellen Monarchie.
Am 7. Oktober 1907 nahm das Parlament eine Ergänzung zur Verfassung mit 107 Artikeln an. Sie regelte Grundrechte, Gewaltenteilung, Rechte von Abgeordneten, Monarch und Ministern, die zweite Kammer, Gerichte, Kommunalräte und die nationale Armee. Zugleich wurde das Prüfungsrecht der schiitischen Geistlichkeit festgelegt. Am 11. November 1907 schwor Mohammed Ali Schah erstmals im Parlament den Eid auf die Verfassung.
Der Konflikt eskalierte erneut, als das Parlament das Hofbudget um 380.000 Toman kürzte. Anhänger des Schahs griffen das Parlament und Konstitutionalisten an. Am 23. Juni 1908 ließ Mohammed Ali Schah das Parlament durch die von General Liakhov geführte persische Kosakenbrigade beschießen. Zeitungen wurden verboten, Druckereien zerstört und führende Konstitutionalisten wie Mirzā Dschahāngir Khān, Malek-al Motekalemin und Seyed Jamal Vaez getötet oder gehängt. Die Zeit vom 23. Juni 1908 bis 16. Juli 1909 gilt als kurze Diktatur Mohammed Ali Schahs.
Sieg der Konstitutionalisten
Nach der Auflösung des Parlaments leistete vor allem Täbris Widerstand. Dort hatten sich Mudschahed, also Freiheitskämpfer, organisiert. Unter Sattar Khan und Bagher Khan schlugen sie mehrere Angriffe der schahtreuen Truppen zurück. Die Erfolge in Täbris ermutigten andere Städte wie Isfahan, Rascht und Maschhad.
1909 rückten konstitutionelle Kräfte aus mehreren Richtungen auf Teheran vor: Sattar Khan aus dem Westen, Mohammad Vali Khan Tonekaboni Sepahdar aus dem Norden und die Bakhtiaren unter Sardar Asad aus dem Süden. Mohammed Ali Schah versuchte noch, mit einem neuen Wahlgesetz seine Herrschaft zu retten. Das am 1. Juli 1909 verabschiedete Gesetz hob die politische Vormachtstellung von Adel, Kadscharenfamilie und Großgrundbesitzern auf. Wahlberechtigt waren nun grundsätzlich Bürger Irans ab einem bestimmten Alter, ausgenommen Frauen, Kriminelle, Betrüger und geistig Behinderte.
Am 13. Juli 1909 zogen die Freiheitskämpfer in Teheran ein. Am 16. Juli setzte ein Hoher Rat Mohammed Ali Schah zugunsten seines zwölfjährigen Sohnes Ahmad Schah ab. Mohammed Ali Schah floh in die russische Botschaft und ging später nach Odessa ins Exil. Er erhielt eine Pension von $ 80.000 pro Jahr, sofern er politisch untätig blieb. Im Oktober 1909 fanden Wahlen zum zweiten Parlament statt, das sich am 15. November 1909 konstituierte.
Besatzung, Weltkrieg und Folgen
Unter Ahmad Schah blieb die konstitutionelle Monarchie schwach. Russland besetzte Teile Nordirans, Großbritannien griff im Süden ein. Gleichzeitig wurde nach dem Ölfund vom 26. Mai 1908 in Masdsched Soleyman die Anglo-Persian Oil Company gegründet, die später Anglo-Iranian Oil Company und 1954 British Petrol (BP) hieß. 1910 landeten britische Truppen in Buschehr und besetzten Schiras.
1911 reorganisierte der US-Amerikaner Morgan Shuster als Schatzkanzler die Staatsfinanzen. Er zentralisierte Einnahmen und Ausgaben, sorgte für einen Haushaltsplan und regelmäßige Zahlungen an Beamte, Polizei und Gendarmerie. Im selben Jahr versuchte Mohammed Ali Schah mit bewaffneten Unterstützern zurückzukehren, wurde aber von Regierungstruppen unter Yeprem Khan Davidian und Major Haase gestoppt. Russland verlangte danach Shusters Abberufung, entsandte Truppen und setzte politischen Druck ein. Am 20. Dezember 1911 wurde das Parlament aufgelöst.
Im Ersten Weltkrieg erklärte Iran Neutralität, doch Großbritannien und Russland marschierten ein und nutzten iranisches Gebiet gegen das Osmanische Reich. Im Westen kam es zu Hungersnöten; über 100.000 Iraner verhungerten. Bis Kriegsende war laut Artikel ein Viertel der iranischen Bevölkerung an den Kriegsfolgen gestorben. Nach der Oktoberrevolution 1917 kündigte Sowjetrussland den Abzug russischer Truppen an; im Frieden von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 wurde dieser geregelt. Die Briten versuchten 1919 durch den Anglo-iranischen Vertrag Iran faktisch abhängig zu machen, doch das Parlament verweigerte die Inkraftsetzung. Die Verfassung der Konstitutionellen Revolution blieb mit Änderungen bis 1979 bestehen, bis die konstitutionelle Monarchie durch die Islamische Republik abgelöst wurde.