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Konjugation (Grammatik)

Als Konjugation (von lateinisch coniugatio ‚Verbindung') bezeichnet man in der Grammatik die Bildung der Wortformen eines Verbs (Zeitworts), also die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und grammatische Merkmale
  2. 2. Formbildung im Deutschen
  3. 3. Modus, Tempus und Genus Verbi
  4. 4. Konjugationsklassen
  5. 5. Synthetische und periphrastische Formen
  6. 6. Nachschlagewerke

Begriff und grammatische Merkmale

Konjugation bezeichnet die Bildung der verschiedenen Formen eines Verbs, also seine Flexion. Sie gehört zur Morphologie, der Lehre vom Aufbau und von der Formveränderung der Wörter. Der Ausdruck kann sowohl einzelne Verbformen als auch Konstruktionen aus einem Verb und einem Hilfsverb umfassen.

Welche Merkmale durch Verbformen ausgedrückt werden, hängt von der jeweiligen Sprache ab. Häufig sind dies Person, Numerus und Genus, außerdem Tempus, Modus, Aspekt und Genus Verbi. Person bezeichnet etwa Sprecher, Hörer oder eine dritte Person; Numerus unterscheidet unter anderem Singular und Plural. Das Tempus ordnet einen Vorgang zeitlich ein, der Modus kennzeichnet beispielsweise Wirklichkeit, Möglichkeit oder Aufforderung, und das Genus Verbi unterscheidet Aktiv und Passiv. Weltweit können noch zahlreiche weitere Kategorien Teil der Verbalmorphologie sein. Bei der Verwendung des Begriffs Konjugation stehen jedoch meist die aus europäischen Sprachen bekannten Merkmale im Vordergrund.

Finite Verbformen sind nach Merkmalen wie Person, Numerus, Tempus und Modus bestimmt. Infinite Formen wie Infinitiv und Partizip besitzen diese Bestimmung nicht. Deshalb wird Konjugation besonders in Schulgrammatiken manchmal nur auf finite Verben bezogen. Im weiteren Sinn umfasst sie jedoch den gesamten Bestand der Verbformen einschließlich der infiniten Formen.

Konjugation kann außerdem eine Verbklasse bezeichnen: Zu einer Konjugationsklasse gehören Verben, deren Formen nach denselben Regeln gebildet werden. Beispiele sind die starken und schwachen Verben des Deutschen sowie die verschiedenen Konjugationsklassen des Lateinischen. Ein großer Reichtum an Flexionsformen ist typisch für flektierende Sprachen.

Formbildung im Deutschen

Für die deutsche Konjugation ist vor allem die Einteilung in schwache und starke Verben wichtig. Starke Verben werden mitunter als unregelmäßig bezeichnet. Allerdings können auch schwache Verben Unregelmäßigkeiten aufweisen; außerdem gibt es Mischformen.

Verbformen entstehen im Deutschen auf drei Arten: durch Endungen, durch Veränderungen des Verbstamms und durch die Verbindung mit Hilfsverbformen. Beim schwachen Verb kaufen bleibt der Stamm gewöhnlich gleich: ich kauf-e, du kauf-st, er kauf-t. Beim starken Verb treten verändert sich der Stamm in bestimmten Formen: ich tret-e, du tritt-st, er tritt. Person und Numerus treten dabei immer gemeinsam auf. Die erste Person Singular bezeichnet den Sprecher, die zweite den Hörer und die dritte eine andere Person oder Sache.

Infinite Formen passen nicht vollständig in dieses Merkmalsystem. Dazu gehören die Infinitive sowie die Partizipien: treten und kaufen, Partizip I tretend und kaufend, Partizip II getreten und gekauft. Sie können Bestandteile zusammengesetzter Prädikate sein, aber auch eigenständig auftreten, etwa in Infinitivkonstruktionen in Nebensätzen oder als attributive Partizipien. Weil zusammengesetzte Konjugationsformen selbst infinite Wortformen enthalten können, müssen Konjugation und einzelne Wortform grundsätzlich unterschieden werden; diese Trennung wird jedoch häufig nicht genau gezogen.

Modus, Tempus und Genus Verbi

Beim Modus unterscheidet das Deutsche Indikativ, Konjunktiv und Imperativ. Der Indikativ gilt als Wirklichkeitsform, etwa ich trete, wir treten, ihr kauft und sie kaufen. Der Konjunktiv wird als Möglichkeitsform bezeichnet. Zum Konjunktiv I gehören beispielsweise ich trete, ihr tretet sowie ich kaufe, ihr kaufet. Beispiele für den Konjunktiv II sind du trätest, wir träten, er kaufte und ihr kauftet. Da der Konjunktiv II schwacher Verben mit dem Indikativ Präteritum formgleich sein kann, wird er oft periphrastisch umschrieben: er würde kaufen. Der Imperativ ist die Befehlsform, beispielsweise tritt oder kauf(e).

Das Tempus bezeichnet die zeitliche Einordnung. Die sechs aufgeführten deutschen Zeiten sind:

• Präsens: ich trete, ich kaufe. • Präteritum: ich trat, ich kaufte. • Perfekt: ich habe getreten, wir haben gekauft. • Plusquamperfekt: er hatte getreten, wir hatten gekauft. • Futur I: er wird treten, wir werden kaufen. • Futur II: er wird getreten haben, er wird gekauft haben.

Das Genus Verbi, auch Diathese genannt, unterscheidet Aktiv und Passiv. Im Aktiv stehen beispielsweise ich trete und ich kaufe. Das Vorgangspassiv bezeichnet einen Vorgang und wird mit werden gebildet: ich werde getreten, es wird gekauft. Das Zustandspassiv bezeichnet einen Zustand und wird mit sein gebildet: ich bin getreten, es ist gekauft.

Konjugationsklassen

Beim Sprachenlernen genügt es häufig, sich für jedes Verb einige Grundformen zu merken und die übrigen Formen mithilfe von Regeln abzuleiten. Verben mit derselben Art der Formbildung bilden eine Konjugationsklasse. Im Deutschen zeigt die Vergangenheitsbildung den zentralen Unterschied: Die schwache Konjugation verwendet beispielsweise kaufen – kaufte – hat gekauft, die starke Konjugation dagegen treten – trat – hat getreten.

Ob ein deutsches Verb stark oder schwach ist, lässt sich nicht äußerlich am Verbstamm erkennen. Dies zeigen die Paare tragen – trug gegenüber sagen – sagte sowie sehen – sah gegenüber flehen – flehte.

Im Lateinischen lassen sich Konjugationsklassen dagegen an verschiedenen Themavokalen festmachen. Genannt werden die a-Konjugation mit amare und laudare, die ē-Konjugation mit monēre, die i-Konjugation mit audire, die kurzvokalische i-Konjugation mit capere und die konsonantische Konjugation mit regere. Mehrere Konjugationsklassen kommen außerdem unter anderem im Spanischen, Italienischen, Rumänischen, Schwedischen, Lettischen und Sanskrit vor.

Synthetische und periphrastische Formen

Bei der synthetischen Konjugation werden grammatische Merkmale innerhalb einer einzelnen Verbform ausgedrückt. Die periphrastische Konjugation verwendet dagegen eine Verbindung aus Hilfsverb und weiterer Verbform. Das deutsche Perfekt hat gesagt ist eine solche Hilfsverbkonstruktion, während sagte eine einfache Form für die Vergangenheit ist.

Sprachen setzen Hilfsverben in unterschiedlichem Umfang ein. Im Deutschen steht etwa ich zerstöre neben dem mit Hilfsverb gebildeten ich habe zerstört. Das Lateinische kann denselben Gegensatz ohne Hilfsverb durch deleo und delevi ausdrücken. Es kennt jedoch ebenfalls Verbalperiphrasen, beispielsweise im Perfekt Passiv: deletus est bedeutet „er ist zerstört worden“.

Nachschlagewerke

Konjugationslexika verzeichnen die verschiedenen Formen von Verben. Bereits 1842 erschien in französischer Sprache ein eigenes Nachschlagewerk für Konjugationsformen. Es ist bis heute unter dem Namen seines Autors als Bescherelle bekannt.

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