Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Kongruenz in der spanischen Sprache
Die Kongruenz bezeichnet somit eine Abhängigkeitsbeziehung zwischen mindestens zwei grammatischen Formen oder sprachlichen Entitäten. ... Damit wird die Kongruenz …
Inhalt4 Abschnitte
Grundbegriff und Bedeutung
Kongruenz (spanisch: concordancia gramatical) ist die Übereinstimmung grammatischer Merkmale verschiedener Elemente eines Satzes oder einer Konstituente, also einer zusammengehörigen Wortgruppe. Im Spanischen betrifft sie besonders Person, Numerus (Singular oder Plural), Genus (grammatisches Geschlecht) und teilweise Kasus; als verwandte Übereinstimmungen werden auch Tempus und Modus genannt.
Spanisch ist eine relativ flektierende Sprache: Wortformen werden mithilfe von Affixen verändert. Kongruenz macht dadurch syntaktische Beziehungen sichtbar, also Beziehungen zwischen Satzteilen. Zwar drücken Morpheme die Merkmale aus, doch miteinander kongruieren die Satzelemente. Wichtige Kongruenzbereiche sind Subjekt und Verb, Subjekt und prädikative Nominalphrase sowie Nomen und seine Begleiter innerhalb einer Nominalphrase.
Bei Subjekt und Verb müssen Person und Numerus übereinstimmen; ein Kasus wird im Spanischen dabei im engeren Sinn meist nicht ausgedrückt. Bei Subjekt und Prädikativ sowie innerhalb der Nominalphrase stimmen vor allem Genus und Numerus überein. Kongruenz ist von Konkordanz zu unterscheiden: Konkordanz bezeichnet in Sprachen mit Nominalklassen die morphologische Übereinstimmung von Verb oder Attribut mit einem Nomen und wird vielfach als Sonderform der Kongruenz verstanden. Auch ist sie nicht mit „Kongruenz“ oder „Äquivalenz“ der Kontrastiven Linguistik gleichzusetzen.
Arten der Kongruenz
Die grammatische Kongruenz ist satzintern und markiert syntaktische Beziehungen. Bei der nominalen Kongruenz stimmen Determinantien, adjektivische Attribute und Appositionen mit ihrem Bezugsnomen überein, etwa in Kasus, Genus und Numerus: „la bella novia“, „una hermosa novia“, „a la novia hermosa“.
Bei der verbalen Kongruenz stimmt der flektierte Prädikatteil mit dem Subjekt in Person und Numerus überein, zum Beispiel „Te amo“ und „La mujer ama“. Bei der prädikativen Kongruenz korrespondieren Subjekt und Prädikat hinsichtlich Genus, Numerus oder Kasus: „Ella es una profesora universitaria“ und „Él es un profesor universitario“.
Anaphorische Kongruenz überschreitet dagegen Satzgrenzen, etwa wenn ein Pronomen auf ein vorher genanntes Nomen verweist: „Juana estaba cansada. Ella pensó ...“ Das Pronomen „Ella“ bezieht sich auf „Juana“. Insgesamt gilt besonders: Das finite Verb kongruiert mit seinem Subjekt in Person und Numerus; prädikative Adjektive kongruieren mit dem Subjekt in Genus und Numerus; attributive Adjektive und Artikel kongruieren mit ihrem Bezugsnomen ebenfalls in Genus und Numerus.
Verb, Subjekt und Partizip
Die wichtigste spanische und romanische Kongruenz ist die zwischen konjugiertem Verb und einem Substantiv oder dem es vertretenden Pronomen. Sie erfolgt in Person und Numerus und bildet häufig die Grundlage des Satzes aus Subjekt und Prädikat. So zeigen „Me gustan los coches“ und „Me gusta el coche“, dass sich „gustar“ nach dem pluralischen beziehungsweise singularischen Satzteil richtet. Auch in „En ese bar se comen unos bocadillos muy ricos“ gegenüber „En ese bar se come un bocadillo muy rico“ steht das Verb im Plural beziehungsweise Singular.
Person-Numerus-Kongruenz ist im Spanischen obligatorisch. Genus-Kongruenz ist dagegen nur in bestimmten Prädikatkonstruktionen erforderlich, darunter Passiv und Partizipialperiphrasen. Bei einem mehrfachen Subjekt (sujeto múltiple) können unterschiedliche Konstruktionen auftreten: „Su amabilidad y cordialidad me impresionaron“ verwendet das Prädikat im Plural, während „Me impresionó su amabilidad y su cordialidad“ das Prädikat im Singular hat.
Bei Kollektivbezeichnungen kann die formale Regel nach semantischem Sinn aufgehoben werden. „La mayoría comieron sin decir nada“ und „La mayoría comió sin decir nada“ sind beide möglich: „la mayoría“ steht formal im Singular, verweist inhaltlich aber auf eine Mehrzahl.
Das Pretérito perfecto de indicativo mit dem Hilfsverb „haber“ wird ohne Kongruenz gebildet. Auch bei vorangestelltem Objektklitikum gibt es in transitiven Konstruktionen keine Kongruenz: „María ha regado las plantas“ und „Las ha regado“. Im spanischen Passiv kongruiert das participio pasado dagegen immer mit dem internen Argument. Dies gilt sowohl für Vorgangspassiv mit „ser“ als auch für Zustandspassiv mit „estar“: „Las plantas fueron regadas“, „Las plantas han sido regadas“, „Las plantas estaban regadas“ und „Las plantas han estado regadas“.
Kongruenz der Adjektive
Prädikativ verwendete Adjektive werden im Spanischen an Genus und Numerus angepasst. Die Formen in „Este hombre me puso cachondo“, „Esta mujer me puso cachonda“, „Los hombres se pusieron cachondos“ und „Las mujeres se pusieron cachondas“ richten sich jeweils nach Mann, Frau, Männern oder Frauen. Im Deutschen sind prädikativ verwendete Adjektive nach dem Artikel dagegen unflektiert.
Auch attributive spanische Adjektive werden sowohl vor als auch nach dem Nomen in Genus und Numerus angepasst. Dies zeigen „El pequeño Juanito fue solo“, „La pequeña Juanita fue sola“, „Los pequeños Juanitos fueron solos“ und „Las pequeñas Juanitas fueron solas“. Die Übereinstimmung bleibt bestehen, selbst wenn Nomen und Adjektiv weiter auseinanderstehen, etwa: „Estas faldas son para ti. ¡Qué bonitas!“
Bezieht sich ein Adjektiv auf mehrere Substantive desselben Genus, steht es im Plural: „He comprado una falda y una braga rojas.“ Bezieht es sich auf mehrere Substantive unterschiedlichen Genus, verwendet Spanisch den maskulinen Plural: „He comprado un sujetador, una falda, una braga y un calcetín rojos.“