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Komparation

Komparation im Deutschen · Adjektivisch verwendete Partizipien · Steigerung zusammengesetzter Adjektive · Superlativadverbien · Desuperlativum · Hyperlativ · Nicht …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Stufen
  2. 2. Komparation im Deutschen
  3. 3. Grenzen und besondere Verwendungen
  4. 4. Partizipien und Sonderbildungen
  5. 5. Adverbien und nicht vergleichende Formen
  6. 6. Komparation in anderen Sprachen

Begriff und Stufen

Komparation, auch Gradation oder Graduierung, ist in der Sprachwissenschaft ein Teil der Formenbildung von Adjektiven und einigen Adverbien. Auf Deutsch heißt sie meist Steigerung. Sie beschreibt unterschiedliche Grade einer Eigenschaft.

Unterschieden werden fünf Stufen:

  • Positiv: die Grund- oder Ausgangsstufe.
  • Komparativ: die Vergleichs- oder Mehrstufe.
  • Superlativ: die Höchst- oder Meiststufe.
  • Elativ: eine hervorgehobene, meist sehr hohe Ausprägung ohne notwendigen Vergleich.
  • Exzessiv: ein Übermaß oder eine Überschreitung.

Nicht jede Sprache verwendet alle fünf Stufen.

Komparation im Deutschen

Im Deutschen werden Adjektive normalerweise in drei Stufen gebildet: Positiv, Komparativ und Superlativ. Beispiel: stolz – stolzer – am stolzesten. Der regelmäßige Komparativ endet auf -er und wird beim Vergleich mit als verbunden: „Anton ist stolzer als Peter.“ Der Superlativ endet auf -st oder, nach -s, -ß, -sch, -d, -t, -tz, -x oder -z, auf -est. Bei prädikativem Gebrauch steht meist am: groß – größer – am größten; schön – schöner – am schönsten; wild – wilder – am wildesten.

Der Superlativ bezeichnet bei mindestens drei Vergleichswerten den höchsten Grad, zum Beispiel: „Anton rennt von allen Schülern am schnellsten.“ oder „Der höchste Berg in Asien ist der Mount Everest.“ Ohne ausdrücklich genannte Vergleichswerte heißt er absoluter Superlativ oder Elativ. Er kann durch Wörter wie allerschnellsten oder mit Abstand höchster zusätzlich verstärkt werden.

Einige Adjektive werden unregelmäßig gesteigert, weil sich der Wortstamm oder ein Konsonant verändert:

  • gut – besser – am besten
  • viel – mehr – am meisten
  • gerne – lieber – am liebsten
  • hoch – höher – am höchsten
  • wenig – weniger/minder – am wenigsten/am mindesten
  • nahe – näher – am nächsten

Bei wenig sind beide Formen möglich. Die Formen vorderer – vorderster, hinterer – hinterster, innerer – innerster und äußerer – äußerster werden nur einmal gesteigert; die zugehörigen Ortsadverbien lauten beispielsweise vorn(e), hinten, innen und außen.

Grenzen und besondere Verwendungen

Absolutadjektive entziehen sich normalerweise der Komparation, weil ihre Bedeutung keinen Vergleich zulässt. Dazu gehören etwa dreieckig, schriftlich, sterblich, einmalig, tot, ganz und einzig. In scherzhafter, rhetorischer oder übertragener Verwendung können sie dennoch gesteigert werden. Beispiele sind „einige Tiere sind gleicher als andere“ und die umgangssprachlichen Formen „die optimalste Variante“ oder „die einzigste Lösung“. Solche scheinbaren Steigerungen heißen Hyperlative. Die Steigerung von Absolutadjektiven als stilistisches Mittel zählt zu den Elativen, etwa in „zur vollsten Zufriedenheit“.

Der Komparativ kann auch ohne echten Vergleich verwendet werden. Dieser absolute Komparativ schwächt die Bedeutung gegenüber dem Positiv ab: „Meine Nachbarin ist eine ältere Dame“ bedeutet nicht unbedingt, dass sie älter als eine genannte Person ist; eine ältere Dame ist dabei weniger alt als eine alte Dame. Ebenso bedeutet „Es geht mir besser, aber noch nicht gut“ hier „weniger schlecht“. In der festen Bezeichnung „ein besserer Herr“ bezeichnet besser einen sozial höher gestellten Mann und wird nicht mit einem guten Herrn verglichen.

Auch bei zusammengesetzten Adjektiven ist die Komparation eingeschränkt. Bei hochwertig darf normalerweise nur ein Bestandteil gesteigert werden. Welche Hälfte gesteigert wird, hängt von der gemeinten Eigenschaft ab: „der schnellstmögliche Zug“ ist schneller als jeder andere, nicht möglicher. Bei wörtlicher Bedeutung wird häufig das Vorderwort, bei übertragener Bedeutung eher das Hinterwort gesteigert. Daher heißt es „kleiner kariert“ für kleinere Karos, aber „kleinkarierter“ im Sinn von pingeliger; ebenso „die näher liegende Haltestelle“, aber „die naheliegendere Lösung“. Zusammen- und Getrenntschreibung müssen dabei beachtet werden.

Partizipien und Sonderbildungen

Adjektivisch verwendete Partizipien werden normalerweise nicht gesteigert. Man sagt „die schreienden Kinder“, nicht „die schreienderen“ oder „die schreiendsten Kinder“. Stattdessen wird die Steigerung umschrieben: „die lauter schreienden“ oder „die am lautesten schreienden Kinder“. Wird schreiend übertragen gebraucht, kann es als eigenständiges Adjektiv empfunden werden; dann ist etwa „in den schreiendsten Farben“ möglich.

Unveränderliche Adjektive werden weder flektiert noch gesteigert. Beispiele sind entlehnte Farbwörter wie lila und rosa, während rot, grün und blau gesteigert werden können. Umgangssprachlich kommen Formen wie „ein lilanes Kleid“ oder „ein rosanes Kleid“ vor. In elliptischen Formulierungen muss das Adjektiv flektiert werden: „Sie trägt ein lilanes“, nicht „Sie trägt ein lila“.

Superlativadverbien sind Adverbien mit superlativer Form und Bedeutung, zum Beispiel bestens, spätestens, mindestens und höchstens. Ein Desuperlativum ist ein Wort, das von einem Superlativ abgeleitet wurde, etwa optimal von lateinisch optimus „der Beste“ oder maximal von maximus „der Größte“.

Adverbien und nicht vergleichende Formen

Nur wenige eigenständige deutsche Adverbien können gesteigert werden, zum Beispiel oft – öfter – am häufigsten beziehungsweise am öftesten. Adverbiell gebrauchte Adjektive können regelmäßig gesteigert werden, sofern ihre jeweilige adverbielle Funktion dies erlaubt: „Peter singt schöner als Jutta.“

In manchen Dialekten wird beim Vergleich wie statt als verwendet, etwa besser wie in schwäbischen und alemannischen Dialekten. Dialektal kommt auch die im Standard regelwidrige Verbindung als wie vor, beispielsweise besser als wie. Dadurch kann die Bedeutung von Sätzen mit dem absoluten Komparativ und wie regional unterschiedlich verstanden werden. „Meine Nachbarin ist eine ältere Dame wie meine Mutter“ kann je nach Dialekt bedeuten, dass sie älter als die Mutter ist, oder dass sie ebenso älter ist wie die Mutter.

Komparation in anderen Sprachen

Andere Sprachen unterscheiden teilweise eine vierte Stufe, den Elativ. Im Neugriechischen lautet die Reihe für „höflich“: ewjenikós „höflich“, ewjenikóteros „höflicher“, o ewjenikóteros „höflichst-“ und ewjenikótatos „sehr höflich“. Der Elativ kann im Deutschen mit „sehr gut“, „äußerst gut“ oder „super(-gut)“ wiedergegeben werden.

Im Lateinischen gibt es drei Steigerungsformen: longus „lang“, longior „länger“ beziehungsweise „recht lang“ und longissimus „am längsten“ beziehungsweise „sehr lang“.

Das Baskische besitzt einen Exzessiv, der auch Elativ genannt wird und ein Übermaß ausdrückt. Die Reihe lautet handi „groß“, handiago „größer“, handien „größt-“ und handiegi „zu groß“. Der Exzessiv wird daher mit „zu …“ übersetzt.

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