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Komposition (Grammatik)
Ein Kompositum, das als Ganzes ein Nomen (im Sinne von Substantiv) ergibt, wird zusammengesetztes Nomen oder Nominalkompositum genannt, in der Schulgrammatik …
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Grundbegriff und Bedeutung
Komposition oder Wortzusammensetzung ist ein Verfahren der Wortbildung. Dabei werden bereits vorhandene Wörter beziehungsweise genauer: Wortstämme miteinander verbunden, sodass ein neues Wort entsteht. Das Ergebnis heißt Kompositum (Plural: Komposita), auch Doppelwort oder Zusammensetzung.
Ein Kompositum kann grundsätzlich jeder Wortart angehören. Besonders häufig sind im Deutschen zusammengesetzte Nomen, auch Nominalkomposita oder in der Schulgrammatik zusammengesetzte Hauptwörter genannt. Beispiele sind Fußballstadion, Abfahrtszeit und Fahrgast.
Die Komposition ist neben der Derivation (Wortableitung) die wichtigste Wortbildungsart und ein bedeutendes Mittel zur Erweiterung des Wortschatzes. Sie verdichtet Informationen: Eine Bedeutung, die sonst durch eine syntaktische Verbindung aus mehreren Wörtern ausgedrückt werden müsste, steht in einem einzigen Wort. Die Bedeutung eines Kompositums lässt sich jedoch nicht immer eindeutig aus seinen Bestandteilen ableiten. Deshalb können Komposita mehrdeutig sein, eine spezielle Bedeutung annehmen oder ihre ursprüngliche Bedeutung insgesamt verschieben. Solche Fälle werden als Lexikalisierung bezeichnet, etwa bei Kindergarten.
Deutsch und Sanskrit gelten als besonders kompositionsfreudige Sprachen. Andere Sprachen verwenden für vergleichbare Bedeutungen eher feste syntaktische Verbindungen oder Adjektivkonstruktionen.
Bestandteile, Abgrenzung und innerer Aufbau
In einfachen Darstellungen ist das Rechtsglied eines Kompositums das Grundwort oder Determinatum; es legt meist die grammatische Kategorie und die grundlegende Bedeutung fest. Das Erstglied heißt Bestimmungswort oder Determinans und grenzt die Bedeutung des Grundworts näher ein. In Fußballstadion ist Stadion das Grundwort und Fußball das Bestimmungswort.
Genauer wird Komposition als Verbindung zweier Wortstämme definiert, nicht zweier vollständiger Wörter. Dadurch werden auch unselbstständige Stämme und Konfixe erfasst. Ein Konfix ist ein nicht frei vorkommender, aber inhaltstragender Wortstamm, zum Beispiel -thek in Bibliothek und Videothek. Auch ein unikales Morphem wie Brom- in Brombeere kann in dieser Analyse als Bestandteil eines Kompositums gelten.
Wortstämme können selbst schon zusammengesetzt oder abgeleitet sein. In Fahrgastbefragung wird ein komplexer Stamm Fahrgast mit einem weiteren Stamm verbunden. Bei Töpfereibetriebseröffnung lautet die Kompositionsstruktur [[Töpferei betriebs] eröffnung]; Eröffnung ist der Kopf und bestimmt, dass das gesamte Wort ein Femininum ist. Die innere Struktur beeinflusst die Bedeutung: Ein Stadtplanungsbüro kann je nach Gliederung etwas anderes bedeuten als ein Stadtplanungsbüro mit einer anderen hierarchischen Analyse.
Komposition und Derivation werden unterschieden, weil Komposition zwei Stämme verbindet, während Derivation einen Stamm mit einem Affix verbindet. Die Grenze ist jedoch nicht immer eindeutig. Ehemals selbstständige Wörter können zu Affixen werden, wie das heutige Suffix -lich, das historisch mit dem Wort lîch „Körper, Gestalt“ zusammenhängt. Auch -wesen in Finanzwesen, Hochschulwesen und Gesundheitswesen wird teils als Suffix, teils wegen der erkennbaren Bedeutung des Substantivs Wesen als Bestandteil einer Komposition bewertet. Affixoide wie Riesenproblem, Bombenerfolg oder Traumurlaub sehen wie Wörter aus, verhalten sich aber wie Affixe: Sie treten gebunden auf, verlieren den Wortakzent und haben häufig eine verstärkende oder stilistisch-emotionale Funktion.
Der Kopf überträgt seine semantischen und grammatischen Eigenschaften auf das gesamte Wort. Im Deutschen steht er in der Regel rechts außen; deutsche Komposita sind daher rechtsköpfig. An der Verbindungsstelle der Stämme liegt die Fuge. Fugenelemente sind vor allem -(e)s-, -e-, -(e)n- und -er-, etwa in Liebeslied, Wartezimmer und Geisterfahrer. Sie sind keine Flexionsformen, auch wenn sie äußerlich Flexionsendungen gleichen. Vollständige Regeln für ihr Auftreten gibt es nicht; bestimmte Suffixe wie -keit, -heit, -schaft, -ung, -ion, -ität und -tum verlangen jedoch häufig ein Fugen-s, etwa in Freiheitsliebe und Meinungsbildung.
Endozentrische und exozentrische Komposita
Komposita können rekursiv gebildet werden: Aus Dampf und Schiff entsteht Dampfschiff, daraus zusammen mit Fahrt das Wort Dampfschifffahrt.
Nach dem Frege-Prinzip wird unterschieden, ob sich die Bedeutung des Gesamtwortes vollständig aus den Bestandteilen ergibt:
- Ein endozentrisches Kompositum hat einen semantischen Kopf. Eines seiner Glieder vererbt seine semantischen und grammatischen Merkmale an das Gesamtwort. Küchenstuhl, Buchladen und Wasserflasche sind Beispiele. Buchladen bezeichnet einen Laden und nicht ein Buch, weil der Kopf im Deutschen rechts steht.
- Bei Kopf-Modifikator-Komposita beschreibt das Erstglied den Kopf näher. Eine Katzentoilette ist eine besondere Art von Toilette.
- Bei kopulativen Komposita treffen die Eigenschaften beider Glieder gleichermaßen zu. Taubstumm bezeichnet jemanden, der taub und stumm ist.
- Bei synthetischen Komposita ist das Zweitglied ein aus einem Verb abgeleitetes deverbales Nomen. In Taxifahrer ist Fahrer von fahren abgeleitet; Taxi verhält sich wie ein Argument dieses Verbs.
- Ein exozentrisches Kompositum erhält seine Gesamtbedeutung „von außen“; sie ergibt sich nicht vollständig aus den Morphemen. Das gilt häufig bei Personenbezeichnungen. Ein Angsthase ist trotz des Bestandteils Hase kein Hase, sondern ein ängstlicher Mensch. Weitere Beispiele sind Hoffnungsträger und Jammerlappen.
Kompositionstypen und Sonderfälle
Die herkömmliche semantische Typisierung unterscheidet unter anderem:
- Determinativkomposita (Tatpurusha): Das Erstglied bestimmt das Zweitglied näher. Apfelbaum kann als „Baum des Apfels“ verstanden werden; Todesangst bedeutet „Angst vor dem Tode“ und Weltschmerz „Schmerz über die Welt beziehungsweise den Zustand der Welt“.
- Kopulativkomposita (Karmadharaya): Beide Glieder sind semantisch gleichwertig, etwa süß-sauer oder Großkönig.
- Rektionskomposita: Das Erstglied verhält sich wie eine vom Grundwort verlangte Ergänzung, etwa Frauenkenner oder Autofahrer.
- Possessivkomposita (Bahuvrihi): Das Gesamtwort bezeichnet nicht das Zweitglied selbst, sondern etwas, das dessen Merkmal besitzt. Glatzkopf bedeutet „einen Kopf mit Glatze aufweisend“, Rotkäppchen „ein rotes Käppchen besitzendes Mädchen mit diesem Namen“.
Possessiv- und Rektionskomposita gelten dabei als Unterformen der Determinativkomposita. Die Sanskrit-Grammatik kennt zusätzlich Koordinativkomposita (Dvandva), bei denen X und Y parataktisch verbunden werden, etwa „Mutter und Vater, Eltern“. Dieser Typ existiert im Deutschen nicht.
Bei der historischen Typisierung nach Jacob oder Wilhelm Grimm werden echte beziehungsweise eigentliche Komposita durch Juxtaposition, Kasuskomposita sowie verdunkelte oder „versteinerte“ Zusammensetzungen unterschieden.
Zusammenrückungen entstehen, wenn mindestens zwei syntaktisch gebildete Wörter als ein einziges Wort aufgefasst werden. Deshalb können sie Flexionsspuren enthalten; Beispiele sind Vergissmeinnicht, Taugenichts, Tunichtgut und Nichtsnutz. Anders als bei gewöhnlichen Komposita bestimmt das Zweitglied nicht unbedingt die Wortart des Gesamtwortes.
Bei Autokomposita wird ein Wort verdoppelt, etwa in Helfershelfer, Kindeskind und Zinseszins. Sie können als Genitivkonstruktionen verstanden werden. Varianten mit Konsonanten- oder Vokalveränderung sind Schickimicki, larifari, Mischmasch, Wirrwarr und Schnickschnack. Solche Bildungen werden oft auch als Reduplikation analysiert. Phrasenkomposita enthalten im Erstglied einen ganzen Ausdruck, zum Beispiel seine Alles-oder-nichts-Haltung oder die Wer-war-das-Frage. Auch fremdsprachliche Ausdrücke oder Zeichen können darin vorkommen, etwa Rien-ne-va-plus-Behauptung oder @-Zeichen.
Wortarten und Rechtschreibung
Die unmittelbaren Bestandteile eines Kompositums können unterschiedlichen Wortarten angehören. Nach der Darstellung des Artikels können grundsätzlich fast alle Wortarten miteinander verbunden werden; dieser Abschnitt ist jedoch als wahrscheinlich fehlerhaft beziehungsweise überarbeitungsbedürftig markiert. Beispiele sind Substantiv plus Substantiv in Wortbildung, Substantiv plus Verb in seiltanzen, Substantiv plus Adjektiv in blitzschnell, Substantiv plus Adverb in flussabwärts und Substantiv plus Präposition in bergauf. Weitere Bildungen sind Kochtopf, drehbohren, hellgelb, Wiederwahl, davonlaufen, blauhelm, nebenan, Breitmaulfrosch und Ichbewusstsein.
Nach der Wortart des Kopfes gibt es unter anderem Substantivkomposita wie Rennwagen, Adjektivkomposita wie himmelblau, Verbkomposita wie zusammensetzen und Adverbkomposita wie flussabwärts.
Im Deutschen werden Komposita in der Regel zusammengeschrieben. Ein Bindestrich ist vorgesehen oder möglich bei Einzelbuchstaben, Abkürzungen, Ziffern und fremdsprachlichen Bildungen, etwa S-Kurve, Fußball-WM, 100-prozentig und Make-up. Er kann außerdem die Lesbarkeit verbessern oder Missverständnisse vermeiden. Ein langes Wort wie Reihensechszylinderwirbelkammervierventilturbodieselmotor darf daher als Reihen-Sechszylinder-Wirbelkammer-Vierventil-Turbo-Dieselmotor geschrieben werden. Ein Leerzeichen ist in einem deutschen Kompositum unzulässig.
Im Englischen werden Komposita gewöhnlich mit Leerzeichen geschrieben. Bindestriche werden gesetzt, wenn sie das Verständnis erleichtern, besonders bei Zahlen-Substantiv-Verbindungen. Viele früher übliche Bindestriche werden heute, besonders im amerikanischen Englisch, durch Getrennt- oder Zusammenschreibung ersetzt. Komposita mit mehr als vier Teilen gelten im Englischen als unüblich; längere Ausdrücke werden häufig mit of oder anderen Präpositionen umformuliert.
Quantitative Untersuchungen
Komposita können auch quantitativ untersucht werden. Dabei geht es unter anderem um die Zahl der Lexeme in Komposita, die Häufigkeit unterschiedlich langer Zusammensetzungen, die beteiligten Wortarten und die Gestaltung der Übergangsstelle zwischen den Gliedern. Untersuchungen liegen zu englischen Prosatexten und wissenschaftlichen Texten, zu einem deutschsprachigen Fachbuch über Wirtschaftsinformatik sowie zu Büchern über Computerwissenschaft im Ukrainischen vor.
Ein weiterer Befund ist, dass kürzere Wörter häufiger an der Bildung von Komposita beteiligt sind als längere. Für die genannten Untersuchungsbereiche konnte gezeigt werden, dass die beobachteten Verhältnisse mathematischen Modellen genügen.
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