Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Unikales Morphem

Morphem ist ein Bestandteil eines komplexen Wortes (ein Morphem), le Morpheme im Deutschen sind: -letz- in ver-letz-[en], -lier- in ver-lier-[en], Schorn- in …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Bedeutung
  2. 2. Erkennen und Abgrenzen
  3. 3. Sprachgeschichtlicher Hintergrund
  4. 4. Weitere Wortbeispiele

Definition und Bedeutung

Ein unikales Morphem ist ein Bestandteil eines komplexen Wortes, der in der heutigen Sprache nur in einer einzigen Verbindung mit einem anderen Wortbestandteil vorkommt. Bei der Segmentierung, also der Zerlegung eines Wortes in seine Bestandteile, bleibt er als „Rest“ übrig. Weil ein unikales Morphem nicht selbstständig, sondern nur in dieser einen Verbindung vorkommt, ist es immer ein gebundenes Morphem.

Erkennen und Abgrenzen

Ein Wort wird in der Regel dann entsprechend zerlegt, wenn einer seiner Bestandteile klar erkennbar ist und mit derselben Bedeutung auch selbstständig oder in anderen Wörtern vorkommt. So enthält Brombeere das Element -beere, das auch als Simplex, also als einfaches Wort, Beere sowie in Erdbeere, Stachelbeere und Johannisbeere vorkommt. Brom- verändert die Bedeutung zur Bezeichnung einer bestimmten Beerenart, erscheint aber nur zusammen mit -beere und gilt deshalb als unikal.

Nicht jede mögliche Zerlegung ist gleich überzeugend. Bei Schornstein ist fraglich, ob Schorn- ein unikales Morphem zu -stein ist, weil ein Schornstein kaum als eine bestimmte Art von Stein verstanden werden kann. Daher lässt sich auch dafür argumentieren, Schornstein gar nicht zu segmentieren. Noch weniger überzeugend ist die Zerlegung von verletzen in ver-letz-en oder verlieren in ver-lier-en: ver- besitzt hier keine klare Bedeutung, sodass die Annahme der unikalen Morpheme -letz- und -lier- wenig erklärt.

Sprachgeschichtlicher Hintergrund

Wörter mit unikalen Morphemen gehen häufig auf echte Ableitungen oder Komposita, also Zusammensetzungen, zurück. Das zugehörige einfache Wort war in älteren Sprachstufen noch vorhanden, ging später aber verloren. Brombeere war ursprünglich ein Kompositum mit dem mittelhochdeutschen Wort brame für „Dornstrauch“. Das Verb letzen ist im Wörterbuch der Brüder Grimm noch mit der Bedeutung „schädigen“ verzeichnet.

Weitere Wortbeispiele

Weitere angeführte Beispiele sind:

  • Him- in Himbeere stammt vom althochdeutschen hinta („Hirschkuh“); die Himbeere war demnach die „Beere der Hirschkuh“.
  • Brom- in Brombeere geht auf das althochdeutsche brāma („Dornstrauch“) zurück.
  • Schorn- in Schornstein wird von schoren („stützen“) abgeleitet; ursprünglich war ein Schornstein ein gestützter Rauchabzug.
  • Bern- in Bernstein hat nichts mit der Stadt Bern zu tun, sondern kommt von brennen; Bernstein ist der „Brennstein“.
  • Bei Nachtigall wird -gall als unikales Morphem genannt. Der Wortteil Nacht ist klar; laut Artikel ist ig ein Rest von galan („singen“ oder „tönen“).
  • Sint- in Sintflut kommt von sin („immerwährend“ oder „groß“). Das Wort bedeutet ursprünglich „die große Flut“, nicht „Sündenflut“.
  • Lud- in Luder bezieht sich häufig auf Lockmittel oder Aas.

Weiterlesen