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Kommaregeln der deutschen Sprache
Die Infinitivgruppe hängt von einem Substantiv, Korrelat oder Verweiswort ab. Beispiele: „Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter …
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Funktion und Geltung der Regeln
Das Komma (Plural: Kommata oder Kommas; österreichisch: Beistrich) grenzt in der Schriftsprache Satzteile ab. Es macht Texte übersichtlicher, erleichtert das Lesen und kann den Sinn eines Satzes entscheiden. Es trennt schwächer als ein Punkt; je nach Satzbau können auch Semikolon, Punkt, Gedankenstrich oder Klammern verwendet werden.
Im Deutschen richtet sich die Kommasetzung grundsätzlich nach grammatischen, nicht nach phonetischen Regeln. Sprechpausen können zwar häufig mit der grammatischen Gliederung zusammenfallen, sind aber keine sichere Regel. Fehlende oder falsche Kommata können den Lesefluss stören oder Mehrdeutigkeit erzeugen: „Petra erbte den Schmuck, nicht aber ihr Mann.“ bedeutet etwas anderes als „Petra erbte den Schmuck nicht, aber ihr Mann.“
Die amtlichen Regeln stehen in den Paragraphen 70 bis 73 des Regelwerks Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis. Die zuletzt am 15. Dezember 2023 beschlossene Aktualisierung gilt nach Veröffentlichung seit dem 1. Juli 2024 verbindlich für Schulen und Verwaltung in Deutschland.
Aufzählungen und Adjektive
Gleichartige Satzteile mit derselben syntaktischen Funktion werden durch Kommata gereiht, wenn sie nicht durch eine Konjunktion verbunden sind: „Wir besitzen einen Hund, eine Katze, eine Maus und einen Vogel.“ Auch eng zusammengehörige Hauptsätze können durch Kommata verbunden werden: „Sie riss die Tür auf, sie sah den Toten, sie schrie.“ Sind Teile einer Aufzählung besonders komplex, kann ein Semikolon ihre Gliederung verdeutlichen.
Vor „und“, „oder“ oder „sowie“ steht innerhalb einer Aufzählung normalerweise kein Komma. Bei gereihten Hauptsätzen mit einer solchen Konjunktion kann ein Komma jedoch gesetzt werden, wenn der ganze Satz dadurch übersichtlicher wird: „Nimm das Geld[,] oder lass es bleiben.“ Zwischen Satzteilen steht ein Komma bei zweiteiligen Verbindungen wie „einerseits …, andererseits“, „zum einen …, zum anderen“, „teils …, teils“, „nicht nur …, sondern (auch)“ und „zwar …, aber/jedoch“.
Zwei aufeinanderfolgende Adjektive erhalten ein Komma, wenn sie gleichrangig sind. Als Probe kann man prüfen, ob sinnvoll „und“ zwischen ihnen stehen kann: „neue, umweltfreundliche Verfahren“ sind Verfahren, die neu und umweltfreundlich sind. Ohne Komma bestimmt das erste Adjektiv die ganze folgende Wortgruppe: „neue umweltfreundliche Verfahren“ sind umweltfreundliche Verfahren, die neu sind. Nicht gleichrangig ist etwa „die allgemeine wirtschaftliche Lage“; daher steht dort kein Komma. Die Schreibung kann also einen Bedeutungsunterschied markieren.
Beifügungen, Einschübe und Nebensätze
Lockere Appositionen, also zusätzliche Beifügungen, werden durch Kommata eingeschlossen: „Peter Meier, 70 Jahre, war früher Vorstandsvorsitzender.“ Gehört der Zusatz hingegen zum Namen, entfällt das Komma: „Heinrich der Löwe“. Auch Parenthesen, also Einschübe, stehen zwischen Kommata, sofern nicht Gedankenstriche verwendet werden: „Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es.“
Nebensätze werden stets durch Kommata vom übergeordneten Satz getrennt. Dazu zählen mit Subjunktionen eingeleitete Sätze wie „Alle rannten weg, als der Untote aus dem Grabe stieg“, Relativsätze wie „Das Auto, das ich letzte Woche kaufte, ist schon kaputt“ und Objektsätze wie „Peter wusste, dass das nicht gut gehen könne.“ Ebenso stehen Kommata bei indirekten Fragen und indirekter Rede: „Er fragte mich, wo der Bahnhof sei.“ und „Er räumte ein, er sei des Griechischen nicht kundig.“
Bei bestimmten Einleitungen kann zusätzlich ein Komma möglich sein: „Sie schwankte, möglicherweise(,) weil sie betrunken war.“ Vergleichssätze mit „als“ oder „wie“ werden als Nebensätze abgetrennt: „Sie arbeitete genauso lange, wie sie es vorgehabt hatte.“ Ist der Vergleich kein vollständiger Satz, steht kein Komma: „Ich mag Milcheis lieber als Fruchteis.“
Infinitiv- und Partizipgruppen
Seit Juli 2024 müssen erweiterte Infinitivgruppen mit Kommata abgegrenzt werden. Das gilt erstens bei Einleitungen mit „um“, „ohne“, „statt“, „anstatt“, „außer“ oder „als“: „Sie hat trainiert, ohne zu schwitzen.“ Zweitens gilt es, wenn die Gruppe von einem Substantiv, Korrelat oder Verweiswort abhängt: „Anita liebt es, lange auszuschlafen.“ Drittens sind seit Juli 2024 auch erweiterte Infinitive ohne solchen einleitenden Ausdruck oder Bezug mit Komma verpflichtend, etwa: „Maria verbietet ihrem Sohn, nach draußen zu gehen.“
Bei einem bloßen, nicht erweiterten Infinitiv darf das Komma nach § 73 E₂ weggelassen werden, sofern kein Missverständnis entsteht: „Den Plan(,) abzureisen(,) hatte sie schon lange gefasst.“ Kein Komma ist möglich, wenn die Infinitivgruppe Teil der verbalen Klammer eines mehrteiligen Prädikats ist: „Du musst zu lügen versuchen.“ Ebenso nicht, wenn sie als Subjekt in einem eingeleiteten Nebensatz steht: „Er sagte, dass Kinder zu haben oft mit vielen Schwierigkeiten verbunden sei.“ Kein Komma steht außerdem bei von „sein“, „haben“, „brauchen“, „pflegen“, „scheinen“ sowie bei übertragen verwendetem „drohen“ und „versprechen“ abhängigen Infinitivgruppen: „Der Tag versprach schön zu werden.“
Partizipgruppen mit Partizip I oder II können, müssen aber gewöhnlich nicht durch Komma abgetrennt werden: „Am Reiseziel angekommen[,] gingen wir sofort ins Hotel.“ Verpflichtend ist das Komma, wenn die Gruppe durch ein hinweisendes Wort wie „so“ angekündigt wird: „Aus vollem Halse lachend, so kam er daher.“
Konjunktionen, Datum und direkte Rede
Bei gleichrangigen Wortgruppen oder Satzteilen setzt man vor Konjunktionen wie „und“, „oder“, „beziehungsweise“, „sowie“, „entweder … oder“, „weder … noch“ und „sowohl … als/wie auch“ kein Komma. Bei gleichrangigen selbstständigen Sätzen lautet die Regel ebenfalls grundsätzlich: kein Komma; ein Komma kann aber die Gliederung verdeutlichen. Das ist besonders bei langen Sätzen sinnvoll, wenn sonst zunächst unklar bleibt, ob nach „und“ eine Aufzählung fortgesetzt wird oder ein neuer Hauptsatz beginnt.
Mehrteilige Datums- und Zeitangaben gelten als Aufzählung oder als Fügung mit Beisatz und werden daher durch Kommata getrennt: „Sie entbindet am Dienstag, dem 18. September, um 13 Uhr.“ Das letzte schließende Komma vor der Satzfortsetzung ist freigestellt. In Briefköpfen trennt ein Komma Ort und Datum: „Münster, 3. Dez. 1998“.
Folgen auf direkte Rede weitere Satzteile, wird sie durch Komma abgetrennt, auch wenn die Rede mit Frage- oder Ausrufezeichen endet: „Wird es heute schön bleiben?“, fragte sie. Ein Punkt am Ende der direkten Rede entfällt vor dem Begleitsatz: „Ich gehe nach Hause“, sagte er.
Typische Fehlerquellen
Ein häufiger Fehler ist das „Vorfeldkomma“, also ein Komma nach einem vorangestellten Satzteil ohne grammatischen Grund: „Von der inhaltlichen Perspektive her, lassen sich drei Gründe festmachen …“ Das Komma gehört dort nicht hin.
Ebenfalls falsch ist ein Komma vor einer Konjunktion innerhalb einer Aufzählung, besonders vor „und“ oder „sowie“: Im Deutschen ist etwa „Englisch, Französisch und Deutsch“ richtig, nicht „Englisch, Französisch, und Deutsch“.
Bei „als“ und „wie“ muss zwischen einfachem Vergleich und Vergleichssatz unterschieden werden. Ohne konjugiertes Verb steht kein Komma: „Zuhause ist es schöner als am Strand.“ und „Du kamst früher als erwartet.“ Folgt dagegen ein vollständiger Nebensatz, ist das Komma zwingend: „Zuhause ist es schöner, als es am Strand ist.“ sowie „Du kamst früher, als ich erwartet hatte.“