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Halbgeviertstrich
Der Halbgeviertstrich (–), auch Langstrich, ist ein waagerechter Strich von der Länge eines Halbgevierts. Er wird als Gedankenstrich, Bis-Strich und …
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Definition und Abgrenzung
Der Halbgeviertstrich „–“, auch Langstrich genannt, ist ein waagerechter Strich von der Länge eines Halbgevierts. Im Deutschen dient er vor allem als Gedankenstrich, Bis-Strich, Gegenstrich, Streckenstrich und Nullersatzstrich bei Geldbeträgen. Außerdem kann er Aufzählungen und bestimmte Beziehungen kennzeichnen.
Typografisch unterscheidet er sich vom kürzeren Viertelgeviertstrich „-“ (Bindestrich-Minus oder Kurzstrich), vom längeren Geviertstrich „—“, vom Doppelgeviertstrich „⸺“ und vom Minusstrich „−“, dessen genaue Form meist abweicht.
Gedankenstrich und Gegenstrich
Als Gedankenstrich ist der Halbgeviertstrich ein Interpunktionszeichen, das Einschübe, Pausen, gedankliche Übergänge und unerwartete Wendungen kennzeichnet.
Ein Einschub kann durch ein Paar von Gedankenstrichen begrenzt werden: „Der Gedankenstrich kann – etwa in diesem Beispiel – ein Komma oder Klammern ersetzen.“ Diese Form eignet sich besonders für eine deutlich wahrnehmbare Denk- oder Sprechpause und kann verschachtelte Sätze übersichtlicher machen. Nach dem abschließenden Strich darf bei Bedarf unmittelbar ein Komma folgen. Das erste Wort des Einschubs wird nach seiner normalen Schreibweise geschrieben und nicht allein wegen des Gedankenstrichs großgeschrieben; am Ende des Einschubs steht kein Punkt.
Ein einzelner Gedankenstrich bezeichnet eine Pause und kann etwas Weiterführendes, Gegensätzliches oder Unerwartetes ankündigen: „Du und ich – wir gehören zusammen“ oder „Er öffnete die Tür – und erschrak …“. Er kann anstelle eines Punktes stehen, wenn der Gedanke weitergeführt wird: „Damit hat keiner gerechnet – Deutschland ist ausgeschieden.“ Nach dem Strich werden dann nur Substantive und andere regulär großzuschreibende Wörter großgeschrieben.
Zwischen Sätzen kann er einen Wechsel des Sprechers, Themas oder Gedankens verdeutlichen und dadurch teilweise einen Absatz ersetzen: „Das Unglück ist lange her. – Hat man eigentlich jemals …“ In Dialogen trennt er Sprecherbeiträge: „Ich mach das!“ – „Nein, geh weg da!“ Auch anstelle eines Doppelpunkts kann er eine Denkpause oder Betonung schaffen: „Es gibt nichts Gutes, außer – man tut es“.
Als Auslassungsstrich stellt er eine längere Pause, eine Ellipse oder den Abbruch einer Rede dar: „Du willst doch wohl nicht etwa –“ oder „Mein Gott, woher nehm’ ich bloß –?“ Werden dagegen lediglich Wortbestandteile ausgelassen, etwa in „Gedanken- oder Gegenstrich“, verwendet man den kurzen Ergänzungsstrich.
Als Gegenstrich hebt der Halbgeviertstrich eine Gegenüberstellung hervor. Beispiele sind ein Gegensatz („Himmelhoch jauchzend – zum Tode betrübt“), eine Sportpaarung („FC Süderbrarup – Holstein Kiel“) oder ein in einer Zeile gesetzter Dialog. Auch Urheber und Werk können so getrennt werden: „Die Ärzte – Ihr Helden.“
Der Gedanken- beziehungsweise Gegenstrich wird auf beiden Seiten durch Leerzeichen oder einen Zeilenumbruch vom übrigen Text getrennt. Nach verbreiteter typografischer Gepflogenheit soll ein einzelner oder abschließender Gedankenstrich nicht am Zeilenanfang stehen; außerdem wird empfohlen, paarige Striche nicht vom eingeschobenen Text zu trennen. Ein geschütztes Leerzeichen kann einen unerwünschten Umbruch verhindern. Im Englischen wird als Gedankenstrich häufig auch der längere Geviertstrich „—“ mit sehr schmalen Leerzeichen verwendet.
Intervalle und Strecken
Als Bis-Strich ersetzt der Halbgeviertstrich das gesprochene Wort „bis“ und verbindet Grenzen eines Intervalls. Als Grenzen kommen Zahlen oder andere geordnete Elemente infrage, etwa „37–39“, „A–Z“ oder „0,2–45“. Ganze Phrasen dürfen nicht auf diese Weise verkürzt werden; „kaum–gar nicht“ und „tschüss–bald“ sind falsch.
Wenn „von“ mit einem folgenden „bis“ zusammengehört, muss „bis“ ausgeschrieben werden. Richtig sind „Mo.–Do., 10:30–22:00 Uhr“ und „von Mo. bis Do., von 10:30 bis 22:00 Uhr“; falsch ist die Mischung „von Mo.–Do., von 10:30–22:00 Uhr“. Zulässig ist dagegen „Kinder im Alter von 8–12 Jahren“, weil sich „von“ auf die gesamte Altersangabe bezieht und nicht mit einem nachfolgenden „bis“ korrespondiert.
Nach dem Duden steht der Bis-Strich grundsätzlich ohne Leerzeichen, etwa in „3–4 €“, „1961–1989“ und „§§ 70–73“. Bestehen die verbundenen Zeitangaben aus mehreren Teilen, werden Leerzeichen gesetzt: „13. August 1961 – 9. November 1989“. DIN 5008 verlangt beim Bis-Strich hingegen Leerzeichen, beispielsweise „3 € – 4 €“ oder „3 – 4 €“. Viele Typografen verwenden stattdessen schmale Abstände. Enthalten die Zahlen selbst Striche, können Auslassungspunkte eingesetzt werden: „1,– € … 100,– €“.
Als Streckenstrich bezeichnet der Halbgeviertstrich eine Verbindung im Sinn von „von … zu“ oder „von … nach“, etwa „Erde–Mond“, „Nord–Süd“ oder eine Eisenbahnstrecke. Für die Abstände gelten unterschiedliche Empfehlungen: DIN 5008 und Ö-NORM A 1080 schreiben im Bürobereich „Wien – Krakau“ mit Leerzeichen, während der Duden meist „Wien–Krakau“ ohne Zwischenraum empfiehlt. Leerzeichen oder schmale Abstände sind besonders zweckmäßig, wenn Ortsnamen aus mehreren Wörtern bestehen oder viele Stationen verbunden werden, etwa „Boston – New York – Las Vegas – Phoenix“. Bei einem Zeilenumbruch soll der Streckenstrich am Ende der oberen Zeile stehen.
Ähnlich kennzeichnet er Verbindungen und Beziehungen wie „die Verhandlungen Merkel–Putin“, „das Freihandelsabkommen Schweiz–EG“ oder „die Beziehungen Deutschland–Frankreich“. In Wörterbüchern verbindet er die einander zugeordneten Sprachen, beispielsweise „Deutsch–Englisch“ und „Englisch–Deutsch“.
Geldbeträge, Listen und weitere Funktionen
Bei runden Geldbeträgen kann der Halbgeviertstrich als Nullersatzstrich die beiden Nullen rechts vom Komma ersetzen. Er steht ohne Abstand: „15,– EUR“. Diese Schreibweise ist nur bei glatten Hauptwährungseinheiten zulässig. „50,– Cent“ ist deshalb ebenso falsch wie die Verwendung bei anderen Maßeinheiten, etwa „142,– km“ oder „25,– kg“.
Beträge unter einem Euro mit einem Strich links vom Komma zu schreiben, etwa „–,99 EUR“, ist in Deutschland nicht mehr üblich, aber auch nicht falsch. Zur Zeit der D-Mark war „–,99 DM“ verbreitet. Seit Einführung des Euro wird meist „0,99 EUR“ geschrieben, wodurch sich solche Beträge deutlich von runden Beträgen unterscheiden. In der Schweiz ist die Schreibweise mit Strich weiterhin üblich. Nur in Tabellen, nicht im Fließtext, kann der längere Geviertstrich erscheinen: „45,— €“. Die Schreibmaschinenform mit zwei Bindestrichen, etwa „3,-- EUR“, ist selten geworden. Unicode stellt für einen Strich, der eine Ziffer ersetzt, außerdem den ziffernbreiten Strich „‒“ an Position U+2012 bereit.
Als Spiegelstrich steht der Halbgeviertstrich am Anfang eines eingerückten Absatzes. Als Kommandostrich kann er mit anschließendem Leerzeichen Listenelemente einleiten, zum Beispiel „– Hund“, „– Katze“ und „– Maus“.
Weitere Funktionen sind der Einklammerungsstrich mit Leerzeichen („– 24 –“), der Wiederholungsstrich in Aufzählungen und Registern sowie ein Auslassungssignal in Listen anstelle von Nullen oder „keine Angabe“. Er kann außerdem Gegenüberstellungen („einerseits – andererseits“) und die Abfolge von Kommandos markieren: „Auf die Plätze – fertig – los!“
Eingabe am Computer
Im Unicodeblock „Allgemeine Interpunktion“ trägt der Halbgeviertstrich den Namen EN DASH und den Code U+2013 beziehungsweise 8211 im Dezimalsystem. In Windows-1252 liegt er an Position 150 beziehungsweise 96 im Hexadezimalsystem.
Wichtige Eingabemöglichkeiten sind:
• Windows: Alt+0150; in Microsoft Word außerdem Strg+- auf dem Ziffernblock oder „2013“, gefolgt von Alt+C. • macOS: Wahltaste (⌥)+-. • X11 unter Linux oder BSD: Strg+Umschalt+U, danach 2013 und Enter; bei deutschem Tastaturlayout auch Alt Gr+-. • Deutsche Standard-Tastaturbelegung E1 und ältere Belegung T2: Alt Gr+n. • OpenOffice- und LibreOffice-Varianten: Leerzeichen, zwei Bindestriche, Leerzeichen; das Programm ersetzt die Zeichenfolge automatisch. • TeX/LaTeX: „--“ oder in LaTeX „\textendash“. • HTML/XML: „–“, „–“ oder „–“. • Vim: als Digraph Strg+K, „-“, Umschalt+N oder als Unicodeeingabe Strg+V, U, 2013.