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Semikolon
Gegenüber einer Trennung nur durch Kommata kann damit die gesamte Aufzählung in Gruppen verwandter Begriffe gegliedert werden. · „Unser Proviant bestand aus …
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Bedeutung und Grundfunktion
Das Semikolon oder der Strichpunkt, geschrieben „;“, ist ein Satzzeichen. Es verbindet oder trennt zwei gleichrangige Sätze oder Wortgruppen. Dabei ist die Trennung stärker als bei einem Komma, aber schwächer als bei einem Punkt. Es eignet sich deshalb besonders, wenn zusammengehörige Aussagen übersichtlich gegliedert werden sollen, ohne sie vollständig voneinander zu lösen.
Nach einem Semikolon wird in der deutschen Rechtschreibung grundsätzlich kleingeschrieben. Großschreibung ist jedoch nötig, wenn das folgende Wort ohnehin großgeschrieben werden muss, etwa ein Substantiv oder ein Eigenname. Ein einfaches Beispiel lautet: „Er kam nach Hause; seine Schwester war noch nicht da.“
Im südlichen Teil des deutschen Sprachraums, einschließlich des Saarlands und Ostbelgiens, wird das Zeichen meist „Strichpunkt“ genannt; in Norddeutschland und großen Teilen Mitteldeutschlands heißt es „Semikolon“. In Rheinland-Pfalz kommen beide Bezeichnungen vor.
Im Griechischen erfüllt der Strichpunkt die Funktion eines Fragezeichens. Als Semikolon dient dort der hochgesetzte Punkt. Im Unicode-System sind U+0387 GREEK ANO TELEIA und U+00B7 MIDDLE DOT kanonisch äquivalent; normalerweise wird U+00B7 benutzt.
Verbindung gleichrangiger Hauptsätze
Gleichrangige oder nebengeordnete Hauptsätze können durch ein Komma, ein Semikolon oder einen Punkt voneinander abgegrenzt werden. Welche Möglichkeit gewählt wird, hängt davon ab, wie eng der Autor die Aussagen miteinander verbinden möchte. Das Semikolon zeigt einen engeren Zusammenhang als ein Punkt, setzt aber eine deutlichere Grenze als ein Komma.
Enthalten die verbundenen Sätze bereits Kommata, bietet sich das Semikolon besonders an. Es macht die übergeordnete Gliederung erkennbar, wenn ein Punkt als zu starke Zäsur, also als zu deutliche Unterbrechung, erscheint.
Beispiele aus den amtlichen Rechtschreibregeln sind: „Im Hausflur war es still; ich drückte erwartungsvoll die Klingel.“ und „Meine Freundin hatte den Zug versäumt; deshalb kam sie eine halbe Stunde zu spät.“ Das Semikolon kann auch vor Konjunktionen und anderen Verknüpfungswörtern stehen, etwa in „Stefan wünscht sich schon lange einen Hund; aber seine Eltern dulden keine Tiere in der Wohnung.“
Auch bei längeren Satzteilen verbessert es die Übersicht: „Wir müssen uns überlegen, mit welchem Zug wir fahren wollen; wenn wir den früheren nehmen wollen, müssen wir uns beeilen.“
Gliederung von Aufzählungen
In Aufzählungen trennt das Semikolon gleichrangige Wortgruppen mit gleicher Struktur. Während Kommata einzelne Bestandteile voneinander abgrenzen, kann das Semikolon mehrere inhaltlich zusammengehörige Bestandteile zu größeren Gruppen ordnen.
Ein Beispiel lautet: „Unser Proviant bestand aus gedörrtem Fleisch, Speck und Rauchschinken; Ei- und Milchpulver; Reis, Nudeln und Grieß.“ Hier zeigen die Semikola, wo jeweils eine neue Gruppe beginnt. Das ist besonders hilfreich, wenn innerhalb der Gruppen bereits Kommata vorkommen.
Auch die Aufzählung „In unserem Garten wachsen: Marillen-, Kirsch-, Zwetschgen-, Birn- und Apfelbäume; Ribisel-, Stachelbeer- und Himbeersträucher; Salat, Zwiebeln und Bohnen“ wird durch Semikola in Obstbäume, Beerensträucher und Gemüse gegliedert.
Heute kommt das Zeichen außerdem häufig in listenförmigen Aufzählungen vor, deren einzelne Listenpunkte komplexe Nebensätze enthalten. Es kann dort die Grenzen zwischen den umfangreichen Elementen deutlicher markieren.
Informatik und Mathematik
In ASCII, ISO 8859 und Unicode besitzt das Semikolon den Zeichencode 3Bₕₑₓ; in allen EBCDIC-Varianten lautet der Code 5Eₕₑₓ.
In vielen Programmiersprachen ist das Semikolon ein Trenn- oder Abschlusszeichen für Anweisungen. In C und Java schließt es Anweisungen ab; in Algol 68 und Pascal trennt es sie voneinander. Es wird auch in PHP, in CSS und optional in JavaScript verwendet. Der Parser, also der Programmteil, der den Quelltext in seine Struktur zerlegt, erkennt daran, welche Zeichen zu einer Anweisung gehören.
In vielen Assemblersprachen beendet das Semikolon den Anweisungsteil einer Zeile. Alles danach gilt als Kommentar und wird vom Parser ignoriert. Auch in INI-Dateien leitet es einen Kommentar ein, der bis zum Zeilenende reicht.
Als Listentrennzeichen ist es besonders nützlich, wenn einzelne Elemente selbst Kommata enthalten. Manche E-Mail-Programme verlangen Semikola zwischen mehreren Adressen. Die deutsche Version von Microsoft Excel verwendet das Komma als Dezimaltrennzeichen und trennt deshalb Funktionsargumente sowie Felder in CSV-Dateien mit Semikola.
In Prolog ist das Semikolon ein Operator für die logische Disjunktion, also eine Oder-Verknüpfung. Das Komma steht dort dagegen für die logische Konjunktion, also eine Und-Verknüpfung.
In der Mathematik kann das Semikolon die Elemente einer Menge trennen, wenn Dezimalzahlen mit Komma vorkommen. Dadurch werden Mehrdeutigkeiten vermieden: L = {1,5; 2; 3; 3,5} ist nicht dieselbe Menge wie {1,5; 2,3; 3,5}.
Symbol der Suizidprävention
In Psychiatrie und Psychologie wird das Semikolon häufig als Zeichen der Suizidprävention und der öffentlichen Bewusstseinsarbeit verwendet. Es erscheint beispielsweise in sozialen Medien. Das Symbol nutzen Menschen, die einen Suizid in ihrem Umfeld erlebt haben, selbst einen Suizidversuch unternommen haben oder Suizidgedanken hatten.
Seine übertragene Bedeutung folgt aus seiner Funktion als Satzzeichen: Ein Autor hätte einen Satz mit einem Punkt beenden können, entscheidet sich durch das Semikolon aber dafür, ihn fortzusetzen. Entsprechend steht das Zeichen sinnbildlich für die Entscheidung, das eigene Leben weiterzuführen.
Das US-amerikanische Project Semicolon ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Suizidprävention widmet.