Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Komma

Kommata oder auch Kommas) bzw. der Beistrich (österreichisches Hochdeutsch) wird als Satzzeichen und Trennzeichen verwendet. In Österreich heißt das …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Verwendung
  2. 2. Komma als Satzzeichen
  3. 3. Regeln und Freiheit
  4. 4. Entwicklung des Zeichens
  5. 5. Komma bei Zahlen
  6. 6. Regionale Besonderheiten und Englisch

Grundbegriff und Verwendung

Das Komma ist ein Interpunktionszeichen und wird als Satzzeichen und als Trennzeichen verwendet. In bundesdeutschem und Schweizer Hochdeutsch heißt es „Komma“, in Österreich als Satzzeichen „Beistrich“. Als Trennzeichen heißt es in Österreich ebenfalls „Komma“. Der Plural lautet „Kommata“ oder „Kommas“.

Als Satzzeichen trennt das Komma Teile eines Satzes schwächer als Semikolon und Punkt. Als Trennzeichen wird es in vielen Ländern bei Zahlen als Dezimaltrennzeichen oder zum Separieren von Daten und Werten benutzt.

Komma als Satzzeichen

Beim Schreiben strukturiert das Komma Sätze und trennt bestimmte Satzteile voneinander. Im Deutschen steht es zum Beispiel zwischen Hauptsätzen und Nebensätzen sowie zwischen einzelnen Elementen einer Aufzählung. Auch Beisätze, also Appositionen, und Nachstellungen werden durch Kommas vom übrigen Satz abgetrennt.

Das Komma verbessert Verständlichkeit und Lesbarkeit, weil beim geschriebenen Text die Sprachmelodie der gesprochenen Sprache fehlt. Die Zeichensetzung kann die Bedeutung eines Satzes stark verändern. Im Beispiel „Manfred las das Buch auf den Knien zu Ende“ bedeutet der Satz ohne eingeschobene Kommas, dass Manfred das Buch vollständig liest und dabei kniet. In „Manfred las, das Buch auf den Knien, zu Ende“ liegt das Buch auf seinen Knien, und er liest einen Abschnitt zu Ende, nicht zwingend das ganze Buch.

Ein weiteres Beispiel zeigt die Bedeutung der Kommasetzung besonders deutlich: „Wartet nicht, hängen!“ bedeutet, dass nicht gewartet werden soll und die Person gehängt wird. „Wartet, nicht hängen!“ bedeutet dagegen, dass gewartet und nicht gehängt werden soll.

Regeln und Freiheit

Für die korrekte und standardisierte Verwendung gelten Kommaregeln, die zur Grammatik einer Sprache gehören. Die deutschen Kommaregeln wurden durch die Rechtschreibreform von 1996 grundlegend geändert, mit dem Ziel der Vereinfachung. Dabei wurde die Kommasetzung in vielen Fällen freigestellt. In den Überarbeitungen des Regelwerks von 2006 und 2024 wurde die Kommasetzung erneut verändert; besonders viele Freistellungen wurden zugunsten besserer Lesbarkeit zurückgenommen.

In künstlerischen Texten gibt es größere Freiheit. In lyrischen Texten kann Interpunktion ganz fehlen, zur Betonung oder Gliederung dienen oder selbst Teil eines Sprachspiels sein. Auch epische Texte können eine eigenwillige Kommasetzung haben; als Beispiel nennt der Artikel Kleist, der Kommas nach eigenem Gutdünken setzte.

Entwicklung des Zeichens

Das Wort „Komma“ leitet sich vom altgriechischen „kómma“ ab und bedeutet „Einschnitt“ oder „Abschnitt“. Davon kommt auch der Plural „Kommata“. Die heutige Form des Kommas geht auf den Drucker und Typografen Aldus Manutius zurück, der 1515 starb. Er entwickelte das Komma aus der Virgel, einem Schrägstrich, und führte weitere Satzzeichen ein.

Philipp von Zesen, gestorben 1689, verdeutschte „Komma“ zu „Beistrich“. Dieser Ausdruck wurde unter anderem von Bertolt Brecht, in älteren Duden-Ausgaben und auch in neueren Werken verwendet. In Deutschland und der Schweiz ist „Beistrich“ eher selten, in Österreich aber weiterhin gebräuchlich.

Schon die Griechen verwendeten in der Rhetorik Begriffe wie Kolon und Komma für Sätze oder Satzteile. Als eigentliches Satzzeichen wurde das Komma besonders durch Aldus Manutius den Älteren und seinen Enkel Aldus Manutius den Jüngeren verbreitet. Der Jüngere legte 1566 ein Satzzeichen-System vor. Beide verstanden Satzzeichen als Zeichen zur syntaktischen Gliederung, also zur Gliederung nach dem Satzbau, und verwendeten das Komma systematisch und einheitlich. Ihre Vorstellungen prägen die heutige Interpunktion wesentlich.

Martin Luther verwendete in seiner vollständigen Bibelübersetzung von 1534 im Fraktursatz noch die Virgel für allgemeine Trennungen innerhalb von Sätzen. Diese Verwendung verschwand im Fraktursatz erst um 1700 endgültig. Durch Buchdruck, zunehmende Lesefähigkeit und mehr schriftliche Kommunikation wurden Schriftzeichen stärker standardisiert; dadurch verfestigte sich auch die grafische Form des Kommas in Druckwerken.

Komma bei Zahlen

In den meisten europäischen Ländern wird das Komma in der Mathematik als Dezimaltrennzeichen verwendet, also zur Trennung des ganzzahligen Teils einer Zahl von den Nachkommastellen. Wenn das Komma zusätzlich als Trennzeichen in Aufzählungen von Dezimalzahlen vorkommen würde, kann es zu Verwechslungen kommen. Dann verwendet man stattdessen ein Semikolon oder setzt nach dem Komma einen deutlich sichtbaren Abstand.

Im englischsprachigen Raum ist die Verwendung von Punkt und Komma bei Zahlen gegenüber Deutschland und Österreich umgekehrt: Dort wird das Komma zur Trennung von Tausenderstellen verwendet.

Regionale Besonderheiten und Englisch

In der Schweiz ist die Verwendung von Punkt oder Komma als Dezimaltrennzeichen uneinheitlich. Beide Zeichen werden üblicherweise als „Komma“ gelesen. Auch Schulen gehen unterschiedlich vor: In den Kantonen St. Gallen und Zürich wird beispielsweise der Dezimalpunkt gelehrt. Es kann vorkommen, dass in der Unterstufe oder Primarschule das Komma gelehrt wird, wie es gesprochen wird, und ab der Mittelstufe der Punkt.

In amtlichen Dokumenten des Bundes wird nach den Weisungen der Bundeskanzlei grundsätzlich das Komma verwendet. Bei Geldbeträgen steht jedoch zwischen Währungseinheit und Untereinheit ein Punkt. Das Bundesamt für Landestopographie nutzt den Punkt außerdem für die Schweizer Landeskoordinaten. Viele Textverarbeitungsprogramme definieren in schweizspezifischer Spracheinstellung den Punkt als Dezimaltrennzeichen; auf dem Ziffernblock schweizerischer Tastaturen wird ebenfalls der Punkt verwendet. Als Tausendertrennzeichen werden weder Punkt noch Komma genutzt; statt eines Leerzeichens kann der gerade Apostroph stehen.

In Österreich und Südtirol heißt das Zeichen bei Zahlen „Komma“, als Satzzeichen dagegen „Beistrich“.

Im Englischen gelten andere Kommaregeln als im Deutschen. Eine Besonderheit ist das serielle Komma: In Aufzählungen mit drei oder mehr Elementen wird es unmittelbar vor die Konjunktion gesetzt, meist vor „and“. Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Abschnitt nicht ausreichend belegt ist. Nach dem Artikel ist das serielle Komma keine zwingende Regel, aber weitgehend übliche Praxis.

Lernvideos zu Komma

Weiterlesen

Schweizer Hochdeutsch Das Schweizer Hochdeutsch (auch Schweizerhochdeutsch geschrieben) ist das Standarddeutsch in der Schweiz. Es ist eine nationale Varietät der … Satzglied Der Begriff Satzglied steht im Gegensatz zum Attribut, welches im Satz kein Bestandteil der Haupt-Zerlegung ist, sondern tiefer eingebettet und somit erst als … Plural Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort für den „Arm“: Niederländisch: arm … Satzzeichen Interpunktionszeichen · Komma, Beistrich, ,. Strichpunkt, Semikolon ... Der Geviertstrich (—), auch Spiegelstrich, steht zu Beginn von Aufzählungen als Anstrich. Dezimaltrennzeichen Es kommt vor, dass in der Unterstufe/Primarschule das Komma (wie es gesprochen wird), ab der Mittelstufe jedoch der Punkt gelehrt wird. In amtlichen … Semikolon Gegenüber einer Trennung nur durch Kommata kann damit die gesamte Aufzählung in Gruppen verwandter Begriffe gegliedert werden. · „Unser Proviant bestand aus … Punkt (Satzzeichen) Punkt (Satzzeichen) ; Gedankenstrich; Bis-Strich · Anführungszeichen „ “ » « / « » ‚ ' › ‹ / ‹ ›. Schrägstrich; Backslash / \ ; –. Anführungszeichen „ “ » « / « » Bertolt Brecht Bertolt Brecht (Künstlername seit Juli 1916; auch Bert Brecht), eigentlich Eugen Berthold Friedrich Brecht (* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in … Duden Der Duden ist ein Rechtschreibwörterbuch der deutschen Sprache. Das Werk war erstmals am 7. Juli 1880 von Konrad Duden als Vollständiges Orthographisches … Österreichisches Deutsch Das österreichische Standarddeutsch ist von der Umgangssprache und den in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekten abzugrenzen. Das vom … Satz (Grammatik) Ein Satz ist eine aus einem Wort oder mehreren Wörtern bestehende in sich geschlossene sprachliche Einheit. Definitionen des Satzbegriffs sind in … Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- …