Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Kolonien und Protektorate der Vereinigten Staaten
Erste koloniale Erwerbungen erfolgten im Spanisch-Amerikanischen Krieg, die letzte Expansion der USA nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als es gelang …
Inhalt6 Abschnitte
Entstehung und Grundzüge
Die Vereinigten Staaten entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Weltmacht und traten damit in Konkurrenz zu europäischen imperialistischen Mächten wie dem Vereinigten Königreich und Frankreich. Ihr Engagement begann vor allem in der Karibik und weitete sich nach der Annexion Hawaiis auf Asien und den Pazifik aus. Gründe waren unter anderem die wachsende Bedeutung des Handels mit China und der Wunsch, diesen Markt nicht Japan und Europa allein zu überlassen.
Erste eigentliche koloniale Erwerbungen erfolgten im Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten die USA zahlreiche pazifische Inseln unter ihre Herrschaft. Soweit diese Gebiete nicht unabhängig wurden, werden sie heute meist als Außengebiete der Vereinigten Staaten und nicht mehr als Kolonien bezeichnet.
Ursprünglich lehnten die USA den Kolonialismus ab, da sie selbst aus 13 Kolonien hervorgegangen waren. Die Monroe-Doktrin von 1823 sprach europäischen Staaten jedes Recht auf eine erneute Expansion in der westlichen Hemisphäre ab. 1853 erzwangen die USA unter Matthew Calbraith Perry die handelspolitische Öffnung Japans, ohne dort Territorium zu erobern. Mit der Politik der offenen Tür von 1899 wollten sie europäische Handelsmonopole und Gebietsgewinne in China verhindern.
Von dieser antikolonialen und zunächst eher informell-imperialen Außenpolitik rückten die USA 1898 ab. Nach Einschätzung des Historikers Walter LaFeber unterschied sich der amerikanische Imperialismus dennoch vom europäischen: Die US-Erwerbungen umfassten 125.000 Quadratmeilen, während das britische Kolonialreich 4,7 Millionen, das französische 3,5 Millionen und das deutsche eine Million Quadratmeilen groß war. Die USA hätten vor allem Märkte und weniger ausgedehnte Kolonien angestrebt.
Liberia und die Karibik
Liberia wurde 1817 von der privaten American Colonization Society gegründet. Dort siedelte man freigelassene afroamerikanische Sklaven an, ähnlich wie die Briten im benachbarten Sierra Leone. 1847 wurde Liberia unabhängig von der Gesellschaft. Es gilt jedoch nicht als US-Kolonie im eigentlichen Sinn, weil die Vereinigten Staaten niemals formale Gebietsansprüche oder die Oberhoheit über das Gebiet besaßen.
Die USA hatten 1849 und 1854 erfolglos versucht, Kuba von Spanien zu kaufen. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg musste Spanien Kuba und Puerto Rico im Vertrag von Paris an die USA abtreten. Kuba wurde 1901 formal unabhängig. Durch das Platt Amendment behielten sich die USA jedoch ein Interventionsrecht vor, das sie 1906 und 1917 nutzten. Wirtschaftlich geriet Kuba stark in die Abhängigkeit amerikanischen Kapitals. 1934 hob Präsident Franklin D. Roosevelt das Interventionsrecht auf; der Marinestützpunkt Guantánamo Bay blieb jedoch unter US-Gebietshoheit.
Puerto Rico erhielt 1917 innere Selbstverwaltung und wurde 1952 in ein mit den USA frei assoziiertes Territorium umgewandelt. In Volksabstimmungen von 1967, 1993 und 1998 wurde die Unabhängigkeit abgelehnt. Bei einem nicht bindenden Referendum am 6. November 2012 stimmte eine Mehrheit für die Umwandlung in einen US-Bundesstaat.
Navassa wurde 1857 mit dem Guano Islands Act von den USA annektiert, obwohl Haiti ursprünglich Anspruch auf die Insel hatte; Haiti fordert ihre Rückgabe. Auch die Swan Islands wurden nach diesem Gesetz annektiert und 1972 an Honduras übergeben. 1917 kauften die USA Dänisch-Westindien von Dänemark, um einen Marinestützpunkt in der Karibik zu erhalten.
Asien und der Pazifik
Ein frühes, letztlich gescheitertes amerikanisches Kolonialprojekt war Ellena im Norden Borneos. Charles Lee Moses erhielt 1865 Landrechte durch Pachtverträge mit dem Sultan von Brunei und seinem Thronfolger und verkaufte sie an Joseph William Torrey und Thomas Bradley Harris. Torrey gründete mit zwölf Amerikanern und 60 Chinesen die American Trading Company of Borneo und im Dezember 1865 die Siedlung Ellena. Der geplante Anbau von Zuckerrohr, Tabak und Reis scheiterte wegen fehlenden Kapitals, Arbeitskräftemangels, Arbeiteraufständen und schwerer Krankheiten. 1866 wurde die Siedlung aufgegeben. Die Rechte gelangten später an Gustav Overbeck; Nordborneo wurde schließlich ein Protektorat der britischen Krone.
Im Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 eroberten die USA Guam und vor allem die Philippinen. Die Annexion der Philippinen war ein Bruch mit der bisherigen Politik, die meist nur einzelne Häfen besetzt hatte, um umliegende Gebiete wirtschaftlich zu beeinflussen. Präsident William McKinley erwog zunächst nur die Annexion Manilas als „amerikanisches Hongkong“. Die vollständige Besetzung sollte verhindern, dass Großbritannien, Deutschland oder Japan das spanische Erbe übernahmen, die philippinische Unabhängigkeitsbewegung stärken konnten oder die USA in der instabilen Lage Chinas an Einfluss verloren. Die Unabhängigkeitsbewegung unter Emilio Aguinaldo wurde im Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 niedergeschlagen. Damit verfügten die USA erstmals über ein Kolonialreich. Japan besetzte die Philippinen von 1941 bis 1944; 1946 wurden sie wegen starker Autonomiebestrebungen unabhängig.
Von 1863 bis 1945 besaßen die USA eine Konzession in Shanghai, von 1860 bis 1902 außerdem eine in Tientsin. Guam wurde 1949 als nicht inkorporiertes Territorium mit innerer Autonomie organisiert. Die Marianen wurden 1899 zwischen dem Deutschen Reich und den USA geteilt. Die Nördlichen Marianen erhielten 1978 den Status eines mit den USA assoziierten Staates. Im Samoa-Vertrag von 1899 erhielten die USA die östlichen Inseln, die als Amerikanisch-Samoa Außengebiet wurden. Die Kanton- und Enderbury-Inseln standen von 1939 bis 1979 in einem Kondominium mit Großbritannien und wurden anschließend in Kiribati eingegliedert.
Weitere pazifische Inseln
Auf Grundlage des Guano Islands Act annektierten die USA 1857 die Bakerinsel, Jarvisinsel, Howlandinsel, das Kingmanriff und das Johnston-Atoll. Die Midwayinseln wurden 1859 entdeckt und 1867 Amerikanisch-Ozeanien eingegliedert. Seit 1996 unterstehen sie nicht mehr dem US-Militär, sondern dem Fish and Wildlife Service des Innenministeriums.
Das Palmyra-Atoll wurde 1859 von Gerrit P. Judd für die USA in Besitz genommen. 1922 erwarb die aus Hawaii stammende Fullard-Leo-Familie die Inselgruppe. 1940 musste sie die Insel an die US Navy abtreten, die dort einen Marine- und Luftwaffenstützpunkt errichtete. 1947 erstritt die Familie vor Gericht das Besitzrecht zurück. Palmyra war dadurch das einzige US-Territorium, das sich vollständig in Privatbesitz befand. Im Jahr 2000 wurde die Inselgruppe an The Nature Conservancy verkauft; anschließend entstanden dort einige Forschungsstationen.
Wake wurde 1899 von den USA in Besitz genommen und zunächst als Landeplatz für zivile Flugrouten nach Asien genutzt. 1941 entstand eine Militärbasis, die im Zweiten Weltkrieg von Japan erobert wurde. Die 1990 unabhängig gewordenen Marshallinseln beanspruchen Wake, doch die USA machten bislang keine Zugeständnisse.
UN-Treuhandgebiete und Unabhängigkeit
1947 übertrug die UNO Mikronesien und Palau als UN-Treuhandgebiete an die Vereinigten Staaten. Mikronesien wurde 1991, Palau 1994 unabhängig. Die USA blieben jedoch weiterhin für die Verteidigung und Außenpolitik beider Republiken zuständig.
Zu den Treuhandgebieten gehörten auch die Marshallinseln, die im Zweiten Weltkrieg erobert worden waren und 1990 ihre volle Souveränität erhielten. Die Entwicklung zeigt, dass ein Teil der US-Gebiete später in die Unabhängigkeit entlassen wurde, während andere als Außengebiete oder assoziierte Staaten in besonderer Verbindung zu den USA blieben.
Protektorate und militärischer Einfluss
Ein Protektorat ist in diesem Zusammenhang ein Gebiet, dessen formale staatliche Souveränität bestehen bleibt, während die USA weitreichende politische, militärische oder administrative Rechte ausüben.
Im Vertrag von 1903 gewährte Panama den USA auf unbestimmte Zeit die Nutzung, Besetzung und unbeschränkte Herrschaft über eine zehn Meilen breite Kanalzone. Die USA mussten im Gegenzug die territoriale Souveränität Panamas zusichern. Sie trieben den Bau des Panamakanals voran; 1920 wurde er offiziell eröffnet. Nach mehreren Änderungen des Abkommens verkündete Präsident Jimmy Carter 1977 die Rückgabe bis zum Jahr 2000. Seit dem 31. Dezember 1999 um 12 Uhr wird der Kanal von der autonomen Autoridad del Canal de Panamá verwaltet, deren Vorstand vom panamaischen Präsidenten ernannt wird.
Haiti wurde 1915 von den USA besetzt und war bis 1934 formal ein US-Protektorat. Auch die Dominikanische Republik stand 1905 bis 1907 und 1915 bis 1924 unter amerikanischer Verwaltung.
Island besetzten die USA 1941 im Zweiten Weltkrieg. Nach der Gründung der Republik Island 1944 blieben US-Militäreinheiten stationiert. Die Marinefliegerstation Keflavik wurde später von den USA geräumt, uneingeschränkte Landungs- und Nutzungsrechte blieben jedoch bestehen.
In Grönland erhielten die USA 1941 durch einen Vertrag weitreichende Rechte zum Bau von Militärbasen und Befestigungsanlagen und verpflichteten sich im Gegenzug zur Verteidigung der Insel. Außenminister James Byrnes bot Dänemark 1946 sogar 100 Millionen Dollar für den Kauf Grönlands; das Angebot wurde abgelehnt und bis 1977 geheim gehalten. Im Kalten Krieg wurde die Verteidigung wegen der Nähe zur Sowjetunion zwischen Dänemark beziehungsweise der NATO und den USA geteilt. Die USA erhielten weitgehende Bewegungsrechte zwischen ihren Basen und unterhalten mit der Thule Air Base weiterhin einen Stützpunkt. 2019 löste ein erneuter US-Kaufvorschlag von Präsident Donald Trump Widerstand in Dänemark und Grönland aus.