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Kolonialgeschichte der Stadt Köln

Köln war zu Zeiten des Imperialismus eine der wichtigen Handelsstädte des Deutschen Kaiserreichs, als solche war sie das rheinische Zentrum für Expeditionen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Köln als Zentrum kolonialer Aktivitäten
  2. 2. Presse, Mission und akademische Expedition
  3. 3. Kolonialismus im Karneval und Völkerschauen
  4. 4. Schauen von Samoanern, Neukaledoniern und Sara-Kaba
  5. 5. Koloniale Spuren im Stadtbild

Köln als Zentrum kolonialer Aktivitäten

Während des Imperialismus war Köln eine wichtige Handelsstadt des Deutschen Kaiserreichs und ein rheinisches Zentrum für Expeditionen sowie wissenschaftlichen Kolonialismus. Kolonialismus meint hier die politische, wirtschaftliche und kulturelle Ausrichtung auf überseeische Kolonien und deren Beherrschung.

Die Stadt gehörte seit 1905 mit jährlich 100 Mark dem Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee (K.W.K.) an. 1914 hatte dieses 1231 körperschaftliche Mitglieder; dazu zählten auch Kölner Firmen wie die Gasmotorenfabrik Deutz, die Maschinenbauanstalt Humboldt und Gebrüder Stollwerck. Bereits 1884 entstand die Kölner Ortsgruppe des Westdeutschen Vereins für Colonisation und Export mit anfangs etwa 100 Mitgliedern. Am 19. Oktober 1888 wurde im „Römergang“ die Kölner Unterabteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft gegründet.

Schulen, Handelshochschule und Handelskammer waren in koloniale Netzwerke eingebunden; koloniale Themen wurden an Hochschulen als ergänzende Pflichtveranstaltungen angeboten. Zahlreiche Lehrkräfte gehörten der Deutschen Kolonialgesellschaft an, darunter Christian Eckert, Kurt Wiedenfeld, Paul Moldenhauer, Oskar Jäger, Heinrich Geffcken, Otto Wilhelm Thomé und Richard Hindorf. Bedeutende Kölner Akteure waren August Reichensperger, Viktor C. Eduard Schnitzler, Gustav Michels, Eugen und Hans Langen sowie die Familie Leverkus. Konrad Adenauer war von 1931 bis 1933 geschäftsführender Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und vertrat öffentlich die Forderung nach deutschem Kolonialerwerb.

Presse, Mission und akademische Expedition

Die Kölnische Zeitung war zu Beginn des deutschen Kolonialismus bereits fast hundert Jahre alt und im bürgerlichen sowie nationalkonservativen Milieu fest verankert. Ihre Artikel waren aus heutiger Sicht rassistisch, nationalistisch und euphemistisch. Die Zeitung verbreitete kolonialfreundliche Inhalte durch Berichte und Vorträge. Ihr Redakteur Hugo Zöller unternahm 1879 eine kolonialwissenschaftliche Studienreise und reiste 1884 bis 1885 nach Westafrika, um den Reichskommissar Gustav Nachtigall bei der Aneignung neuer Gebiete zu begleiten. Zöller bezeichnete seine eigene Arbeitsweise als „colonialpolitische Agitation“, also als intensive politische Propaganda. Anders als viele Zeitungen konnte die Kölnische Zeitung einen eigenen Korrespondenten in die Kolonien schicken.

Auch kirchliche Organisationen wirkten im kolonialen Zusammenhang. 1888 wurde in Köln der Afrika-Verein deutscher Katholiken (AVdK) gegründet. Sein langjähriger Vorsitzender Franz Karl Hespers war Domkapitular und Mitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft. Der Verein stand unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs, war von der französischen „Antisklavereibewegung“ angeregt und verfolgte das Ziel, „die Civilisation der Neger durch Bekehrung zum Christenthum“. Zunächst konzentrierte er sich auf Deutsch-Ostafrika, später auf weitere Kolonien. Daniele Comboni erhielt für die Afrikamission direkte Unterstützung des AVdK. Der Verein wurde am 18. Mai 1920 aufgelöst; Pläne für eine Wiederbelebung rund vierzig Jahre später wurden nicht umgesetzt. Daneben bestanden ein Evangelischer Afrikaverein und die Rheinische Missionsgesellschaft.

Vom 2. August bis 15. Oktober 1908 reisten die Professoren Paul Moldenhauer, Heinrich Geffcken und Kurt Wiedenfeld mit 25 Studenten, einem Arzt, dem Leiter Christian Eckert, dessen Frau und dem Journalisten Prosper Müllendorff nach Ostafrika. Die Handelshochschule Köln verstand die mit dem Reichskolonialamt geplante „Kolonialfahrt“ als wissenschaftliche Erschließung und als Vorbereitung kaufmännischer Jugend auf koloniale Aufgaben. Die Route führte von Neapel mit der „Markgraf“ nach Mombasa, über die Ugandabahn nach Kisumu und auf eine zehntägige Rundreise um den Viktoriasee, anschließend über Nairobi und Mombasa mit der „Kaiser Wilhelm II“ nach Tanga. Weitere Stationen waren Usambara, Sansibar und Morogoro; die Rückreise begann in Dar es Salaam.

Kolonialismus im Karneval und Völkerschauen

Koloniale Vorstellungen erschienen auch im Kölner Karneval. Kurz vor der Session 1884/1885 veröffentlichte die prokoloniale Kölnische Zeitung Reiseberichte von Wilhelm Joest über das südöstliche Afrika. In dieselbe Zeit fielen die Gründung von Deutsch-Südwest-Afrika, die Gründung der Gesellschaft für deutsche Kolonisation durch Carl Peters und die Kongo-Konferenz. Das Zugmotto lautete „Held Carneval als Colonisator“; alle Teilnehmer des Rosenmontagszugs waren mit schwarzer Schuhcreme als „Neger“ verkleidet. Das Titelblatt verband die „Colonia Agrippina“ mit „Colonia Anna Bequema“, womit Angra Pequeña, später Lüderitzbucht, gemeint war.

Völkerschauen waren Veranstaltungen, bei denen Menschen aus anderen Regionen öffentlich vorgeführt und als fremdartige Attraktionen inszeniert wurden. Im Kölner Zoo sind acht Schauen dokumentiert: 1878 eine „Eskimo“-Schau mit sechs Personen, 1889 „Somali“ mit 27 Personen, 1906 eine Indien-Schau mit 71 Personen, 1910 eine Samoa-Schau mit 26 Personen, 1912 eine „Beduinen-Karawane“ mit 47 Personen und 44 Tieren, 1931 eine Neukaledonenschau mit 41 Personen und eine Sara-Kaba-Schau mit 13 Personen sowie 1932 eine Aschanti-Schau mit 20 Personen. Weitere Schauen fanden etwa in Castans Panopticum, im Kaisergarten, in Richlers Hof, bei der Werkbundausstellung 1914 und bei der Pressa 1928 statt.

Die Inuit-Schau „Okabak und seine Familie“ wurde im Frühjahr 1878 von Carl Hagenbeck im Zoo gezeigt. Sie bestand aus drei Männern, einer Frau und zwei Mädchen. Die Gruppe erhielt feste Bezahlung und Münzgeschenke von Besuchern; der Zoo stellte eine Hütte, Geräte und Waffen als angeblich naturgemäße Umgebung aus. Mehrere Familienmitglieder erkrankten an Lungenentzündung. Die Schau zog viele Besucher an und brachte Zoo und Hagenbeck hohe Gewinne. Zeitungsberichte waren überwiegend positiv, enthielten jedoch rassistische Beschreibungen.

Im Juli 1885 zeigte Hagenbeck im Kaisergarten 45 Singhalesen, zwölf Elefanten und einige Zebus. Für die Anlage wurden unter anderem eine über 600 Meter lange Barriere, Tribünen für 1200 beziehungsweise 800 Personen und eine Halle errichtet. Die Presse stellte Singhalesen einerseits als Europäern entwicklungsmäßig unterlegen dar, erkannte ihnen andererseits eine jahrtausendealte Kultur zu. Die als „Amazonen von Dahomey“ bezeichnete Gruppe wurde zwischen 1890 und 1908 viermal in Köln vorgeführt. Die sechzehnjährige Jambga starb 1898 während einer solchen Schau an Lungenentzündung und wurde auf dem Melatenfriedhof beigesetzt.

Schauen von Samoanern, Neukaledoniern und Sara-Kaba

Zwischen 1890 und 1900 gab es in Köln vier Samoa-Völkerschauen von R. A. Cunningham und den Brüdern Marquardt. Zeitgenössische Berichte beschrieben die Teilnehmenden vor allem nach Körpermerkmalen und stellten Kriegsgesänge, Tänze, Stockfechten und Messerschwingen als Sehenswürdigkeiten heraus. Zugleich behauptete die Kölnische Zeitung, die Gruppe sei durch Christentum und Kontakte mit Europäern und Amerikanern bereits von europäischer Kultur beeinflusst. Diese Darstellung zeigt die kolonial geprägten Maßstäbe der damaligen Presse.

Die Neukaledonier-Schau im Kölner Zoo lief vom 11. Juni bis 13. Juli 1931. Ausgestellt wurden 32 Männer und 9 Frauen von den Loyalty-Inseln und aus Neukaledonien. Die Werbung nannte sie unter anderem „Kannibalen aus der Südsee“ und „35 prächtige Gestalten von den Loyalty-Inseln“. Die Teilnehmenden lebten in Stroh- und Bambushütten zwischen Eisbärfelsen und Seehundbecken. Medien berichteten zugleich, dass sie Französisch sprachen, Missionsschulen besucht hatten, christlichen Konfessionen angehörten und europäische Nahrung aßen. Gezeigt wurden Kriegstänze, Musik und Baumklettern; außerdem entstanden ein Film und Werbefilme. Der Veranstalter Hauchecorne nannte dies ein „Propagandaunternehmung“. Der Sondereintritt betrug 0,50 Reichsmark, Schulklassen wurden wegen eines behaupteten „wissenschaftlichen Werts“ eingeladen, und am 13. Juli fand ein „Nachtfest der Kannibalen“ statt. An einem Tag kamen bis zu 27.000 Besucher.

Die Sara-Kaba gehören ethnologisch zu den Sara-Völkern Zentralafrikas und wurden im deutschsprachigen Raum fast ausschließlich durch Völkerschauen bekannt. Die Siebolds zeigten sie von 1930 bis 1932, darunter 1931 in Köln. Dabei reduzierte die Inszenierung die Menschen besonders auf Lippenmodifikationen von Frauen mit tellerförmigen Holzscheiben. Zeitgenössische Presseberichte bewerteten solche Praktiken abwertend und wiederholten kolonial-rassistische Stereotype. Heute gelten diese Darstellungen als Zeichen strukturellen Rassismus: Sie sagen mehr über europäische Unterhaltungskultur und koloniale Machtverhältnisse als über die Gesellschaft der Sara-Kaba aus.

Koloniale Spuren im Stadtbild

Kölns koloniales Erbe zeigt sich unter anderem in Orts- und Straßennamen. Im Nippeser Norden liegt das sogenannte „Afrika-Viertel“, auch Klein Afrika, Heia Safari-Viertel oder Neger-Viertel. Es erhielt diese Bezeichnung einschließlich der Straßennamen in der in Köln stark vertretenen neokolonialen Bewegung der 1930er Jahre. Dazu gehören Gustav-Nachtigal-Straße, Namibiastraße, früher Carl-Peters-Straße, Usambarastraße, früher Lüderitzstraße, sowie Togo-, Kamerun- und Tangastraße.

In (Neu)ehrenfeld erinnern Gravenreuthstraße, Lansstraße, Iltisstraße, Takustraße, Takuplatz, Takufeld und Wißmannstraße an die imperialistische Zeit des Deutschen Reiches. 2024 beschloss die Bezirksvertretung Ehrenfeld die Umbenennung der Wißmannstraße und der Gravenreuthstraße; Vorschläge aus der Bevölkerung sollten gesammelt werden. Weitere vergleichbare Namen sind Heinrich-von-Stephan-Straße, Konrad-Adenauer-Ufer, Mohrenstraße, Moltkestraße, Robert-Koch-Straße und Wilhelmstraße. Die Geschwister-Scholl-Realschule war früher nach Karl Freiherr von Gravenreuth benannt.

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