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Nairobi
Die größten Slums von Nairobi Slum Kibera. Etwa 60 Prozent der Einwohner Nairobis leben in Slums, von denen es mehr als 200 gibt. Im Nordosten der Stadt …
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Überblick und Lage
Nairobi ist die Hauptstadt Kenias und liegt im Nairobi County. Beim Zensus im August 2019 hatte die Stadt 4.397.073 Einwohner auf etwa 704 Quadratkilometern; die Bevölkerungsdichte lag bei 6.246,7 Einwohnern pro Quadratkilometer. Bis 2010 war Nairobi auch Hauptstadt einer der acht Provinzen Kenias. Die Stadt liegt am Fluss Nairobi, einem Nebenfluss der Athi, im Süden Kenias knapp südlich des Äquators bei 1° 17′ Süd und 36° 49′ Ost. Mit einer durchschnittlichen Höhe von etwa 1624 Metern, in den Basisdaten 1661 Meter, gehört Nairobi zu den höchstgelegenen Hauptstädten Afrikas.
Nairobi liegt zwar in der tropischen Klimazone, hat wegen der Höhenlage aber ein gemäßigtes Klima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 19 Grad Celsius, die mittlere Jahresniederschlagsmenge 1024,2 Millimeter. Der wärmste Monat ist März mit durchschnittlich 20,5 Grad Celsius, der kälteste Juli mit 16,8 Grad Celsius. Am meisten Regen fällt im April mit durchschnittlich 219,4 Millimetern, am wenigsten im Juli mit 17,5 Millimetern.
Stadtentwicklung, Bevölkerung und Sprachen
Nairobi entstand ab 1896 aus einem Eisenbahnlager und Versorgungsdepot, das die britische Verwaltung Ugandas im sumpfigen Zentrum Kenias errichtete. Der Ort wurde wegen der umliegenden Flüsse und des günstigen Klimas gewählt. 1899 verlegte die Verwaltung der Uganda Railways ihr Hauptquartier nach Nairobi, ebenso die Administration der Ukamba-Provinz. 1901 entstand ein erster Stadtrat. Sechs Jahre später wurde Nairobi Hauptstadt des Protektorats Britisch-Ostafrika und löste Mombasa ab.
Die Stadt war zunächst für europäische und indische Bewohner der Kolonie geplant, zog aber von Anfang an viele Afrikaner an, die die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Afrikanische, indische, sudanesische und somalische Gruppen sowie Menschen aus verschiedenen Teilen Ostafrikas lebten und arbeiteten dort. In einigen afrikanischen Vierteln entstanden frühe Formen organisierter antikolonialer Bewegung. Schon früh wuchs Nairobi durch Zuwanderung stark; an den Stadträndern bildeten sich slumartige Siedlungen.
Heute lebt laut Artikel etwa 60 Prozent der Bevölkerung Nairobis in Slums, von denen es mehr als 200 gibt. Zu den genannten Siedlungen gehören Mathare Valley im Nordosten, Kibera im Südwesten, Korogocho und Ansammlungen in Kariobangi. Für Kibera nennt der Artikel etwa 200.000 Einwohner; frühere Schätzungen von bis zu einer Million und die Einordnung als größter Slum Afrikas wurden durch eine Volkszählung widerlegt. Im Süden liegt der wohlhabende Vorort Karen, benannt nach Karen Blixen.
Die Einwohnerzahl wuchs von 11.500 im Jahr 1906 über 266.800 im Jahr 1962, 1.324.570 im Jahr 1989 und 3.138.369 im Jahr 2009 auf 4.397.073 im Jahr 2019. Für 2026 nennt die Übersicht rund 5.500.000 Einwohner. Für 2050 wird in der Agglomeration mit 14,2 Millionen Einwohnern gerechnet. Die am häufigsten gesprochenen Sprachen sind Kiswahili und Englisch; vor allem in den Slums ist die Jugendsprache Sheng verbreitet.
Geschichte und politische Bedeutung
Archäologische Funde an der Kantis Fossil Site am Stadtrand zeigen, dass im Gebiet des heutigen Nairobi bereits vor rund 3,5 Millionen Jahren Australopithecus afarensis lebte, also frühe Vorfahren des Menschen. Die moderne Stadtgeschichte ist eng mit der Uganda-Bahn verbunden, deren Bau 1895 in Mombasa begann und die die Küste mit Uganda verbinden sollte.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Nairobi zum wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zentrum. In der Kolonialzeit war die Stadt ein Zentrum europäischer Siedler im Hochland und Ausgangspunkt für Jagdtourismus. Zugleich entstanden soziale Spannungen, illegale Wohnviertel und antikoloniale Netzwerke. Später kam es auch nach der Unabhängigkeit zu politischen Konflikten: Anfang der 1990er Jahre wuchs die Opposition gegen Präsident Daniel arap Moi, was mehrere Unruhen auslöste. Auch Studenten der Universitäten demonstrierten wiederholt.
Am 7. August 1998 wurden bei einem Terroranschlag auf die US-Botschaft in Nairobi 213 Menschen getötet; an der Stelle befindet sich heute eine grüne Gedenkstätte mit Kapelle. Im Januar 2007 fand in Nairobi das siebte Weltsozialforum statt. Am 21. September 2013 griffen islamistische Extremisten der somalischen Al-Shabaab-Milizen das Westgate-Einkaufszentrum im Stadtteil Westlands an; mindestens 68 Menschen kamen ums Leben. Im August 2025 fand in Nairobi die Wikimania statt.
Nairobi ist international stark geprägt. Die Stadt ist neben New York, Wien und Genf eine von vier Städten mit einem Büro der Vereinten Nationen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-HABITAT) haben dort ihr Welthauptquartier. Außerdem sitzen dort 22 weitere regionale Büros von UN-Organisationen oder Stiftungen, darunter FAO und UNHCR. 1996 entstand als gemeinsame Verwaltungsorganisation von UNEP und UN-HABITAT das United Nations Office, Nairobi (UNON). Städtepartnerschaften bestehen mit Denver in den USA und seit Mai 2023 mit Kapstadt in Südafrika.
Wirtschaft, Verkehr und Bildung
Nairobi ist das Wirtschafts- und Kommunikationszentrum Kenias. Die Stadt erbringt etwa ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes und einen großen Teil der industriellen Produktion. 2017 lag das BIP pro Kopf im County Nairobi, das mit der Stadt deckungsgleich ist, bei 317.700 Kenia-Schilling, etwa 6.344 Internationale Dollar oder etwa 2.720 Euro. Die Tech- und Start-up-Szene in und um Nairobi wird „Silicon Savannah“ genannt und verzeichnete seit 2007 bedeutende Fortschritte. Wichtige Industrieprodukte sind Textilien, Kleidung, Transportmittel, Baustoffe und Nahrungsmittel. Auch der Fremdenverkehr hat wirtschaftliche Bedeutung. Nairobi ist zudem Sitz der Central Bank of Kenya und der Nairobi Securities Exchange. In einer Rangliste zur Lebensqualität belegte Nairobi 2024 Platz 191 von 241 untersuchten Städten weltweit.
Der Verkehr läuft fast vollständig über Straßen. In Nairobi kreuzen sich zwei transafrikanische Straßenrouten: der Trans-African Highway 4 von Kairo über Gaborone nach Kapstadt und der Trans-African Highway 8 von Lagos nach Mombasa. Die Verkehrsinfrastruktur wird als schlecht beschrieben; es gibt wenige Ampeln, selten Verkehrspolizisten, schmale und oft unmarkierte Fahrspuren sowie häufig keine Bürgersteige. Täglich kommt es zu teils massiven Staus. Ein Bus Rapid Transit System ist als mögliche Lösung in Planung. Der Nahverkehr wird mit Bussen und Matatus abgewickelt. Fernbusse fahren unter anderem nach Mombasa, Kampala, Tanga, Mwanza und Daressalam.
Die ältere kenianische Eisenbahn nutzt Meterspur von 1000 Millimetern. Mehrere Strecken gehen von Nairobi aus, darunter nach Mombasa, Kisumu, Nanyuki und Kampala, wobei Nairobi–Kampala nur im Güterverkehr genannt wird. Zwischen 2013 und 2017 entstand mit chinesischer Finanzierung und Technologie die normalspurige Standard Gauge Railway zwischen Mombasa und Nairobi. Die Strecke ist 472 Kilometer lang, eingleisig und erlaubt für Reisezüge bis zu 120 km/h. Der Madaraka Express verkürzte die Reisezeit zwischen beiden Städten von zwölf auf vier Stunden; die Jungfernfahrt war am 2. Juni 2017. Eine Verlängerung nach Kampala sowie weitere Strecken nach Juba, Kigali und Bujumbura sind geplant.
Für den Luftverkehr ist der Jomo Kenyatta International Airport im Südosten der Stadt der größte und verkehrsreichste Flughafen in Ost- und Zentralafrika. Am südwestlichen Stadtrand liegt der Flughafen Nairobi Wilson International, der vor allem für die Allgemeine Luftfahrt genutzt wird.
Nairobi gilt auch als Bildungshauptstadt Kenias. Dort befinden sich unter anderem die University of Nairobi, die Kenyatta University, das Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology, ein Polytechnikum, die Katholische Universität von Ostafrika sowie zahlreiche weitere staatliche und private Universitäten und Forschungsinstitute. Die University of Nairobi wird vom Deutschen Akademischen Austauschdienst als eine der besten Universitäten Afrikas südlich der Sahara außerhalb Südafrikas eingestuft. Zu den internationalen Forschungseinrichtungen gehört das International Centre for Insect Physiology and Ecology (ICIPE).
Kultur, Natur und Sehenswürdigkeiten
Zu den wichtigen Bauwerken und Einrichtungen gehören das Nationalmuseum mit einer Sammlung zur afrikanischen Frühgeschichte, das Eisenbahnmuseum, das Parlamentsgebäude, das Rathaus, das Gericht, das Nationaltheater und die Nationalbibliothek. Das State House ist die offizielle Residenz des Präsidenten.
Der Nairobi-Nationalpark wurde 1946 eröffnet, liegt nur 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist 120 Quadratkilometer groß. In ihm wurden 80 Säugetierarten und über 500 Vogelarten nachgewiesen. Der Park ist an drei Seiten eingezäunt; die vierte Seite wird vom Fluss Athi begrenzt. Dort leben unter anderem einige der letzten Spitzmaulnashörner, Massai-Giraffen, Kaffernbüffel, Buschschweine, Gazellen, Löwen, Leoparden, Schwarze Panther, Geparden und Hyänen. Besonders häufig sind Schabrackenschakale, Gnus, Kuhantilopen und Zebras.
Das Lang’ata Giraffe Centre wird von AFEW, dem African Fund for Endangered Wildlife, betrieben. Besucher können dort Rothschild-Giraffen von einem Turm aus füttern. Gegenüber beginnt ein etwa 1 bis 2 Kilometer langer Naturwanderweg in einem ursprünglichen Waldgebiet.
Das Karen Blixen Museum befindet sich im früheren Wohnhaus der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen. Sie lebte dort 14 Jahre auf einer ehemaligen Kaffee-Plantage, deren Gebiet heute zum Stadtteil Karen gehört. Das Haus wurde vom kenianischen Staat gekauft und ist seit 1986 ein Museum, teils mit Originalmöbeln und teils mit Requisiten aus dem Film „Jenseits von Afrika“.
Im Nairobi-Nationalpark befindet sich auch das Elefantenwaisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust. Dort werden vor allem Elefantenwaisen, aber auch einzelne Nashornbabys aufgezogen, die durch Wilderei oder andere Umstände ihre Mutter verloren haben. Besucher können die Einrichtung nur zwischen 11:00 und 12:00 Uhr oder nach Voranmeldung besichtigen. Im Sport war der Gymkhana Club Ground einer der Austragungsorte der ICC KnockOut 2000 und des Cricket World Cup 2003.