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Klaus Barbie

1934 machte Barbie am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier Abitur und war in dieser Zeit Mitglied des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Kindheit und Jugend
  3. 3. Aufstieg im NS-Staat
  4. 4. Verfolgung in den Niederlanden
  5. 5. Verbrechen in Frankreich
  6. 6. Untergrund, Geheimdienste und Prozess

Person und Bedeutung

Nikolaus „Klaus“ Barbie, auch unter dem Namen Klaus Altmann bekannt, war ein mehrfach verurteilter deutscher NS-Kriegsverbrecher. Er wurde am 25. Oktober 1913 in Godesberg geboren und starb am 25. September 1991 im Alter von 77 Jahren in französischer Haft in Lyon an Krebs. Von 1942 bis 1944 leitete er die Gestapo in Lyon. Wegen seiner Grausamkeit wurde er als „Schlächter von Lyon“ bezeichnet.

Die französische Justiz verurteilte Barbie zunächst in drei Prozessen in Abwesenheit jeweils zum Tode. Nach seiner Auslieferung aus Bolivien nach Frankreich im Jahr 1983 kam es zu einem vierten Prozess. Am 4. Juli 1987 wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Kindheit und Jugend

Barbie war der Sohn der Lehrer Nikolaus Barbie und Anna Hees. Sein Vater kehrte schwer verwundet von der Westfront des Ersten Weltkriegs zurück. Nach Barbies eigener Aussage war seine Jugend von der Alkoholsucht und gewalttätigen Übergriffen des verbitterten Vaters geprägt. Sein jüngerer Bruder Kurt starb noch im Jugendalter.

1934 legte Barbie am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier das Abitur ab. Während dieser Zeit war er Mitglied des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“. Ein Studium konnte er nach dem Tod des Vaters im Jahr 1933 nicht aufnehmen, weil die Familie es nicht finanzieren konnte.

Aufstieg im NS-Staat

Nach der Schulzeit wurde Barbie Mitglied der Hitlerjugend und persönlicher Adjutant des örtlichen Parteiführers. Er absolvierte ein freiwilliges sechsmonatiges Lager des Reichsarbeitsdienstes in Schleswig-Holstein und entwickelte sich dort zu einem überzeugten Anhänger des „Dritten Reiches“.

Am 26. September 1935 trat Barbie der SS bei (SS-Nummer 272.284). Ab dem 29. September 1935 arbeitete er im SD-Hauptamt, dem Hauptamt des Sicherheitsdienstes der SS. Praktische Erfahrungen sammelte er unter anderem beim Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin. Außerdem besuchte er Lehrgänge an den Führerschulen des Sicherheitsdienstes und der Sicherheitspolizei.

Im Oktober 1936 übernahm Barbie die Referate II/122 und II/123 des SD-Oberabschnitts West in Düsseldorf. Danach wurde er Hilfsreferent im Referat III C des SD-Abschnitts Dortmund. Zu seinen Aufgaben gehörten die Unterwanderung des sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstands sowie die Betreuung des Bereichs III/C „kulturelle Angelegenheiten“, der hauptsächlich religiöse Belange umfasste. Am 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.583.085). Am 20. April 1940 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert. Fünf Tage später heiratete er die 23-jährige Regine Willis; sie hatten eine Tochter namens Ute.

Verfolgung in den Niederlanden

Unmittelbar nach der deutschen Besetzung der Niederlande traf Barbie am 29. Mai 1940 in Amsterdam ein. Bis März 1942 arbeitete er in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam. Diese unterstand der Außendienststelle Amsterdam des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in den Niederlanden.

Barbie und seine Untergebenen waren für die Verfolgung von Widerstandskämpfern und Juden verantwortlich, besonders von aus Deutschland ins Exil geflohenen Menschen. Am 9. November 1940 wurde er zum SS-Obersturmführer befördert. Außerdem war Barbie maßgeblich an der Verfolgung und Folterung von Freimaurern beteiligt und leitete Übergriffe auf Logen persönlich.

Verbrechen in Frankreich

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in das bis dahin unbesetzte, von der Vichy-Regierung verwaltete Südfrankreich im November 1942 übernahm Barbie die Leitung der Abteilung IV der Gestapo beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Lyon. Für Judenangelegenheiten war dort Erich Bartelmus zuständig. In der Rangordnung stand Barbie nach dem KdS-Chef Werner Knab und dessen Stellvertreter Heinz Hollert an dritter Stelle.

Barbie setzte Folter und Mord systematisch gegen Mitglieder der Résistance und andere Gefangene ein. Dazu gehörten Elektroschocks, Aufhängen an den Füßen, Schläge, kochendes Wasser und der Einsatz verschiedener Werkzeuge. Viele Opfer überlebten die teilweise mehrere Tage dauernden Verhöre nicht. Zu den von Barbie verantworteten Opfern gehörte auch Jean Moulin. Als einer seiner treuesten Helfer wird Francis André genannt, der den Beinamen „Gueule Tordue“ („Schiefmaul“) trug.

Barbie wurden außerdem das Massaker in Saint-Genis-Laval, die Deportation der Kinder von Izieu, die Razzia in der Rue Sainte-Catherine und zahlreiche Erschießungen im Gefängnis Fort Montluc zur Last gelegt. In der Woche vor dem deutschen Abzug im August 1944 kehrte er nach Lyon zurück und beseitigte möglicherweise belastendes Beweismaterial. Dabei ermordete er 20 französische Mitarbeiter der Gestapo und angeblich auch seine französische Freundin Antoinette „Mimiche“ Murot.

Barbies Name wurde erstmals öffentlich bekannt, als die Résistance-Kämpferin Dora Schaul unter dem Decknamen Renée Fabre eine Liste der meisten Lyoner Gestapoangehörigen zusammenstellte. Diese Liste wurde über den Londoner Rundfunk verbreitet. Am 9. November 1944 wurde Barbie zum SS-Hauptsturmführer befördert, einem Rang, der dem eines Hauptmanns entsprach. Mit Befehl vom 20. November 1944 kehrte er zum SD-Abschnitt Dortmund in die Steinwache zurück. Kurz vor Kriegsende tauchte er in Deutschland unter.

Untergrund, Geheimdienste und Prozess

Nach 1945 baute Barbie ein Netzwerk ehemaliger SS- und Gestapo-Mitarbeiter in den westlichen Besatzungszonen auf. Er finanzierte sein Leben im Untergrund durch Schwarzmarkthandel und Überfälle. Obwohl er mehrfach kurzzeitig von der US-Army und der britischen Field Security Section gefangen genommen wurde, konnte er wiederholt fliehen.

Von 1945 bis 1955 wurde Barbie zunächst von britischen, später von US-amerikanischen Behörden geschützt und als Agent eingesetzt. Ab Anfang 1946 lebte er unter dem Namen Klaus Becker in Marburg. Im August 1946 entkam er einer geplanten Festnahme, indem er aus dem Jeep der Amerikaner sprang. Im November 1946 ließ er sich in Hamburg die Blutgruppentätowierung entfernen. 1947 wurde er in Frankreich erstmals in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Im selben Jahr arbeitete er für den US-Geheimdienst CIC. Als Informant beschaffte er vor allem Informationen über mögliche kommunistische Widerstandskämpfer und Agenten sowie über französische Geheimdienste in Deutschland. Ab 1950 rekrutierte er in Deutschland Mitglieder für den später verbotenen rechtsextremen Bund Deutscher Jugend.

1951 emigrierte Barbie mit Hilfe der USA unter dem Namen Klaus Altmann über die sogenannte Rattenlinie nach Bolivien. Dort arbeitete er als Geschäftsmann und wurde später bolivianischer Staatsbürger. In Lyon wurde er 1952 in zwei weiteren Verfahren wegen Verbrechen gegen Zivilbevölkerung und Résistance sowie wegen des Massakers von Saint-Genis-Laval und der Erschießungen im Gefängnis Montluc jeweils in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Nach dem Auftauchen Ernesto Che Guevaras 1966 in Bolivien waren Barbies Kenntnisse der Partisanenabwehr erneut gefragt. Er arbeitete für das bolivianische Innenministerium als Ausbilder und Berater der Sicherheitskräfte des Diktators Hugo Banzer Suárez, im Rang eines Oberstleutnants ad honorem. Im selben Jahr war er von Mai bis Dezember unter dem Decknamen Adler auch für den Bundesnachrichtendienst tätig. Der BND wusste dabei nicht, dass Klaus Altmann tatsächlich Klaus Barbie war. Barbie erhielt 500 Mark monatlich sowie später Leistungsprämien und lieferte mindestens 35 Berichte aus Südamerika. Nach gut einem halben Jahr wurde die Zusammenarbeit gegen ein „Abschaltgeld“ von 1000 DM beendet. Enge Kontakte zur bolivianischen Drogenmafia werden 2025 neu diskutiert. 1980 half Barbie General Luis García Meza Tejada bei dessen Staatsstreich.

Beate und Serge Klarsfeld spürten Barbie Anfang der 1970er Jahre in Bolivien auf. Ein Entführungsversuch scheiterte 1972; auch ein geplanter Mordanschlag von Michel Goldberg im Jahr 1975 und ein Anschlag des Mossad auf Barbie und Walter Rauff im Jahr 1980 blieben erfolglos.

Nach einem Regierungswechsel und der Rückkehr Boliviens zu einer demokratischen Regierung wurde Barbie am 19. Januar 1983 wegen Steuerhinterziehung festgenommen. Am 4. Februar 1983 lieferte Bolivien ihn nach Frankreich aus. Sein Prozess begann am 11. Mai 1987 und erregte weltweite Aufmerksamkeit. Angeklagt war Barbie unter anderem wegen der Razzia im Hauptquartier der Union générale des israélites de France am 9. Februar 1943 und der damit verbundenen Deportation von 85 Juden sowie wegen der Deportation von 44 jüdischen Kindern aus Izieu. Insgesamt wurde ihm die Deportation von 842 Menschen vorgeworfen. Seine Verteidigung durch Jacques Vergès wurde unter anderem von François Genoud finanziert. Das Urteil löste in Frankreich Kontroversen über Kollaboration, eine neue Welle des Antisemitismus und die mögliche Vermischung des Massenmords an den Juden mit anderen NS-Verbrechen aus.

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