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Schutzstaffel
Die Schutzstaffel (SS, Eigenschreibweise ᛋᛋ) war eine nationalsozialistische Organisation in der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus, …
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Kern und Bedeutung
Die Schutzstaffel (SS) war eine nationalsozialistische Organisation in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Sie diente der NSDAP und Adolf Hitler als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument. Ab 1934 war sie für Betrieb und Verwaltung der Konzentrationslager verantwortlich, ab 1941 auch für Vernichtungslager. Sie spielte eine zentrale Rolle bei Planung und Durchführung des Holocausts, des Völkermords an den Sinti und Roma und weiterer Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Die SS wurde am 4. April 1925 in München als persönliche „Leib- und Prügelgarde“ Hitlers gegründet. Ihr letzter Sitz lag im SS-Hauptamt in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin. Ab dem Reichsparteitag 1926 war sie der SA unterstellt, übernahm aber ab 1930 den parteiinternen „Polizeidienst“. Heinrich Himmler prägte die SS entscheidend. Nach der Entmachtung der SA im sogenannten Röhm-Putsch 1934 wurde die SS zu einer eigenständigen Organisation der NSDAP. Sie verband Parteistrukturen mit staatlichen Funktionen und gewann Kontrolle über Polizei, Geheimdienst, Lagerwesen und eigene militärische Verbände. Nach 1945 wurde sie verboten und in den Nürnberger Prozessen als verbrecherische Organisation eingestuft.
Entstehung und Aufstieg
Vorläufer der SS waren 1923 die Stabswache und danach der Stoßtrupp Adolf Hitler, die nach dem missglückten Hitler-Ludendorff-Putsch verboten wurden. Am 1. April 1925 beauftragte Hitler Julius Schreck mit dem Aufbau einer neuen Truppe für den Saalschutz bei NSDAP-Veranstaltungen. Am 4. April 1925 entstand aus acht früheren Angehörigen des Stoßtrupps eine neue Einheit. Nach mehreren Bezeichnungen wie Saal-Schutz, Schutzkommando und Sturmstaffel wurde 1925 der Name Schutzstaffel eingeführt.
Unter Joseph Berchtold wuchs die SS bis 1926 auf etwa 1000 Angehörige in 75 Staffeln. 1926 wurde sie der SA unterstellt. 1929 übernahm Heinrich Himmler die Führung. Zu diesem Zeitpunkt war die SS noch klein und nachrangig; Himmler formte sie jedoch strukturell und personell bis zu ihrem Ende. Hitler beschrieb ihre Aufgabe am 7. November 1930 als „Ausübung des Polizeidienstes innerhalb der Partei“.
Bis 1934 stand die SS organisatorisch und personell der SA nahe. Zugleich entstand Konkurrenz. Während Teile der SA gegenüber Hitler und der Parteiführung eigenständig auftraten, blieb die SS Hitler loyal. Daraus entwickelte sich eine besondere Beziehung zwischen Hitler und der SS. 1931 begann Himmler mit Reinhard Heydrich den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) aufzubauen, einen SS-eigenen Nachrichtendienst. Nach der Machtübernahme 1933 erhielt der SD eine eigene Organisationsstruktur.
Machtapparat im NS-Staat
Nach 1933 griff die SS nach polizeilichen Vollmachten. In Bayern verband die von Himmler und Heydrich aufgebaute Bayerische Politische Polizei staatliche Polizeikräfte mit dem SD. Dieses Modell wurde später auf das ganze Reich übertragen. Die SS konkurrierte mit der SA um Polizeimacht und um die Kontrolle über Konzentrationslager.
Der entscheidende Schritt war die Entmachtung der SA. Vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1934 ermordeten bewaffnete SS-Verbände unter Leitung von SD-Offizieren die Führung der SA und weitere Gegner oder Unbeteiligte. Als Vorwand diente ein angeblich geplanter „Röhm-Putsch“. Am 20. Juli 1934 löste Hitler die SS von der SA und erhob sie zu einer selbständigen Organisation innerhalb der NSDAP. Am 23. August 1934 wurde Himmler Hitler persönlich unterstellt.
Danach baute die SS ihre Macht aus. Theodor Eicke wurde reichsweiter Inspekteur der Konzentrationslager, wodurch die SS die Kontrolle über das KZ-System festigte. Mit SS-Verfügungstruppe und SS-Totenkopfverbänden entstanden eigene militärisch ausgebildete Verbände. 1936 wurde Himmler Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern. Formal war er dem Innenminister Wilhelm Frick untergeordnet, tatsächlich führte die SS die Polizei eigenständig. 1939 wurden Sicherheitspolizei und SD im Reichssicherheitshauptamt zusammengefasst. Die Ordnungspolizei wurde ebenfalls eng mit der SS verbunden. Als Himmler 1943 Reichsinnenminister wurde, zeigte sich offiziell, dass eher das Innenministerium in die SS integriert wurde als umgekehrt.
Krieg, Waffen-SS und Vernichtung
Die SS nahm an der Expansion des Deutschen Reiches teil. Am 12. März 1938 beteiligten sich Teile der SS-Verfügungstruppe am Einmarsch in Österreich. 1938 war sie an der Besetzung des Sudetenlands beteiligt, 1939 an der Besetzung der „Rest-Tschechei“. Dort wurde die SS mit der Zerschlagung des Widerstands beauftragt. Reinhard Heydrich wurde später stellvertretender Reichsprotektor; nach einem Attentat auf ihn ließ die NS-Führung 1942 als „Vergeltung“ die Bewohner von Lidice töten.
Ab Herbst 1939 wurden Leibstandarte, Verfügungstruppe und Totenkopfverbände schrittweise zur Waffen-SS zusammengeführt. Sie sollte nach Himmlers Vorstellung ein Staatsschutzkorps sein, das innere und äußere Feinde des NS-Staates bekämpfte. Beim Überfall auf Polen 1939 hatte die SS ihren ersten Kampfeinsatz. Im Frankreichfeldzug und im Deutsch-Sowjetischen Krieg kämpften SS-Verbände an der Front. Zugleich verübten sie zahlreiche Kriegsverbrechen, darunter Massaker an sich ergebenden Soldaten, Kriegsgefangenen und Zivilisten. Am 10. Juni 1944 begingen Angehörige der SS-Division „Das Reich“ das Massaker von Oradour.
Eine besondere Rolle spielten die Einsatzgruppen. Sie rückten hinter der Wehrmacht in eroberte Gebiete ein und begannen mit systematischer Verfolgung und Ermordung von Juden sowie Angehörigen der polnischen und russischen Intelligenz. Neben etwa 3.000 Angehörigen der Einsatzgruppen wirkten weitere SS-Verbände und Polizeibataillone mit; manche Verbände umfassten zusammen etwa 19.000 Mann. Die SS war treibender Faktor und Werkzeug des Holocausts. Sie betrieb Vernichtungslager wie Auschwitz und organisierte Deportationen über weite Entfernungen. In Belzec, Sobibor und Treblinka ließ Odilo Globocnik im Rahmen der späteren Aktion Reinhardt Massenmord in Gaskammern durchführen. Die SS-Totenkopf-Wach-Einheiten bewachten Lager und übten dort Polizeigewalt und Vernichtung aus. Dadurch war die SS für die industrielle Ermordung von Millionen Menschen verantwortlich.
Organisation, Personal und Wirtschaft
Die SS entwickelte sich von einer kleinen SA-unterstellten Truppe zu einem komplexen Dachverband mit Hauptämtern. Himmler verstand sie als „Elite“- und Massenorganisation. Mitgliedschaft und Ehe wurden nach rassebiologischen und weltanschaulichen Kriterien geprüft. Die SS wollte eine „Sippengemeinschaft“ und einen nationalsozialistischen Führungsorden darstellen. Dazu nutzte sie Rituale, Symbole wie den SS-Totenkopfring, Runensymbole und den Ehrendolch.
Ab 1935 unterschied sich die Allgemeine SS von bewaffneten Verbänden wie SS-Verfügungstruppe und SS-Totenkopfverbänden, aus denen später die Waffen-SS wurde. Informell bestand bis 1945 eine Dreiteilung in Allgemeine SS, SS-Totenkopfstandarten und SS-Verfügungstruppe. Später gehörten unter anderem SS-Hauptamt, Führungshauptamt, Persönlicher Stab Reichsführer SS, Reichssicherheitshauptamt, Hauptamt Ordnungspolizei, Hauptamt SS-Gericht, Rasse- und Siedlungshauptamt und Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt zur Struktur. Das Reichssicherheitshauptamt bündelte SD und Sicherheitspolizei; das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt verwaltete Konzentrations- und Vernichtungslager sowie SS-eigene Betriebe.
Die SS bildete Führungskräfte an eigenen Schulen aus, besonders an den SS-Junkerschulen Bad Tölz und Braunschweig. Die Ausbildung verband militärische Schulung mit nationalsozialistischer Ideologie; spätere Einsätze konnten in Verwaltung, Waffen-SS, SD, Sicherheitspolizei oder Konzentrationslagern liegen. Frauen konnten als Zivilangestellte im SS-Gefolge arbeiten oder im SS-Helferinnenkorps Dienst tun. Sie arbeiteten unter anderem als KZ-Aufseherinnen, Verwaltungs-, Nachrichten- und Stabshelferinnen.
Die SS betrieb zahlreiche Unternehmen. 1938 gründete sie die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH, 1940 wurden Betriebe in den Deutschen Wirtschaftsbetrieben zusammengefasst. 1943/44 gehörten etwa 30 Unternehmen mit über 100 Betrieben dazu, in denen mehr als 40.000 KZ-Häftlinge arbeiten mussten. Die Mitgliederzahl wuchs stark: 1929 hatte die SS 280 aktive Mitglieder, im Januar 1933 52.174, im Dezember 1933 209.014. Im Juni 1944 zählte die SS 794.941 Angehörige, davon 264.379 in der Allgemeinen SS. Die Waffen-SS wuchs von 23.406 Ende 1938 auf 594.443 im Juni 1944. Insgesamt dienten in ihr etwa 900.000 Soldaten; rund die Hälfte stammte nicht aus dem Reichsgebiet.
Verbot und Aufarbeitung
Bis Kriegsende kämpften SS-Verbände oft erbittert weiter und setzten die Ermordung von Juden fort, solange sie dazu in der Lage waren, etwa bei Todesmärschen von KZ-Häftlingen. Viele SS-Angehörige versuchten, ihre Zugehörigkeit zu verbergen. Heinrich Himmler wurde von den Briten verhaftet und beging nach seiner Erkennung Selbstmord.
Nach der Kapitulation ordneten die Alliierten am 10. September 1945 mit der Direktive 2 des Kontrollrates die Auflösung an. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurden SS sowie Neben- und Ersatzorganisationen förmlich aufgelöst, die Neugründung verboten und das Vermögen beschlagnahmt. Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde die SS 1946 als „verbrecherische Organisation“ eingestuft, einschließlich Waffen-SS, SS-Totenkopfverbänden und SD, mit Ausnahme der Reiter-SS und des Vereins Lebensborn.
Danach folgten weitere Prozesse, etwa gegen Funktionäre des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts, des Rasse- und Siedlungshauptamts und gegen Einsatzgruppenleiter. Einige Täter flohen über sogenannte Rattenlinien; genannt werden Josef Mengele, Adolf Eichmann und Klaus Barbie. In der Bundesrepublik Deutschland sind Verbreitung von Propagandamaterial und Verwendung von Kennzeichen der SS nach §§ 86 und 86a StGB strafbar, mit Ausnahmen etwa für Aufklärung, Wissenschaft, Lehre, Kunst oder Berichterstattung. Auch in Österreich, der Schweiz und anderen Ländern bestehen entsprechende Regelungen. Spätere Prozesse betrafen unter anderem John Demjanjuk, Heinrich Boere, Reinhold Hanning und Oskar Gröning.