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Kirchenausstattung

Einige Prinzipalien wie Altar, Kanzel, Taufbecken und Kreuz finden sich in den meisten Kirchen, oft auch eine Orgel. Auch Paramente und Verbrauchsgüter wie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und konfessionelle Unterschiede
  2. 2. Altar, Chorraum und sakrale Zeichen
  3. 3. Sakramentale Geräte, Tabernakel und Paramente
  4. 4. Verkündigung, Taufe und Sitze
  5. 5. Bilder, Reliquien und Grabdenkmäler
  6. 6. Orgel, Glocken und Ausstattung für Festzeiten

Begriff und konfessionelle Unterschiede

Kirchenausstattung umfasst alle Einrichtungsstücke einer Kirche sowie bewegliche und unbewegliche Gegenstände, die der Liturgie und kirchlichen Riten dienen. Dazu gehören zentrale Ausstattungsstücke wie Altar, Kanzel, Taufbecken und Kreuz, häufig auch eine Orgel. Ebenfalls dazu zählen Paramente, also liturgische Gewänder und Textilien, sowie Verbrauchsgüter wie Kerzen, Lampenöl, Weihrauch, Hostien und Messwein.

Anzahl und Funktion der Gegenstände unterscheiden sich je nach Konfession erheblich. Reformierte Kirchen sind meist sparsam ausgestattet, römisch-katholische Kirchen häufig reich. Evangelisch-lutherische und altkatholische Kirchen nehmen eine Mittelstellung ein. In reformierten Kirchen gilt das Gebäude selbst nicht als heiliger Ort; deshalb gibt es meist keine besondere Trennung zwischen Altarbereich und Gemeinderaum. In römisch-katholischen und vielen anderen Kirchen werden dagegen der liturgische Bereich und der Raum der Gemeinde unterschieden.

Besonders im süddeutsch-österreichischen Raum können römisch-katholische Kirchen auch mit Vermögenswerten wie Stiftungen, Grundbesitz oder Ablässen ausgestattet sein.

Altar, Chorraum und sakrale Zeichen

Der Altar ist in den meisten Kirchen das wichtigste Ausstattungsstück, weil dort die Eucharistie gefeiert wird. Der Altar steht oft erhöht. Seine Mensaplatte muss aus einem einzigen Stück bestehen und ruht auf dem Stipes. Vorne kann ein Antependium oder Antemensale hängen. Der Aufbau hinter dem Altar heißt Retabel und ist häufig mit Malereien oder Plastiken geschmückt. In der Gotik löste der Flügelaltar das schlichte romanische Tafelretabel ab. Ein Baldachin oder Ziborium kann die Bedeutung des Altars hervorheben. In römisch-katholischen Altären befindet sich häufig ein Sepulcrum, ein Stein mit einer Heiligenreliquie.

Der Altarraum oder Chor ist in vielen Kirchen vom Gemeinderaum unterschieden. Der Chor ist häufig erhöht und war seit dem 4. Jahrhundert zunehmend, ab dem 10. Jahrhundert überwiegend nach Osten ausgerichtet. Chorschranken oder steinerne beziehungsweise hölzerne Lettner konnten beide Bereiche trennen und waren oft mit den Zwölf Aposteln oder anderen Figuren geschmückt. Viele Lettner wurden während der Reformation oder nach dem Konzil von Trient 1563 entfernt.

Durch die Heiligenverehrung und den Reliquienkult nahm ab dem 6. Jahrhundert die Zahl der Privatmessen zu. Deshalb entstanden besonders in Kloster- und Abteikirchen viele Nebenaltäre, etwa an Pfeilern, in Seitenapsiden, Seitenschiffen oder am Chorumgang. Im Mittelalter konnten Altäre mit einem bestimmten Patrozinium gestiftet werden; zur Stiftung gehörte auch der Unterhalt eines Priesters.

Der Hochaltar rückte im Lauf der Zeit näher an die Apsis und damit weiter von der Gemeinde weg. Vor dem Lettner stand häufig ein Volksaltar, an dem die Messen für die Laien gefeiert wurden; er war oft Christus als dem Gekreuzigten geweiht und hieß dann Kreuzaltar. Seit der Liturgischen Bewegung ab etwa 1920 und der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils steht der Priester in der römisch-katholischen Kirche bei der Eucharistiefeier in der Regel hinter dem Altar und der Gemeinde zugewandt. Der Hauptaltar soll heute freistehend sein und den Mittelpunkt bilden. Bei Neubauten soll nur ein Altar errichtet werden, der den einen Christus und die eine Eucharistie der Kirche bezeichnet.

In lutherischen Kirchen blieb nach der Reformation meist nur der Hauptaltar erhalten. Reformierte Kirchen und Freikirchen haben wegen ihres Verständnisses des Abendmahls häufig lediglich einen Abendmahlstisch. In calvinistischen Kirchen Norddeutschlands trat teilweise ein Schriftaltar mit Texten wie den Zehn Geboten, den Einsetzungsworten oder dem Apostolikum an die Stelle des Retabels. Tragbare Altäre, sogenannte Portatile, konnten bei Prozessionen, auf Reisen, im Heerzug sowie auf öffentlichen Plätzen oder Friedhöfen verwendet werden. Zum Altar gehören seit frühester Zeit Leuchter und Altarkerzen.

Kreuze verdeutlichen die christliche Bedeutung des Altarraums. Mittelalterliche Kirchen besaßen teilweise ein monumentales Triumphkreuz im Triumphbogen, gelegentlich mit einer Kreuzigungsgruppe, Aposteln, Engeln oder Stiftern. Später verbreiteten sich kleinere Altarkreuze, die sich aus dem Vortragekreuz entwickelten. In katholischen Kirchen ist bei der Messe ein Kruzifix mit dem Bildnis Christi auf oder nahe dem Altar vorgeschrieben. Reformierte Kirchen zeigen meist ein Kreuz ohne Korpus oder verzichten ganz darauf. In römisch-katholischen und altkatholischen Kirchen erinnern zwölf Apostelleuchter mit Weihekreuzen an die Stellen der Kirchweihe, die der Bischof rituell gesalbt hat.

Sakramentale Geräte, Tabernakel und Paramente

Das liturgische Gerät, lateinisch Vasa sacra, wird besonders bei der Eucharistie verwendet und besteht deshalb meist aus Edelmetall, vor allem vergoldetem Silber. Es kann auf der Kredenz, dem Gabentisch, bereitgestellt werden. Der Kelch nimmt den zu konsekrierenden Wein auf. Er besteht gewöhnlich aus Fuß, Nodus, also einem polygonalen Knauf, und Kuppa, dem eigentlichen Gefäß. Die Patene ist eine flache Schale oder ein Teller für Hostie beziehungsweise Brot.

Konsekrierte Hostien werden in römisch-katholischen und altkatholischen Kirchen in einem Ziborium aufbewahrt. Die vergoldete Pyxis dient besonders der Krankenkommunion. Ein Kelchlöffel führt dem Wein etwas Wasser zu; in evangelischen Kirchen kann er außerdem zur Entfernung von Verunreinigungen dienen, in orthodoxen Kirchen zum Austeilen der vermischten Gaben von Brot und Wein. Abendmahlsgeräte evangelischer und altkatholischer Kirchen können auch aus Holz, Glas oder Zinn bestehen. Die Monstranz ist ein metallisches Schaugefäß, meist mit strahlenförmiger Gestaltung; in der Gotik waren turmförmige Sakramentsmonstranzen üblich.

Die geweihten Hostien wurden in der Romanik in vergitterten Wandnischen im Chor aufbewahrt. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts entstanden freistehende, turmähnliche Sakramentshäuser, meist auf der Evangelienseite, also an der Nordseite. In nachgotischer Zeit wurden sie durch das Tabernakel abgelöst, das besonders im Barock zentral im Retabel des Hauptaltars stand. Eine Aufbewahrung kann auch in einer Seitenkapelle oder in einem Tabernakel auf einer Stele erfolgen.

Zur Taufe dienen in den meisten Konfessionen Taufkanne und Taufschale. Weitere katholische Geräte sind Altarglocken für die Konsekration oder den sakramentalen Segen, eine Sakristeiglocke zum Beginn des Einzugs, Gefäße für Heilige Öle sowie eine Lavabogarnitur für die Händewaschung. Diese besteht aus Wasserkanne, Lavabotablett und Lavabotuch. Weihrauch wird in einem Weihrauchfass verbrannt und in einem Schiffchen mitgeführt. Die Inzens, das Beräuchern mit Weihrauch, ist bei feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen ein Zeichen der Verehrung. Hinzu kommen tragbare Leuchter, Vasen für Blumenschmuck und Opferkerzen als Ausdruck des Gebets.

Zu den Paramenten gehören die liturgischen Gewänder von Liturgen und Assistenz, die in vielen Konfessionen in verschiedenen liturgischen Farben vorhanden sind, außerdem Altartücher und Kelchwäsche. Auf dem Altar kann eine besonders gestaltete Altarbibel liegen. Geräte und Paramente werden in der Sakristei aufbewahrt, die gewöhnlich nahe am Altarraum liegt. Die mittelalterliche Piscina in der südlichen Chorwand diente der Reinigung der kultischen Geräte und der Ableitung oder Entsorgung des dabei anfallenden Wassers.

Verkündigung, Taufe und Sitze

Die Kanzel ist ein erhöhter und akustisch günstiger Ort für die Predigt, meist im vorderen Drittel des Kirchenschiffs. Historische Kanzeln bestehen aus Kanzelkorb, Kanzelaufgang und Schalldeckel und sind meist aus Stein oder Holz gefertigt. Der Kanzelkorb und der Schalldeckel haben häufig einen polygonalen, oft oktogonalen Grundriss. Schnitzwerk und Darstellungen der Evangelisten, ihrer Symbole oder biblischer Szenen sind verbreitet. Evangelische Kanzelaltäre des Barock und Klassizismus verbanden Kanzel und Altar zu einer architektonischen Einheit und symbolisierten die Verbindung von Eucharistie und Wortverkündigung.

Der Ambo geht auf die mittelalterliche Lesekanzel am Lettner zurück. Von dort wurden Bibellesungen vorgetragen. In der römisch-katholischen Kirche wurde der Ambo nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder stärker verwendet. In lutherischen und unierten Kirchen liegt die Bibel nicht auf dem Altar, sondern auf dem Ambo. Zu den liturgischen Büchern gehören in der katholischen Kirche das Sakramentar und in evangelischen Kirchen die Agende. Epistolar und Evangeliar enthalten neutestamentliche Lesungen, die in Perikopenbüchern geordnet werden. Das Graduale enthält die Messgesänge mit Noten, der Psalter die 150 Psalmen.

Ein Taufbecken ist für alle christlichen Kirchen konstitutiv, obwohl Material, Größe, Gestalt und Aufstellungsort nicht festgelegt sind. Es steht meist frei im liturgischen Bereich; möglich sind auch eigene Taufkapellen. Ab dem 11. Jahrhundert wurden große monolithische Becken, in denen Neugeborene vollständig untergetaucht wurden, zunehmend durch kleinere Becken in Kelchform ersetzt. Im niederdeutschen Kulturraum entstanden in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts mittelalterliche Bronzefünten. In Renaissance und Barock kamen schmalere Taufständer, Taufschalen und gelegentlich Taufengel hinzu.

Weihwasserbecken befinden sich im Eingangsbereich katholischer Kirchen. Sie sind meist an Wänden oder Pfeilern befestigt; daneben gibt es freistehende Becken und transportable Weihwasserkessel für Prozessionen. Das Aspergill dient der Besprengung mit Weihwasser. Sein zepterähnlicher Stab endet in einer siebartigen Blütenknospe und tritt ab dem 11. Jahrhundert vereinzelt, ab dem 13. Jahrhundert regelmäßig auf.

Zum Kirchengestühl gehören Sitze für Klerus, Ordensleute, liturgische Dienste und Gemeinde. Seit dem 4. Jahrhundert sind steinerne Sedilien nachgewiesen. Die Kathedra ist der hervorgehobene Sitz des Bischofs in seiner Bischofskirche. Chorgestühle in Kloster-, Stifts-, Dom- und manchen Pfarrkirchen besitzen oft Klappsitze, Armlehnen, Rückwände und Miserikordien, also Stützbretter an der Unterseite der Klappsitze. Ab etwa 1300 wurden sie mit Schnitzwerk und Intarsien verziert.

Ein Laiengestühl mit Bänken entstand meist erst seit der Reformationszeit. Katholische Bänke besitzen häufig Kniebänke; orthodoxe Kirchen haben weiterhin kein festes Kirchengestühl. Sonderplätze gab es für Patronatsherren, Adelige, Pfarrerfamilien oder Kirchenvorstände. Beichtstühle verbreiteten sich besonders im 17. und 18. Jahrhundert in römisch-katholischen und seltener in lutherischen Kirchen. Reformierte Kirchen kennen sie nicht. Moderne katholische Kirchen verwenden oft Beichtzimmer mit einer freiwillig nutzbaren Sichtwand.

Bilder, Reliquien und Grabdenkmäler

Bilder und figürliche Darstellungen veranschaulichen christliche Inhalte. Mittelalterliche Wand- und Gewölbemalereien behandeln vor allem das Jüngste Gericht, die Passion Christi und Heilige. Inschriften auf Latein oder Griechisch können die Szenen erklären. Häufige Marienbilder sind die bekrönte Madonna, die seit dem 5. Jahrhundert nachweisbar ist, die thronende Madonna seit dem 10. Jahrhundert, die Verkündigung, die Heimsuchung, die Schmerzensmutter, die Schutzmantelmadonna und das Vesperbild, also die Pietà. Bei Christusdarstellungen überwiegen Szenen der Passion. Reformierte Kirchen verzichten meist auf bildliche Darstellungen.

Wand- und Gewölbemalereien, Emporenbrüstungen und Kanzelfelder konnten biblische Zyklen, Apostel, Evangelisten, die Trinität oder Heilige zeigen. Die Brüstungsmalereien im Laienraum wurden ursprünglich als Armenbibel verstanden. Auf Lettnem oder in Nischen standen Heiligenfiguren. Typisch für römisch-katholische Kirchen ist der Kreuzweg mit meist 14 Stationen. Er stellt den Leidensweg Christi auf der Via Dolorosa dar und verbindet Ereignisse der biblischen Passion mit außerbiblischen Überlieferungen; ab dem 18. Jahrhundert sollte er in jeder katholischen Kirche angebracht werden.

Reliquiare bewahren und zeigen in der katholischen Kirche Reliquien. Sie unterscheiden sich damit von den Sepulcren im Altar. Es gibt Kästchen, Büchsen, Kapseln, flache Tafelreliquiare sowie Formen in Gestalt von Kreuz, Tier oder Monstranz. Je nach aufbewahrtem Körperteil können Reliquiare als Hand, Finger, Fuß, Bein oder Rippe gestaltet sein. Auch Statuen und kostbare mittelalterliche Schreinreliquiare kommen vor.

Grabdenkmäler erinnern an Verstorbene, die wegen der besonderen Heiligkeit des Kirchenraums häufig dort, möglichst nahe am Altar, bestattet werden wollten. Wegen des begrenzten Platzes blieb dies oft Klerikern, bedeutenden Herrschern oder Patronatsherren vorbehalten. Grabplatten mit Inschriften oder Darstellungen lagen zunächst im Fußboden und wurden später zum Schutz vor Abrieb und Verwitterung an Wänden angebracht. Epitaphien zeigten häufig die Familie unter dem gekreuzigten Christus. Totenschilde erinnerten an Ritter und Adelige, Namenstafeln an die in Kriegen Gefallenen.

Orgel, Glocken und Ausstattung für Festzeiten

Im Mittelalter diente die Orgel vor allem liturgischen Zwecken und begleitete noch nicht den Gemeindegesang. Sie übernahm Teile der Messe und des kirchlichen Stundengebets, etwa den Introitus und Lobgesänge, und erklang im Wechsel mit Chor, Gemeinde oder einzelnen Sängern. Diese Wechselpraxis heißt Alternatimpraxis. Deshalb stand die Orgel zunächst möglichst nahe am liturgischen Geschehen, oft als Schwalbennestorgel.

Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts unterstützte die Orgel zunehmend den Gemeindegesang. Als bevorzugter Aufstellungsort setzte sich nun die Westempore oder der Lettner durch; in kleineren Kirchen kam auch der Chorbogen infrage. Größere Kirchen können neben der Hauptorgel eine kleinere Chororgel besitzen. Bedeutende historische Orgeln oder große Neubauten werden teilweise auch als Konzertorgeln genutzt.

Die meisten Kirchen besitzen ein Geläut aus einer oder mehreren Glocken. Die Glocken hängen gewöhnlich im Kirchturm oder in einem Dachreiter, manchmal auch in einem eigenen Glockenträger. Von den großen Kirchenglocken zu unterscheiden sind kleinere Altarglocken und Sakristeiglocken, die bestimmte liturgische Handlungen oder den Beginn des Einzugs anzeigen.

Für die wechselnden Zeiten des Kirchenjahres werden besondere Gegenstände aufbewahrt. Dazu gehören Ständer oder Aufhängevorrichtungen für den Adventskranz, eine Weihnachtskrippe und Ständer für Weihnachtsbäume. Bei den Karmetten der Heiligen Woche werden Tenebraeleuchter verwendet, auf denen 13 oder 15 Kerzen dreieckig angeordnet sind. Bei der Fronleichnamsprozession trägt man einen als „Himmel“ bezeichneten Stoffbaldachin; darunter geht der Priester mit der Monstranz. Für die Osterkerze gibt es häufig kunstvolle Ständer. Die Osterkerze bleibt zunehmend das ganze Jahr über im Altarraum oder am Taufbecken stehen.

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