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King-James-Bibel
Die King-James-Bibel (KJB; englisch King James Version (KJV), King James Bible (KJB) und Authorized Version (AV)) ist eine englische Übersetzung der Bibel.
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Einordnung und Entstehung
Die King-James-Bibel, auf Englisch King James Version (KJV), King James Bible (KJB) oder Authorized Version (AV), ist eine englische Übersetzung der Bibel. Sie wurde im Auftrag von König Jakob I. von England für die Anglikanische Kirche erstellt und erschien erstmals 1611. Seitdem gilt sie als die einflussreichste englischsprachige Bibelübersetzung. Von den späteren Auflagen wird vor allem die Fassung von 1769 bis heute verwendet.
Ihr Hintergrund ist die protestantische Lehre „Sola scriptura“: Nicht die Auslegung durch Kirchenobere, sondern die Bibel selbst sollte Grundlage der christlichen Lehre sein. Deshalb wurde es wichtig, die Bibel in die Volkssprachen zu übersetzen. Vorläufer waren unter anderem mittelenglische Bibelübersetzungen, die ab etwa 1380 von John Wyclif überarbeitet und zu einer Vollbibel zusammengestellt wurden, sowie die frühneuenglische Übersetzung William Tyndales, die 1534 abgeschlossen wurde. Tyndales Arbeit war offiziell verboten, wurde aber zur wichtigen Grundlage späterer englischer Bibeln, darunter der Great Bible von 1538 und der King-James-Bibel von 1611.
Auftrag und Übersetzungsregeln
Vor der King-James-Bibel nutzte die englische Kirche offiziell die „Bishops’ Bible“, die in der Bevölkerung jedoch wenig verbreitet war. Beliebter war die „Genfer Bibel“, die auf der Tyndale-Übersetzung beruhte. Ihre Fußnoten waren stark calvinistisch-puritanisch geprägt und enthielten einen antiroyalistischen Ton, den König Jakob I. ablehnte. Besonders störte ihn, dass die Übersetzer der Genfer Bibel etwa vierhundert Mal das Wort „König“ mit „Tyrann“ übersetzt hatten; in der King-James-Bibel kommt „Tyrann“ nicht vor.
1604 berief Jakob I. am Hampton Court Palace eine Synode ein und schlug eine neue Übersetzung vor, die die Genfer Bibel ersetzen sollte. Die Übersetzer sollten der Lehre der anglikanischen Kirche folgen und polemische Fußnoten vermeiden. Sie sollten sich möglichst an der „Bishops’ Bible“ orientieren, bei Namen biblischer Personen dem üblichen Sprachgebrauch folgen, das Wort „church“ („Kirche“) nicht durch „congregation“ („Gemeinde“) ersetzen, Fußnoten nur zur Worterklärung verwenden, den Text im Konsens finden und bei Streitfragen weitere Gelehrte hinzuziehen.
Die Übersetzung wurde von 47 Gelehrten erstellt, die in mehrere Arbeitsgruppen aufgeteilt waren. Jede Gruppe bearbeitete bestimmte Bibelabschnitte, etwa Teile des Alten Testaments, die Evangelien, die Briefe des Neuen Testaments oder die Apokryphen beziehungsweise deuterokanonischen Bücher. Anschließend wurden die Ergebnisse miteinander harmonisiert.
Sprache und Textgrundlage
Die Prosa und die Poesie der King-James-Bibel werden traditionell hoch geschätzt. Für heutige Leser wirkt der Text aber archaisch, weil sich das Englische seit 1611 stark verändert hat. Typisch sind alte Pronomen wie „thou“, „thee“, „thine“, „thy“ und „thyself“ für die zweite Person Singular. Die Übersetzung klang schon 1611 gehoben und poetisch und entsprach nicht vollständig der Alltagssprache. Die Übersetzer wählten oft konservative Sprachformen, zum Beispiel die ältere Verbendung „-eth“ in der 3. Person Singular Präsens, obwohl die modernere Endung „-(e)s“ damals bereits verbreitet war.
Eine weitere sprachliche Besonderheit betrifft Besitzformen. Wo modernes Englisch „its blood“ sagen würde, verwendete die King-James-Bibel häufig ältere oder als „biblisch“ empfundene Formen wie „the blood thereof“. Teilweise wurden Substantive wie im Deutschen einem grammatischen Geschlecht zugeordnet, sodass etwa „her“ für einen Feigenbaum stehen konnte. Die Übersetzer vermieden außerdem nicht unbedingt derbe oder heute anstößig wirkende Formulierungen, wenn sie diese als wörtliche Übersetzung ansahen.
Als Textgrundlage nutzten die Übersetzer für das Alte Testament den masoretischen Text, also die traditionelle hebräische Textfassung, und für das Neue Testament den von Erasmus von Rotterdam veröffentlichten Textus receptus, eine griechische Textform des Neuen Testaments. Die Übersetzung war sehr textnah. Wörter, die im Ursprungstext nicht ausdrücklich vorhanden, aber sinngemäß ergänzt waren, wurden durch eckige Klammern oder Kursivdruck kenntlich gemacht; in frühen Ausgaben geschah dies typografisch durch Antiqua innerhalb des gotischen Fließtextes. Das Neue Testament gilt im Artikel als kaum zu beanstanden. Beim Alten Testament zeigten sich dagegen Grenzen, weil die Übersetzer das hebräische Vokabular und die hebräische Grammatik noch nicht vollständig verstanden; die christliche Hebraistik stand damals erst am Anfang.
Ausgaben und Besonderheiten
Moderne Ausgaben der King-James-Bibel unterscheiden sich in mehreren Punkten von der Erstausgabe von 1611. Die ursprünglich enthaltenen Apokryphen und deuterokanonischen Bücher fehlen meistens. Diese Auslassung folgt der anglikanischen Lehre, die diese Bücher nicht als göttlich inspiriert ansieht. Viele heutige Ausgaben enthalten auch nicht mehr die Textalternativen der Erstausgabe, die dort bei unsicherer Lesart des Originaltextes angegeben waren. Ebenso fehlen oft Anmerkungen zu Zitaten und direkten Bezügen, die Widmung an König James I., die Einleitung der Übersetzer und umfangreiche Anhänge, etwa zur Kalenderberechnung.
Auch der Druck der Erstausgabe unterschied sich stark von modernen Ausgaben. Es wurden besondere Schreib- und Satzkonventionen verwendet: „v“ konnte für kleingeschriebenes „u“ und für „v“ am Wortanfang stehen, „u“ für „u“ und „v“ im Wortinneren. Das lange „ſ“ erschien im Wortinneren, „j“ kam nur in bestimmten Fällen vor, und Satzzeichen wurden anders gesetzt als heute. Der Artikel „the“ wurde als „yᵉ“ wiedergegeben, wobei das „y“ den mittelenglischen Buchstaben „þ“ („thorn“) ersetzte. Auch Kurzformen wie „ã“ für „an“ oder „am“ dienten dazu, enger drucken zu können.
Den meisten modernen Ausgaben liegt der 1769 von der Universität Oxford herausgegebene Text zugrunde. Diese Ausgabe kennzeichnete im Original fehlende Wörter durch Kursivdruck, korrigierte Druckfehler und modernisierte einige damals bereits veraltete Ausdrücke. Wörter und Formulierungen, die erst nach 1769 ungebräuchlich wurden, stehen dagegen auch in heutigen King-James-Ausgaben.
Die fehlerhafte Ausgabe von 1631
Eine besonders bekannte Ausgabe ist die sogenannte „Wicked Bible“ oder „Sündenbibel“ von 1631. Sie enthielt in den Zehn Geboten einen schwerwiegenden Druckfehler: Statt „Du sollst nicht ehebrechen“ stand dort „Du sollst ehebrechen“ („Thou shalt commit adultery“). König Karl I. hatte eine Auflage von 1000 Exemplaren bei den königlichen Druckern Robert Barker und Martin Lucas bestellt. Als der Fehler Monate nach dem Druck entdeckt wurde, ließ er die bereits ausgegebenen Exemplare wieder einsammeln und verbrennen.
Nur wenige Exemplare blieben erhalten. Heute sind fünfzehn Exemplare bekannt, davon zwei in Privatbesitz. Ein gut erhaltenes Exemplar erzielte 2020 bei einer Versteigerung 99.500 Dollar. Die Drucker wurden zu einer sehr hohen Strafe von 300 Pfund verurteilt und verloren ihre Lizenz.
Wirkung, Konkurrenz und Rechte
Die King-James-Bibel sollte die „Bishops’ Bible“ als offizielle Bibel der anglikanischen Kirche ersetzen. Ein ausdrücklicher Erlass dazu ist nicht bekannt, dennoch setzte sie sich im gottesdienstlichen Gebrauch durch. In breiten Bevölkerungsschichten blieb zunächst die Genfer Bibel beliebt und wurde bis zum englischen Bürgerkrieg genutzt. Danach galt ihr Gebrauch politisch als problematisch, weil sie mit der vergangenen Ära des Puritanismus verbunden wurde. Die King-James-Bibel verbreitete sich immer stärker und wurde sehr beliebt.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts bekam die King James Version wieder ernsthafte Konkurrenz. 1881 erschien das Neue Testament und 1885 das Alte Testament der „Revised Version“. Ihr Neues Testament beruhte größtenteils auf dem griechischen Text der Ausgabe „The New Testament in the Original Greek“ von Westcott und Hort. Ähnlich, aber nicht identisch war die „American Standard Version“, die 1900 und 1901 erschien.
Moderne Bibelübersetzungen verwenden teilweise Ausgangstexte, die auf neuen Manuskriptfunden beruhen. Deshalb gibt es zwischen der King-James-Bibel und neueren Übersetzungen auch inhaltliche Abweichungen. Eine Minderheit konservativer Christen, vor allem in den USA, lehnt solche neueren Übersetzungen als Verfälschung der „wahren“ Bibel ab. Im angelsächsischen Raum gibt es dafür Kreise, die als King-James-Only-Movement bezeichnet werden; ein Teil von ihnen erkennt ausschließlich die King-James-Bibel als inspiriertes Wort Gottes an. Die Mehrheit der amerikanischen konservativen Protestanten nutzt heute jedoch die „New International Version“. Beliebt ist außerdem die „New King James Version“ (NKJV), deren Erstausgabe 1982 erschien; sie behält teilweise die Satzstellung der KJB bei, ersetzt aber ungebräuchliche Wörter und wurde im Neuen Testament nach dem Textus receptus revidiert.
Im Vereinigten Königreich unterliegt die King-James-Bibel einem dauernden Urheberrecht des Staates, vor allem um sie als offizielles Dokument der Staatskirche dauerhaft zu schützen. Britische Ausgaben benötigen daher eine Lizenz der Regierung oder der Universitäten Oxford oder Cambridge, die die Druckrechte besitzen. Kommentierte Bibeln fallen nicht unter diesen Schutz. In allen anderen Staaten ist die King-James-Bibel gemeinfrei und darf frei genutzt werden.