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Church of England
Die Church of England (englisch für Kirche von England) ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft, sodass sich ihre Geschichte weitestgehend mit …
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Stellung, Verbreitung und Aufbau
Die Church of England, auf Deutsch „Kirche von England“, ist die Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft und deren mitgliederstärkste Kirche. Sie ist eine Episkopalkirche, also eine Kirche, die von Bischöfen geleitet wird. Zugleich ist sie eine Landeskirche beziehungsweise Staatskirche: An ihrer Spitze steht der britische Monarch als „Supreme Governor of the Church of England“. Dieses Amt hat König Charles III. inne. Die beiden Erzbischöfe und 24 weitere Bischöfe gehören dem House of Lords an.
Ihr Gebiet umfasst England, die Kanalinseln und die Isle of Man. Zur Diözese in Europa gehören außerdem Kontinentaleuropa, die Türkei und Marokko. Schottland und Wales besitzen mit der Scottish Episcopal Church und der Church in Wales eigene anglikanische Kirchen.
Die Church of England gliedert sich in die Kirchenprovinzen Canterbury und York mit insgesamt 42 Diözesen. Die Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, ist Primas von ganz England und genießt auch innerhalb der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft einen Ehrenvorrang. Der Erzbischof von York ist als Primas von England im Ehrenrang der Zweite.
Innerhalb der Kirche besteht eine große theologische und gottesdienstliche Bandbreite: Sie reicht von der stärker katholisch geprägten High Church über die vermittelnde Broad Church bis zur evangelikalen Low Church.
Entstehung und historische Entwicklung
Die Church of England führt ihre Geschichte bis auf die Christianisierung Britanniens in römischer Zeit zurück. Nach der konstantinischen Wende von 313 breitete sich das Christentum aus; nach dem Abzug Roms spätestens 411 pflegten die eingewanderten Angeln, Sachsen und Jüten zunächst germanische Kulte. Seit der Mission des Augustinus von Canterbury am Hof von Kent im Jahr 597 verbreitete sich die katholische Kirche erneut. Gleichzeitig wirkten irische Mönche als Missionare.
Den unmittelbaren Anlass für die Trennung von Rom gab Papst Clemens VII., als er sich weigerte, die Ehe König Heinrichs VIII. für nichtig zu erklären. Am 11. Februar 1531 erkannten die englischen Bischöfe die päpstliche Autorität nicht mehr an und erklärten den König zum Oberhaupt der katholischen Kirche in England. Das Parlament bestätigte die königliche Oberhoheit mit der Suprematsakte von 1534. Zunächst änderte sich im Gottesdienst wenig; vor allem trat Englisch an die Stelle des Lateinischen. Feiertage, Reliquienverehrung und Wallfahrten wurden eingeschränkt, sämtliche Klöster bis 1540 geschlossen. Dagegen bestätigte der Act of Six Articles von 1539 noch die traditionelle Theologie und den Zölibat.
Die Abspaltung beruhte nicht nur auf Heinrichs Eheproblem. Schon im Mittelalter hatte der englische König bei der Besetzung von Bistümern ungewöhnlich große Freiheiten, und die englische Kirche war Rom gegenüber weniger verpflichtet als andere Kirchen Europas.
Nach Heinrichs Tod führten Erzbischof Thomas Cranmer und weitere Reformatoren neue Veränderungen ein, darunter das erste Book of Common Prayer, das zentrale anglikanische Gebet- und Gottesdienstbuch. Unter Maria Tudor kehrte die Kirche vorübergehend zur Gemeinschaft mit Rom zurück; zahlreiche reformatorische Theologen wurden hingerichtet. Unter Elisabeth I. wurde sie wieder protestantisch. Die Neununddreißig Artikel von 1571 hoben die Zölibatspflicht auf. Seit Elisabeths Regierungszeit werden im Unterhaus anglikanische Gebete gesprochen; seit 1660 eröffnet der Kaplan des Sprechers jede Sitzung mit Gebeten.
Nach dem Englischen Bürgerkrieg wurden im Zuge der Stuart-Restauration puritanische Pfarrer aus der Kirche vertrieben. Im 19. Jahrhundert stärkte die Oxford-Bewegung das Bewusstsein für das katholische Erbe der Kirche. Nach der Union Großbritanniens und Irlands von 1800 wurden die Church of England und die Church of Ireland vereinigt. Der Irish Church Act 1869 löste die irische Kirche wieder heraus; das Gesetz trat am 1. Januar 1871 in Kraft.
1867 berief der Erzbischof von Canterbury, Charles Thomas Longley, die damals 144 Bischöfe der Anglikanischen Gemeinschaft nach Lambeth. Daraus entstand die Lambeth-Konferenz, die gewöhnlich alle zehn Jahre als Vollversammlung der anglikanischen Bischöfe stattfindet. Der Welsh Church Act 1914 machte die anglikanische Kirche in Wales selbständig und entzog ihr den Status als Staatskirche; wegen des Ersten Weltkriegs trat er erst 1920 in Kraft. 2008 erklärte die Church of England ihr früheres Missverstehen der darwinschen Evolutionstheorie und den „anti-evolutionären Eifer“ in Teilen der Kirche zu einem Fehler.
Mitglieder und kirchliche Praxis
Die Church of England veröffentlicht keine offizielle aktuelle Mitgliederzahl. Für 2005 wurden etwa 25 Millionen Mitglieder angegeben. Da seitdem jährlich mehr Mitglieder starben als getauft wurden, wurde die Zahl für 2015 auf 22 bis 23 Millionen geschätzt. Die kirchliche Statistik nannte 2015 insgesamt 32 Millionen Christen in England, unterschied dabei aber nicht nach Konfession. Die Volkszählung von 2011 hatte 31,48 Millionen Christen beziehungsweise 59,4 % der Bevölkerung erfasst. Die Mitglieder der Church of England bilden heute nicht mehr die Mehrheit der englischen Bevölkerung; zugleich verzeichnet die Kirche weiteren Mitgliederschwund. Im Januar 2016 lag die Zahl ihrer Gottesdienstbesucher unter derjenigen der römisch-katholischen Kirche in England.
2015 besuchten durchschnittlich 752.000 Menschen einen Sonntagsgottesdienst. Diese „Usual Sunday attendance“ wurde anhand von vier Sonntagen im Oktober ermittelt. Auf die rund 16.000 Kirchen entfielen damit durchschnittlich 51 Gottesdienstbesucher pro Sonntag. Zur „Worshipping Community“ zählten 1.142.000 Personen, die mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst besuchten. Seit 2005 war diese Zahl um 11 % gesunken. Weihnachten 2015 kamen 2.526.000 Menschen in die Kirchen.
Die Statistik setzte die sonntägliche Teilnahme mit 2,3 % aller Christen in England an, nicht mit 2,3 % der anglikanischen Mitglieder. Grund dafür ist, dass die Church of England alle Christen einlädt. Regional bestanden deutliche Unterschiede: Hereford erreichte 3,5 % und Gloucester 3,4 %, Liverpool 1,6 %, Birmingham 1,4 % und Durham 1,2 %.
Auch der Empfang der Sakramente ging zurück. 2015 wurden 109.000 Kinder getauft, gegenüber 125.000 im Jahr 2005. Außerdem wurden 16.700 Menschen gefirmt; die Firmung ist die kirchliche Bestätigung der Taufe. 44 % der Gefirmten waren Erwachsene.
Frauen in kirchlichen Ämtern
Am 11. November 1992 beschloss die Generalsynode mit knapper Mehrheit, Frauen zum Priesteramt zuzulassen. Die Ordination, also die kirchliche Weihe und Beauftragung, der ersten 32 Priesterinnen erfolgte am 12. März 1994.
Im Juni 2006 erklärte die Generalsynode die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt mehrheitlich für theologisch gerechtfertigt. Der Beschluss wurde jedoch nicht wirksam, weil er in der Kammer der Laien die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlte. Die Generalsynode besteht aus drei Kammern: Bischöfen, Priestern und Laien, also nicht ordinierten Kirchenmitgliedern.
Die geplante Öffnung des Bischofsamtes führte zu Übertritten zur römisch-katholischen Kirche. Am 8. Januar 2011 weihte der katholische Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, die früheren anglikanischen Bischöfe Andrew Burnham, Keith Newton und John Broadhurst zu katholischen Priestern. Auch ungefähr 50 anglikanische Priester wechselten zur katholischen Kirche.
Am 14. Juli 2014 erreichte ein neuer Antrag die erforderliche Mehrheit in allen drei Kammern. Zugleich wurden Ombudsstellen für Gemeinden vorgesehen, die keine Bischöfin akzeptieren wollten. Nach der Änderung des Kirchenrechts wurde Libby Lane am 26. Januar 2015 zur Bischöfin konsekriert, also in das Bischofsamt eingeführt. Unmittelbar vor der Konsekration widersprach der Pfarrer Paul Williams öffentlich und bezeichnete sie als „unbiblisch“ sowie das Geschlecht der Kandidatin als „absolutes Weihehindernis“.
Gleichgeschlechtliche Paare und Ökumene
Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren ist innerhalb der Church of England umstritten und wurde mehrfach verändert. Seit 2013 erlaubte sie die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in einem Gottesdienst. Ebenfalls im Januar 2013 erklärte sie sich bereit, Priester in eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu Bischöfen zu wählen, wenn diese sich mit der Bischofsweihe zum Zölibat, also zum Verzicht auf sexuelle Beziehungen, verpflichteten. Ein homosexueller Priester, der im April 2014 standesamtlich heiratete, wurde deshalb entlassen.
Im Januar 2023 bestätigten die Bischöfe mit dem Schreiben „Draft prayers of thanksgiving, dedication and for God’s blessing for same-sex couples published“ die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Sexuelle Handlungen in solchen Beziehungen wurden nun respektiert und zölibatäres Verhalten nicht mehr verlangt. 2026 beschloss die Generalsynode jedoch, keine Einsegnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare mehr stattfinden zu lassen, und setzte eine neue Arbeitsgruppe zu dem Thema ein.
In der Ökumene, also der Zusammenarbeit verschiedener christlicher Kirchen, gehört die Church of England zur Porvoo-Gemeinschaft und steht mit deren Kirchen in voller Kirchengemeinschaft. Eine solche Gemeinschaft besteht seit 1931 auch mit den alt-katholischen Kirchen der Utrechter Union. Die Beziehungen zur Evangelischen Kirche in Deutschland sind durch die Meißener Gemeinsame Feststellung geregelt.