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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kinderreim

Ein Kinderreim ist ein mündlich überlieferter Vers, der kleinen Kindern im Kindergarten oder von den Eltern beigebracht wird oder selbst ausgedacht wurde.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Zwecke und Formen
  3. 3. Typische deutschsprachige Beispiele
  4. 4. Englische Kinderreime in Kultur und Popmusik
  5. 5. Nutzung auf YouTube

Begriff und Bedeutung

Ein Kinderreim ist ein mündlich überlieferter oder selbst ausgedachter Vers für kleine Kinder. Er wird im Kindergarten oder von Eltern vermittelt. Kinderreime werden häufig melodisch oder rhythmisch gesprochen beziehungsweise gesungen; deshalb lassen sie sich kaum eindeutig von Kinderliedern trennen.

Sie sind für Kinder bedeutsam, weil sie Sprache, Rhythmus und gemeinsames Spielen verbinden. Je nach Reim können sie beim Aufbau des Vokabulars, beim Zählenlernen oder bei Bewegungen und damit beim Üben motorischer Fertigkeiten helfen. Abzählreime sind eine besondere Form.

Zwecke und Formen

Kinderreime können unterschiedliche Absichten haben. Manche wurden zunächst als Buchtexte veröffentlicht und später Kindern vorgetragen, etwa Struwwelpeter und Max und Moritz. Solche Verse sollen Kinder oft moralisch lenken.

Daneben gelten auch Reime ohne inhaltlichen Sinn als Kinderreime, zum Beispiel „Eene meene minke manke, pinke panke …“. Reime können zudem „drastisch, vulgär, zersetzend“ sein; als Beispiel wird „Verschwinde wie der Furz im Winde“ genannt.

Typische deutschsprachige Beispiele

Ein verbreiteter Fingerreim beginnt mit „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen“ und ordnet den weiteren Fingern Aufgaben zu: aufsammeln, nach Hause tragen und essen. Eine schweizerdeutsche Fassung lautet: „Das isch de Tuume, de schüttlet d Pfluume …“.

Weitere Beispiele sind „Hoppe hoppe Reiter“, „Messer, Gabel, Scher’ und Licht – sind für kleine Kinder nicht“, „Backe, backe, Kuchen“, „Ri-ra-rutsch“, „Heile, heile Gänsje“ und „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. Essensreime wie „Piep, Piep, Piep, wir haben uns alle lieb“ enden mit „guten Appetit!“ oder enthalten scherzhafte Varianten über den Nebenmann.

Manche Reime sind mit Berührungen oder Bewegungen verbunden: Bei „Hier hast ’nen Taler“ wird ein fiktiver Taler in den Handteller gedrückt und am Ende gekrabbelt. Beim südbadischen „S kunnt en Bär vu Konstanz her“ laufen Finger am Bein hoch; anschließend wird das Kind sanft gekniffen. Auch englische Beispiele der Auswahl sind „As I Was Going to St Ives“ und „London Bridge is Falling Down“.

Englische Kinderreime in Kultur und Popmusik

Englische Kinderreime heißen nursery rhymes. Im anglo-amerikanischen Kanon haben sie wegen der Sammlung Mother Goose einen ähnlichen Stellenwert wie Grimms Märchen im deutschen Sprachraum. Das erste unter diesem Titel publizierte Buch stammt von Charles Perrault. Anspielungen auf solche Reime sind im Englischen besonders geläufig.

Sie werden häufig in Popmusik und Literatur zitiert. Genesis nannte 1971 sein drittes Album Nursery Cryme; im Eröffnungsstück „The Musical Box“ erscheint „Old King Cole“. „There was an Old Woman Who Lived in a Shoe“ eröffnet „All Mama’s Children“ von Carl Perkins und Johnny Cash aus dem Jahr 1956. Humpty Dumpty, bekannt durch Lewis Carrolls Alice hinter den Spiegeln, wird unter anderem in Aretha Franklins „All the King's Horses“ (1972), Billy Joels „The Great Wall of China“ (1993) und Aimee Manns „Humpty Dumpty“ (2002) zitiert.

Die Zeile „Sticks and stones may break my bones“ aus Rihannas „S&M“ geht auf einen Reim zurück, der 1894 in Folk Phrases of Four Countries abgedruckt wurde; sie steht auch in „Pocketful of Sunshine“ von Natasha Bedingfield. Literarische Anspielungen sind Robert Penn Warrens All the King’s Men (1946) und George Orwells Neunzehnhundertvierundachtzig. Carl Bernstein und Bob Woodward übernahmen das Muster mit All the President’s Men (1974).

Nutzung auf YouTube

Der seit 2011 in mehreren Sprachen bestehende YouTube-Kanal Little Baby Bum (LBB) verbindet bekannte und selbst geschaffene Kinderreime mit eigens produzierter 3D-Animation. Er hat weltweit über 15 Mio. Abonnenten. Sein erstes und bekanntestes Video behandelt „Twinkle Twinkle Little Star“; der Stern erscheint auch als Intro und Markenbestandteil. Zu eigenen, vielfach auf YouTube gecoverten Reimen gehören „Johnny, Johnny, Yes, Papa“ und „Finger Family (Daddy Finger)“.

Ähnliche Konzepte verfolgen unter anderem ChuChu, ABCkidTV, Dave and Ava, Kids TV, LooLoo Kids, CVS 3D Rhymes, ABC for Kids und BillionSurpriseToys. Fans erstellen außerdem eigene Abwandlungen, etwa Kurzfilme mit ihren Kindern oder digitale Kreationen mit Figuren wie Spiderman und Mickey Mouse.

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