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Vers

... Versmaß (auch Metrum), der einzelne wiederholte Teil, aus denen das Versmaß besteht, ist der Versfuß (entspricht etwa dem Takt in der Musiktheorie) bzw …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Vers und Gedicht
  3. 3. Erkennbare Merkmale
  4. 4. Einteilung nach der Länge
  5. 5. Einteilung nach Silben
  6. 6. Versschluss und Kadenz

Begriff und Grundprinzip

Ein Vers ist in der Poetik eine Reihe metrisch gegliederter Rhythmen. Gedruckt steht er gewöhnlich in einer eigenen Zeile und wird deshalb auch Verszeile genannt. Entscheidend ist seine rhythmische Gliederung; zusätzlich können Reim, Assonanz (Gleichklang von Vokalen) oder Alliteration (gleicher Anlaut) auftreten.

Die regelmäßige Wiederkehr eines gleichen Rhythmus heißt Responsion. Sie bildet das Versmaß oder Metrum. Der wiederholte einzelne Teil eines Versmaßes heißt Versfuß und entspricht ungefähr dem Takt in der Musik. In der antiken Verslehre bezeichnet Metron eine Einheit aus einem oder zwei Versfüßen. Verslehre, auch Metrik, und Prosodie untersuchen Aufbau und Regelmäßigkeiten von Versen.

Versform kann erstens eine bestimmte rhythmische Struktur meinen. Zweitens kann sie das Ergebnis der Versifikation bezeichnen, also der rhythmischen und lautlichen Gestaltung eines Textes nach den Vorgaben für Vers, Strophe und gesamtes Gedicht. Größere Gruppen verwandter Versformen oder Versmaße heißen gelegentlich Versgattung, etwa freier Vers oder die äolischen Versmaße der antiken Metrik. Die schematische Darstellung einer Versform in metrischer Notation heißt Versschema.

Vers und Gedicht

Ein Werk wird nicht allein dadurch zu einem Gedicht, dass es in Versen oder allgemein in gebundener Rede geschrieben ist. Verse kommen in verschiedenen Gattungen und Formen vor; bei epischen Formen spricht man zum Beispiel von Versepos, Versnovelle und Versroman.

Umgekehrt ist metrische Gebundenheit heute keine Voraussetzung für ein Gedicht. Klopstock verzichtete im 18. Jahrhundert in seinen freien Rhythmen auf Reim und metrisches Schema. Danach nahm deren Bedeutung im Vers ab; in der Moderne wurde der freie Vers zur dominierenden Versgattung. Die Versform spielt heute praktisch fast nur noch in der Lyrik eine Rolle, während Vers in Epik und Drama fast völlig verschwunden ist.

Erkennbare Merkmale

Das optische Kennzeichen gedruckter Verse ist der offene Zeilenfall: Jeder Vers erscheint in einer eigenen Zeile. Beim Hören macht eine merkliche Pause die Versgrenze kenntlich. Goethe fordert bei der Deklamation von Jamben ein kleines, kaum merkbares Innehalten am Anfang jedes Verses; Brecht formuliert: „Das Ende der Verszeile bedeutet immer eine Zäsur.“

Die akustische Gliederung und die rhythmische Gestaltung führen zu einer Wiedergabe, die von natürlicher Betonung und Phrasierung abweicht. Dadurch lassen sich Verse normalerweise deutlich von Prosa unterscheiden. Prosa, die sich der gebundenen Rede in dieser Hinsicht annähert, heißt rhythmische Prosa, Prosagedicht oder Kunstprosa.

Einteilung nach der Länge

Verse beziehungsweise abstrakte Versmaße können nach ihrer Länge eingeteilt werden: nach Metren, Versfüßen, Hebungen beziehungsweise Takten oder Silben. Nach der Zahl der Metren heißen sie Monometer (1 Metrum), Dimeter (2), Trimeter (3), Tetrameter (4), Pentameter (5) und Hexameter (6). Die Zahl der Metren stimmt nicht immer mit der Zahl der Versfüße überein, weil ein Metrum je nach Versfuß ein oder zwei Versfüße enthalten kann. Ein jambischer Trimeter besteht daher aus sechs Jamben: Das jambische Metrum hat 2 Versfüße.

Nach Versfüßen heißen Verse Monopodie (1), Dipodie (2), Tripodie (3), Tetrapodie (4), Pentapodie (5), Hexapodie (6), Heptapodie (7) oder Oktapodie (8). Die lateinische Metrik verwendet dafür unter anderem Binar (2 Versfüße), Ternar (3), Quaternar (4), Senar (6), Septenar (7) und Oktonar (8).

In der akzentuierenden Metrik moderner Sprachen ist die Zahl der Hebungen maßgeblich und entspricht der Zahl der Versfüße. Man unterscheidet deshalb Dreiheber, Vierheber, Fünfheber, Sechsheber und so weiter; entsprechend heißen sie auch Dreitakter, Viertakter und so weiter.

Einteilung nach Silben

Nach der Zahl der Silben heißen Verse Einsilbler oder Monosyllabus (1 Silbe), Zweisilbler oder Disyllabus (2), Dreisilbler oder Trisyllabus (3), Viersilbler oder Tetrasyllabus (4), Fünfsilbler oder Pentasyllabus (5), Sechssilbler oder Hexasyllabus (6), Siebensilbler oder Heptasyllabus (7) und Achtsilbler oder Oktosyllabus (8).

Weitere Bezeichnungen sind Neunsilbler oder Enneasyllabus (9 Silben), Zehnsilbler oder Dekasyllabus (10), Elfsilbler oder Hendekasyllabus (11) und Zwölfsilbler oder Dodekasyllabus (12).

Versschluss und Kadenz

Nach der Vollständigkeit im Verhältnis zum Versmaß sind Verse katalektisch, wenn der letzte Versfuß unvollständig ist, und akatalektisch, wenn sie vollständig sind. Brachykatalektisch bedeutet, dass der letzte Versfuß fehlt. Hyperkatalektisch heißt, dass ein Vers mit einer überzähligen unbetonten Silbe endet.

In der akzentuierenden Metrik wird außerdem die Kadenz, also die Art des Versschlusses, unterschieden. Eine männliche oder stumpfe Kadenz endet mit einer betonten Silbe. Eine weibliche oder klingende Kadenz endet mit einer unbetonten Silbe. Bei einer reichen oder gleitenden Kadenz folgen mehrere unbetonte Silben am Schluss.

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