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Verslehre
Die Verslehre oder Metrik (altgriechisch μετρική τέχνη metrikē technē, deutsch ‚metrische Kunst', ‚Lehre von den (Vers-)Maßen', danach lateinisch ars …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Bedeutung der Verslehre
Verslehre oder Metrik befasst sich mit den Eigenschaften gebundener Sprache, also sprachlicher Gestaltung, die durch Wiederholung gegliedert wahrgenommen wird. Wichtige Einheiten sind dabei Vers und Strophe. Die Gestaltungsmittel sind die rhythmische Strukturierung sowie Formen der Lautbindung: Reim, Assonanz und Alliteration.
Als wissenschaftliche Disziplin untersucht die Metrik, wie solche Formen aufgebaut sind, in welchen Sprachen sie vorkommen, wie sie sich geschichtlich verändern und welche allgemeinen Regeln oder Erklärungen sich dafür finden lassen.
Vergleichende Metrik und Versprinzipien
Die vergleichende Metrik untersucht Sprachen und ihre Literaturen danach, welche Gestaltungsmittel für sie maßgeblich sind. Zentral ist das Versprinzip, also das Merkmal, nach dem ein Vers rhythmisch oder formal geordnet wird.
Man unterscheidet drei Versprinzipien:
- Beim quantitierenden Versprinzip, dem „Silben messenden“ Prinzip, entscheidet die Silbenlänge. Es herrscht in der antiken Dichtung vor.
- Beim silbenzählenden Versprinzip entscheidet die Anzahl der Silben. Es herrscht in den romanischen Sprachen vor.
- Beim akzentuierenden Versprinzip, dem „Silben wägenden“ Prinzip, entscheidet die Betonung der Silben, der Versakzent. Es herrscht in den germanischen Sprachen vor.
Ein wichtiges Thema ist die Gefahr, metrische Begriffe ohne Prüfung zwischen Sprachen mit unterschiedlichen Prinzipien zu übertragen. Für die deutsche Metrik ist dies besonders bedeutsam: Sie war zeitweise von silbenzählender französischer Dichtung geprägt und übernahm ab dem 18. Jahrhundert Formen und Begriffe aus der quantitierenden antiken Dichtung. Dies führte zu einer bis heute beklagten Verwirrung metrischer Begriffe und Konzepte.
Systematische und historische Untersuchung
Die systematische Metrik untersucht vorhandene dichterische Werke auf Gemeinsamkeiten und strukturierende Elemente. Sie arbeitet unter anderem mit den Begriffen Verselement, Versfuß, Versmaß, Strophenform und Gedichtform. Diese Formen werden nach ihren Merkmalen unterschieden und beschrieben.
Dafür legt sie Schemata fest. Beispiele sind das Reimschema einer Strophenform, die Fußfolge eines Versmaßes, die Kadenz einer Taktreihe oder die Gliederung von Versen in Kola durch Zäsur und Dihärese. Eine Zäsur und eine Dihärese sind Stellen der Gliederung im Vers; Kola sind dadurch abgegrenzte Verseinschnitte. Je nach Bereich verwendet man passende Formen metrischer Notation.
Die historische Metrik untersucht die Entwicklung lyrischer Formen, meist für eine bestimmte Sprache oder Literatur. In der deutschen Metrik gehört dazu etwa die Ablösung der altgermanischen stabreimenden Langzeile durch den Otfridschen Reimvers in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Sie erforscht außerdem historische Theorien, beispielsweise Arbeiten antiker alexandrinischer Grammatiker und die Wirkung von Martin Opitz’ Buch Von der Deutschen Poeterey. Ebenso behandelt sie Beziehungen, Einflüsse und Übernahmen zwischen Literaturen, etwa den Einfluss französischer Poesie auf die Barockdichtung in Deutschland und Frankreich.
Theoretische Metrik
Die theoretische Metrik setzt bei den Arbeiten hellenistischer Grammatiker an. Anders als die systematische Metrik, die zunächst beschreibt, will sie das Wesentliche lyrischer Formen bestimmen und vom zufällig historisch Gewordenen unterscheiden.
Die damit verbundenen Schwierigkeiten zeigten sich schon in der Antike in widersprechenden Schulen. Eine Schule wollte alle Metra aus 8 bis 10 Grundmaßen, den metra prototypa, ableiten. Vertreter der Derivationstheorie wollten dagegen alle Metra vom Hexameter und jambischen Trimeter ableiten.
In Deutschland hatte die von Philologen betriebene rein wissenschaftliche Metrik nur geringen Einfluss auf die poetische Praxis. Größer war der Einfluss theoretisch arbeitender Dichter wie Opitz, Klopstock und Lessing sowie in der Moderne Friedrich Georg Jünger.
Metrik verschiedener Sprachen
Eine Gliederung nach Sprache ist sinnvoll, weil jede Sprache und Literatur eigene geschichtliche Entwicklungen sowie aufgrund ihrer natürlichen Prosodie – also ihrer sprachtypischen Betonungs- und Klangverhältnisse – besondere Möglichkeiten und Probleme besitzt.
Wichtige Bereiche sind die antike, deutsche, französische, italienische, spanische und englische Metrik. Die antike Metrik wird traditionell stark von der griechischen und lateinischen Metrik bestimmt. Randständiger sind mittellateinische Formen der Spätantike und des frühen Mittelalters, insbesondere die Metrik kirchlicher Dichtung, sowie die byzantinische Metrik für späte griechische Formen. Noch stärker am Rand steht die Verslehre anderer Kulturen des Altertums, besonders die altägyptische, mesopotamische und althebräische Metrik.
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