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Kaufmann im Groß- und Außenhandel

Kaufmann im Groß- und Außenhandel respektive Großhandelskaufmann (Österreich) ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf in Deutschland und Österreich.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Beruf und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung in Deutschland
  3. 3. Schwerpunkte Großhandel und Außenhandel
  4. 4. Weiterbildung und Außenhandelsfachwirt
  5. 5. Weitere Qualifikationen und Österreich

Beruf und Bedeutung

Kaufmann im Groß- und Außenhandel ist in Deutschland und Österreich ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Handel; in Österreich lautet die offizielle Bezeichnung Großhandelskaufmann. Die Tätigkeit umfasst kaufmännische Abläufe von der Einholung von Angeboten über Lagerung bis zum Verkauf von Waren.

Die Fachkräfte kaufen und verkaufen Waren für Industriebetriebe, Zwischenhändler und Einzelhändler. Sie sorgen für termingerechte Lieferungen, beraten zu Wareneigenschaften sowie zu Herstellern und Marktsituation und bieten auch Beratung zu Finanzierung, Service und Marketing an. Arbeitsorte sind Büros von Großhandelsunternehmen, der Außendienst sowie Lager und Verkaufsräume.

In Deutschland wurden 2023 10.605 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Damit lag der Beruf bei den Neuabschlüssen auf Rang 12 der Ausbildungsberufe.

Ausbildung in Deutschland

Die Ausbildung unterscheidet die Fachrichtungen Großhandel und Außenhandel. Sie dauert in der Regel drei Jahre, kann jedoch verkürzt werden, und endet mit der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Meist wird mindestens ein Mittlerer Bildungsabschluss erwartet. Viele Ausbildungsbetriebe verlangen inzwischen den schulischen Teil der Fachhochschulreife, weil dabei insbesondere durch Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen bereits Kenntnisse vermittelt werden.

Beide Fachrichtungen vermitteln gemeinsame Grundlagen: Organisation des Ausbildungsunternehmens, Personalwirtschaft, Warenwirtschaft, Absatzwirtschaft und Rechnungswesen. In Deutschland erfolgt die Spezialisierung je nach Umfang der Kontakte ins Inland oder Ausland bereits während der Ausbildung.

Schwerpunkte Großhandel und Außenhandel

Die Fachrichtung wird durch den geschäftlichen Schwerpunkt des Ausbildungsbetriebs bestimmt: überwiegend Inlandsgeschäft führt zur Fachrichtung Großhandel, überwiegend Auslandsgeschäft zur Fachrichtung Außenhandel.

Im Großhandel stehen Warenwirtschaft und Lagerwirtschaft im Mittelpunkt. Warenwirtschaft umfasst die Planung und Steuerung von Warenbewegungen; Lagerwirtschaft betrifft die Aufbewahrung und Bereitstellung der Waren.

Im Außenhandel sind Auslandsmärkte, die Abwicklung von Außenhandelsgeschäften und die Anwendung von Fremdsprachen besonders wichtig.

Weiterbildung und Außenhandelsfachwirt

In Deutschland können ausgebildete Kaufleute durch weiterführende Fachschulen höhere kaufmännische Qualifikationen erwerben, etwa als Fachkaufmann, Fachwirt oder Betriebswirt. Der Fachwirt Groß- und Außenhandel wird auch Außenhandelsfachwirt, Exportkaufmann, Fachwirt – Exportwirtschaft oder Fachwirt – Import/Export genannt. Er übernimmt qualifizierte Fach- oder Führungsaufgaben in der Außenwirtschaft.

Dazu gehören die Beobachtung von Auslandsmärkten, die Anbahnung von Exportgeschäften sowie die Kalkulation von Exportpreisen gemäß Incoterms. Incoterms sind Regeln für die Aufgaben- und Kostenverteilung im internationalen Warenverkehr. Fachwirte vereinbaren außenhandelsspezifische Vertragspunkte, beispielsweise Markierung, Ursprungsbezeichnung, Qualität, Menge sowie Liefer- und Versandtermine. Sie untersuchen Exportprogramme und Exportwege und führen fremdsprachliche Korrespondenz.

Weitere Aufgaben sind die transportbezogene Abwicklung von Auslandsgeschäften, etwa Containertransporte, die Zusammenarbeit mit Spediteuren, Schiffsmaklern und Reederei-Agenten, Transportversicherungen und Zollabfertigung. Sie erstellen und bearbeiten Transport-, Auslieferungs- und Einfuhrdokumente, kontrollieren Fracht- und Zollpapiere, bearbeiten Kostenrechnungsvorgänge und wickeln Zahlungen auf D/P- oder D/A-Basis ab. D/P bedeutet Kasse gegen Dokumente, D/A Dokumente gegen Akzept. Auch Dokumentenakkreditive, Exportfactoring und Außenhandelsstatistiken wie Intrastat gehören dazu.

Weitere Qualifikationen und Österreich

Betriebswirte für internationale Wirtschaft können sich als Kaufleute im Groß- und Außenhandel mit mindestens fünfjähriger Berufserfahrung oder nach einem Studium weiterqualifizieren. Sie entwickeln Lösungen für komplexe betriebswirtschaftliche und außenhandelsspezifische Probleme, arbeiten selbständig oder als Teamleiter und beobachten ausländische Märkte. Sie analysieren Situationen bei der Anbahnung von Exportgeschäften, kalkulieren Preise, gestalten Exportprogramme, -portfolios und -wege und führen fremdsprachliche Korrespondenz.

Im Absatz- und Marketingbereich ermitteln sie mögliche Geschäftspartner, holen Angebote im Ausland ein und knüpfen beispielsweise auf Messen Kontakte. Außerdem gehören die ordnungsgemäße Abwicklung von Auslandsgeschäften, fremdsprachige Dokumente, die Kontrolle von Fracht- und Zollpapieren, Kostenrechnung und Reklamationen zu ihren Aufgaben. Spezifische Handelsvertreterberufe im Außenhandel sind Exportvertreter, Auslandsvertreter, CIF-Agent, Handelsmakler und Kommissionär.

In Österreich gibt es keine Fachrichtungen; der Schwerpunkt liegt stärker auf dem Großhandel. Die weitgehend mit Deutschland identischen Inhalte werden in einer dreijährigen dualen Lehre vermittelt. Am Ende steht die Lehrabschlussprüfung, die zugleich als Abschluss der Lehre zum Bürokaufmann gilt. Verwandte Lehrberufe, etwa Speditionskaufmann oder Industriekaufmann, können mit verkürzter Lehrzeit absolviert werden.

Die Lehrabschlussprüfung ermöglicht auch den Zugang zur Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) und danach zu Kollegs, Fachhochschulen und Universitäten. Angeboten werden unter anderem Studiengänge in Betriebswirtschaft oder Sales Management sowie universitäre Exportlehrgänge. Bei zunehmender Komplexität der Außenhandelsanforderungen wird von Bewerbern eher ein Studienabschluss verlangt.

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