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Kaufkraft
Kaufkraftindex ; 1, Liechtenstein Liechtenstein, 64.240, 462,4 ; 2, Schweiz Schweiz, 41.998, 302,3.
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Grundidee der Kaufkraft
Kaufkraft bezeichnet bei Verbraucherhaushalten das Nettoeinkommen, das privaten Haushalten für Konsumzwecke wie Lebensführung, Wohnen oder Freizeit zur Verfügung steht, zuzüglich möglicher Transferleistungen. Sie kann sich auf das monatliche Einkommen oder auf das Jahreseinkommen einer Person oder eines Haushalts beziehen. Je nach Zeitpunkt und Ort der Erhebung gehört sie in verschiedenen Ländern zu den wichtigsten ökonomischen Kennzahlen der Bevölkerung.
Wichtig ist Kaufkraft, weil sie zeigt, wie viel Geld Menschen tatsächlich für Konsum oder teilweise auch für Ersparnisse verwenden können. Sie steht damit in engem Zusammenhang mit dem materiellen Lebensstandard. Gleichzeitig unterscheidet sie sich regional deutlich. Für Unternehmen, besonders für die Konsumgüterindustrie und den Einzelhandel, ist das wichtig: Sie müssen ihr Angebot daran anpassen, wie viel Kaufkraft in einer Region vorhanden ist.
Abgrenzung wichtiger Begriffe
Die Kaufkraft eines Privathaushalts hängt nicht nur davon ab, ob und wie viel die Haushaltsmitglieder arbeiten. Auch regionale Unterschiede spielen eine große Rolle. In einer Region mit hoher Kaufkraft können Haushalte im Durchschnitt mehr Geld für Konsum ausgeben als in einer Region mit niedriger Kaufkraft.
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte ist ein wichtiger Indikator für den monetären Wohlstand der Bevölkerung. Es ist der Betrag, der den Menschen in einer bestimmten Region für Konsumzwecke oder zur Ersparnisbildung zur Verfügung steht. Es ergibt sich aus den empfangenen Primäreinkommen nach Abzug der geleisteten laufenden Transferzahlungen und nach Hinzufügung der empfangenen laufenden Transfereinkommen.
Das verfügbare Einkommen darf aber nicht einfach mit Kaufkraft gleichgesetzt werden. Kaufkraft müsste grundsätzlich nicht nur den nominellen Geldbetrag, also den Nominallohn, berücksichtigen, sondern auch das Preisniveau. Damit geht es um den Reallohn, also darum, was man sich mit einem bestimmten Geldbetrag tatsächlich leisten kann. Das verfügbare Einkommen ist dagegen ein nominaler Geldbetrag und berücksichtigt Preisunterschiede grundsätzlich nicht.
Die Kaufkrafttheorie ist ein Ansatz der ökonomischen Theorie, der sich damit beschäftigt, wie sich Lohnerhöhungen auswirken. Für den Einzelhandel ist außerdem die Zentralität wichtig. Die Zentralitätskennziffer errechnet sich aus dem Verhältnis der Kaufkraftkennziffer, also der Kaufkraft im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, zur Umsatzkennziffer, also dem Einzelhandelsumsatz im Vergleich zum Bundesdurchschnitt.
Einzelhandelsrelevante Kaufkraft
Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft beschreibt den Teil der finanziellen Mittel, der für den Einzelhandel besonders wichtig ist. Sie setzt sich aus dem verfügbaren Nettoeinkommen eines Privathaushalts zusammen, zuzüglich Entnahmen aus Ersparnissen und der Aufnahme von Konsumkrediten.
Davon abgezogen werden mehrere Posten: die Bildung von Ersparnissen, die Tilgung von Krediten, Kosten und Nebenkosten für Altersvorsorge, Reisen, Reparaturen, Versicherungsprämien, Wohnung und sonstige Dienstleistungen. Zum Nettoeinkommen zählen auch Transferzahlungen. Dazu gehören Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Ausbildungsförderung, Renten oder Sozialhilfe.
Diese Abgrenzung ist wichtig, weil nicht jedes Einkommen automatisch im Einzelhandel ausgegeben wird. Ein Teil des Einkommens wird gespart, zur Rückzahlung von Krediten verwendet oder für Ausgaben eingesetzt, die nicht direkt zum Einzelhandel zählen.
Kaufkraftindex
Der Kaufkraftindex, auch Kaufkraftzahl oder Kaufkraftkennziffer genannt, misst das Kaufkraftniveau einer Region pro Einwohner oder Haushalt im Vergleich zum nationalen Durchschnitt. Solche Regionen können zum Beispiel Bundesländer, Bezirke, Gemeinden oder Postleitzahlgebiete sein. Der nationale Durchschnitt hat den Normwert 100.
Ein Kaufkraftindex von 84 je Einwohner bedeutet, dass die Region unter dem Durchschnitt liegt: Die Einwohner verfügen im Mittel nur über 84 Prozent der durchschnittlichen Kaufkraft. Liegt der Wert über 100, ist die Kaufkraft höher als der nationale Durchschnitt. Neben Regionen innerhalb eines Landes können auch ganze Länder anhand ihrer Kaufkraft verglichen werden.
Die Berechnung des Kaufkraftindex basiert im Wesentlichen auf Lohn- und Einkommensstatistiken. Dazu gehören Daten der Finanzämter und Daten zu staatlichen Transferleistungen, etwa Arbeitslosen- und Kindergeldzahlungen, Familienbeihilfe oder Pensionen. Erfasst werden Einkommen aus selbständiger und unselbständiger Arbeit, Einkommen aus Vermietung und Verpachtung sowie Zins- und Kapitaleinkommen. Abgezogen werden unter anderem Steuern, Pflichtversicherungen, Ansparen und Kreditrückzahlungen.
Beispiele und Vergleichswerte
Der Artikel nennt mehrere Beispiele für Kaufkraftunterschiede. Im Jahr 2020 hatte die Stadt Königstein im Taunus mit einem Kaufkraftindex von 203,8 den höchsten Wert in Deutschland.
Für 2021 werden als kaufkraftstärkste kreisfreie Städte und Landkreise in Deutschland unter anderem der Landkreis Starnberg mit 33.363 Euro je Einwohner und einem Kaufkraftindex von 141,1, der Landkreis München mit 32.031 Euro und 135,5 sowie der Hochtaunuskreis mit 31.873 Euro und 134,8 genannt. Unter den bevölkerungsreichsten deutschen Städten lag München 2021 mit 31.385 Euro je Einwohner und einem Kaufkraftindex von 132,8 vorn, gefolgt von Düsseldorf mit 27.416 Euro und 116,0 sowie Stuttgart mit 26.592 Euro und 112,5.
Auch zwischen Bundesländern zeigen sich Unterschiede. 2021 lagen Bayern mit 25.770 Euro je Einwohner und einem Kaufkraftindex von 109,0, Hamburg mit 25.607 Euro und 108,3 sowie Baden-Württemberg mit 25.487 Euro und 107,8 an der Spitze. Am Ende der aufgeführten Länder standen Sachsen-Anhalt mit 20.409 Euro und 86,3 sowie Mecklenburg-Vorpommern mit 20.387 Euro und 86,3.
Im europäischen Vergleich der kaufkraftstärksten Staaten 2020 führte Liechtenstein mit 64.240 Euro je Einwohner und einem Kaufkraftindex von 462,4. Es folgten die Schweiz mit 41.998 Euro und 302,3 sowie Luxemburg mit 34.119 Euro und 245,6. Deutschland wurde mit 22.388 Euro je Einwohner und einem Kaufkraftindex von 161,1 aufgeführt.