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Preisniveau
Steigt das Preisniveau in der Volkswirtschaft, sinkt die Kaufkraft und umgekehrt. Tendenziell steigendes Preisniveau nennt man Inflation, fallendes Deflation.
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Begriff, Bedeutung und Entwicklung
Das Preisniveau p ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl. Es gibt an, wie viele Geldeinheiten in einer Volkswirtschaft für die Preise bestimmter Güter und Dienstleistungen eines Warenkorbs bezahlt werden müssen. Es gehört zu den Größen, mit denen wirtschaftliche Entwicklungen über Zeiträume verglichen und analysiert werden.
Besonders wichtig ist das Preisniveau, weil sein Kehrwert die Kaufkraft einer Währung ausdrückt: Steigt das Preisniveau, sinkt die Kaufkraft; fällt es, steigt die Kaufkraft. Deshalb beobachten Wirtschaftspolitik, Unternehmen, Privathaushalte, Staat und Analysten diese Größe. Die Preisniveaustabilität ist ein Ziel des Magischen Vierecks und nach § 1 StabG beziehungsweise § 1 Stabilitätsgesetz in der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu beachten. Sie bedeutet, dass die Preise insgesamt, also im Durchschnitt, einigermaßen stabil bleiben.
Ein tendenziell steigendes Preisniveau heißt Inflation, ein sinkendes Preisniveau Deflation. Von Inflation wird erst gesprochen, wenn das Preisniveau 6 Monate lang ohne Unterbrechung gestiegen ist. Ein stark steigendes Preisniveau wird Hyperinflation genannt. Steigt das Preisniveau bei gleichzeitigem Stillstand des Wirtschaftswachstums, liegt Stagflation vor. Preisänderungen erklären auch die Unterscheidung zwischen Nennwert und Realwert: Der aufgedruckte Geldwert bleibt gleich, aber bei Inflation sinkt sein Realwert.
Ursachen und relatives Preisniveau
Langfristig gelten Inflation und Deflation als monetäre Phänomene: Das Preisniveau auf dem Gütermarkt wird durch die Geldmenge auf dem Geldmarkt bestimmt. Die Wirkung der Geldmengenentwicklung tritt jedoch nicht sofort ein. Eine empirische Untersuchung der Deutschen Bundesbank für Deutschland von 1970 bis 1990 ergab, dass die Preisentwicklung der Geldmengenentwicklung zeitlich verzögert folgt; der Effekt der Preisniveauveränderung setzt danach etwa nach 2 ½ Jahren ein.
Kurzfristig beeinflussen weitere Faktoren das Preisniveau. Dazu zählen Lohnerhöhungen in einer Lohn-Preis-Spirale (wage-push-inflation), steigende Produktionskosten (cost-push-inflation), steigende Ölpreise als importierte Inflation sowie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (tax-push-inflation).
Leistungsfähigkeit und erwartete Preise
Das relative Preisniveau ist das Verhältnis zwischen dem allgemeinen Verbraucherpreisniveau und dem allgemeinen Lohnniveau. Es soll die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft anzeigen: Ein niedrigeres relatives Preisniveau bedeutet höhere Leistungsfähigkeit, weil für die gleichen Waren und Dienstleistungen weniger gearbeitet werden muss. Bei Stagflation steigt das allgemeine Verbraucherpreisniveau schneller als das allgemeine Lohnniveau. Das relative Preisniveau steigt dann und weist auf einen Verlust wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit hin.
Das erwartete Preisniveau p^{e}, auch Erwartungspreisniveau, ist der für die folgende Periode angenommene Preis. Es steht mit Arbeitsmarkttheorien, insbesondere Lohnsetzung, Preissetzung und Produktionserwartungen, in Verbindung. Tarifparteien berücksichtigen erwartete zukünftige Preise, weil sie für die Kaufkraft zukünftiger Löhne wichtig sind. Die Lohnsetzungsfunktion lautet:
w=p^{e}\cdot F(u,z)
Dabei ist w der Nominallohn. Erwarten Arbeitnehmer höhere Preise, fordern sie höhere Löhne. Erwarten Arbeitgeber beispielsweise eine Verdoppelung ihrer zu zahlenden Preise, können sie auch bereit sein, die Nominallöhne zu verdoppeln. Der Reallohn w/p bleibt in diesem Fall konstant, weil sich Lohn und Preis gleich verändern. Erwartetes Preisniveau und Nominallohn hängen somit positiv zusammen.
Preisniveau im AS-AD-Modell
Im AS-AD-Modell ist das erwartete Preisniveau ein wichtiger Baustein. Das aggregierte Angebot zeigt, wie Produktionsänderungen auf das Preisniveau wirken. Die aggregierte Angebotskurve (AS-Kurve) beschreibt, wie sich Preise und Löhne im Zeitverlauf anpassen.
Aus Lohnsetzungsfunktion und Preissetzungsfunktion wird die Preis-Lohnsetzungsgleichung gebildet. Die Preissetzungsfunktion lautet:
p=(1+\mu )\cdot W
Daraus folgt:
p=p^{e}\cdot (1+\mu )\cdot F(u,z)
Das Preisniveau verändert sich danach, wenn sich p^{e} oder die Arbeitslosenquote u verändern. Mit u=1-Y/Z ergibt sich die AS-Funktion:
p=p^{e}\cdot (1+\mu )\cdot F(1-Y/L,z)
Kurzfristig entspricht das Preisniveau in der Regel der Preiserwartung; mittelfristig passt sich p^{e} an p an. Bei sonst kurz- und mittelfristig konstanten Variablen hängt p positiv von p^{e} und vom Produktionsniveau Y ab. Höhere erwartete Preise führen zu höheren Löhnen, höheren Unternehmenskosten und dadurch zu höheren Preisen. Bei gegebener Preiserwartung lässt eine höhere Produktion die Preise steigen. Entspricht die Produktion dem natürlichen Produktionsniveau Y=Y_{n}, gilt auch p=p^{e}. Starke Wirtschaftsaktivität verursacht daher Preisdruck. Bei Y<Y_{n} gilt p<p^{e} und die Kurve verschiebt sich nach unten; bei Y>Y_{n} verschiebt sich die AS-Funktion nach oben.
Anpassung, Inflation und Messung
Das AS-AD-Gleichgewicht hängt von p^{e} ab, denn dieses bestimmt die Lage der AS-Kurve. Steigt das Erwartungspreisniveau, verschiebt sich die AS-Kurve nach oben; bei einem niedrigeren Erwartungspreisniveau entsprechend nach unten. Im Gleichgewichtspunkt A gilt Y=Y_{n} und p=p^{e}.
Liegt die Produktion über ihrem natürlichen Niveau, ist das tatsächliche Preisniveau höher als das erwartete. Im Zeitverlauf steigen dann die Preiserwartungen. Die an der Lohnsetzung Beteiligten erhöhen die Nominallöhne; Unternehmen erhöhen wegen ihrer höheren Kosten ihre Preise. Die reale Geldmenge sinkt, die Zinsen steigen und die Produktion wird reduziert, bis wieder Y=Y_{n} und p=p^{e} gelten.
Für den Zusammenhang von Inflation, erwarteter Inflation und Arbeitslosigkeit wird angenommen:
F(u,z)=(1-\alpha \cdot u+z)
Damit lautet die Preis-Lohnsetzungsgleichung:
p=p^{e}\cdot (1+\mu )\cdot (1-\alpha \cdot u+z)
Je niedriger die Arbeitslosenquote u, desto höher ist dabei der Lohn. Ein höheres erwartetes Preisniveau erhöht das tatsächliche Preisniveau, die Nominallöhne und wegen höherer Kosten die Preise. Bei gegebenem Preisniveau der Vorperiode bedeutet dies eine höhere Inflationsrate. Ebenso führt eine höhere erwartete Inflation zu einer höheren tatsächlichen Inflation.
Als alternative Betrachtungsweise kann sich p^{e} gemäß p^{e}=p\cdot [1+\lambda (Y-Y^{*})] an das tatsächliche Preisniveau anpassen. Dann verläuft die AS-Kurve kurzfristig horizontal statt leicht steigend; dies wird nicht als substanzieller Unterschied bezeichnet.
Das allgemeine Preisniveau wäre das einfache oder gewogene arithmetische Mittel aller Preise einer Volkswirtschaft, ist aber wegen der Datenmenge nicht direkt vollständig messbar. Deshalb wird ein repräsentativer Warenkorb über einen Preisindex verwendet. Kein Preisindex gilt als unanfechtbarer Indikator. Wichtige Maße sind der Preisindex für die Lebenshaltung, der Laspeyres-Index, und der Preisindex für das Sozialprodukt, der Paasche-Index. Sie unterscheiden sich sowohl bei den erfassten Wirtschaftsbereichen als auch bei ihrer Berechnung.