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Kaufhaus des Westens
Das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) ist ein Warenhaus in Berlin mit einem gehobenen Sortiment und Luxuswaren, das von Adolf Jandorf gegründet und nach Plänen …
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Überblick und Bedeutung
Das Kaufhaus des Westens, meist KaDeWe genannt, ist ein großes Warenhaus in Berlin-Schöneberg am Wittenbergplatz. Es wurde von Adolf Jandorf gegründet, nach Plänen des Architekten Emil Schaudt gebaut und am 27. März 1907 in der Tauentzienstraße eröffnet. Es gilt als das bekannteste Warenhaus Deutschlands.
Das KaDeWe steht für ein gehobenes Sortiment und Luxuswaren. Mit 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gehört es zu den größten Warenhäusern Europas. Besonders berühmt ist die Feinkostabteilung, die seit Ende der 1920er Jahre eine Hauptattraktion ist und nach einer Erweiterung seit 1978 als zweitgrößte Lebensmittelabteilung eines Warenhauses weltweit gilt. Seit 2024 gehören sowohl die Immobilie als auch der Geschäftsbetrieb allein der Central Group.
Das Haus war von Anfang an mehr als ein normales Geschäft: Es verband viele Fachabteilungen, Dienstleistungen, moderne Technik und eine aufwendige Warenpräsentation unter einem Dach. Dadurch wurde es zu einem Symbol für städtischen Konsum, Luxus, Internationalität und später auch für West-Berlin.
Entstehung und frühe Entwicklung
Adolf Jandorf hatte bis 1905 bereits sechs Berliner Warenhäuser für den einfachen Bedarf eröffnet. Mit dem KaDeWe wollte er ein repräsentatives Haus für gehobene Konsumwünsche schaffen. Die Bezeichnung „Kaufhaus“ sollte sich vom gewöhnlichen Warenhaus und Engros-Lager abheben. Die Abkürzung KaDeWe war von Anfang an gebräuchlich.
Der Standort am Wittenbergplatz war verkehrsgünstig, weil dort seit 1902 die Hoch- und Untergrundbahn hielt. Das Gebiet gehörte damals zur selbstständigen Stadt Charlottenburg; nach späteren Gebietsreformen liegt das KaDeWe heute im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Ortsteil Schöneberg.
Emil Schaudt entwarf ein fünfgeschossiges Gebäude aus Eisenbeton mit rund 24.000 Quadratmetern Verkaufsfläche in einem sachlichen neoklassizistischen Stil. Die Fassade bestand aus fränkischem Muschelkalk. Innen gab es unter anderem eine zweigeschossige Eingangshalle, Aufzüge, elektrisches Licht, Frisiersalons, Wechselstube, Bankfiliale, Leihbibliothek, Fotoatelier und Teesalon. Ein Rohrpostsystem verband zunächst 150 Zahlstellen mit der Zentralkasse, wurde aber wegen Reparaturanfälligkeit später durch Registrierkassen ersetzt.
Das Warenhaus war nach amerikanischem Vorbild organisiert: Viele kleine Fachgeschäfte wurden in 120 Abteilungen unter einem Dach vereint. Schon bald wurde es eine beliebte Kaufadresse und trug dazu bei, dass sich die Tauentzienstraße von einer Wohnstraße zu einem Einkaufsboulevard entwickelte. 1927 ging das KaDeWe mit A. Jandorf & Co. an den Warenhauskonzern Hermann Tietz OHG über. Von 1929 bis 1930 wurde das Haus erweitert; dabei entstanden neue Geschosse, modernere Aufzüge, eine Dachgartenterrasse und die bis heute wichtige Feinkostabteilung.
Enteignung, Krieg und Wiederaufbau
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die jüdische Hermann Tietz OHG unter politischem und wirtschaftlichem Druck enteignet. Nach der Machtübergabe an Hitler 1933 wurde ein zugesagter Kredit über 14,5 Millionen Reichsmark zurückgehalten. Die jüdischen Gesellschafter Hugo Zwillenberg sowie Georg und Martin Tietz wurden zu einem sogenannten Entschuldungsplan gedrängt, der auf eine „kalte“ Enteignung hinauslief. Am 1. April 1933 blieb das KaDeWe wegen des reichsweiten Boykotts jüdischer Geschäfte geschlossen. Bis zum Sommer 1933 wurden 500 „nicht-arische“ Mitarbeiter entlassen.
Am 29. Juli 1933 wurde der Hermann Tietz OHG ein Auseinandersetzungsvertrag aufgezwungen. 1934 wurde die Übernahme durch die Hertie GmbH abgeschlossen. Für ein stark unterbewertetes Vermögen von 21 Millionen Reichsmark erhielt die Familie Tietz nur 1,5 Millionen Reichsmark. Später übernahm Georg Karg die Anteile der Banken und führte den Konzern weiter.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das KaDeWe bei Luftangriffen auf Berlin schwer beschädigt. In den Nächten vom 22./23. und 23./24. November 1943 griff die Royal Air Force Ziele in Berlin an; ein abstürzendes Bomberflugzeug löste im KaDeWe einen Großbrand aus. Auch das hauseigene Archiv wurde zerstört.
Nach Kriegsende fand zunächst ein Notverkauf im Femina-Tanzpalast statt. 1950 wurden die ersten beiden Etagen vereinfacht wieder aufgebaut. Am Eröffnungstag, dem 3. Juli 1950, wollten 180.000 Besucher hinein; besonders häufig wurden Fett und Würstchen gekauft. In der Nachkriegszeit diente das Warenhaus vor allem der Grundversorgung. 1956 war der Wiederaufbau abgeschlossen.
Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 konnten mehrere hundert Verkäuferinnen aus der DDR nicht mehr im KaDeWe arbeiten. Später wurde das Haus durch Umbauten wieder stärker auf Luxus und gehobene Waren ausgerichtet. Die Erweiterung und Erneuerung bis zum 6. April 1978 kostete 130 Millionen Mark und brachte das KaDeWe wieder näher an internationale Luxuskaufhäuser heran.
Seit der Wiedervereinigung
Nach der politischen Wende erlebte das KaDeWe ab dem 10. November 1989 einen starken Ansturm. Bis zu 200.000 DDR-Bürger täglich besuchten das Warenhaus. Von 1991 bis 1996 wurde es um 16.000 Quadratmeter und eine siebte Etage erweitert. Dort entstand 1993 ein Restaurant mit Glaskuppel; insgesamt wurden dafür 464 Millionen Mark investiert.
Ab 1994 gehörte das KaDeWe zur Karstadt Warenhaus AG, später KarstadtQuelle AG und Arcandor AG. Zum 100-jährigen Bestehen 2007 wurde das Haus modernisiert; dafür wurden 46 Millionen Euro investiert. Unter Geschäftsführer Patrice Wagner wurde das KaDeWe internationaler, luxuriöser, modischer und stärker auf das Kerngeschäft ausgerichtet.
2009 musste Arcandor Insolvenz anmelden. 2010 übernahm Nicolas Berggruen über Berggruen Holdings die Karstadt Warenhaus GmbH. Ende 2012 wurde die KaDeWe-Immobilie an die Signa Holding verkauft. 2013 wurde bekannt, dass Signa auch das KaDeWe und die anderen Häuser der Karstadt Premium Group mehrheitlich übernehmen wollte. Seit Oktober 2014 firmierten KaDeWe, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg unter dem Namen The KaDeWe Group.
2015 verkaufte Signa 50,1 Prozent an La Rinascente, das zur thailändischen Central Group gehört. Ab 2016 wurde das KaDeWe nach Plänen des Architekturbüros OMA von Rem Koolhaas tiefgreifend umgebaut: Das Gebäude wurde in vier Viertel mit unterschiedlich gestalteten Atrien und eigenen Eingängen gegliedert. Der Umbau kostete 300 Millionen Euro und wurde im November 2022 abgeschlossen. Im Januar 2024 stellte die Betreibergesellschaft nach Insolvenzen der Muttergesellschaft Signa einen eigenen Insolvenzantrag. Seit 1. August 2024 ist die Central Group alleinige Eigentümerin der KaDeWe GmbH.
Geschäftsmodell, Kunden und Personal
Das Geschäftsmodell beruht seit der Gründung auf einer Mischung aus gehobenem Angebot und Luxuswaren. Im Jahr 2005 sollten Luxusartikel höchstens 10 bis 15 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Zwanzig Prozent der Verkaufsfläche werden an Modedesigner und Luxusanbieter untervermietet.
Heute bietet das KaDeWe auf 60.000 Quadratmetern mehr als 380.000 verschiedene Artikel an. Gemessen an der Verkaufsfläche ist es nach Harrods in London mit 92.000 Quadratmetern das zweitgrößte Warenhaus Europas. Täglich besuchen etwa 40.000 bis 50.000 Gäste das Haus, in der Vorweihnachtszeit bis zu 100.000. Es gilt nach Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor als dritthäufigst besuchte Sehenswürdigkeit Berlins. Etagenpläne gibt es in 18 Sprachen; zwischen den Etagen fahren 64 Rolltreppen und 26 Aufzüge.
Die Hauptzielgruppe sind Kunden aus der Mittelschicht, die modern und exklusiv einkaufen möchten, sowie zahlungskräftige Touristen. Diese machen etwa 40 Prozent der Kundschaft aus. 2009 war fast jeder zweite Kunde Ausländer.
Das Verkaufspersonal wird für den Umgang mit vermögenden Kunden geschult. Dazu gehören Warenkunde, Rhetorik und Verkauf, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Warenpräsentation sowie Farb- und Stilberatung. 2005 waren 70 Prozent des Verkaufspersonals Frauen, und die durchschnittliche Beschäftigungsdauer lag bei 14,5 Jahren. Die Abteilungsleiter sind nicht nur Verkäufer, sondern auch eigenverantwortliche Einkäufer. Im Geschäftsjahr 2008 beschäftigte das KaDeWe mehr als 2000 Personen und erzielte einen Umsatz von 300 Millionen Euro.
Verkaufsbereiche und Selbstverständnis
Die Verkaufsbereiche sind auf mehrere Etagen verteilt. Im Erdgeschoss befinden sich eine 400 Quadratmeter große Ausstellungshalle, der Lichthof, die Parfümerie- und Kosmetikabteilung sowie ein Luxusboulevard mit Schmuck, Uhren und internationalen Luxusmarken. Die Kosmetikfläche umfasst 3000 Quadratmeter und bot unter anderem über 1500 Duftflakons an.
Die ersten bis vierten Etagen sind vor allem Mode und Schuhen gewidmet. 2005 erhielt das Haus drei neue Mode-Etagen mit insgesamt 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Etwa 40 Prozent der Fläche dienen Mode der gehobenen bis höchsten Qualitätskategorie. 2012 wurde die dritte Etage als neue Schuhabteilung für luxuriöse Damenschuhe, Accessoires, Lederwaren und Lingerie eröffnet.
Am bekanntesten ist die sechste Etage, die Feinschmeckeretage. Sie umfasste 2009 rund 34.000 Artikel auf 7000 Quadratmetern und galt als größte Feinkostabteilung Europas. Dort arbeiten etwa 500 Angestellte, darunter rund 110 Köche sowie 40 Konditoren und Bäcker. Angeboten werden internationale Delikatessen, über 3400 Weine, 1300 Käsesorten, 1200 Wurst- und Schinkenspezialitäten sowie frischer Fisch und Meeresfrüchte. Mehr als 30 Kochstände und über 1000 Sitzplätze machen die Etage zugleich zum größten Restaurant der Stadt. In der siebten Etage befindet sich der Restaurantbereich mit Glaskuppel, außerdem Warenannahme, Lebensmittellager, Feuermelde- und Krankenstation sowie Teile der Verwaltung.
Das KaDeWe versteht sich traditionell als international, weltoffen und kosmopolitisch. In West-Berlin wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Symbol des Wirtschaftswunders und des „freien Westens“. Seit den 1970er Jahren entwickelte es sich wieder stärker zum Luxuswarenhaus. Dabei blieb die Idee wichtig, Luxus nicht nur für sehr reiche Menschen anzubieten, sondern auch als besonderen Anreiz für Durchschnittsverdiener. Das Haus vergleicht sich mit internationalen Luxuswarenhäusern wie Galeries Lafayette, Harrods, Selfridges, GUM, Macy’s, Bloomingdale’s und Takashimaya.