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Katrin Göring-Eckardt
Katrin Dagmar Göring-Eckardt, geb. Eckardt (* 3. Mai 1966 in Friedrichroda), ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen).
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Person und politische Rolle
Katrin Dagmar Göring-Eckardt, geb. Eckardt (* 3. Mai 1966 in Friedrichroda), ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie gehört seit 1998 dem Deutschen Bundestag an und zog stets über die Landesliste Thüringen ein. Innerhalb der Partei wird sie dem Realo-Flügel zugerechnet, also dem eher pragmatischen und bürgerlich orientierten Flügel.
Sie war von 2002 bis 2005 neben Krista Sager und von 2013 bis 2021 neben Anton Hofreiter Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion. Von 2005 bis 2013 sowie von 2021 bis 2025 war sie Vizepräsidentin des Bundestages. Bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017 war sie jeweils Spitzenkandidatin der Grünen, 2013 gemeinsam mit Jürgen Trittin und 2017 gemeinsam mit Cem Özdemir. 2013 erhielt sie in der Urwahl 47,3 % der Stimmen.
Nach der Bundestagswahl 2021 gab sie den Fraktionsvorsitz ab und wurde am 9. Dezember 2021 mit 501 von 689 abgegebenen Stimmen erneut zur Bundestagsvizepräsidentin gewählt. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann sie als Spitzenkandidatin der Thüringer Wahlliste wieder ein Mandat; im Wahlkreis 192 Erfurt – Weimar – Weimarer Land II erhielt sie 3,1 Prozent der Stimmen.
Werdegang und Partei
Göring-Eckardt wuchs als Tochter eines Tanzlehrer-Ehepaares in Friedrichroda auf. Nach dem Abitur 1984 in Gotha studierte sie evangelische Theologie an der Karl-Marx-Universität Leipzig, brach das Studium jedoch 1988 ab. Danach arbeitete sie ein bis zwei Jahre als Küchenhilfe.
In der DDR-Wendezeit engagierte sie sich zunächst parteilos im Arbeitskreis Solidarische Kirche. 1989 wurde sie Gründungsmitglied des Demokratischen Aufbruchs, 1990 Mitglied der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. Sie wirkte in Thüringen bei Bündnis 90 mit und nahm als Mitarbeiterin an den Verhandlungen zur Zusammenführung von Bündnis 90 und den Grünen teil. Nach der Fusion 1993 arbeitete sie bis 1994 für die Thüringer Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, vor allem zu Frauenpolitik, Familie und Jugend.
Im Bundestag war sie von 1998 bis 2002 Parlamentarische beziehungsweise Erste Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Gesundheits- und Rentenpolitik. Seit Herbst 2005 ist sie zudem kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Direktkandidaturen in den Wahlkreisen Erfurt – Weimar – Weimarer Land II (2005) und Gotha – Ilm-Kreis (2009) führten nicht zu einem Direktmandat.
Kirchliches Engagement
Neben der Politik ist Göring-Eckardt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aktiv. Von 2009 bis 2013 war sie Präses der EKD-Synode und damit Mitglied im Rat der EKD. Eine Synode ist das kirchliche Vertretungs- und Beratungsgremium; die Präses leitet es. Am 2. Mai 2009 wurde sie gegen den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein gewählt.
Nach ihrer Urwahl zur grünen Spitzenkandidatin im November 2012 ließ sie ihre EKD-Ämter bis zum Ende des Bundestagswahlkampfs 2013 ruhen. Am 26. September 2013 legte sie das Amt der Präses mit sofortiger Wirkung nieder, weil sie sich nach eigener Begründung mit ganzer Kraft der Entwicklung der Grünen widmen wolle; in der Synode wirkte sie weiter mit.
Sie war 2011 Präsidentin des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dresden und gehört seit 2013 dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages an. Nach einem Bericht der Welt bezeichnet sie sich selbst als „fromm“, hält aber nichts von Evangelikalen. Seit Ende Oktober 2016 war sie Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017.
Sozial-, Kultur- und Religionspolitik
Während der rot-grünen Regierungszeit unter Gerhard Schröder unterstützte Göring-Eckardt entschieden die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen. Als Fraktionsvorsitzende half sie, die umstrittenen Gesetzespakete gegen innerparteilichen Widerstand durchzusetzen. Sie nannte die Agenda 2010 „mutig“, „notwendig für das Gemeinwohl“ und einen „Frühling der Erneuerung“. Sanktionen wie Leistungskürzungen durch Jobcenter bezeichnete sie als „Bewegungsangebote“. Spiegel Online berichtete im November 2012, ihre Position zu Hartz IV habe sich zwischenzeitlich gewandelt. 2013 kündigte sie an, den Minijob-Maximalbetrag von 450 Euro auf 100 Euro senken zu wollen; Verdienste darüber sollten abgaben- und steuerpflichtig sein.
In der Rentenpolitik befürwortete sie niedrigere Lohnnebenkosten, höhere Rentenbeiträge und die Anhebung des Rentenalters auf 67. Die gesetzliche Rentenversicherung solle zu einer Bürgerversicherung für alle werden, in die auch Beamte, Abgeordnete und Selbständige einzahlen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen lehnt sie ab. Sie unterstützte jedoch eine bedingungslose Kindergrundsicherung von 300 Euro im Monat.
Kulturpolitisch warnt sie vor einer „kulturellen Spaltung“ und fordert gerechten Zugang zu musischer Bildung. Weitere Schwerpunkte sind Familie, Jugend, demokratische Teilhabe, moderner Feminismus und Behindertenpolitik. Sie sprach sich für die Ächtung von Homophobie und ähnlichen Diskriminierungen aus. Für Religionsgemeinschaften fordert sie unter anderem Religionsunterricht als verfassungsmäßig garantiertes Recht in allen Ländern, die Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften und mehr in Deutschland ausgebildete Imame. Verbände wie Ditib dürften jedoch nur anerkannt werden, wenn sie fundamentale Verfassungsprinzipien akzeptierten. Beim Missbrauchsskandal in der evangelischen Kirche plädierte sie für zentrale Strukturen in den Landeskirchen.
Außenpolitik, Migration und Kritik
Göring-Eckardt lehnte Bündnisse mit der Partei Die Linke und eine rot-rot-grüne Koalition zunächst wegen deren aus ihrer Sicht mangelnder Berechenbarkeit und außenpolitischer Positionen ab. Nach der Bundestagswahl 2013 war sie dennoch zu Sondierungsgesprächen bereit, schätzte die Erfolgsaussichten aber als äußerst gering ein. Wegen ihrer Kontakte ins CDU-Lager und ihrer Teilnahme an der „Pizza-Connection“, einem informellen Gesprächskreis junger grüner und christdemokratischer Politiker in den 1990er Jahren, wurde sie oft als mögliche Vertreterin schwarz-grüner Bündnisse genannt.
Sie stimmte 1999 für den Militäreinsatz im Kosovokrieg und begründete dies später auch religiös: Beim Abwägen über Krieg und Frieden sowie Leben und Tod sei sie zu dem Schluss gekommen, der Einsatz sei wahrscheinlich richtig. Im Oktober 2014 verlangte sie wegen der Kämpfe um Kobanê im Syrien-Konflikt mehr Initiative der Bundesregierung für ein UN-Mandat, das auch mögliche Bodentruppen berücksichtigen müsse. In der Ukraine-Krise erklärte sie im Dezember 2014, Entspannung mit Russland setze Wachstum von Demokratie und Freiheit dort voraus. Beim Stammzellgesetz 2002 stimmte sie, anders als die Fraktionsmehrheit ihrer Partei, für die restriktivere Vorlage.
Im September 2013 forderte sie die Aufnahme von 5000 Flüchtlingen aus dem syrischen Bürgerkrieg. Eine Äußerung im Bundestag am 9. September 2015 über Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, in der sie „die Ossis“ erwähnte, löste einen Shitstorm aus. Im selben Monat erklärte sie, Deutschland werde sich durch Migration „ziemlich drastisch verändern“, sah darin aber eine historische Chance. Im November 2022 entstand der Vorwurf der Vetternwirtschaft, nachdem United4Rescue, eine Organisation, in deren Vorstand ihr Lebenspartner sitzt, zwei Millionen Euro aus dem Haushalt des von den Grünen geführten Außenministeriums erhielt. 2010 wurde sie mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille ausgezeichnet.