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Katechismus der katholischen Kirche
... Katholischen Soziallehre wiedergegeben und die Frage nach Gnade und Rechtfertigung beschrieben. Entfaltet werden diese Aussagen entlang der Zehn Gebote. Das …
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Aufgabe und Stellenwert
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), auch „Weltkatechismus“ genannt, ist ein Handbuch zu den Grundfragen des römisch-katholischen Glaubens. Er stellt den Glauben und die katholische Lehre dar, wie sie durch Heilige Schrift, apostolische Überlieferung und Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet werden. Damit dient er sowohl der zusammenhängenden Glaubensunterweisung als auch als Nachschlagewerk.
Kennzeichnend sind die durchgehende Absatznummerierung, Kurztexte am Ende der Kapitel sowie zahlreiche Verweise auf andere Absätze, Bibelstellen und Texte der katholischen Tradition. Papst Johannes Paul II. approbierte den KKK am 25. Juni 1992 und ordnete seine Veröffentlichung am 11. Oktober 1992 mit der Apostolischen Konstitution Fidei Depositum an. Zwar wurde er in viele Sprachen übersetzt, die amtliche Ausgabe ist aber lateinisch. Als authentische Vorlage für alle landessprachlichen Ausgaben gilt der 1997 erschienene Catechismus Catholicae Ecclesiae; dessen Änderungen wurden in die aktuellen Ausgaben übernommen.
Entstehung und Kurzfassung
Der KKK entstand zunächst unter dem Arbeitstitel „Weltkatechismus“. Nach eigenen Angaben setzte Johannes Paul II. damit einen Wunsch der Bischofssynode von 1985 um, die aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils tagte. 1986 berief der Papst eine Kommission aus zwölf Kardinälen und Bischöfen unter dem Vorsitz von Joseph Kardinal Ratzinger. Ein Redaktionskomitee aus Diözesanbischöfen sowie Fachleuten für Theologie und Katechese unterstützte die Arbeit. Der Entwurf wurde in sechs Jahren vorbereitet.
Für das Werk galten drei Grundsätze: Es sollte die wesentlichen und grundlegenden Elemente der katholischen Glaubens- und Sittenlehre organisch, zusammenfassend, möglichst prägnant und vollständig darstellen; dies sollte im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils und zugleich in Kontinuität zur kirchlichen Tradition geschehen. Vorrangige Adressaten sollten Bischöfe als Lehrer des Glaubens sein, danach Verfasser von Katechismen, Katecheten und alle Gläubigen. Vorgesehen war zunächst eine dreiteilige Struktur aus Glaubensbekenntnis, Sakramenten und Dekalog, also den Zehn Geboten.
Nach mehreren Entwürfen und Rückmeldungen von Bischöfen aus der Weltkirche wurden am 14. Februar 1991 der endgültige Text und Titel festgelegt. 1992 erschien der KKK zunächst französisch, 1997 dann die maßgebliche lateinische Ausgabe. Auf Auftrag Johannes Pauls II. erstellte Joseph Ratzinger außerdem eine Kurzfassung: Das 2005 veröffentlichte Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche beantwortet auf 256 Seiten 598 Fragen. Es erschien zuerst italienisch und ist auch deutsch verfügbar. Am 2. August 2018 verankerte Papst Franziskus die generelle Ablehnung der Todesstrafe im Katechismus.
Die vier Teile des Katechismus
Nach dem Prolog (Absätze 1–25) gliedert sich der KKK in vier Teile.
• Das Glaubensbekenntnis (Absätze 26–1065) behandelt zunächst Offenbarung, ihre Vernehmbarkeit und Weitergabe durch Apostel und Bibel sowie den Glauben. Der zweite Abschnitt folgt dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und erläutert daran die Glaubensinhalte.
• Die Feier des christlichen Mysteriums (Absätze 1066–1690) erklärt die Liturgie als Grundvollzug von Kirche und Gemeinde und betont ihre Einheit in der Vielfalt. Die Lehre wird anhand der sieben Sakramente entfaltet: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe.
• Das Leben in Christus (Absätze 1691–2557) beschreibt das „Leben im Heiligen Geist“ als Berufung des Menschen. Es behandelt Grundfragen der Moraltheologie, etwa Freiheit, Sittlichkeit, Gewissen, Tugend und Sünde, außerdem Hauptaspekte der Katholischen Soziallehre sowie Gnade und Rechtfertigung. Die weitere Darstellung orientiert sich an den Zehn Geboten.
• Das christliche Gebet (Absätze 2558–2865) erläutert Bedeutung, Quellen und Formen des christlichen Gebets. Das Vaterunser erscheint als Zusammenfassung des ganzen Evangeliums: Die Anrede „Vater“ wird geistlich ausgelegt, die sieben Bitten werden einzeln erklärt.
Geltung und Verwendung
Der KKK soll örtliche Katechismen nicht ersetzen. Nach Fidei depositum, Nr. 4, soll er vielmehr die Abfassung neuer Katechismen fördern und jene unterstützen, die unterschiedliche Situationen und Kulturen berücksichtigen, dabei aber die Einheit des Glaubens und die Treue zur katholischen Lehre wahren. Sein Inhalt gilt deshalb als authentische Lehrmeinung der ganzen katholischen Kirche und soll in diesem Sinn verbindlich sein.
Er hat mehrere Aufgaben: Für Diözesen, Länder und Regionen der Weltkirche ist er ein Leitfaden und maßgeblicher Bezugspunkt für Katechismen verschiedener Altersstufen. Priester, Religionslehrer und Katecheten können ihn als „sicheren und authentischen Bezugstext“ für Glaubensunterweisung verwenden. Katholiken soll er als Lesebuch und Nachschlagewerk zur umfassenden Orientierung über ihren Glauben dienen. Auch Menschen anderer Religionen oder Weltanschauungen können ihn als Informationsquelle über den katholischen Glauben nutzen.
Als Vorgänger nennt der Artikel unter anderem Katechismen von Alkuin im 8. Jahrhundert, Martin Luthers kleinen Katechismus von 1529 und großen Katechismus ab 1528, Petrus Canisius’ Größeren Katechismus von 1555 sowie den 1566 aufgrund eines Dekrets des Trienter Konzils verfassten Catechismus Romanus. Dieser war vor allem für Pfarrer bestimmt und wurde auch ins Deutsche übersetzt.
Kritik und Ausgaben
Der KKK wurde breit als Gesamtdarstellung des christlichen Glaubens aus römisch-katholischer Sicht gewürdigt. Hansjürgen Verweyen und Ulrich Ruh kritisierten jedoch grundsätzlich eine unklare beziehungsweise auseinandergehende Zielgruppe, eine nur oberflächliche Einheitlichkeit, ein ungeschichtliches Selbstverständnis und eine zu geringe Berücksichtigung des heutigen Glaubensverständnisses sowie der heutigen christlichen Lebensgestaltung.
Als besonders schwerwiegend wird der Vorwurf genannt, der KKK gehe in wichtigen theologischen Fragen hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Beim Umgang mit Bibeltexten werde weder ausreichend historisch-kritisch nach dem irdischen Jesus gefragt noch genügend auf die eigenständigen theologischen Aussagen der biblischen Verfasser geachtet; neutestamentliche Autoren erschienen dadurch vor allem als Lieferanten von Belegstellen. Zudem werde die geistliche Schriftauslegung, besonders bei „Die Mysterien des Lebens Christi“ (KKK 512–570), teilweise historisierend gegen den biblischen Text dargestellt.
Beim Umgang mit Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils wird kritisiert, der KKK führe das in Dei Verbum stärker christologisch und ganzheitlich gefasste Offenbarungsverständnis auf ein älteres Modell zurück: Offenbarung erscheine als Schatz von für wahr zu haltenden, für die Vernunft nicht durchdringbaren und durch Wunder legitimierten Lehren. Ferner deute die Betonung geistlicher Auslegung und kirchlicher Autorität ein Übergewicht von Tradition und kirchlicher Autorität gegenüber der Schrift an.
Deutschsprachig erschien der KKK 1993 bei Oldenbourg, St. Benno, Paulusverlag und Veritas. Eine vollständige Neuübersetzung auf Grundlage der Editio typica Latina erschien bei De Gruyter Oldenbourg, St. Benno Verlag und Veritas; ein aktualisierter Nachdruck datiert von 2019. Die französische Erstausgabe Catéchisme de l’Eglise Catholique erschien 1992, die lateinische Editio typica 1997.