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Karl Haushofer
Karl Ernst Haushofer (* 27. August 1869 in München; † 10. März 1946 auf dem Hartschimmel-Hof bei Pähl am Ammersee) war ein deutscher Offizier, Geograph und …
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Grundprofil und Bedeutung
Karl Ernst Haushofer (* 27. August 1869 in München; † 10. März 1946 auf dem Hartschimmel-Hof bei Pähl am Ammersee) war ein deutscher Offizier, Geograph und ein bekannter Vertreter der Geopolitik. Geopolitik meint hier den Versuch, politische Machtverhältnisse aus geographischen Räumen, Grenzen und strategischen Lagen zu erklären und daraus politische Ziele abzuleiten. Die Neutralität des Artikels wird als umstritten markiert; außerdem wird eine grundsätzliche Überarbeitung angemahnt.
Haushofer ist vor allem wichtig, weil er nach einer militärischen Laufbahn wissenschaftlich arbeitete, besonders über Japan und den pazifischen Raum schrieb und in der Zwischenkriegszeit zu den bekannten deutschen Geopolitikern gehörte. Seine Ideen beriefen sich auf Friedrich Ratzel. Besonders problematisch war, dass Geopolitiker den Begriff „Lebensraum“ aus der Biologie auf Machtpolitik zwischen Staaten übertrugen. Die Gefahr eines politischen Missbrauchs solcher scheinwissenschaftlichen Ansätze wurde laut Artikel meist ignoriert.
Militärische Laufbahn und Familie
Haushofer stammte aus einer Münchener Familie: Sein Vater war der Nationalökonom Max Haushofer Jr., sein Großvater der Landschaftsmaler Max Haushofer Senior. Nach dem Tod der Mutter 1872 übernahm die Großmutter die Erziehung. Nach dem humanistischen Gymnasium trat er 1887 als Einjährig-Freiwilliger in das 1. Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold“ der Bayerischen Armee ein. 1889 wurde er Sekondeleutnant, von 1890 bis 1892 besuchte er die Artillerie- und Ingenieurschule, 1895 die Bayerische Kriegsakademie.
1896 heiratete er Martha Mayer-Doss, die Englisch und Französisch beherrschte und sich für Politik, Frauenrechtsfragen und aktuelles Geschehen interessierte. Aus der Ehe gingen die Söhne Albrecht (1903–1945) und Heinz (1906–1988) hervor. Haushofer beendete 1898 die Kriegsakademie mit Qualifikation für Generalstab, Höhere Adjutantur und Lehrfach. Danach folgten Generalstabs- und Lehrtätigkeiten. Eine Versetzung 1907 nach Landau empfand er als Strafmaßnahme; zusammen mit dem Tod seines Vaters führte dies zu einer ernsten Krise und zu Überlegungen, eine andere Laufbahn einzuschlagen.
Japanreise als Wendepunkt
1907 wurde Haushofer für eine Inspektionsreise nach Japan ausgewählt. Seine Frau Martha begleitete ihn und war stark an den Vorbereitungen beteiligt: Sie stellte Fachliteratur zusammen, half bei Länderskizzen und Kontakten und führte ein Reisetagebuch. Ziel der Reise war es, die politische und militärische Lage der besuchten Länder zu studieren, Beziehungen zu Deutschland zu festigen und mögliche strategische Partnerschaften zu prüfen. In Japan sollte Haushofer zunächst an der deutschen Botschaft in Tokio und danach bei einem japanischen Feldartillerieregiment bei Kyoto als militärischer Beobachter eingesetzt werden.
Am 19. Oktober 1908 begann die Reise in Genua mit dem Reichspostdampfer „Goeben“. Über Singapur und Hongkong erreichte die Gruppe am 19. Februar 1909 Japan. Die vorgesehene Tätigkeit an der Botschaft kam nicht zustande, weil Haushofer sich als Major nicht dem amtierenden Militärattaché, Hauptmann Paul Walter Bartels, unterordnen wollte. Er blieb nur sieben Wochen in Tokio, wurde aber mit hohen Amtsträgern und Militärführern bekannt gemacht.
Danach reiste er durch Japan und benötigte wegen seiner Sprachprobleme einen Dolmetscher. Während der Reise hatte er zeitweise schwere Depressionen und Heimweh. Seine Stimmung besserte sich beim Besuch der Mandschurei, wo er japanische Offiziere traf, die südmandschurische Eisenbahn kennenlernte, Militärobjekte in Tianjin besichtigte und Erfahrungen über Japans Kriegshandlungen gegen China und Russland austauschte. Am eigentlichen Bestimmungsort Fushimi-ku bei Kyoto arbeitete er mit dem dortigen Artillerieregiment und fand viele fachliche und militärische Gesprächsthemen.
Die Rückreise begann am 15. Juni 1910 über Wladiwostok, Irkutsk, Moskau und Warschau nach München. Nach der Ankunft am 15. Juli 1910 erkrankte Haushofer schwer und musste operiert werden. Den Reisebericht diktierte er vom Krankenlager aus, mit starker Unterstützung seiner Frau. Während der Genesung begann er seine Promotionsarbeit, die er am 13. November 1913 einreichte: „Der deutsche Anteil an der geographischen Erschließung Japans und des Subjapanischen Erdraumes und deren Förderung durch Krieg und Wehrpolitik“. Ebenfalls 1913 erschien sein erstes Buch „Dai Nihon“, das seine Betrachtungen über ein Groß-Japan enthielt. Dies war der entscheidende Schritt in Richtung wissenschaftlicher Karriere.
Geopolitik, Japanbild und Netzwerke
Im Ersten Weltkrieg machte Haushofer eine schnelle militärische Karriere. Er kämpfte in Lothringen und Frankreich, wurde 1914 Oberstleutnant und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Später war er unter anderem in Polen, im Elsass und in Rumänien eingesetzt. 1919 wurde er mit dem Charakter als Generalmajor zur Disposition gestellt und nahm seinen Abschied von der bayerischen Armee.
Noch 1919 habilitierte er sich an der Universität München im Fach Geographie. 1921 erhielt er am Geographischen Institut der Universität München eine Honorarprofessur. Im selben Jahr erschien „Das Japanische Reich in seiner geographischen Entwicklung“. In seinen Arbeiten stellte er Japan oft als Vorbild für Deutschland in der militärischen Entwicklung dar und nahm eine ähnliche Zukunftsperspektive beider Länder an. Seine intensive Verbindung nach Japan beruhte auf Kontakten zu Botschaften, Militär, Wissenschaft und Politik; viele Japaner besuchten die Haushofers in Deutschland. Martha Haushofer unterstützte seine Arbeit maßgeblich durch Recherchen, Übersetzungen, Korrespondenzen und weitere Tätigkeiten.
Haushofer gehörte zu den Begründern einer neuen Geopolitik. Besonders in „Geopolitik des pazifischen Ozeans“ von 1925 begründete er für Japan eine strategische Vorreiterrolle in Asien. Damit verband er öffentlich diskutierte Vorstellungen über ein mögliches Bündnis zwischen Berlin, Moskau und Tokio. Ab 1924 war er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Geopolitik“. Ab dem 2. August 1925 sendete die Deutsche Stunde in Bayern seine Rundfunkreihe „Der weltpolitische Monatsbericht“, in der er Geowissenschaften näher an die Politik rücken wollte. Die Sendung wurde 1931 abgesetzt, aber ab Juni 1933 von den Nationalsozialisten als Reichssendung wieder aufgenommen.
1919 lernte Haushofer Rudolf Heß kennen. Heß studierte bei ihm, war zeitweise sein Assistent und oft Gast im Haus der Familie. Während Heß nach dem Hitler-Putsch 1923 mit Adolf Hitler in Landsberg inhaftiert war, besuchte Haushofer ihn mehrmals und kam auch mit Hitler in Kontakt. Eine nähere Beziehung zwischen Haushofer und Hitler lässt sich laut Artikel jedoch nicht nachweisen, auch wenn Hitler in „Mein Kampf“ geopolitische Thesen aufgriff.
Nationalsozialismus, Einflussverlust und Tod
1933 begann für Haushofer und seine Familie eine widersprüchliche Zeit aus Chancen und Gefahren. Er erhielt Stelle, Titel und Rang eines Ordentlichen Professors an der Universität München, doch sein Plan für einen Lehrstuhl für Geopolitik scheiterte. Zugleich war die Familie durch die nationalsozialistischen Rassegesetze bedroht: Martha Haushofer wurde als „Halbjüdin“, die Söhne Albrecht und Heinz als „Vierteljuden“ eingestuft. Rudolf Heß stellte auf Bitte einen „Schutzbrief“ aus, der etwas Schutz vor direkten Zugriffen bot.
Haushofer war 1933 Gründungsmitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht, von 1934 bis 1937 Präsident der Deutschen Akademie und von 1938 bis 1941 Leiter des gleichgeschalteten Volksbundes für das Deutschtum im Ausland. Obwohl er nicht Mitglied der NSDAP war, wurde er offiziellen Stellen gegenüber als Parteigenosse geführt. Er sah sich zunehmend als Mittler zwischen Japan und Deutschland. Mit seinem japanischen Netzwerk half er, deutsche Bündnisoptionen zu prüfen. Der Artikel nennt ihn mitbeteiligt am Zustandekommen des Antikominternpaktes zwischen Deutschland und Japan 1936.
Seine Vorstellungen stimmten aber nicht immer mit Hitlers Zielen überein. 1938 versuchte Haushofer, Hitler vor weiteren militärischen Aktivitäten nach dem Münchener Abkommen zu warnen und asiatische Bündnisoptionen aufzuzeigen; Hitler brach das Gespräch ab. Danach wurden Haushofers geopolitische Aktivitäten und Forschungen stärker eingeschränkt. 1939 beendete er seine Hochschullehrertätigkeit. Nach Rudolf Heß’ Flug nach Großbritannien am 10. Mai 1941 verlor er seinen Einfluss und geriet ins Visier der Gestapo. Er und sein Sohn Albrecht wurden verhaftet und verhört. Der Zweite Weltkrieg stürzte Haushofer in eine schwere Depression; seine letzte Veröffentlichung „Das Reich. Großdeutsches Werden im Abendland“ erschien 1943.
Albrecht Haushofer wurde am 7. Dezember 1944 als Mitbeteiligter an den Vorbereitungen des Attentats vom 20. Juli 1944 verhaftet und in der Nacht zum 23. April 1945 von der SS ermordet. Heinz Haushofer war zeitweise inhaftiert. Karl Haushofer wurde ebenfalls festgenommen und verbrachte einen Monat als Häftling in Dachau. 1945 erlitt er einen Herzinfarkt. In der Nacht vom 10. auf den 11. März 1946 töteten Karl und Martha Haushofer sich auf dem Hartschimmelhof mit Arsen. Als Grund nannte er in einer Erklärung Trauer um Land und Volk sowie um den Tod seines Sohnes Albrecht.
Bewertung und Schriften
Die Rezeption Haushofers ist uneinheitlich. Bruno Hipler sah in ihm den „ideologischen Lehrmeister Hitlers und der geistige Vater der NS-Ideologie“. Frank Ebeling bewertete dies gegenteilig und meinte, Nationalsozialisten hätten Haushofers Geopolitik missbraucht. Hans-Adolf Jacobsen vertritt die Position, Haushofer habe den Mächtigen im Dritten Reich zu lange die Treue gehalten, sein Einfluss auf Hitlers Denken werde aber überschätzt. Nils Hoffmann schließt daran an und betont, Hitlers Denken sei stärker von Rassevorstellungen als von Raumvorstellungen geprägt gewesen.
Der Artikel kommt zusammenfassend zu der Einschätzung, dass Haushofers Rolle als Geowissenschaftler und geistiger Urheber imperial-aggressiver Politik besonders in den 1950er und 1960er Jahren stark überschätzt und populistisch überzeichnet worden sei. Zugleich zeigt seine Biographie, wie sehr persönliche Karrierewege von Zufällen, Netzwerken und Unterstützung abhängen können, hier besonders von Martha Haushofer.
Zu seinen wichtigen Werken gehören die Dissertation „Der deutsche Anteil an der geographischen Erschließung Japans und des subjapanischen Erdraumes und deren Förderung durch Krieg und Wehrpolitik“ (1913), „Dai Nihon“ (1913), „Das Japanische Reich in seiner geographischen Entwicklung“ (1921), „Japan und die Japaner“ (1923), „Geographie des pazifischen Ozeaniens“ (1924), „Geopolitik des Pazifischen Ozeans“ (1925), „Bausteine zur Geopolitik“ (1928), „Geopolitik der Pan-ideen“ (1931), „Der Kontinentalblock. Mitteleuropa, Eurasien, Japan“ (1941) und „Wehr-Geopolitik“ (1941).