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Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie

Arbeit. 2004, Michael Flitner · Geographie, „Lärm an der Grenze. Eine Studie ... „Suffizienz: Die Konsumgesellschaft in der ökologischen Krise“, Universität Jena.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Bedeutung
  2. 2. Organisation und Entwicklung
  3. 3. Ausgezeichnete Forschung

Zweck und Bedeutung

Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ist eine Auszeichnung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 1998 im zweijährlichen Rhythmus vergeben und soll anwendungsorientierte Arbeiten zur Ökologischen Ökonomie fördern. Dieses Forschungsgebiet untersucht wirtschaftliche Prozesse unter besonderer Berücksichtigung ihrer ökologischen und gesellschaftlichen Folgen.

Namensgeber ist der Ökonom Karl William Kapp. Er machte Anfang der 1950er Jahre in seinem Buch „The Social Costs of Business Enterprise“ auf die sozialen und ökologischen externen Kosten der Marktwirtschaft aufmerksam. Externe Kosten sind Folgen wirtschaftlichen Handelns, die nicht vollständig von den Verursachern getragen werden, sondern etwa die Gesellschaft oder die Umwelt belasten.

Organisation und Entwicklung

Von 1998 bis 2002 hieß die Auszeichnung Schweisfurth-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie und wurde von der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) gemeinsam mit der Schweisfurth-Stiftung verliehen. Im Jahr 2004 wurde sie in Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie umbenannt.

Der Preis wird in Kooperation der VÖÖ mit der Kapp-Stiftung in Basel, der Hatzfeldt-Stiftung in Wissen, der Selbach-Umwelt-Stiftung und der anstiftung in München vergeben. Er ist mit 5000 Euro dotiert. Von 2006 bis 2010 wurde zusätzlich ein Sonderpreis der Selbach-Umwelt-Stiftung in Höhe von 2500 Euro ausgeschrieben.

Der Jury gehörten unter anderem Adelheid Biesecker, Christiane Busch-Lüty, Hans-Peter Dürr, Peter Finke, Hermann Graf Hatzfeldt, Helge Majer, Niko Paech, Irmi Seidl und Christa Müller an.

Ausgezeichnete Forschung

Die prämierten Arbeiten behandeln ein breites Spektrum sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Fragen. Zu den Themen gehören nachhaltige Unternehmensentwicklung, regionale Wirtschaftsformen, Lebensmittelproduktion, Bürgerbeteiligung, Umweltgerechtigkeit, Wachstumskritik, Postwachstumsökonomie, Suffizienz, Klimaschutz, Ressourcenverbrauch und die sozial-ökologische Transformation.

Unter dem ursprünglichen Namen wurden 1998 Christa Müller für eine Untersuchung zur wirtschaftlichen Transformation von Borgenteich und Ralf Weiß für eine Arbeit über betriebliche Lernprozesse zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung ausgezeichnet. 2000 erhielten Sigrid Stagl für „Global Food Markets and Their Local Alternatives“ und Daniel Dahm für eine Arbeit über Desertifikation in Gambia den Preis. 2002 folgten Stefanie Böge mit einer Untersuchung zum Verlust der Vielfalt beim Apfel, Carsten Wiemeyer mit einer Analyse der lokalen Agenda 21 und Peter Plöger mit einer Arbeit über Bürgerbeteiligung und epistemische Vielfalt.

Nach der Umbenennung wurden 2004 Michael Flitner für eine Studie über Fluglärm und Umweltgerechtigkeit am Flughafen Basel-Mulhouse sowie Dagmar Vinz für eine umwelt- und geschlechterwissenschaftliche Untersuchung des Ernährungssystems ausgezeichnet. 2006 erhielt Niko Paech den Hauptpreis für eine Theorie nachhaltigen Wirtschaftens jenseits von Innovationsorientierung und Wachstum; Bianca Borowski bekam den Sonderpreis für ihre Arbeit zur Bedeutung der Zeit in einer nachhaltigen Viehwirtschaft. Die Sonderpreise 2008 und 2010 gingen an Eva Koch für eine Untersuchung zu Regiogeld-Initiativen beziehungsweise an Lasse Loft für eine Arbeit zum Klimaschutzinstrument REDD. Die jeweiligen Hauptpreise erhielten Fabian Scholtes für „Umweltherrschaft und Freiheit“ und Oliver Stengel für „Suffizienz: Die Konsumgesellschaft in der ökologischen Krise“.

2012 wurden Gerolf Hanke und Anja Humburg für Forschungen zu Regionalisierung und Postwachstum geehrt. 2014 gingen Preise an Matthias Schmelzer, Corinna Burkhart und Dirk Posse; ihre Arbeiten beschäftigten sich mit dem Wachstumsparadigma, alternativen Lebensformen und zukunftsfähigen Unternehmen in einer Postwachstumsgesellschaft. 2016 wurden Johannes Buhl, Christian Arndt und Lorenz Stör für Arbeiten über Rebound-Effekte, heterodoxe Wachstumskritik und Machtverhältnisse im Klimawandel ausgezeichnet. Ein Rebound-Effekt liegt im behandelten Zusammenhang vor, wenn Effizienzsteigerungen durch Veränderungen bei Zeit, Einkommen oder Nutzung teilweise wieder aufgehoben werden.

2018 erhielten Steffen Lange, Barbara Plank und Marius Rommel den Preis. Ihre Themen waren makroökonomische Theorien ohne Wachstum, der Einfluss des internationalen Handels auf den globalen Rohstoffverbrauch von 1990 bis 2010 und die Übertragung gemeinschaftsgetragener Versorgungsmodelle auf weitere Bereiche. 2020 wurden Sebastian Berger für „The Social Costs of Neoliberalism“ und Franziska Kusche für eine gesellschaftstheoretische Betrachtung des ökologisch ungleichen Tauschs ausgezeichnet.

2022 gingen die Auszeichnungen an Julian Massenberg für Forschungen zu gesellschaftlichen Werten von Ökosystemleistungen, Julian Willming für „Capitalism, Realism or Post-Growth?“ und Paula Bethge für eine Arbeit über Scientists for Future und die Rolle der Wissenschaft bei der sozial-ökologischen Transformation. 2024 wurden Hannah Heller für eine Untersuchung der Transformationsnarrative in der Ernährungswirtschaft und Luana Schwarz für „From idiosyncrasy to middle-range theory“ geehrt.

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