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Externer Effekt

... Emissionen wie Strahlung, aber auch Lärm und Lichtverschmutzung. Diese externen Kosten müssen monetarisiert werden und werden durch alle Wirtschaftssubjekte …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und wirtschaftliche Bedeutung
  2. 2. Institutionenökonomische Sicht
  3. 3. Externe Kosten, Erträge und Arten
  4. 4. Wichtige Anwendungsbeispiele
  5. 5. Formen externer Effekte
  6. 6. Messung und Instrumente

Begriff und wirtschaftliche Bedeutung

Ein externer Effekt, auch Externalität genannt, ist eine nicht ausgeglichene Auswirkung einer ökonomischen Entscheidung, die dem Entscheidungsträger nicht angelastet werden kann. Zwischen dem Entscheidungsträger und dem Betroffenen besteht keine über einen Preis- oder Marktmechanismus vermittelte Beziehung. Verursacher und Betroffener sind nicht identisch und keine Marktteilnehmer. Dennoch wirkt sich die Entscheidung eines Wirtschaftssubjekts einseitig auf die Nutzenfunktion eines anderen oder auf die Produktionsfunktion eines Unternehmens aus.

Externe Effekte werden nicht über Marktpreise abgegolten. Dadurch stimmen die tatsächliche Marktentwicklung und die Pareto-effiziente Ressourcenallokation nicht mehr überein; es kommt zu Marktversagen. Bei positiven externen Effekten beteiligt sich nicht jeder Nutznießer an den Kosten. Deshalb werden entsprechende Güter oder Tätigkeiten vom Markt tendenziell in zu geringem Umfang angeboten. Bei negativen externen Effekten trägt der Hersteller oder Konsument nicht alle verursachten Kosten. Dadurch kommt es zu einer Überversorgung.

Arthur Cecil Pigou forderte deshalb staatliche Eingriffe, durch die externe Kosten internalisiert werden. Internalisierung bedeutet, externe Kosten dem Verursacher anzulasten oder externe Erträge zu vergüten. Ziel ist es, die Fehlallokation zu beseitigen und Verursachungsgerechtigkeit herzustellen. Gelingt die vollständige Internalisierung, besteht in diesem Zusammenhang kein Marktversagen mehr. Das Coase-Theorem setzt hier an und sieht Verhandlungen als mögliche Lösung vor.

Bei Allmendegütern wie Straßen, Wäldern und Gewässern kann eine Übernutzung entstehen, wenn keine oder zu geringe Marktpreise verlangt werden. Beispiele sind Verkehrsinfarkt, Überweidung, Überfischung und Überjagung. Güter oder Dienstleistungen, von denen ausschließlich externe Effekte ausgehen, werden als öffentliche Güter oder Kollektivgüter bezeichnet; sie sind nicht marktfähig, weil ihre Auswirkungen Unbeteiligte treffen und von niemandem bezahlt oder ausgeglichen werden.

Institutionenökonomische Sicht

Nach der Neuen Institutionenökonomik ist eine ökonomische Entscheidung mit unkompensierten Auswirkungen auf Dritte zunächst eine Interdependenz, also eine gegenseitige Abhängigkeit. Eine Externalität liegt erst dann vor, wenn diese Interdependenz im bestehenden Ordnungsrahmen nicht in die Entscheidung einbezogen wird. Da die Schaffung eines geeigneten Ordnungsrahmens als Staatsaufgabe gilt, wird die Externalität aus dieser Perspektive als Staatsversagen gedeutet. Entscheidend ist daher nicht nur, dass sich Akteure gegenseitig beeinflussen, sondern auch, warum diese Interdependenz innerhalb der geltenden Regeln nicht berücksichtigt wird.

Externe Kosten, Erträge und Arten

Externe Kosten, auch soziale Kosten genannt, sind negativ wirkende externe Effekte, die in Geldeinheiten bewertet werden. Externe Erträge oder externer Nutzen sind entsprechend in Geldeinheiten bewertete positive externe Effekte. Der Begriff „externe Kosten“ wurde 1920 von Arthur Cecil Pigou in die Volkswirtschaftslehre eingeführt; Karl William Kapp legte 1958 eine umfangreiche Sammlung empirischen Materials vor.

Negative externe Effekte entstehen, wenn das Wohlbefinden eines Individuums durch die Tätigkeit eines anderen beeinträchtigt wird und der Verursacher diesen Nebeneffekt bei seiner Entscheidung nicht berücksichtigt. Sie können von der Produktionsseite ausgehen, etwa durch Luftverschmutzung einer Fabrikanlage, oder von der Konsumseite, etwa durch lautes Musikhören am späten Abend.

Im Verkehr unterscheidet man private beziehungsweise interne Kosten und externe Kosten. Zu den privaten Kosten gehören beispielsweise Zeitaufwand, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten. Externe Kosten sind Kosten, die andere Personen oder die gesamte Gesellschaft tragen, etwa Straßenbau und -instandhaltung, Folgekosten von Abgasemissionen oder Straßenlärmsanierung. Die Summe aus privaten und externen Kosten heißt soziale Kosten; dieser Begriff ist nicht mit „Sozialkosten“ gleichzusetzen.

Positive externe Effekte können ebenfalls aus Produktion oder Konsum entstehen. Beispiele sind neue Arbeitsplätze durch die Ansiedlung eines Unternehmens, zusätzliche Umsätze benachbarter Geschäfte durch einen populären Laden, Nutzen anderer Firmen aus veröffentlichter Forschung sowie Spezialwissen von Beschäftigten, die später zu anderen Unternehmen wechseln. Auch ein Parfüm kann andere angenehm beeinflussen, ein Telefongespräch dem Angerufenen kostenlose Kommunikation ermöglichen und ein von einem Grundstückseigentümer gebauter Deich oder eine Straße Dritten Schutz oder Nutzungsmöglichkeiten verschaffen.

Positive externe Effekte führen aus Sicht der öffentlichen Wohlfahrt zu einer Unterversorgung. Deshalb werden Forschung, Bildung und andere Tätigkeiten häufig öffentlich finanziert, subventioniert oder durch geistige Eigentumsrechte wie Patente gefördert. Personen, die von einem externen Nutzen profitieren, ohne dafür zu zahlen, werden in manchen Fällen Trittbrettfahrer genannt. Beim Deichbau tragen beispielsweise oft zunächst nur die Eigentümer die Kosten, während andere Grundstücke ebenfalls geschützt werden. Historisch konnten Deichverbände die Kosten jedoch auch ohne staatlichen Eingriff auf die Nutznießer verteilen.

Wichtige Anwendungsbeispiele

Umweltschäden sind ein typisches Problem negativer externer Effekte. Sie entstehen durch Umweltverschmutzung, etwa durch Abgase, Abwässer, feste Abfälle, Schadstoffe, unter Umständen Mikroorganismen sowie nichtstoffliche Emissionen wie Strahlung, Lärm und Lichtverschmutzung. Die dadurch verursachten externen Kosten werden von Unternehmen, Privathaushalten und dem Staat mitverursacht, ihnen aber meist nicht vollständig angelastet. Umweltpolitik nutzt dafür Gebote, Verbote, Auflagen, das Umwelthaftungsgesetz, Ökosteuern und Grenzwerte.

Bei der Energieerzeugung entstehen externe Kosten vor allem durch Schadstoffemissionen bei der Energiewandlung. Diese können die Gesundheit von Menschen und Tieren sowie Ökosysteme schädigen. Hinzu kommen Treibhausgasemissionen, insbesondere Kohlenstoffdioxid, und die Folgen der globalen Erwärmung. Die Schätzungen der finanziellen Kosten von Kohlenstoffdioxidemissionen schwanken stark und liegen in der Literatur zwischen 10 und 1000 Dollar je Tonne. Das deutsche Umweltbundesamt nannte 2021 195 Euro je Tonne CO2eq, wenn die Wohlfahrt der heute lebenden Generationen höher gewichtet wird, und 680 Euro je Tonne CO2eq bei gleicher Gewichtung heutiger und zukünftiger Generationen. In einer Neuberechnung von 2024 kam das Umweltbundesamt auf 250 beziehungsweise 860 Euro je Tonne CO2eq und bezifferte die Umweltkosten von Straßenverkehr, Strom- und Wärmeerzeugung in Deutschland auf mindestens 241 Milliarden Euro. Die Werte beruhen auf einem Schadenskostenmodell und liegen laut den Autoren im unteren Bereich der gesamten Bandbreite möglicher Schätzungen.

Eine Studie von 2018 schätzte die sozialen Kosten von Kohlenstoff auf mehr als 400 Dollar je Tonne; für die Emissionen des Jahres 2017 ergab sich daraus ein Schaden von mehr als 16 Billionen US-Dollar pro Jahr. 2015 waren die externen Kosten fossiler Energieerzeugung für 2013 noch auf 4,9 Billionen US-Dollar beziehungsweise mehr als 150 Dollar je Tonne Kohlenstoffdioxid geschätzt worden. Für 2015 wurden die Subventionen fossiler Energieträger unter Einbeziehung von Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschäden auf 5,3 Billionen US-Dollar geschätzt. Die globale Erwärmung durch fossile Energieträger gilt im Artikel als das größte Marktversagen der Geschichte.

Bei Lebensmitteln sind die externen Klimakosten typischerweise bei Fleischprodukten am höchsten. Es folgen konventionelle Milchprodukte; am niedrigsten sind sie bei pflanzlichen Bio-Lebensmitteln. Eine Studie bewertet die gegenwärtigen monetären Bewertungen als „unzureichend“ und hält eine Regulierung zur Senkung der externen Kosten für möglich und dringlich.

Im Verkehr erhöht jeder zusätzliche Verkehrsteilnehmer die Netzlast und die Verkehrsdichte. Bei höherem Verkehrsfluss entsteht Rivalität um die Infrastruktur, besonders im Verkehrsstau zur Hauptverkehrszeit. Dies verlängert die Fahrzeit und kann Verspätungen verursachen. Zu den externen Kosten gehören Umweltschäden, Staukosten, Unfallkosten, Straßenverkehrslärm und die Abnutzung des Straßennetzes. Maut-, Park- und emissionsorientierte Kraftfahrzeugsteuern können Kosten teilweise internalisieren, verhindern das Marktversagen in Form eines Verkehrsinfarkts aber nicht vollständig. Entsprechendes gilt für Schienen-, Wasserstraßen- und Flugstraßennetze.

Weitere Beispiele sind Luft- und Gewässerverschmutzung durch die Industrie, Überdüngung durch intensive Landwirtschaft, Schäden von Impfgegnerschaft für die Infektionslage, aber auch positive Wirkungen wie Landschaftspflege durch ökologischen Gartenbau, hohe Immunität durch Impfungen oder gesellschaftlicher Nutzen gut erzogener Kinder. Eine industrielle Flussverunreinigung kann Fischfangergebnisse und Bademöglichkeiten verringern; ein Staudamm kann Ackerland schützen und zum Ausflugsziel werden. Skifahrer können Weideland beschädigen, während ein Blumenbeet anderen als Augenweide dient.

Formen externer Effekte

Intrapersonelle externe Effekte betreffen Lerneffekte innerhalb einer Person. Wegen Informationsmängeln kann sie ein Gut vor dem Konsum anders beurteilen als danach, weil der Konsum ihre Präferenzen verändert. „Extern“ bezieht sich hier auf die Zeit außerhalb der Rechnungsperiode. Ein Beispiel ist Drogenabhängigkeit, wenn die Abhängigkeitsgefahr vorher nicht bekannt war.

Psychologische externe Effekte sind Interdependenzen von Nutzenfunktionen ohne physischen Zusammenhang. Sie können altruistisch oder neidisch sein. Beim Kauf eines neuen Autos kann beispielsweise beim Nachbarn positive Anteilnahme oder Neid entstehen.

Positionale Externalitäten beruhen auf relativem Konsum, also auf dem Verhältnis des Konsums einer Person zum Konsum einer anderen. Steigert eine Person ihren relativen Konsum positionaler Güter, kann die andere Person durch das Zurückfallen Nutzeneinbußen erleiden. Ein besonders teures Haus in der Nachbarschaft kann den Nutzen eines vergleichsweise kleineren Hauses beeinträchtigen. Die Wirkung muss nicht auf Neid oder Gunst beruhen; sie kann auch soziale Anerkennung sowie Einkommens- oder Machtgefüge verändern. Teure, maßgeschneiderte Kleidung kann etwa die Chancen in einem Bewerbungsgespräch gegenüber anderen erhöhen. Positionaler Konsum kann zu Positionswettbewerben führen.

Pekuniäre externe Effekte beeinflussen die Einkommensverteilung zwischen Personen über den Markt, ohne dass die betroffenen Dritten mitbestimmen können. Ein Billiganbieter kann die Gewinne anderer Unternehmen senken. Die gestiegene chinesische Stahlnachfrage in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts verknappte Eisen und verteuerte es. Anders als technologische Externalitäten wirken pekuniäre Externalitäten direkt in Angebots- und Nachfragefunktionen und werden deshalb selbstständig durch den Markt angepasst; dafür ist kein Eingriff von außen erforderlich.

Technologische externe Effekte wirken in Produktions- und Nutzenfunktionen von Unternehmen und Haushalten. Sie verursachen Marktversagen und müssen für eine effiziente Ressourcenallokation und geeignete Produktionsmengen von außen internalisiert werden. Umweltverschmutzung ist ein wichtiges Beispiel für eine negative technologische Externalität. Positive technologische Externalitäten, besonders aus Grundlagenforschung, können staatliche Forschungssubventionen begründen. Externe Kosten werden dabei nicht vom Verursacher, sondern von anderen, häufig zumindest teilweise von Steuerzahlern, beglichen. Ein externer Nutzen liegt vor, wenn der Verursacher nicht den vollständigen Nutzen erhält.

Messung und Instrumente

Nach der konventionellen ökonomischen Theorie müssen externe Effekte gemessen und in Geld bewertet werden, damit sie in Entscheidungsprozesse einbezogen werden können. Ein allgemein gültiges Verfahren gibt es jedoch nicht. Die Schätzungen externer Kosten können daher je nach Modell und Erhebungsverfahren stark voneinander abweichen.

Das Grundproblem besteht darin, dass Verursacher negative externe Effekte nicht in ihr wirtschaftliches Kalkül aufnehmen und bei positiven externen Effekten den gesellschaftlichen Nutzen nicht vollständig erhalten. Beide Fälle verhindern die Pareto-Optimalität. Ein Maßhalteappell kann externe Effekte abmildern, ist aber eine schwache Maßnahme.

Eine Internalisierung kann durch verhandelbare Eigentumsrechte und allgemeine Regeln nach dem Coase-Theorem erfolgen, beispielsweise durch Emissionsrechtehandel. Nach dem Verursacherprinzip kann außerdem der Schädiger haftbar gemacht werden. Der Staat kann externe Effekte durch eigene Bereitstellung sowie durch Gebote, Verbote und Auflagen beeinflussen.

Marktwirtschaftliche Instrumente sind Steuern, Subventionen, Vergütungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen, Ökoboni, Lenkungsabgaben wie die Pigou-Steuer und der Standard-Preis-Ansatz. Anders als Verbote lassen sie den Wirtschaftssubjekten die Wahl, wo sie Kosten am günstigsten reduzieren. Werden die wahren externen Kosten in die Preise einbezogen, erhalten Produzenten, Konsumenten und Verkehrsteilnehmer bessere Preissignale. Im Idealfall verbessern sich gleichzeitig Umwelt und gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt; dies beschreibt die Doppelte-Dividenden-Hypothese. Genannt werden unter anderem die CO2-Abgabe und die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe in der Schweiz, die Lkw-Maut, der Wassercent beziehungsweise Wasserpfennig und Ökosteuern in Deutschland sowie Zertifikate.

Eine vollständige Internalisierung der externen Effekte war laut Artikel bisher nicht absehbar. Für den deutschen Emissionshandel wurden 2013 Zertifikatspreise von etwa 5 Euro je Tonne genannt; bei solchen Preisen seien emissionsmindernde Anreize nicht zu erwarten. Die externen Kosten von Braunkohlebergbau und -verstromung wurden für Deutschland 2015 auf 15 Milliarden Euro geschätzt. Als Gegenbeispiel zur Internalisierung können Kosten externalisiert werden, indem bereits entstandene oder künftig entstehende Belastungen auf andere Regionen oder nachfolgende Generationen übertragen werden.

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