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Umweltwissenschaften
Umweltwissenschaften ist eine interdisziplinäre Studien- und Forschungsrichtung, die sich speziell mit der Umwelt im Sinne der Ökologie und den Auswirkungen …
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Grundidee und Einordnung
Umweltwissenschaften sind eine interdisziplinäre Studien- und Forschungsrichtung. Sie befassen sich mit der Umwelt im Sinne der Ökologie und mit den Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf diese Umwelt. Interdisziplinär bedeutet, dass mehrere Fächer zusammenarbeiten, weil Umweltprobleme meist nicht aus der Sicht eines einzigen Fachs verstanden werden können.
Die Umweltwissenschaften gehören aufgrund ihrer Entstehung aus traditionellen Fächern wie Biologie, Chemie und Physik zu den Naturwissenschaften. Zugleich beziehen sie auch gesellschafts-, rechts-, wirtschafts-, kultur- und geisteswissenschaftliche Perspektiven ein. Seit Ende des 20. Jahrhunderts gibt es eigenständige Studiengänge, die auf den Beruf oder die Tätigkeit als Umweltwissenschaftler vorbereiten. Als Umweltwissenschaftler werden aber auch Forschende bezeichnet, die keinen solchen Studiengang abgeschlossen haben, sondern zum Beispiel im Bereich Ökologie arbeiten. Ein bekannter Vertreter in Deutschland ist Ernst Ulrich von Weizsäcker.
Teilgebiete und Hilfswissenschaften
An den Umweltwissenschaften sind viele natur- und gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen beteiligt. Wichtige Teilgebiete sind Bodenkunde, Botanik, Genetik, Geographie, Geologie, Geoinformatik, Hydrologie, Hydrogeologie, Klimatologie, Meereskunde, Meteorologie, Umweltchemie, Umweltmedizin, Umweltökonomik, Umweltphysik, Umweltpsychologie, Umweltrecht, Umweltsoziologie und Zoologie.
Neben diesen Fachgebieten gibt es Hilfswissenschaften, die unterstützend wirken, aber nicht selbst im Zentrum der umweltwissenschaftlichen Forschung stehen. Dazu gehören Statistik als Teil der Mathematik, Sozialwissenschaften, Psychologie und Informatik. Besonders die Informatik hat einen hohen Stellenwert, weil komplexe Umweltsysteme ohne ihre Methoden kaum erfasst und ausgewertet werden können. Die zentrale Fachbibliothek für Teilgebiete der Umweltwissenschaft ist in Deutschland die ZB MED an ihrem Standort in Bonn.
Forschung und Anwendung
Umweltwissenschaftliche Forschung und Praxis arbeiten fächerübergreifend und fächerineinandergreifend. Typische Anwendungsgebiete sind Abfallwirtschaft, Altlasten, Arten- und Biotopschutz, Bodenkunde, Immissionsschutz, Kreislaufwirtschaft, Landwirtschaft, Landschaftsplanung, Naturschutz, Politik und Wasserwirtschaft.
Ein Schwerpunkt ist die Untersuchung natürlicher Systeme, die vom Menschen beeinflusst werden. Zugleich beschreibt die Umweltwissenschaft auch Gesetzmäßigkeiten einer Umwelt, die weitgehend unbeeinflusst vom Menschen ist. Je nach Fachrichtung entstehen unterschiedliche Fragestellungen: Geologen untersuchen zum Beispiel anthropogene, also vom Menschen verursachte, Belastungen des Grundwassers. Biologen betrachten die Wirkung von Schadstoffen auf Lebewesen. Physiker und Mediziner untersuchen Wirkungen von Radioaktivität auf Lebewesen. Chemiker beschäftigen sich mit dem Verhalten von Schadstoffen. Ingenieurwissenschaften bearbeiten solche Themen in Form der Umwelttechnik.
Auch Kultur-, Sozial-, Geistes-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften tragen bei. Umweltsoziologie untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung von Umweltproblemen. Umweltgeschichte beschäftigt sich mit der Geschichte des Umweltschutzes und des Umweltbewusstseins. Die Geisteswissenschaften befassen sich zum Beispiel mit Umweltethik. In Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gewinnen Umweltrecht und Umweltmanagementsysteme an Bedeutung. Die Geographie untersucht an der Schnittstelle von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften die Mensch-Umwelt-Beziehung.
Zentrale Fragestellungen
Fachwissenschaftler einzelner Disziplinen und interdisziplinär ausgebildete Umweltwissenschaftler untersuchen Umweltfragen aus verschiedenen Blickwinkeln. Wichtige Fragestellungen sind aktuelle Umweltveränderungen wie Klimaerwärmung, soziale Auswirkungen von Umweltveränderungen, Umweltbelastung und Umweltschäden, Umweltfolgenabschätzung sowie die Rekonstruktion vergangener Umwelten.
Im Laufe der Zeit haben sich neue Teilgebiete entwickelt, zum Beispiel Populationsökologie und Autökologie. Populationsökologie untersucht Populationen, also Gruppen von Individuen einer Art in einem Gebiet. Autökologie befasst sich mit den Beziehungen einzelner Arten zu ihrer Umwelt.
Studium und Inhalte
Umweltwissenschaft wird an Fachhochschulen und Universitäten angeboten. Die konkreten Inhalte hängen vom Schwerpunkt der Hochschule ab. Zu den möglichen Fächern gehören Umweltchemie, Umweltphysik, Biologie mit Ökologie, Botanik und Zoologie, Umweltinformatik, Umweltmanagement, Kommunikation, Umweltrecht, Strafrecht, Verwaltungsrecht, Europarecht und Baurecht. Schwerpunkt und Zuordnung zu einem Fachbereich oder einer Fakultät unterscheiden sich je nach Hochschule.
Weitere naturwissenschaftliche Studiengänge im umweltwissenschaftlichen Bereich sind Geoökologie und Landschaftsökologie. Ebenfalls zu den Umweltwissenschaften gehören die angewandten Umweltingenieurwissenschaften, das Umweltingenieurwesen und die Umweltsystemforschung, auch wenn sie in Studiengängen Umweltwissenschaften kaum vertreten sind. Die Umweltsystemforschung verbindet technische Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaft und angewandte Sozialforschung beziehungsweise Empirik der 1970er Jahre mit der seit den 1980er Jahren wichtiger werdenden Informatik. Sie nimmt außerdem Erkenntnisse und Strömungen der Umweltbewegung auf, die in viele akademische und praxisorientierte Teildisziplinen eingeflossen sind.
Studienangebote im deutschsprachigen Raum
In Deutschland wurden umweltwissenschaftliche Studiengänge seit Beginn der 1990er-Jahre zunächst mit Diplomabschluss angeboten. Inzwischen sind sie im Sinne der europaweiten Anerkennung auf Bachelor und Master umgestellt. Angeboten wird das Fach unter anderem an Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften wie Bielefeld, Bremen, Gießen, Greifswald, Koblenz-Landau, Lüneburg, Oldenburg, Trier, Tübingen, Freiburg, Frankfurt am Main und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Seit dem Jahr 2000 gibt es außerdem das Interdisziplinäre Fernstudium Umweltwissenschaften (infernum) als Kooperation der FernUniversität in Hagen und des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen. Es war zunächst als Aufbaustudium konzipiert, steht inzwischen aber allen Studierenden offen.
In Österreich werden seit Anfang der 1990er-Jahre an der Universität Graz entsprechende Studiengänge als individuelle Diplomstudien angeboten. Seit dem Studienjahr 2003/2004 wird der Studiengang Umweltsystemwissenschaften als Bachelor- und Masterstudium geführt.
In der Schweiz wurde an der ETH Zürich der Studiengang Umweltnaturwissenschaften 1987 eingeführt. Anlass waren auch die Umweltkatastrophen von Tschernobyl im April 1986 und Schweizerhalle im November 1986.