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Kapitalallokation

Ursache sind unvollkommene Kreditmärkte mit Informationsasymmetrie, die zur adversen Selektion führt. Die Börse als Teilmarkt des Kapitalmarkts erfüllt die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff und Bedeutung
  2. 2. Risiko und Finanzintermediäre
  3. 3. Funktion der Finanzmärkte
  4. 4. Börse als Teilmarkt
  5. 5. Betriebswirtschaftliche Sicht
  6. 6. Voraussetzungen effizienter Allokation

Kernbegriff und Bedeutung

Kapitalallokation bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre die pareto-optimale Verwendung und Verteilung des Produktionsfaktors Kapital auf Wirtschaftssubjekte. Pareto-optimal bedeutet hier: Kapital wird so verteilt, dass keine andere Verteilung jemanden besserstellen könnte, ohne jemand anderen schlechterzustellen. Kapitalallokation ist eine Form der Faktorallokation, also der Verteilung von Produktionsfaktoren.

Der Produktionsfaktor Kapital wird in verschiedenen Formen auf Finanzmärkten gehandelt. Dazu gehören Devisenmarkt, Geldmarkt, Kapitalmarkt und Kreditmarkt. Diese Märkte bringen Kapitalgeber und Kapitalnachfrager zusammen. Kapitalgeber können zum Beispiel Privathaushalte oder Anleger sein; Kapitalnachfrager können Unternehmen oder der Staat sein.

Ein typischer Fall ist ein Anleger, der Teile seines Geldvermögens in Finanzprodukte investiert, etwa in Aktien auf dem Aktienmarkt, Anleihen auf dem Rentenmarkt oder andere Finanzierungstitel und Finanzinstrumente. Dadurch wird Kapital vom Privathaushalt auf Unternehmen oder, bei Staatsanleihen, auf den Staat verlagert. Der Anleger behält sein Vermögen, überlässt aber anderen Wirtschaftssubjekten die Nutzung des Kapitals. In diesem Sinn ist Kapitalallokation zugleich auch Vermögensallokation.

Risiko und Finanzintermediäre

Mit Kapitalallokation ist im Regelfall ein Finanzrisiko verbunden. Für Anleger besteht dieses Risiko zum Beispiel als Insolvenzrisiko gegenüber Unternehmen oder dem Staat. Insolvenzrisiko bedeutet, dass ein Kapitalnachfrager möglicherweise zahlungsunfähig wird und seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann.

Häufig stehen zwischen Anlegern als Kapitalgebern und Kapitalnachfragern sogenannte Finanzintermediäre. Finanzintermediäre sind Einrichtungen, die zwischen beiden Marktseiten vermitteln. Beispiele sind Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen. Sie tragen dazu bei, Kapitalgeber und Kapitalnachfrager zusammenzuführen, und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer effizienten, also pareto-optimalen Kapitalallokation.

Weil Kapitalanlage immer auch mit Risiken verbunden ist, ist Kapitalallokation stets auch Risikoallokation. Das bedeutet: Nicht nur Kapital wird verteilt, sondern auch die damit verbundenen Risiken werden bestimmten Marktteilnehmern zugeordnet.

Funktion der Finanzmärkte

Aus makroökonomischer Sicht haben Finanzmärkte die Aufgabe, Geldkapital in Sachkapital umzuwandeln, ohne dass es seine Eigenschaft als Geldkapital verliert. Sachkapital meint Kapital, das in reale Investitionen fließt, zum Beispiel in Produktionsmittel oder Investitionsprojekte. Finanzmärkte sorgen dadurch für Kapitalmobilität und eine effiziente Kapitalallokation innerhalb der Volkswirtschaft. Diese Lenkungsfunktion bedeutet, dass Kapital dorthin geleitet werden soll, wo es wirtschaftlich am produktivsten eingesetzt werden kann.

Dazu stellen Finanzmärkte Finanzierungsinstrumente oder Finanzierungstitel bereit, mit denen Investitionen finanziert werden können. Der Kapitalmarktzins soll das Kapitalangebot, also Ersparnisse, zu den Kapitalnachfragern lenken, deren Investitionsprojekte die höchste Rendite aufweisen. Rendite bezeichnet den Ertrag einer Kapitalanlage.

Nicht jede Kapitalallokation ist effizient. Kreditrationierung und Kreditklemme gelten als ineffiziente Kapitalallokationen. Sie entstehen aus einem Nachfrageüberhang zu einem gegebenen Kreditzins und können auch durch eine Erhöhung dieses Zinses nicht abgebaut werden. Als Ursache nennt der Artikel unvollkommene Kreditmärkte mit Informationsasymmetrie. Informationsasymmetrie bedeutet, dass Marktteilnehmer nicht denselben Informationsstand haben. Dies kann zu adverser Selektion führen, also dazu, dass ungünstige oder riskante Kreditnehmer eher ausgewählt werden.

Börse als Teilmarkt

Die Börse ist ein Teilmarkt des Kapitalmarkts und erfüllt die Kapitalallokation annähernd effizient. Sie gilt einerseits als operativ effizient. Operative Effizienz bedeutet, dass Transaktionen weitgehend friktionslos durchgeführt werden, also ohne unangemessene Transaktionskosten.

Andererseits ist die Börse weitgehend informationseffizient. Informationseffizienz bedeutet, dass relevante Informationen bereits in den Börsenkursen enthalten sind. Wenn Informationen in den Kursen eingepreist sind, können Anleger mit kursrelevanten Informationen keine Übergewinne erzielen. Übergewinne sind Gewinne, die über das hinausgehen, was unter normalen Marktbedingungen zu erwarten wäre.

Betriebswirtschaftliche Sicht

In der Betriebswirtschaftslehre hat Kapitalallokation eine engere Bedeutung. Dort versteht man darunter die Umschichtung von Kapital in der Innenfinanzierung. Innenfinanzierung bedeutet, dass ein Unternehmen finanzielle Mittel aus dem eigenen Unternehmen heraus nutzt und nicht von außen aufnimmt.

Ein Beispiel ist die Umwandlung von Kapitalrücklagen in Grundkapital durch die Emission von Gratisaktien. Kapitalrücklagen sind Eigenkapitalbestandteile eines Unternehmens; Grundkapital ist das in Aktien zerlegte Kapital einer Aktiengesellschaft. Gratisaktien sind Aktien, die ohne zusätzliche Einzahlung an Aktionäre ausgegeben werden. Bei dieser Kapitalallokation findet lediglich eine Umschichtung statt.

Davon unterscheidet sich die Thesaurierung, etwa die Gewinnthesaurierung. Bei einer Thesaurierung kommt es zu einem Mittelzufluss, weil Gewinne im Unternehmen einbehalten werden. Kapitalallokation in der Betriebswirtschaftslehre kann außerdem bedeuten, dass Kapital innerhalb eines Unternehmens von einem weniger rentablen Geschäftsbereich in einen rentableren Geschäftsbereich verlagert wird. Das betrifft besonders divisionale Organisationen, also Unternehmen mit getrennten Geschäftsbereichen.

Voraussetzungen effizienter Allokation

Eine effiziente Kapitalallokation setzt voraus, dass Kapitalgeber jederzeit relevante Informationen über die Kapitalanlage erhalten. Nur dann können sie eine fundierte Anlageentscheidung treffen. Außerdem benötigen Marktteilnehmer möglichst vollständige Informationen über alle Marktdaten. Ein hoher Informationsgrad ist daher eine zentrale Voraussetzung.

Zusätzlich ist Kapitalmobilität erforderlich. Kapitalmobilität bedeutet, dass Kapital dorthin fließen kann, wo es am sinnvollsten eingesetzt wird. Das Kapitalangebot soll dort investieren können, wo das Rendite-Risiko-Verhältnis am günstigsten ist. Die Investition erfolgt also dort, wo die Grenzproduktivität des Kapitals am höchsten ist. Grenzproduktivität bezeichnet den zusätzlichen Ertrag, der durch den Einsatz einer weiteren Kapitaleinheit entsteht.

Eine wichtige Informationsgrundlage sind Ratings von Ratingagenturen. Ratings bewerten die Kreditwürdigkeit oder das Risiko von Kapitalanlagen. Durch Risikoidentifikation und Risikodifferenzierung tragen sie zu einer besseren Kapitalallokation bei.

Der Artikel betont außerdem den Zusammenhang zwischen Kapitalmobilität, vollständiger Information und wirtschaftlichem Ausgleich. Wegen abnehmender Grenzproduktivität, die mit dem Ertragsgesetz zusammenhängt, führt vollkommene Kapitalmobilität zu einem Faktorausgleich, der ökonomische Disparitäten verschwinden lässt. Bei weltweiter Kapitalmobilität und vollständiger Information wird Kapital „automatisch dort angelegt, wo der Beitrag zur Erhöhung der Produktivität – und damit der Rendite – risikobereinigt am höchsten ist.“

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