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Aktienmarkt

Der Aktienmarkt (englisch stock market) ist ein Marktsegment des Kapitalmarkts, das den börslichen und außerbörslichen Handel mit Aktien umfasst.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Funktionsweise
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Beteiligte, Kurse und Kennzahlen
  4. 4. Handelssegmente und Märkte
  5. 5. Bedeutung für Wirtschaft und Finanzierung

Einordnung und Funktionsweise

Der Aktienmarkt (englisch stock market) ist ein Teil des Kapitalmarkts. Er umfasst den börslichen und außerbörslichen Handel mit Aktien. Sein Gegenbegriff ist der Rentenmarkt, auf dem vor allem festverzinsliche Wertpapiere gehandelt werden.

Die Finanzmärkte gliedern sich in Geldmarkt und Kapitalmarkt; der Kapitalmarkt besteht aus Aktien- und Rentenmarkt. Auf dem Aktienmarkt treffen Handelsobjekte, also Aktien, und Marktteilnehmer zusammen. Angebot und Nachfrage bestimmen dabei die Börsenkurse. Marktteilnehmer werten Marktdaten für Marktanalysen aus, beobachten die erwartete Entwicklung und untersuchen Trends mit der Trendanalyse. Kern des Aktienmarkts sind die Aktienbörsen.

Entstehung und Entwicklung

Der Aktienmarkt entstand mit der Aktie. Als erste Aktie gilt ein Anteil von 12,5 % an der schwedischen Kupfermine „Stora Kopparbergs Bergslags Aktiebolag“ in Falun, die im Juni 1288 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Aktien der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) wurden erstmals am 3. März 1603 gehandelt. Mit der Amsterdam Stock Exchange entstand 1612 die erste Aktienbörse mit dauerhaftem Aktienhandel.

In Deutschland erschienen 1785 die ersten Aktien auf dem Kurszettel der Börse Berlin. Während der Gründerzeit entwickelten sich Aktienbörsen mit dem industriellen Aufschwung schnell. Zwischen 1871 und 1873 entstanden in Deutschland 928 Aktiengesellschaften mit einem Gesamtkapital von 2,78 Milliarden Mark. Der Gründerkrach führte am 9. Mai 1873 zu einem ersten schwarzen Freitag: Der Kurswert der Aktien sank auf die Hälfte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Frankfurter Wertpapierbörse zum führenden deutschen Aktienmarkt. Etwa zwei Drittel aller deutschen Börsenumsätze entfallen auf Frankfurt. Im September 2014 wurden dort Aktien von 10.700 Unternehmen gehandelt; knapp 1.000 davon nannten Frankfurt als Heimatmarkt, die übrigen waren ausländische Aktien.

Beteiligte, Kurse und Kennzahlen

Zu den Marktteilnehmern zählen Aktionäre, institutionelle Anleger und Privatanleger, Emittenten, Kreditinstitute, Börsenhändler und Börsenmakler. Emittenten sind Unternehmen, die Aktien ausgeben. Gründe für den Handel können Geldanlage, die Dienstleistung von Kreditinstituten bei Kundenaufträgen, Arbitrage oder Spekulation sein.

Markttransparenz entsteht besonders durch Börsenkurse und durch Unternehmensdaten, die Emittenten veröffentlichen. Die Kursbildung beruht auf Angebot und Nachfrage. Wichtige Marktdaten sind der Börsenkurs, die Dividendenrendite und der Aktienindex. Die Dividendenrendite dient als eine Art „Marktzins“. Ein Aktienindex zeigt die Kursentwicklung und das Kursniveau an den Aktienmärkten.

Handelssegmente und Märkte

Seit November 2007 gibt es in allen EU-Mitgliedsstaaten die Börsensegmente „regulierter Markt“ (englisch regulated market) und „börsenregulierter Markt“ (englisch regulated unofficial market). Der regulierte Markt wird von der Europäischen Union überwacht, der börsenregulierte Markt von der jeweiligen Börse. Die deutschen Segmente „amtlicher Markt“ und „geregelter Markt“ gingen im November 2007 im regulierten Markt auf.

An der Frankfurter Wertpapierbörse gehören General Standard und Prime Standard zum regulierten Markt und verlangen höhere Transparenzstandards. Der Freiverkehr ist der börsenregulierte Markt; er heißt seit Oktober 2005 Open Market. Dessen Unterbereiche sind Quotation Board, Basic Board und Scale. First Quotation wurde im Juni 2012 nach Skandalen wie Marktmanipulation und Kapitalanlagebetrug abgeschafft. Scale richtet sich mit vergleichsweise geringen Anforderungen und Folgepflichten besonders an kleinere Unternehmen, die neu an die Börse gehen wollen.

Der Primärmarkt dient der erstmaligen Ausgabe von Aktien bei Unternehmensgründungen sowie Aktien aus Kapitalerhöhungen. Auf dem Sekundärmarkt werden bereits umlaufende Aktien weitergehandelt.

Bedeutung für Wirtschaft und Finanzierung

Nach Léon Walras setzt die Kursbildung am Aktienmarkt unter anderem viele Käufer und Verkäufer, einen den Anfangskurs ausrufenden Auktionator beziehungsweise Börsenmakler, verbindliche Mengenangaben und ein Marktgleichgewicht voraus. John Maynard Keynes erklärte Aktienkurse dagegen mit „Konventionen“: gemeinsamen Bewertungseinschätzungen der Marktteilnehmer, die meist stark von Stimmungen beeinflusst seien. Heute reflektiert der Börsenkurs das Marktgleichgewicht, durch das eine Markträumung erfolgt.

Aktienmärkte helfen Unternehmen, ihren Eigenkapitalbedarf zu decken: Anleger erwerben Aktien bei einer Gründung oder Kapitalerhöhung. Sie verbreiten außerdem Unternehmensdaten und ermöglichen durch die Kursbildung eine Unternehmensbewertung in Form der Marktkapitalisierung. Diese ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig, weil sie starken Bewertungsschwankungen unterliegt und Geldzu- oder -abflüsse nicht abbildet.

Aktienkurse geben Signale über das Eigentum an Aktien und sollen im Idealfall alle verfügbaren Informationen widerspiegeln. Dadurch übernehmen Aktienmärkte eine Funktion bei der Ressourcenallokation, also der Verteilung von Kapital. Sie können wirtschaftliches Wachstum fördern, weil Aktionäre Gründungs- und Erweiterungsinvestitionen mitfinanzieren. Aktien- und Rentenmarkt erfüllen bei der Wachstumsfinanzierung komplementäre Funktionen.

Die 1970 von Eugene Fama aufgestellte Markteffizienzhypothese besagt, dass ein effizienter Aktienmarkt Informationen sofort in Kursen verarbeitet. Dann könnte kein Marktteilnehmer durch technische Analyse, Fundamentalanalyse oder Insiderhandel bei Transaktionen Gewinne erzielen.

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