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Joseph Kromolicki
Joseph Kromolicki (auch Józef Kromolicki; * 16. Januar 1882 in Posen als Josef Marzell Kromolicki; † 11. Oktober 1961 in Berlin) war ein deutscher Komponist …
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Bedeutung und Schwerpunkt
Joseph Kromolicki, auch Józef Kromolicki, wurde am 16. Januar 1882 in Posen als Josef Marzell Kromolicki geboren und starb am 11. Oktober 1961 in Berlin. Er war ein deutscher Komponist der Spätromantik. Sein Werk ist vor allem für die katholische Kirchenmusik wichtig: Von seinem 90 Nummern umfassenden Werkverzeichnis haben nur acht Nummern weltlichen Charakter.
Spätromantik bezeichnet hier einen musikalischen Stil mit reicher Harmonik, starker Ausdruckskraft und oft komplexen Klangverbindungen. Kromolicki schrieb besonders Messen, liturgische Chormusik, Orgelwerke und kleinere geistliche Formen. Seine Musik verbindet kirchliche Funktionen mit spätromantischer Tonsprache.
Ausbildung und Berufsweg
Kromolicki war ein Sohn des Schneidermeisters Anton Kromolicki und dessen Frau Sophie, geborene Groblewicz. Seine Mutter starb bald nach seiner Geburt. Nach dem Abitur besuchte er die Kirchenmusikschule Regensburg. Dort wurde er von Franz Xaver Haberl, Michael Haller und Joseph Renner jun. unterrichtet, die cäcilianisch ausgerichtet waren. Der Cäcilianismus war eine kirchenmusikalische Richtung, die sich besonders an älteren, klaren kirchlichen Vorbildern orientierte.
Danach studierte Kromolicki in Berlin am Stern’schen Konservatorium bei Max Julius Loewengard, an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik sowie an der Universität Berlin Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Zusätzlich erhielt er privaten Unterricht in Komposition und Dirigieren bei Hans Pfitzner.
Seinen Lebensunterhalt sicherte er als Musiklehrer am Königlich-Städtischen Realgymnasium in Berlin. Seine wichtigste Tätigkeit war jedoch die Leitung des Kirchenchores an St. Michael, den er von 1905 bis 1956 dirigierte. 1923 heiratete er Elisabeth Karutz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche weitgehend zerstört; die Gottesdienste mussten im benachbarten Marienstift stattfinden, wodurch seine Aufführungsmöglichkeiten eingeschränkt wurden. Auch seine Wohnung in der Melchiorstraße wurde ausgebombt. Er lebte zunächst im Marienstift, später in der Waldemarstraße und zuletzt mit seiner Frau in einem Altenwohnheim in Schlachtensee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Nach zweijähriger Krankheit starb er 1961. Sein Grab befindet sich auf dem Michaelsfriedhof.
Kromolicki erhielt schon zu Lebzeiten Auszeichnungen: 1913 wurde er zum Königlichen Musikdirektor ernannt, 1930 erhielt er das Päpstliche Verdienstkreuz Pro Ecclesia et Pontifice.
Musikalischer Stil
Obwohl Kromolicki in Regensburg, einer Hochburg des Cäcilianismus, ausgebildet wurde, zeigt schon seine erste Messvertonung deutlich spätromantische Merkmale. Die Fest-Messe zu Ehren des hl. Erzengels Michael für vierstimmigen gemischten Chor und Orgel op. 1 von 1911 ist geprägt von Chromatik, kühnen Modulationen und enharmonischen Verwechslungen. Chromatik bedeutet die Verwendung vieler Halbtonschritte; Modulation ist der Wechsel in eine andere Tonart; enharmonische Verwechslung bezeichnet die Umdeutung gleich klingender Töne mit unterschiedlicher Notation.
In der Zweiten Fest-Messe (i. h. S. Sophiae M.) op. 2 von 1914, seiner größten Messkomposition nach Aufwand und Umfang, treten zusätzlich starke Dynamik, die Ausnutzung der Terzverwandtschaft und häufige Taktwechsel hervor. Terzverwandtschaft meint Beziehungen zwischen Tonarten oder Akkorden im Abstand einer Terz.
Nach längerer Pause entstanden 1925 die Dritte Messe in d-Moll op. 7 und 1926 die Vierte Messe in b-Moll op. 9. Beide sind a cappella, also ohne Instrumentalbegleitung. Bei der vierten Messe ist besonders der Einsatz eines Fernchores bemerkenswert.
Ab der sechsten Messe zeigt sich ein Stilwandel: Die Musik wird vom satten Klangbild herber und asketischer. Chromatik dient nun stärker als Selbstzweck und weniger der Modulation. Quinten- und Quartenharmonik sowie gedämpfte Instrumentalbegleitung prägen die späteren Messvertonungen.
Geistliche Hauptwerke
Zu Kromolickis geistlichen Werken gehören 10 Messen. Genannt werden unter anderem die Fest-Messe zu Ehren des hl. Erzengels Michael op. 1 (1911), die Zweite Fest-Messe op. 2 (1914), die Dritte Messe in d-Moll op. 7 (1925), die Vierte Messe in b-Moll op. 9 (1926), die Missa brevis als Fünfte Messe op. 14 (1928), die Missa festiva in E als Sechste Messe op. 18 (1929), die Festmesse für vierstimmigen Männerchor und Orgel als Siebente Messe op. 20 (1930), die Missa Dominicalis als Achte Messe op. 21 (1931), die Missa in festis solemnibus als Neunte Messe op. 23 (1931) und die Missa Exsultet op. 56 (1954).
Außerdem umfasst sein geistliches Schaffen 35 Offertorien, 14 Gradualien, 3 Vertonungen von Ecce sacerdos magnus, 1 Requiem und ein Te Deum in e-Moll für 4 gemischte Stimmen, 2 Trompeten, 2 Posaunen und Orgel op. 43. Offertorien und Gradualien sind liturgische Gesänge der Messe.
Kromolicki schrieb auch lateinische und deutsche Hymnen und Lieder. Beispiele sind Wie wunderherrlich ist dein Name op. 3/2 nach Psalm 8, 4 Marienlieder op. 10, Der Engel des Herrn op. 10/5, Sechs deutsche Sakraments- und Herz-Jesu-Gesänge op. 12, Alleluja op. 16 sowie Fünf eucharistische Hymnen für die Prozession am Fronleichnamsfest op. 24a. Zu seinen Kantaten gehören Werke über die Kirchenlieder Maria zu lieben op. 45 und Schönster Herr Jesu op. 46.
Orgelmusik und andere Werke
Die Werke für Orgel allein nehmen in Kromolickis Gesamtwerk nur eine Randstellung ein: Es gibt fünf Opera. Wiederkehrende Merkmale sind harfenähnliche Skalenläufe oder Zerlegungen chromatischer Harmonien, Akkordballungen, synkopische Akkordeinbrüche, alterierte Akkorde und Wechselnoten. Synkopen verschieben Betonungen im Takt; alterierte Akkorde enthalten chromatisch veränderte Töne. Wenn Kromolicki strenge Formen verwendet, sind es seltene Fälle wie Mehrthemenfuge oder Passacaglia.
Zu den Orgelwerken zählen Thema und Variationen op. 34 (1934), Fünf festliche Nachspiele für Orgel op. 37 (1935), Zwei Konzert-Etüden op. 49 Nr. 1 (1938) und Intermezzo op. 49 Nr. 2 (1941). Für Harmonium schrieb er 50 Präludien und Improvisationen op. 55 (1953), die besonders Spielern helfen sollten, die in der Improvisation weniger sicher waren. Außerdem gibt es Werke für Orgel mit anderen Instrumenten, darunter die Sinfonische Suite op. 26 (1932), Triptychon op. 52 (1939) und Notturno für Violoncello und Orgel op. 49 Nr. 3 (1942).
Zu den sonstigen Werken gehören 3 Impromptus für Violoncello und Klavier op. 8 (1926), Lieder für Singstimme und Klavier nach Texten von Hans Bethge, Max Bruns, Heinrich Heine, Arno Holz und anderen sowie das FLORILEGIUM CANTUUM SACRORUM, eine Sammlung von 52 lateinischen, klassischen, leicht ausführbaren Motetten für vierstimmigen gemischten Chor aus der Chormusik mehrerer Jahrhunderte.
Schriften
Kromolicki veröffentlichte mehrere Beiträge in der Zeitschrift Musica sacra. 1925 erschienen Rückblick – Ausblick, Neue Wege in der Musik, Zum Stil des neuen kirchenmusikalischen Schaffens und Ein Beitrag zur Frage: Wie sollen Palestrinas Werke aufgeführt werden?. 1927 folgte Palestrina und Bach in der evangelischen und katholischen Kirchenmusik.
Diese Schriften zeigen, dass Kromolicki sich nicht nur praktisch als Komponist und Chorleiter, sondern auch theoretisch mit Kirchenmusik, Aufführungspraxis und Stilfragen beschäftigte.