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Musik der Romantik
Die wichtigsten Eigenschaften der romantischen Musik sind die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks, die Auflösung der klassischen Formen, die Erweiterung und …
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Grundidee und Kennzeichen
Als Musik der Romantik bezeichnet man die vorherrschende musikalische Stilrichtung des 19. Jahrhunderts. Ihre wichtigsten Merkmale sind der gefühlvolle, subjektive Ausdruck, die Lockerung oder Auflösung klassischer Formen, die Erweiterung und schließlich Überschreitung der traditionellen Harmonik sowie die Verbindung mit außermusikalischen, besonders literarischen Ideen. Musik, die einen solchen Inhalt, ein Geschehen oder eine Vorstellung vermittelt, heißt Programmmusik.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Orchester ständig vergrößert. Dadurch konnten Komponisten feinere Klangfarben und zugleich stärkere, überwältigende Wirkungen erzielen. Außerdem übernahmen sie zunehmend Elemente der Volksmusik, etwa im Umfeld des Realismus und der nationalen Schulen verschiedener europäischer Länder.
Der Begriff ist nicht eindeutig abzugrenzen. Die musikalische Romantik hängt mit der deutschen Romantik in Literatur, Kunsttheorie und Philosophie zusammen, entwickelte sich aber zeitlich versetzt. Ihre eigentliche Gestalt trat seit den 1830er Jahren deutlich hervor; als Epoche im strengen Sinn endete sie bereits um 1850, ihre Impulse wirkten jedoch bis ins 20. Jahrhundert weiter. Üblicherweise unterscheidet man Frühromantik, Hochromantik und Spätromantik.
Für romantische Denker war Musik mehr als ein historischer Stil. E. T. A. Hoffmann verstand die reine Instrumentalmusik von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und besonders Ludwig van Beethoven als „romantisch“, weil sie ein unbekanntes, nicht durch Begriffe fassbares Reich eröffne. Arthur Schopenhauer bestimmte Musik als Erscheinung des reinen Willens beziehungsweise des „Dings an sich“. Richard Wagners Idee des Musikdramas als „Gesamtkunstwerk“, das mehrere Künste verbindet, geht ebenfalls auf romantische Vorstellungen zurück.
Anfänge und Frühromantik
Der Übergang von der Wiener Klassik zur Romantik zeigt sich besonders bei Ludwig van Beethoven: In seiner reinen Instrumentalmusik begegnen viele später typische romantische Elemente erstmals. Als bedeutendster Vertreter der eigentlichen Frühromantik gilt Franz Schubert. Seine Kammermusik, Sinfonien und Lieder verbanden klassische Grundlagen mit romantischer Ausdruckskraft.
Für die deutsche romantische Oper war Carl Maria von Webers Der Freischütz (1821) grundlegend. Harmonik und Klangfarben machen darin Stimmungen, Natur- und Schicksalskräfte, Übernatürliches, Sagenwelt und märchenhafte Vergangenheit musikalisch erfahrbar. Vorbereitet wurde diese Entwicklung unter anderem durch Mozarts Die Entführung aus dem Serail (1782) und Die Zauberflöte (1791), Beethovens Fidelio (1805), E. T. A. Hoffmanns Undine (1816) und Werke Louis Spohrs. Heinrich Marschner setzte fantastisch-schauerliche Stoffe ein, während Albert Lortzing die heitere Spieloper vertrat. Richard Wagners frühe Opern Der Fliegende Holländer (1843), Tannhäuser (1845) und Lohengrin (1850) stehen noch in dieser Tradition.
In Italien blühte die Belcanto-Oper mit Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Belcanto bezeichnet einen auf schönen, beweglichen Gesang ausgerichteten Opernstil. Rossini ist besonders für komische Opern bekannt, während bei Donizetti und Bellini tragische Inhalte überwiegen. Niccolò Paganini war der wichtigste italienische Instrumentalkomponist dieser Phase. In Frankreich entwickelten sich die leichte Opéra comique und die Grand opéra mit großen Chören, Balletten und aufwendigen Bühnenbildern; ihr bedeutendster Vertreter war Giacomo Meyerbeer. John Field schuf die ersten Nocturnes für Klavier.
Höhepunkt und neue Ausdrucksformen
In der ersten Phase der Hochromantik erreichte der subjektive und poetische Ausdruck einen Höhepunkt. Frédéric Chopin erschloss in Klavierstücken und Tänzen neue Gefühlstiefen; seine Musik verbindet virtuosen Aufschwung häufig mit Melancholie, Fatalismus und romantischer Sehnsucht. Robert Schumann machte besonders Klaviermusik und Lied zu Trägern innerer Erlebnisse. In seinen Liedern verschmelzen romantische Dichtung und Musik, etwa im Liederkreis Op. 39 nach Joseph von Eichendorff (1840). Typisch sind die Konzentration auf den augenblicklichen musikalischen Einfall, offene Formen und die Verbindung verschiedener Gattungen.
Felix Mendelssohn Bartholdy verband romantische Stimmungspoesie mit klassizistischen Formen. Seine Aufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion in Berlin (1829) machte die romantische Wiederentdeckung älterer Musik besonders wirksam. Hector Berlioz verband in Werken wie der Symphonie fantastique (1830) sinfonische Musik mit literarisch angeregten Themen. Seine Idée fixe ist ein wiederkehrender musikalischer Gedanke, der eine Person oder Vorstellung bezeichnet. Franz Liszt prägte die sinfonische Dichtung, ein meist einsätziges Orchesterwerk mit außermusikalischem Programm, und wurde zu einer Leitfigur der fortschrittlichen „Neudeutschen Schule“.
In der zweiten Phase, teilweise Neuromantik genannt, entwickelte Wagner seine Leitmotivtechnik: Wiederkehrende Motive stehen für Personen, Gegenstände oder Ideen und verbinden etwa den vierteiligen Ring des Nibelungen. Das Orchester wurde sinfonisch behandelt, die Oper ohne getrennte Arien durchkomponiert, und in Tristan und Isolde erreichte die Chromatik – die Verwendung von Tönen außerhalb der Grundtonart – einen äußersten Punkt. Demgegenüber führte Johannes Brahms klassische Formen in Sinfonik, Kammermusik und Lied fort. Anton Bruckner, obwohl Wagner-Anhänger, schrieb formal klare Sinfonien mit blockhafter, von Orgelregistern beeinflusster Instrumentation.
In vielen Ländern entstand eine Nationalromantik, die Kunstmusik mit nationalen Stoffen und Volksmusik verband. In Russland wirkten Michail Glinka und die „Gruppe der Fünf“, darunter Mili Balakirew, Alexander Borodin, Modest Mussorgski und Nikolai Rimski-Korsakow; westlicher orientierten sich Anton Rubinstein und Pjotr Tschaikowski. Bedřich Smetana begründete die tschechische Nationalmusik, Antonín Dvořák verband sie mit einem an Brahms orientierten Stil. Edvard Grieg wurde mit lyrischer, norwegisch geprägter Musik bekannt.
Spätromantik und Weg in die Moderne
Die Spätromantik oder Nachromantik führte traditionelle Formen und musikalische Mittel bis an ihre Grenzen. Kennzeichnend sind ein stark vergrößertes und farbenreiches Orchester, eine bis zum Äußersten ausgereizte Tonalität, gesteigerte Emotionen und eine immer individuellere Tonsprache. Dadurch gelangte die Musik an die Schwelle der Moderne.
Gustav Mahlers Sinfonien nahmen zuvor unbekannte Ausmaße an, gaben teilweise die traditionelle Viersätzigkeit auf und bezogen Gesang ein. Hugo Wolf schuf psychologisch verdichtete Lieder als Miniaturdramen für Stimme und Klavier. Max Reger griff auf Johann Sebastian Bachs Polyphonie, also die Verbindung mehrerer selbstständiger Stimmen, zurück und entwickelte sie harmonisch kühn weiter. Richard Strauss führte mit Salome und Elektra die Tonalität an ihre Grenzen, bevor er im Rosenkavalier traditionellere Wege einschlug.
In Italien entstand der Verismus, ein gesteigerter Realismus, der in der Oper bis zum Plakativen und Melodramatischen reichen konnte. Bedeutende Vertreter waren Ruggero Leoncavallo, Pietro Mascagni und Giacomo Puccini. In Frankreich entwickelte sich der musikalische Impressionismus. Claude Debussy löste feste Strukturen in feine Abstufungen von Rhythmus, Dynamik und Klangfarbe auf; Maurice Ravel wurde besonders für seine meisterhafte Orchesterbehandlung bekannt. Der Impressionismus wird allerdings häufig bereits der Moderne oder einer eigenen Epoche zugerechnet.
Auch nationale Richtungen entwickelten sich weiter: Ralph Vaughan Williams ließ sich von englischen Volksliedern und Renaissancemusik anregen, Jean Sibelius verband schwermütige Expressivität mit klarer Linienführung, und Isaac Albéniz sowie Enrique Granados erneuerten die spanische Musik. Alexander Skrjabin strebte eine Verbindung von Farben, Klängen und Düften an; Sergei Rachmaninow schrieb melancholisch-pathetische Klaviermusik von großer Virtuosität. Charles Ives gehört nur teilweise zur Spätromantik, da vieles in seinem Werk bereits radikal modern ist.
Romantik als Welterfahrung
Die musikalische Romantik lässt sich nicht vollständig auf eine klar begrenzte Epoche festlegen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren ihre verschiedenen Strömungen noch eng genug verbunden, um vorsichtig von einer romantischen Epoche zu sprechen. Später lebten romantische Inhalte unter anderem bei Wagner, Brahms, Bruckner, Mahler, Hans Pfitzner und sogar in Arnold Schönbergs Verklärte Nacht (1899) weiter. Für diese spätere Zeit ist daher eher von einer romantischen Einstellung als von einer einheitlichen Epoche zu sprechen.
Zu dieser Welterfahrung gehören die Aufhebung gewöhnlicher Zeitlichkeit, die Überschreitung der Grenzen zwischen den Künsten, die Verklärung der Vergangenheit als fernes Ideal, die Entmaterialisierung und Vergeistigung des Klangs sowie die Hinwendung zum Irrationalen und zur Nachtsymbolik. Weitere Merkmale sind starke, zugleich gebrochene Gefühle, offene Formen und die Subjektivierung aller Erfahrung: Eine musikalische Aussage erscheint als Spiegel eines persönlichen Erlebnisses.
Diese Haltung kann bis zur Auflösung des Ichs reichen. Wagner gestaltete in Tristan und Isolde die Vereinigung von Ich und Welt sowie Erlösung durch Selbstauflösung als Grundthemen der Romantik. Gegenbewegungen, unter anderem bei Brahms, Bruckner und Mahler sowie später im Konstruktivismus des 20. Jahrhunderts, suchten dagegen Objektivität, Wirklichkeitsnähe und eine Begrenzung willkürlicher Subjektivität zurückzugewinnen.