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John Barry (Filmkomponist)
John Barry OBE (* 3. November 1933 in York, England als John Barry Prendergast; selten benutztes Pseudonym Michael Angelo; † 30. Januar 2011 in Glen Cove, …
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Bedeutung und musikalische Anfänge
John Barry OBE (John Barry Prendergast; * 3. November 1933 in York, England; † 30. Januar 2011 in Glen Cove, New York) war ein britischer Filmkomponist und Arrangeur. Er zählt zu den erfolgreichsten Filmkomponisten des 20. Jahrhunderts. Besonders bekannt wurde er durch seine Musik zur James-Bond-Filmreihe. Insgesamt gewann er fünf Oscars.
Barry wuchs in York auf. Sein Vater Jack Xavier Prendergast besaß acht Kinos im Norden Englands. Dadurch sah Barry schon als Kind regelmäßig Filme und betrachtete diese Erfahrung später als wichtige Ausbildung für einen Filmkomponisten. Er erhielt Klavierunterricht und wurde als Jugendlicher von Francis Jackson, dem Master of Music der Yorker Kathedrale, musikalisch ausgebildet. Nach dem Zweiten Weltkrieg begeisterte er sich zusätzlich für Jazz.
Anfang der 1950er Jahre nahm Barry bei George Swift Trompetenunterricht und begann zu komponieren. Im Fernstudium beschäftigte er sich mit der Kompositionstechnik des Schillinger-Systems, die auf strikten mathematischen Berechnungen beruht. Während seines Wehrdienstes auf Zypern trat er bereits als Musiker auf.
1957 gründete er die Rock-'n'-Roll- und Jazzband The John Barry Seven. Zu den Mitgliedern gehörten unter anderem Les Reed, Vic Flick, Mike Peters, Jimmy Stead, Dennis King und Doug Wright. Da Barrys Stimme begrenzt war, konzentrierte sich die Gruppe bald auf Instrumentalmusik. Die Singles Zip Zip (1957), Big Guitar (1958) und Hit and Miss (1960) entstanden mit den Produzenten Norman Newell beziehungsweise John Burgess. Hit and Miss erreichte als John Barry Seven Plus Four Rang 10 der britischen Hitparade. Auftritte in BBC-Sendungen, Plattenverkäufe und die Unterstützung seiner Managerin Eve Taylor erleichterten den Einstieg ins Filmgeschäft.
1960 komponierte Barry die Musik zu Beat Girl, dem deutschen Titel Heiß auf nackten Steinen. Der Film nutzte Rock 'n' Roll als wichtigen Bestandteil und sollte auch den Sänger Adam Faith bekannter machen.
James Bond und der Durchbruch
Barrys großer Durchbruch kam mit der James-Bond-Erfolgswelle ab 1962. Für James Bond – 007 jagt Dr. No sollte ein wiedererkennbares Thema entstehen. Monty Norman war als Komponist vorgesehen und schlug zunächst seine 1961 geschriebene, unveröffentlichte Komposition Bad Sign, Good Sign vor. Sie wurde als ungeeignet angesehen; Barry wurde als Arrangeur hinzugezogen.
Am 9. Juni 1962 trafen Norman und Barry erstmals zusammen. Das als James Bond Theme bezeichnete Stück wurde am 21. Juni 1962 in den Cine-Tele Sound-Studios in London mit John Barry Seven & Orchestra aufgenommen. Weitere Aufnahmen folgten am 25. und 26. Juni 1962 in den Denham Filmstudios. Die Single erschien im September 1962 und erreichte im November Rang 13 der britischen Charts. Im Film wurde das Thema erstmals bei der Premiere am 5. Oktober 1962 im London Palladium verwendet.
Die Urheberschaft führte später zu einem Rechtsstreit. Rechtlich galten Monty Norman als Komponist, John Burgess als Musikproduzent und John Barry als Arrangeur. Barry behauptete 1997, er sei der Komponist der Filmmusik. Norman klagte wegen Verleumdung. Zwischen 1976 und 1999 hatte Norman 485.000 £ an Tantiemen erhalten. Der Londoner High Court analysierte im März 2001 die 60 Takte des Stücks. Der eröffnende Bassabschnitt, das Gitarrenriff und Bebop-Phrasen der Bridge stammten aus Barrys Bearbeitung; der Gutachter sah jedoch im Gitarrenriff den Grundgedanken von Normans Bad Sign, Good Sign. Am 19. März 2001 entschied das Gericht zugunsten Normans, der 30.000 Pfund Schmerzensgeld erhielt. Barry wurden nur 10 der 60 Takte zugerechnet. Unbestritten blieb, dass er das Thema 1962 stark veränderte und erweiterte.
Trotz des Urheberrechtsstreits komponierte Barry anschließend die Musik zu zahlreichen Bond-Filmen. Bei Goldfinger (1964) schrieb er gemeinsam mit Anthony Newley und Leslie Bricusse auch das Titellied, das Shirley Bassey sang. Weitere wichtige Bond-Arbeiten waren Feuerball, Man lebt nur zweimal, Im Geheimdienst Ihrer Majestät, Diamantenfieber, Der Mann mit dem goldenen Colt, Moonraker, Octopussy, Im Angesicht des Todes und Der Hauch des Todes. Als Sänger wirkten unter anderem Tom Jones, Nancy Sinatra, Louis Armstrong, Lulu, Rita Coolidge, Duran Duran und A-ha mit; Shirley Bassey sang außerdem die Titellieder zu Diamantenfieber und Moonraker. Mit Unterbrechungen arbeitete Barry bis 1987 an Bond-Produktionen. Nach Der Hauch des Todes betrachtete er das Kapitel James Bond als abgeschlossen. Eine Coverversion von On Her Majesty's Secret Service durch die Propellerheads lenkte in den späten 1990er Jahren erneut Aufmerksamkeit auf seine Bond-Musik.
Hollywood, Stil und Auszeichnungen
Durch den Erfolg der Bond-Filme fasste Barry in Hollywood Fuß. Mitte der 1970er Jahre siedelte er wegen Schwierigkeiten mit dem britischen Fiskus in die USA über, zunächst nach Hollywood und später nach Oyster Bay auf Long Island. Die besonders wichtigen und einfallsreichen Filmmusiken entstanden nach Darstellung des Artikels vor allem zwischen 1962 und 1974. Nach dem Umzug änderte sich sein Stil: Die Musik wurde streicherlastiger und deutlich langsamer, während die ungewöhnlichen Arrangements der Jahre 1964 bis 1969 seltener wurden. In der zweiten Hälfte seiner Karriere wurde ihm deshalb häufig Einfallslosigkeit vorgeworfen.
Zu seinen bedeutenden Filmmusiken gehören unter anderem The Ipcress File, Zulu, Der Löwe im Winter, Asphalt-Cowboy, Der mit dem Wolf tanzt, Jenseits von Afrika, Ein tödlicher Traum, Chaplin und Enigma – Das Geheimnis. Der mit dem Wolf tanzt war Barrys letzte große Rückkehr nach einer schweren Erkrankung und brachte ihm den fünften und letzten Oscar ein. 1988 erlitt er einen Speiseröhrenriss; erst 1990 konnte er wieder arbeiten. Kevin Costner holte ihn für Der mit dem Wolf tanzt.
Insgesamt erhielt Barry fünf Oscars: zwei für Frei geboren – Königin der Wildnis, und zwar für das Beste Lied und die Beste Filmmusik, sowie je einen für die Beste Filmmusik von Der Löwe im Winter, Jenseits von Afrika und Der mit dem Wolf tanzt. Außerdem gewann er vier Grammys. Dreimal war er für eine Goldene Himbeere nominiert; für Legend of the Lone Ranger erhielt er 1981 die Auszeichnung für die Schlechteste Filmmusik.
Seine Filmografie reicht von Beat Girl und weiteren Filmen der frühen 1960er Jahre über zahlreiche Produktionen der 1970er und 1980er Jahre bis zu Enigma – Das Geheimnis (2001). Dazu kamen Themen und Hauptthemen für Fernsehproduktionen wie The Newcomers, Vendetta, Die 2 und Orson Welles' Great Mysteries. In den 1990er Jahren wurden mehrere Arbeiten abgelehnt. 2003 verließ Barry nach Meinungsverschiedenheiten das Projekt The Incredibles; Michael Giacchino übernahm die Musik. Seine letzte vollendete Filmmusik war Enigma – Das Geheimnis (2001).
Abgelehnte Projekte und Bühnenwerke
Bei mehreren Filmen wurde von Barry komponierte Musik nicht oder nur teilweise verwendet. Dabei handelte es sich teils um vollständige Partituren, teils um einzelne Demonstrationsstücke. Zu den abgelehnten oder ersetzten Projekten gehören Sinful Davey (1968; Ersatzkomponist Ken Thorne), First Love (1977; nur Teile blieben im Film), Clash of the Titans (1981; Laurence Rosenthal), Once Bitten (1985; John Du Prez), The Prince of Tides (1991; James Newton Howard), Year of the Comet (1992; Hummie Mann), The Horse Whisperer (1998; Thomas Newman), Ever After (1998; George Fenton), The End of the Affair (1999; Michael Nyman), Goodbye Lover (1999; John Ottman) und The Incredibles (2004; Michael Giacchino).
Barry komponierte auch Musicals. Dazu gehören Passion Flower Hotel (1965), Lolita My Love (1971), Billy (1974), The Little Prince and the Aviator (1981) und Brighton Rock (2004). The Little Prince and the Aviator wurde wegen finanzieller Probleme wenige Tage vor der Premiere abgebrochen. Billy, das Barry 1974 mit Don Black schrieb, war sein erfolgreichstes Musical und trug zum Durchbruch von Michael Crawford als Musicaldarsteller bei. Brighton Rock beruhte auf Graham Greenes gleichnamigem Roman. Die Premiere fand im Herbst 2004 im Londoner Almeida Theater statt; nach überwiegend negativen Kritiken wurde das Stück nach wenigen Vorstellungen abgesetzt.
Zu Barrys Konzeptalben gehören Stringbeat (1961), Americans (1975), The Beyondness of Things (1988) und Eternal Echoes (2001). The Beyondness of Things enthielt Stücke aus der abgelehnten Musik zu The Horse Whisperer, Eternal Echoes ein Stück aus der abgelehnten Musik zu Goodbye Lover. 2006 erschien Here's to the Heroes von The Ten Tenors mit acht beziehungsweise mehreren von Barry und Don Black verfassten Liedern; Barry war außerdem ausführender Produzent. Die Melodie des Titellieds stammte aus dem Soundtrack zu Der mit dem Wolf tanzt.
Späte Jahre, Veröffentlichungen und Privates
In den 1990er Jahren zog sich Barry teilweise aus dem Filmgeschäft zurück. Er lebte zunehmend zurückgezogen mit seiner Frau und seinem Sohn an der Ostküste der USA. 2006 wurde in der Royal Albert Hall ein Tributkonzert veranstaltet, das nur etwa zwei Drittel der Plätze füllte. Beim Festival International Musique & Cinéma D'Auxerre am 16. und 17. November 2007 erhielt Barry den französischen Ordre des Arts et des Lettres. Wegen gesundheitlicher Probleme konnte er Ehrungen in Wien (2009) und Gent (2010) nicht persönlich entgegennehmen. Für Shirley Basseys Album The Performance schrieb er 2009 gemeinsam mit Don Black das Lied Our Time Is Now, seine letzte zu Lebzeiten auf CD veröffentlichte Neukomposition. Barry starb am 30. Januar 2011 in einem Krankenhaus in Glen Cove an den Folgen eines Herzanfalls.
Barrys offizielle Diskografie umfasst Soundtracks, Konzeptalben und Anthologien. Zu den veröffentlichten Soundtracks zählen unter anderem Born Free, The Chase, Dances with Wolves, Diamonds Are Forever, Goldfinger, The Ipcress File, The Lion in Winter, The Living Daylights, Midnight Cowboy, Out of Africa, Thunderball, Walkabout und You Only Live Twice. Bei Raise the Titanic und Walkabout wurden auch Neueinspielungen veröffentlicht. Die Anthologien The Collection: 40 Years of Film Music, The Hits & The Misses, John Barry Revisited, Themependium und Zulu bündeln frühe Werke, bekannte Filmmusik sowie teilweise erstmals auf CD erschienene Stücke.
Seine Mutter Doris Prendergast war Pianistin; sein Bruder Patrick und seine Schwester June waren älter. Barry war von 1959 bis 1963 mit Barbara Pickard, von 1965 bis 1968 mit Jane Birkin und von 1969 bis 1978 mit Jane Sidey verheiratet. Seit dem 3. Januar 1978 war er mit Laurie Barry verheiratet. Er hatte vier Kinder: Susan, Sian, Kate Barry (1967–2013) und Jonpatrick (geb. 1994).