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Der mit dem Wolf tanzt
Der mit dem Wolf tanzt (Originaltitel Dances with Wolves, deutsch „Tanzt-mit-Wölfen“) ist eine US-amerikanisch-britische Literaturverfilmung von 1990 und …
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Film und Bedeutung
„Der mit dem Wolf tanzt“ (Originaltitel „Dances with Wolves“) ist eine US-amerikanisch-britische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1990. Der Western basiert auf Michael Blakes gleichnamigem Roman und war das Regiedebüt von Kevin Costner, der zugleich die Hauptrolle spielte und den Film mitproduzierte. John Barry komponierte die Musik, Dean Semler führte die Kamera und Neil Travis verantwortete den Schnitt. Die Originalsprachen sind Englisch, Lakota und Pawnee.
Der Film handelt von einem Offizier der Nordstaaten, der während des Amerikanischen Bürgerkriegs das Leben und die Kultur der Lakota-Sioux kennenlernt und in ihre Gemeinschaft aufgenommen wird. Bemerkenswert waren besonders die ausführlichen Lakota-Dialoge mit Untertiteln, die Besetzung sämtlicher indigener Rollen mit amerikanischen Ureinwohnern und die überwiegend einfühlsame Darstellung des Indianerlebens. Damit wich der Film deutlich von vielen älteren Hollywood-Western ab.
Es existieren eine ursprüngliche Kinofassung von 181 Minuten und eine Langfassung von 237 Minuten. Trotz anfänglicher Zweifel der Filmindustrie wurde das Werk mit weltweit mehr als 400 Millionen US-Dollar Einspielergebnis ein großer Erfolg. Es trug zur Wiederbelebung des zuvor als unprofitabel geltenden Western-Genres bei.
Handlung
Die Handlung beginnt 1863 während des Sezessionskrieges. Lieutenant John Dunbar soll wegen einer schweren Beinverletzung amputiert werden. Er reitet deshalb in selbstmörderischer Absicht vor die feindlichen Linien, bleibt jedoch unverletzt und trägt durch sein Verhalten zum Sieg der Union bei. Sein Bein wird gerettet; als Belohnung darf er sein Pferd Cisco behalten und seinen nächsten Einsatzort wählen.
Dunbar entscheidet sich für Fort Sedgwick im Grenzland, weil er den Westen kennenlernen möchte. Er findet den Außenposten verlassen und verwahrlost vor und setzt ihn allein instand. Da der Wagenführer Timmons auf der Rückreise von Pawnee getötet wird und der für Dunbars Versetzung zuständige Major Selbstmord begeht, weiß die Armee nicht, wo Dunbar geblieben ist. Seine einzigen Begleiter sind zunächst Cisco und ein Wolf mit weißen Pfoten, den er „Socke“ nennt. Seine Beobachtungen hält Dunbar in einem Tagebuch fest.
Nachdem Sioux versucht haben, Cisco zu stehlen, sucht Dunbar deren Dorf auf. Unterwegs findet er die verletzte weiße Frau „Steht mit einer Faust“, die als Kind einen Pawnee-Überfall überlebt hat und bei den Sioux aufgewachsen ist. Er bringt sie zurück. Besonders der Schamane „Strampelnder Vogel“ erkennt Dunbars friedliche Absichten. Geschenke und Dunbars Hinweis auf eine große Büffelherde schaffen Vertrauen. Bei der Büffeljagd rettet Dunbar dem jungen „Lächelt viel“ das Leben. Wegen seines Umgangs mit Socke erhält er den Namen „Der mit dem Wolf tanzt“.
Dunbar lebt zunehmend im Sioux-Dorf, lernt mit Hilfe von „Steht mit einer Faust“ Lakota und empfindet die Kultur als wohltuend. Als Pawnee das Dorf angreifen, verteilt er Gewehre aus dem Fort und hilft bei der Verteidigung. Dadurch gewinnt er auch das Vertrauen des zunächst feindseligen „Wind in seinem Haar“. Dunbar und „Steht mit einer Faust“ heiraten nach Sioux-Tradition. Zugleich warnt er „Strampelnder Vogel“, dass noch viele Weiße kommen werden.
Vor dem Umzug ins Winterlager kehrt Dunbar zum Fort zurück, um sein Tagebuch zu holen. Inzwischen stationierte Unionssoldaten halten ihn für einen Indianer, erschießen Cisco und nehmen ihn gefangen. Sein von dem Soldaten Spivey gestohlenes Tagebuch kann seine Identität nicht beweisen. Weil Dunbar die Zusammenarbeit gegen die Indianer verweigert, soll er wegen Hochverrats angeklagt werden. Beim Abtransport erschießen Soldaten aus Vergnügen Socke. Sioux überfallen anschließend den Konvoi und befreien Dunbar.
Um den Stamm nicht durch die Suche der Armee zu gefährden, verlassen Dunbar und seine Frau das Winterlager. „Lächelt viel“ gibt ihm das im Fluss gefundene Tagebuch zurück. Die Soldaten erreichen später nur noch das verlassene Lager. Ein Schlusswort berichtet, dass das freie Leben der Sioux durch das weitere Vordringen der Weißen wenige Jahre später endete.
Entstehung und Herstellung
Michael Blake ließ sich unter anderem von dem Sachbuch „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ und einer Begebenheit über eine Nachschublieferung an ein abgelegenes Fort inspirieren. Auf Costners Empfehlung schrieb er innerhalb von neun Monaten einen Roman, der 1988 mit einer Erstauflage von 30.000 Exemplaren erschien. Costner hatte sich zuvor die Filmrechte gesichert und ließ Blake den Stoff als Drehbuch bearbeiten.
Große Studios lehnten das Projekt zunächst ab. Als Risiken galten das damals unprofitable Western-Genre und der Plan, etwa ein Drittel der Dialoge auf Lakota mit englischen Untertiteln zu führen. Costner und Jim Wilson gründeten Tig Productions und begannen mit 70.000 US-Dollar Eigenkapital. Weitere Produzenten und ausländische Investoren finanzierten die Vorproduktion; Orion Pictures brachte nach Drehbeginn 10,5 Millionen US-Dollar ein. Je nach Quelle betrug das Gesamtbudget 15 bis 19 Millionen US-Dollar. Costner steuerte aus seinem Honorar etwa 2,5 bis 3 Millionen US-Dollar bei.
Als Hauptdrehort wurde South Dakota gewählt, vor allem wegen einer etwa 3.500 Tiere umfassenden Büffelherde. Deshalb ersetzte der Film auch die Comanchen des Romans durch Lakota-Sioux. Doris Leader Charge und Albert White Hat übersetzten das Drehbuch ins Lakota; die Schauspieler erhielten einen dreiwöchigen Sprachkurs. Die Dialoge wurden teilweise vereinfacht, wodurch Dunbar stellenweise weibliche Lakota-Wörter verwendet. Für rund 200 Kostüme, Requisiten und Pferdebemalungen orientierte sich das Team an historischen Quellen. Verarbeitet wurden unter anderem Leder von 625 Hirschen und Rehen sowie Büffelhäute, Federn, Perlen und Schmuck.
Sämtliche indigenen Rollen wurden mit amerikanischen Ureinwohnern besetzt; insgesamt wirkten etwa 250 indigene Darsteller mit, darunter ungefähr 150 Sioux aus dem Rosebud-Reservat als Komparsen. Nicht alle Darsteller gehörten jedoch den Sioux an: Graham Greene war Oneida, Tantoo Cardinal Cree und Chippewa, Rodney A. Grant Omaha.
Die Dreharbeiten dauerten vom 17. Juli bis etwa 21.–23. November 1989 und fanden an 27 Orten statt. Für die Büffelszenen wurden neben der Herde unter anderem ein Hubschrauber, zehn Kleintransporter, 24 indigene Reiter und 20 Cowboys eingesetzt; getötete Büffel waren Drahtattrappen mit Fell. Die Produktion überschritt den Zeitplan um 23 bis 30 Tage und das Budget um rund 1,8 Millionen US-Dollar. Costner erklärte, der fertige Film enthalte mit Ausnahme einer Aufnahme grasender Büffel keine Spezialeffekte.
Fassungen und Veröffentlichung
Die Weltpremiere fand am 19. Oktober 1990 in Washington, D.C. statt. Der US-Kinostart folgte am 9. November zunächst in neun Großstädten und am 21. November landesweit in mindestens 750 Kinos. In Deutschland begann die Aufführung je nach Quelle am 14., 20. oder 21. Februar 1991, in Österreich am 22. Februar. Der Film spielte in den USA 184,2 Millionen US-Dollar und in den übrigen Ländern 240 Millionen US-Dollar ein. Mit 6,7 Millionen Besuchern war er 1991 der meistgesehene Kinofilm Deutschlands.
Die Langfassung entstand ursprünglich für Länder außerhalb der USA. Sie enthält alle Szenen der Kurzfassung, zusätzliches Material und teilweise eine andere Szenenfolge. Ihre erste belegte Aufführung erfolgte am 20. Dezember 1991 in London. In Deutschland startete sie am 7. Mai 1992 als „Spezial Edition“ und erreichte etwa 140.000 Zuschauer. In den USA zeigte ABC sie am 7. und 10. November 1993 als Miniserie; ein dortiger Kinostart ist nicht belegt.
Die zusätzlichen Szenen erklären insbesondere, dass die ursprüngliche Besatzung von Fort Sedgwick wegen der Vernachlässigung des Postens meuterte und das Fort verließ. Weitere Ergänzungen zeigen einen von Weißen verschmutzten Wald, die Tötung von Büffeln durch weiße Jäger und ausführlichere Begegnungen zwischen Dunbar und „Steht mit einer Faust“. Beide Fassungen erschienen später unter wechselnden Bezeichnungen auf VHS, LaserDisc, DVD und Blu-ray, weshalb Namen wie „Director’s Cut“, „Kinolangfassung“ oder „Extended Edition“ nicht einheitlich verwendet wurden.
Gestaltung und Deutung
Der Film wird als Spätwestern beziehungsweise Anti-Western eingeordnet. Dunbar tritt als Ich-Erzähler auf: Seine Stimme aus dem Off gibt meist Gedanken aus seinem Tagebuch wieder und macht seinen langsamen Erkenntnisprozess sichtbar. Die ruhige, breite Inszenierung und zahlreiche Panoramaaufnahmen stellen Menschen als Teil der Landschaft dar. Wenn das Verhältnis zwischen Mensch und Natur bedroht ist, verengt sich der Blick. Gegensätze prägen besonders die Langfassung: der weiten, schönen Prärie stehen das enge Fort, Tierkadaver und von Weißen hinterlassener Müll gegenüber. John Barrys überwiegend elegische Musik unterstützt diese Wirkung.
Dunbars Annäherung an die Lakota erfolgt schrittweise. Er legt Bart, Uniformjacke und Hut ab, trägt indigene Kleidung, lernt die Sprache und heiratet. Der Anblick enthäuteter, achtlos zurückgelassener Büffel bildet einen entscheidenden Wendepunkt. Manche Deutungen sprechen von „Going native“, also einem Ablegen der bisherigen Kultur zugunsten einer einheimischen Identität. Randall A. Lake widersprach: Dunbar gebe seine euro-amerikanische Identität nie vollständig auf, sondern finde in einer neuen Umgebung andere Ausdrucksmöglichkeiten. Seine Zugehörigkeit bleibe daher mehrdeutig.
Umstritten ist außerdem die Einordnung als „White savior“-Geschichte, in der ein weißer Held Nichtweiße rettet und diese dadurch als hilflos erscheinen können. Russell Means und Ward Churchill sahen Dunbar in dieser Tradition. Andere Bewertungen betonen dagegen die Eigenständigkeit und Unterschiedlichkeit der Lakota-Figuren.
Film und Roman unterscheiden sich wesentlich: Der Roman spielt bei Comanchen in Texas, der Film bei Lakota in South Dakota. Im Roman bleibt Dunbar auf Wunsch von Zehn Bären im Dorf; im Film verlässt er es zum Schutz des Stammes. Historisch ungenau sind unter anderem die Zuordnung von Zehn Bären zu den Lakota und der Wintermarsch der US-Armee 1864. Nach Edward D. Castillo fand der erste solche Wintermarsch in den Great Plains erst im November 1868 statt.
Kontroversen, Auszeichnungen und Wirkung
Die Darstellung der Lakota wurde vielfach als Korrektur älterer Westernklischees gewürdigt. Positiv hervorgehoben wurden ihre Sprache, ihr Familien- und Gemeinschaftsleben sowie die verschiedenen Positionen innerhalb des Stammes. Kritik richtete sich dagegen auf die Pawnee, die überwiegend eindimensional als gewalttätige Gegner erscheinen. Auch die Darstellung der Weißen blieb umstritten: Manche Kritiker sahen in den Unionssoldaten einen manipulativ brutalen Mob und im Film eine schematische Umkehr älterer Schwarz-Weiß-Bilder. Entsprechend wurde unterschiedlich beurteilt, ob das Werk tatsächlich ein revisionistischer Western ist oder lediglich bekannte Rollen vertauscht. Auch das Bild besonders naturverbundener, sanftmütiger Lakota galt teils als ein neues Idealbild statt als vollständige Überwindung von Klischees.
Die Langfassung wurde mehrheitlich positiv aufgenommen, weil sie die Vorgeschichte des Forts, Dunbars Beziehung und die Konflikte zwischen den Kulturen verständlicher und weniger idealisiert darstelle. Andere hielten ihre zusätzliche Länge für unnötig.
Bei der Oscarverleihung 1991 gewann der Film sieben Preise: Bester Film, Beste Regie, Kamera, Musik, Schnitt, Ton und adaptiertes Drehbuch. Costner, Graham Greene und Mary McDonnell waren für ihre schauspielerischen Leistungen nominiert. Hinzu kamen drei Golden Globes für Film, Regie und Drehbuch sowie zahlreiche weitere Ehrungen. 2007 nahm die Library of Congress das Werk als besonders erhaltenswert in das National Film Registry auf.
Der Roman wurde nach dem Film zum Bestseller. Michael Blake veröffentlichte 2001 die Fortsetzung „Der Tanz des Kriegers“, deren geplante Verfilmung nicht verwirklicht wurde. Der Erfolg förderte weitere Filme mit sympathisch gezeichneten amerikanischen Ureinwohnern und beeinflusste spätere Werke wie „Last Samurai“ (2003) und „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009).